Was Deutschland zusammenhält - Ein Praktikant wird entmachtet - Schwerte ist nicht Schwerte

Pataphysische Forschungsreise (4.1)
Soest – Werl – Wickede – Fröndenberg – Schwerte - ca. 53 km
Teil 1.1 - Teil 1.2 - Teil 2.1 - Teil 2.2 - Teil 3.1 - Teil 3.2

Soest - Schwerte

Meine Moral ist im Keller, was nicht an den anzüglichen Wortspielen liegt, die mir in Soest unterkamen. Die Tour ist verflucht ungesellig. Ich treffe keine Radfahrer, fahre meine Texte spazieren und finde keine Gelegenheit zu lesen. Der ständige Regen zehrt an meinen Kräften. Inzwischen packe ich morgens nicht, sondern stopfe alles nur irgendwie in die Taschen. Ab und zu telefoniere ich mit meiner Freundin und lasse mich ein bisschen ermuntern. Aus Aachen ruft mein Freund Thomas an und fragt, wo ich bin.

„Hinter Werl, es geht bergauf und regnet wie Sau.“
„Ich habe drei Kerzen für dich in St. Foillan aufgestellt, damit das Wetter besser wird!“


Wer solche Unterstützung hat, ist nicht verloren. In Essen erwartet mich morgen Blogfreundin Klar-a, vorher werde ich meinen Sohn Malte treffen, der schon geraume Zeit im Ruhrgebiet lebt und mich ein Stück begleiten will. Das alles tröstet, aber ich kriege kaum noch die Pedale rund. In Werl habe ich mir flüchtig die Innenstadt angesehen, vor einer Bäckerei ein Käsebrötchen gegessen und mir die Fahrradhandschuhe mit Remoulade eingesaut. Regen und Remoulade verfolgen mich hartnäckig. Der Regen wird bald aufhören. Aber der heilige Foillan wird seine Mühe haben, denn das Wetter darf schon seit Tagen ein Praktikant machen. Die Remoulade könnte ich loswerden, indem ich unterwegs etwas anderes esse als Käsebrötchen aus der Bäckerei. Aber inzwischen plagt mich ein wissenschaftliches Interesse. Soll es denn tatsächlich so sein, dass man von Hannover bis Aachen Remoulade auf die Brötchen schmiert? Ist Remoulade am Ende der Stoff, der Deutschland zusammenhält?

Ich möchte nicht wissen, wie viel Remoulade täglich durch die Verdauungstrakte der Deutschen gepumpt wird. Und wo ist die Quelle? Wo entspringt der Strom? Gibt es irgendwo unter der Erde einen schwabbelnden Remouladensee, aus dem er machtvoll hervorbricht? Kann man Boot darauf fahren, ist er am Ende sogar schiffbar und fette Remouladenköche fahren Patrouille? Wann, wie und warum kam die Remoulade in Deutschland an die Macht? Wie gelang es ihr, die regionalen Vorlieben zu überfluten? So eine aufdringliche Soße, die alle Geschmacksknospen versklavt und ungemein träge macht, sollte sie nicht wenigstens erst ab 18 sein? Mit solchen Fragen lenke ich mich ab von der Steigung, die nicht enden will, weil Regen und Gegenwind mich ausbremsen.

Auf dem Höhenrücken biegt ein Weg ab in den Wald. Unten muss das Ruhrtal sein. Ein erhitzter junger Mann auf dem Mountainbike kommt mir entgegen. Ja, ich sei auf dem richtigen Weg. Gleich gehe es steil bergab, und hinter einer Schranke werde der Belag auch besser. Tatsächlich, die Abfahrt über den aufgeweichten Waldweg dauert nicht lange, da gibt der tropfende Wald mich frei, ich sause hinaus und bin in Wickede an der Ruhr. Inzwischen hat St. Foillan den Praktikanten abgewatscht, und sobald ich in den Ruhrtalradweg einbiege, kommt die Sonne hervor. Danke, Thomas! Danke, hl. Foillan! O du herrlicher Sonnenball, mein Herz hüpft! Ich setze mich auf eine Bank und lasse mich bescheinen. Ein Schmetterling fliegt vorbei. Er hat die Regenfluten überlebt, welch ein Glück für unsere Urenkel. Sie müssen sich vielleicht gar nicht von Remoulade ernähren. Jetzt ist die Killersoße auf ihrem Zenit, beherrscht das Land von Ost nach West, von Nord bis Süd. Aber es wird ihr gehen wie dem Toast Hawaii. Dereinst wird sie nur noch Folklore sein, und keiner will sie mehr haben. Wenn jetzt nur nicht in Erikas Kneipe der allwissende Akrobat vom Thekenhocker fällt, einen trunkenen Soester Schmetterling unter sich begräbt und alles verdirbt.

Der Ruhrtalradweg ist eine beliebte Radfahrstrecke. Er ist Teil der Kaiserroute, die von Aachen nach Paderborn führt. Schon sehe ich die vertrauten Hinweisschilder. Zweimal bin ich die Tour von Aachen aus geradelt. Ich treffe eine Familie, Vater, Mutter, eine Tochter, zwei Söhne. Sie sind bis Winterberg im Sauerland mit dem Zug gefahren und rollen von dort mit den Rädern zurück nach Duisburg. „Das ist wie Motorradfahren“, sagt der Vater. Im Ruhrtal muss aber wieder gestrampelt werden. Hinter Fröndenberg ist die Route nicht gänzlich flach. Manchmal ragen Bergzungen bis dicht an die Ruhr. Vor vier Jahren haben ein Freund und ich prima im Fröndenberger "Haus Ruhrbrücke" übernachtet. Heute komme ich aus der Gegenrichtung und erkenne das Hotel erst wieder, als ich auf der Brücke bin, wo der Radweg auf die andere Ruhrseite führt. Wie ich von der Brücke aus zurückschaue, wirkt alles wie früher. Der einzige Unterschied, ich habe mir heute Morgen beim Rasieren ins Philtrum geschnitten, und vor vier Jahren wusste ich nicht mal, wie dieser Bereich zwischen Nase und Oberlippe heißt, was vermutlich der Grund ist, dass ich mich woanders schnitt.

Sich ins Philtrum zu schneiden, das kann entstellen. Als ich noch für die Titanic „Briefe an die Leser“ schrieb, traf ich auf dem Titanic-Buchmessenfest einmal die Zeichnerin Hilke Raddatz. Sie macht die Karikaturen zu den Briefen, wenn ein Prominenter darin vorkommt. Jedenfalls, ach, guck mal, wie schön die Ruhr in der Sonne glitzert. Wie herrlich ist es auf der Sonnenseite des Lebens! Also, da sagte mir Hilke Raddatz, dass bei den Karikaturen der Bereich zwischen Nase und Oberlippe für das Wieder erkennen wichtig sei. Das wusste ich nicht, aber jetzt weiß ich, die Furche in der Mitte dieser Stelle heißt Philtrum, wobei Furche nicht wirklich trifft, denn es ist ja mehr ein sanftes Tal, das sich vor der Oberlippe zum Amorbogen aufschwingt. Der Amorbogen galt in der Antike als wichtige erogene Zone. Sonst würde er auch nicht Amorbogen heißen sondern vielleicht Oberlippenbraue. Oder Schwerte. Das ist aber nicht der sanfte Ausläufer des Philtrums, sondern unser Zielort, ein altes Ruhrstädtchen mit einem schiefen Kirchturm.

Man kann übrigens Schneider heißen und später Schwerte. Der ehemalige Rektor der RWTH Aachen hat es vorgemacht. Als eifriger Nationalsozialist war er Mitglied der verbrecherischen Organisation Ahnenerbe gewesen. Da hat er Hans Ernst Schneider geheißen. In den Nachkriegswirren ist er untergetaucht, seine Frau ließ ihn für tot erklären, und bald kam er als Hans Schwerte wieder ans Tageslicht und machte an der Hochschule Karriere. Es gab Mitwisser, doch man ließ ihn gewähren, behängte ihn sogar mit dem Bundesverdienstkreuz. Er war bereits 86 Jahre alt, als er von Reportern des niederländischen Fernsehens enttarnt wurde. Psychologisch interessant ist die Form des Namenswandels von Schneider zu Schwerte. Mit dem Schwerte schneiden. Bei solchen Assoziationen kriegt man das Gruseln


Ich ärgere mich, dass ich bei Schwerte immer an diesen Kerl denken muss. Das hat die Stadt nicht verdient. Die Menschen dort sind freundlich, wie überhaupt an der Ruhr. Jedenfalls kann ich über Schwerte nur Gutes sagen, aber zwei Punkte wären anzumerken:

1) Die Kirche mit dem schiefen Turm ist kein guter Veranstaltungsort.
2) In Schwerte finden rätselhaft surreale Schlemmerorgien statt.


Fortsetzung: Verwinkeltes im Inneren Kino - Traurige Gitarristen - Nie sah ich Bräute breiter beißen
2028 mal gelesen
walhalladada - 3. Sep, 13:38

Ungefragt, Remoulade, lieber Trithemius!

Trithemius - 3. Sep, 17:00

Der Stoff, der Deutschland zusammen hält, lieber Herr Doktor?
Mimiotschka - 3. Sep, 14:02

Ich habe keinen ausgesprochenen Hang zur Folklore, aber seltsamerweise dachte ich in den letzten Tagen doch öfter an das beliebte Toast Hawaii. Ich habe es früher immer ohne Schinken gegessen, also nur Toast, Ananas aus der Dose und eine Scheibe Schmelzkäse. Da habe ich sogar mal an die Sendung mit der Maus geschrieben, ob sie einen Film darüber machen wie diese Scheibletten hergestellt werden. Jedenfalls dachte ich erst gestern wieder, dass ich so eine Toast mal wieder essen könnte. Gerne auch ganz ohne Remoulade!

Trithemius - 3. Sep, 17:03

Der Toast Hawaii gehört ja eigentlich in die 50er Jahre und soll, wie man dem Artikel bei Wikipedia entnehmen kann, vom ersten deutschen Fernsehkoch Clemens Wilmenrod kreiert worden sein. Da waren Sie doch noch gar nicht auf der Welt, liebe Mimiotschka.
Hat die Maus denn geantwortet? Sie müsste doch an Käse ein gesteigertes Interesse haben.
Eugene Faust - 3. Sep, 14:09

Ich musste bei den patrouillierenden Remouladenköchen natürlich sofort an dieses Bild von Ernst Kahl denken.

Die Entstehungsgeschichte der Remoulade ist übrigens nicht völlig geklärt. Sie ist von ihrer Grundlage her entweder einer Kapitulation zu verdanken oder aus der Not geboren. Ihr Hauptproblem, lieber Trithemius, nimmt wohl seinen Anfang in der britischen Sandwichkultur.

Trithemius - 3. Sep, 17:12

Und ich dachte noch heute Morgen: Soll ich die fetten Köchen auf dem Remouladensee drinlassen? Ist's nicht zu weit hergeholt? Da halten Sie mir ein treffendes Bild vom geschätzten Ernst Kahl vor. Das kannte ich nicht, habs jedenfalls bewusst nie gesehen.

Die kulturelle Übernahme anglo-amerikanischen Gewohnheiten begleitet uns ja schon seit der Nachkriegszeit. Doch ich habe gelesen, dass die Remoulade französischen Ursprungs wäre. Egal. Möglicher Weise widerstehen nur die Kölner beim Käsebrötchen, das dort "Halve Hahn" heißt und nie und nimmer mit Remoulade in Berührung kommen darf.
http://de.wikipedia.org/wiki/Halver_Hahn
Mir war das schon ganz entfallen, wenn Careca nicht darauf aufmerksam gemacht hätte. Da kann man sehen, wie mächtig die Remoulade ist.
Careca - 3. Sep, 15:44

Remoulade, der Saft der saftig macht

Remoulade wird bekanntermaßen aus Analogkäse gemacht. Und da niemand mehr Analogkäse will und das Zeug irgendwohin muss - noch bevor es von Bayern in Gammeldönern gemischt den Herkunftsort als Täter zum zweiten Mal aufsucht - kommt es jetzt auf jeden "Halven Hahn", den du zu fleddern vorhast.
"Schwerte" ist mir noch ein Begriff. Da wurde von entsprechenden Stellen euphemisiert bis zum Abwinken. Definitiv kein Ruhmesblatt der RWTH. Absolut keines. Aber wer will das schon hören. Wedeking war der RWTH-Musterschüler und der Vorzeige-Ex-Student. Ein "Schneider"-"Schwerte" lediglich ein Betriebsunfall und insofern ein Glücksfall, dass er kein Sozi, 68er oder Komi war .... oder so ... .

Trithemius - 3. Sep, 17:33

Dankeschön, dass du auf den "Halve Hahn" aufmerksam machst. Mir war der entfallen. Wenn er in Remoulde schwimmen wollte, dann würde er doch "Halve Ent" oder "Halve Jans" heißen. Würde mich nicht wundern, wenn du Recht hättest mit deiner Analog-Käse-Vermutung. Die Remoulade wird ja in der Gastronomie in Eimern eingekauft, wahrscheinlich ohne Beipackzettel.

Viele meiner älteren Kollegen hatten bei Schwerte studiert. Und er galt lange Zeit als linksliberal, weshalb sie aus allen Wolken fielen, als seine wahre Identität bekannt wurde. An der RWTH sollen einige seiner Professoren-Kollegen bescheid gewusst haben. Man kann froh sein, dass inzwischen die Altnazi fast alle das Zeitliche gesegnet haben.
Heinrich.Sch - 4. Sep, 01:19

Ist schon interessant, da schreibt der Trithemius einen herzerweichenden Bericht seines einsamen Rittes gen Aachen, und wir kleben an der Remoulade fest.

So ekelig Remoulade auf Brötchen sein mag (jedenfalls auf Marmeladebrötchen), so wohlklingend ist das Wort an sich. In Remoulade steckt die Erwiderung einer Moulade, eine ganze Roulade und eine Lade voller Remou. Da wundert es nicht, dass ich mitten in der Nacht Appetit auf Sülze, Sauerfleisch oder HotDog bekomme. Da gehört Remoulade auf jeden Fall dazu, egal ob deutsch oder dänisch.
Das dazu!

Gruß Heinrich
Trithemius - 4. Sep, 10:06

Der Running-Gag mit der Remoulade hat bald ein End wie auch meine Jammerei über den Regen. Tatsächlich blieb ich ab Ruhrtal bis Aachen vom Regen verschont. Interessant finde ich Ihren Hinweis auf den Wohlklang des Wortes Remoulade, er begünstigt vielleicht ihren Erfolg. Das war mir bislang nicht aufgefallen, aber ich muss Ihnen Recht geben. Über das Phänomen, dass Männer nachts die Küche plündern, darüber hat der Berliner Flaneur Walther Kiaulehn schon in den 30ern sehr erheiternd geschrieben.

Schöne Grüße
Trithemius
nömix - 4. Sep, 10:54

Wehret der Remoulade!
Kontramoulade ist die Devise.
Trithemius - 4. Sep, 11:11

Kontramoulade

klingt auch noch hübsch!
Tolles Wortspiel.
Heinrich.Sch - 5. Sep, 04:38

Lieber Trithemius,
die Erwähnung von Walther Kiaulehn hat mich neugierig gemacht. Um meiner Liebsten in Selbstanklage den Beweis zu bringen, dass meine nächtlichen Fressgelüste schon 1930 dokumentiert wurden, habe ich die von Ihnen erwähnte Erheiterung gesucht. Ich habe aber in Googles Cache nur Bruchstücke gefunden, und die so gut es mir möglich war, zusammengesetzt.

Wie ich las, hat Eugene Faust ebenfalls Recherchen für das Teppichhaus übernommen - so wächst Ihr Redaktionsteam ehrenamtlicher Mitarbeiter stetig. ;)

Keine Stadt ist hungriger als diese

von Walter Kiaulehn

Auf dem Grunde der Berliner Seele, unerkannt und nie erforscht, wohnt eine Art von Urhunger. Er ist dem Berliner unbewusst und ist wahrscheinlich die tätige Erinnerung an die Vorfahren, die einst aus allen deutschen Gauen hungernd bis an den Strand der Spree gezogen sind. In Kriegs- und Notzeiten wird das große ‚Bulettengespräch‘ überall auf der Welt geführt. Der Berliner indes fühlt sich zu jeder Tages- und Nachtzeit von dem Schreckensgespenst des Hungers gequält. Gewiss, auch in anderen Ländern geht man nachts noch etwas essen. Die Böhmen beispielsweise sind eine Nation von Wurstessern, und Prag ist eine Stadt, die ihren Mitternachtsappetit an den fliegenden Wurst ständen befriedigt, die Wiener haben ihre Gulaschhütten, und in Paris gibt es bei den Markthallen die ganze Nacht hindurch Zwiebelsuppe. Der Berliner jedoch kann noch um drei Uhr morgens Erbsensuppe mit Speck essen, ohne von Magendrücken geplagt zu werden. Ständig ist ein großer Teil der Berliner auf dem Sprung, den noch größeren Teil vor plötzlich auftretendem Hunger zu schützen. Als Erste Hilfe sind die Wurstmaxen unterwegs, selbst auf den Stadtbahnhöfen gibt es Imbissstände und für den allerdringendsten Fall hat der Berliner immer eine Stulle bei sich. Die Stulle ist ein belegtes Klappbrot. Aber was sind Worte? Das Wort Stulle (sprich: Schtulle) ist ein Mutterlaut, nicht zu vergleichen mit dem feinen Wort ‚Sandwich‘. Ein Sandwich ist ein zusammengeklapptes Weißbrot, wie es der Kammerdiener des Earl of Sandwich erfand, damit sein Herr sich beim Kartenspiel nicht die Fingerspitzen fettig machte. Die Berliner Stulle jedoch ist aus Schwarzbrot und darum schon aus lauter Poesie; sie ist die unzerreißbare Nabelschnur, die den Berliner ständig an ‚Muttern‘ bindet. Berliner Kinderfreundschaften beginnen mit dem Stullentausch auf dem Schulhof. „Erwin seine Stullen sint jut“, heißt nicht, sie sind feiner belegt, sondern nur, sie schmecken so sympathisch. ‚Stulle‘ ist ein obersächsisches Wort für ,Laib‘; in Dresden bäckt man den

Berlin, du bist die Frau mit der Schürze, an der wir unser Leben lang ziehn. Berlin, du gibst dem Taufschein die Würze, und hast uns den „Na und“ als Rettungsring verliehn. (Hildegard Knef)
...
Aus seinem Buch:
Berlin: Schicksal einer Weltstadt.
Trithemius - 5. Sep, 21:17

Wer solche ehrenamtlichen Redakteure hat, kann sich glücklich schätzen, lieber Heinrich. Erstaunlich, was Sie da zusammengetragen haben. Da lernt man einiges über das Lebensgefühl der Berliner und versteht auch, dass sie sich selbst genug sind, wenngleich heute manches im postmodernen Gewand daherkommen wird.

Kiaulehn hat auch über das speziell von Ihnen angesprochene Phänomen geschrieben, warum die Männer manchmal den Drang haben, nachts die Küche plündern. Das steht in seinem "Lesebuch für Lächler". Habs grad nicht zur Hand, ich würde Ihnen gerne damit dienen.

Herzlichst Ihr
Trithemius
Geißenhotz (Gast) - 6. Sep, 18:27

Schwerte ist überall

Ja, die Ur- Schwertes sterben langsam aus und hinterlassen ihre feixenden Erben der arisierten Güter, wohlsituiert, hochverehrt, heimliche Herrscher in den Gemeinwesen, ohne Scham, die geraubten Pfründe als uralte Familienbetriebe zu deklarieren, indem sie die vertriebenen, ermordeten Nichtarier einfach posthum zwangsadoptieren. An diese Enttarnungen wird sich niemand wagen. Bitter: Geißenhotz
Trithemius - 19. Sep, 16:34

@ Geißenhotz

Ist es nicht immer so gewesen? Wenn die Zeit über Raub und Mord gegangen ist, sind die Erben und Nutznießer der Untaten geadelt und danach unanfechtbar. Die Gewinnlern aus der Nazizeit, soweit sie bekannt sind, können sich auch schon darauf berufen, sie hätten ja das Verbrechen nicht begangen. Etwas Positives: Bei meinen Recherchen zu den Texten habe ich bei allen Wikipediaeinträgen zu den Städten auch einen Abschnitt gefunden, der die Nazigreuel in der Stadt dokumentiert. Das ist nicht erfreulich zu lesen, aber gut so.

Trithemius
Freundliche Grüße
maranaZ3 (Gast) - 4. Sep, 10:49

O heiliger St.Foillan ...

Da zermartere ich mir den Kopf, welchen Dienstes dieses Allroundunterstützers (St. Foillan gilt als der Heilige der Brückenbauer, Zahnärzte, Chirurgen und Kinderschwestern.([Wikipedia])
du bedürftig gewesen hättest sein können und grübel über wetterspezifischen Ambitionen des genannten Heiligen nach, bis ich endlich kapiere, dass das Haus des Heiligen St. Foillan wahrscheinlich beim Thomas vor der Haustür liegt in unmittelbarer Nachbarschaft des Aachener Domes, und dass deshalb dort die Kerzen entzündet wurden. Fürbitte, egal wo, wofür, warum und bei wem, kann nie schaden.
Hat ja auch geholfen.
:-)

Trithemius - 4. Sep, 11:08

Du hast es erfasst, Marana. Oder beinahe. Tatsächlich geht Thomas wohl häufig an St. Foillan vorbei, wenn er auf dem Weg zum Aachener Markt ist. Mit St. Foillan hat es zudem diese Bewandtnis: Obwohl der Heilige der Schutzpatron der von dir aufgezählten Personenkreise ist, werden ihm auch ständig andere Bitten angetragen. An einer Säule beim Eingang hängen immer wieder Zettel, und ich glaube, es gibt auch ein dickes Buch, wo sie später eingeklebt werden. Aber ganz genau weiß ich es nicht, denn ich bin schon lange nicht mehr hineingegegangen. Die Kerzen haben jedenfalls geholfen, schon allein der Gedanke, dass Thomas so etwas für mich gemacht hat, war eine moralische Aufrichtung. Er ist übrigens die reale Person hinter dem Professor für Pataphysik Jeremias Coster. Den hatte ich zwar schon erfunden, als ich Thomas noch gar nicht kannte, doch durch ihn bekam sie Farbe.

Zu sehen ist er übrigens hier
http://www.youtube.com/watch?v=XLLTCDzLf1c
Merzmensch - 5. Sep, 00:12

Philtrum - ein neues Wort, das ich heute dank Dir, lieber Trithemius, gelernt habe. Schön ist es, langsam Bezeichnungen für jede Welterscheinung zu entdecken.

Trithemius - 5. Sep, 21:21

Du als polyglotter Mann bist da bestimmt schon weiter als ich, lieber Merzmensch. Vermutlich weißt du sogar, wie die Japaner das Philtrum nennen und welche Sorte Ikebana sie damit machen.

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