Einvernehmen mit Frau Nettesheim

trithemius & Frau NettesheimFrau Nettesheim
Mussten Sie Herrn Reich-Ranicki so schurigeln?

Trithemius
Natürlich, da bin ich altmodisch. Es ist ein Verstoß gegen die guten Sitten, wenn Prominente Produkte anpreisen. Marcel Reich-Ranicki bewirbt zudem ein Produkt aus seinem Metier. Das wirft ein schlechtes Licht auf seine Unabhängigkeit als Kritiker.

Frau Nettesheim
Er ist doch Literaturkritiker und wirbt für ein Online Lexikon.

Trithemius
Eben, Frau Nettesheim. Ich wüsste nicht, was Reich-Ranicki befähigt, die Qualität eines Lexikons zu beurteilen, das tendenziell nicht endlich ist, da es immerzu fortgeschrieben wird. Zumindest die Aussage: „Leider nichts zu kritisieren“ ist falsch, denn selbstverständlich enthalten auch Lexika Fehler.

Frau Nettesheim
Bei Online-Lexika können sie rasch korrigiert werden.

Trithemius
Vorausgesetzt, sie fallen jemandem auf, der sich die Mühe macht, die jeweilige Redaktion zu verständigen. Da Spiegel Wissen auch die Einträge von Wikipedia sowie "freie journalistische Quellen“ einbezieht, ist das ganze Projekt eine unsichere Angelegenheit. Journalistische Quellen sind Fehlerquellen, da man immer öfter ohne zu prüfen voneinander abschreibt. Auf diese Weise entstehen Pseudofakten, die ihre Gültigkeit aus der Häufigkeit ihres Auftretens beziehen. Und wie anfällig Wikipedia für gezielte Desinformation ist, brauche ich Ihnen nicht zu erklären, Frau Nettesheim. Bei allen Infomationen ist eine gesunde Skepsis zu empfehlen, das gilt besonders für die aus dem Internet.

Frau Nettesheim
Und was ist mit Reich-Ranickis Altersbonus?

Trithemius
Quark. Er will doch hoffentlich noch ernst genommen werden.

Frau Nettesheim
Ich fürchte, Sie sind zur Zeit recht ungnädig, Herr Teppichhändler.

Trithemius
Überhaupt nicht, Frau Nettesheim. Zum Beispiel lasse ich Ihnen einfach so durchgehen, dass Sie sich in letzter Zeit so rar gemacht haben.

Frau Nettesheim
Und ich lasse Ihnen einfach so durchgehen, dass Sie meine Dienste in Anspruch nehmen, wie Sie gerade lustig sind.

Trithemius
Welch herrliches Einvernehmen, Verehrteste.
1730 mal gelesen

Autistengruß

Aus technischen Gründen in der Cafeteria ...
1517 mal gelesen

Ein wunderbares Leben

Eine neue Folge von: Spasss im Teppichhaus.
Aus technischen Gründen in der Cafeteria ...
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Kopfkino - Bitte warten

Damen-Herren-Fertigungsladen

Obwohl noch heller Tag muss ich Licht machen, damit nicht wieder die Dunkelheit über mich hereinbricht, derweil ich nur Augen für Tastatur und Bildschirm habe, wie es gestern geschah. Plötzlich hielt ich mit dem Schreiben inne. Nur der Bildschirm spendete Licht, und ich hockte davor wie an einem Herdfeuer. Mir war, als wäre ich aus der Welt gerutscht. Doch der Bildschirm ist ein Bildschirm, ein Herdfeuer ist ein Herdfeuer, und tatsächlich rutschte ich erst in der Nacht aus der Welt. Ich lag wach, horchte in die Stille und wie ich rückwärts hochschaute, war über meinem Kopfkissen ein schmaler gelber Lichtfleck an der Wand, der wie ein Irrlicht zitterte. Wo kam er her? Natürlich, ich hatte die Vorhänge des östlichen Fensters nicht richtig zugezogen, das Irrlicht kam von der Laterne draußen. Ein heftiger Nachtwind zerrte an ihr.

Da stellte ich mir vor, einen Text zu schreiben, meine Gedanken sollten zur Wand hochgehen, den Lichtschein einfangen und darauf zum hohen Fenster gleiten, sich den Weg durch die Vorhänge suchen und in die Leuchtröhre der im Wind schaukelnden Laterne eintauchen. Hier wäre keine nächtliche Stadt und kein Wind, - hier ist im hellen Licht nicht einmal ein Gedanke außer meinem. Und der droht wie ein Insekt zu verschmoren. Und doch, es ist so schön, den Gedanken eine Weile zu lassen, wo nicht Welt ist, sondern Licht. Allerdings, das gebe ich zu, ein Gedanke außerhalb der Welt ist reine Spielerei und zu nichts wirklich gut.

Dass ich aus der
Welt rutschte, hat nichts mit dem im Licht verlorenen Gedanken zu tun. In den Nachrichten wurde berichtet, dass man die Zeit umgestellt habe, just als mein Gedanke in der Laterne verschwand. Also, man sagte nichts über meinen verlorenen Gedanken, sondern über eine Stunde, die verloren ging, ohne dass ich es bemerkte. Da war kein Rumpeln aus gigantischen Räderwerken, kein irres Rasen von Zahnrädern, kein Rasseln von Antriebsketten. Nichts war zu hören. Die Nacht war still. Es ging nur ein heftiger Wind.

Heute Morgen sah ich, dass den Uhren nicht mehr zu trauen ist. Sie zeigen verschiedene Stunden an. Mal war sieben, mal acht, o Gott, wo gehöre ich hin? Meine innere Uhr neigt der Vergangenheit zu, will sieben haben, wo acht ist. Wie soll ich sie dazu bewegen, den Zeitsprung zu machen, wo ich doch selber nicht springen will. Alles in mir verweigert den Zeitverschiebern die Gefolgschaft. Was bilden sich die Herrschaften ein? Wer hat sie befugt, meinen Zeittakt zu verändern? Das ist keine kleine Sache, um Himmels willen nicht. Denn ich habe kein Räderwerk in mir, das sich so einfach beschleunigen oder bremsen lässt. Für solche Eskapaden bin ich nicht angefertigt.

Über meinem Kopf mag ein huschender Lichtschein sein, der meine Gedanken einfängt und nach draußen holt. Doch eitle Herrschaften, die sich erfrechen, an der Zeit zu schrauben, die dulde ich über mir nicht. Ach, diese meine Klage ist schon unerhört, bevor sie Gestalt gewonnen hat. Ich bin aus der Zeit gerutscht und kann nichts machen. Fortan werde ich überall zu spät kommen, selbst wenn ich mich der neuen Uhrzeit unterwerfe. Wir treffen uns um acht? Gut, das kann ich einrichten. Äußerlich werde ich da sein, doch mein Inneres ist eine Stunde zurück. Wir müssen warten.

In der Dämmerung hat es zu regnen begonnen. Von der Straße her zischen die Autoreifen. Ich schaue aus dem Fenster. Eine Frau mit Kapuzenjacke geht vorbei, hält unterm Regen den Kopf gesenkt und hat die Hände in den Taschen. Seltsam, sie fröstelt um zwanzig vor acht und ich sehe sie um zwanzig vor sieben. Am Himmel jagen graue Wolken, die Laterne schaukelt im Wind. Gleich wird sie aufflammen. Dann hole ich mir meinen Gedanken zurück. Was er zu berichten weiß, schreibe ich später. Man wird warten müssen, bis ich in der Zeit angekommen bin.
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Gereimtes Teppichhaus-Alphabet

Aus technischen Gründen in der Cafeteria ...
1699 mal gelesen

Prima Fernsehen mit Coster

Eigentlich sollte ich um drei Uhr im Cafe Mohren sein, wo ich mit Coster verabredet war. Um zehn vor drei verließ ich das Haus und wusste, ich würde mich verspäten. Für einen Moment keimte Unruhe in mir auf. Dann sagte ich mir, dass ich noch zehn Minuten vor dem Zuspätkommen hätte, und diese Lebenszeit wollte ich keinesfalls mit innerem Hader verbringen. Es könnte mich schließlich just ein Auto überfahren, derweil ich gerade denke: „Ich komme zu spät!“; das wäre ein schlechtes Omen fürs Jenseits. Da stelle ich mir lieber vor, ich wäre immerzu genau richtig in der Zeit. Also dachte ich andere Gedanken. Seltsam genug dachte ich etwas, wovon später auch Coster sprechen würde, allerdings radikaler und boshafter als ich es gewagt hätte. Beim Supermarkt, dessen Mitarbeiter zeitweilig in T-Shirts gezwängt waren, auf denen stand: „Wir werden Sie begeistern!“, dachte ich: „Mist, ich hab mal wieder ums Verrecken keine Lust zum Einkaufen, egal in welchem Supermarkt.“

CafehausromantikDr. Phil, Dr. Ing. Jeremias Coster, dubioser Professor für Pataphysik an der RWTH Aachen, hatte auf der ersten Etage des Cafes einen Tisch am Fenster gewählt. „Hier hat man einen Butzenscheibenblick auf die Welt“, sagte er später, „und das ist manchmal gut für’s Gemüt." Vor sich hatte der Gemütsmensch ein Glas Wasser, einen Aachener Printenlikör und Kaffee im Glas. Als die junge Kellnerin an unseren Tisch trat, staunte ich erneut, wie gut sich Coster auf’s Charmieren versteht. Sie hatte nicht einen Blick für mich, sondern sonnte sich in seiner Aufmerksamkeit. Coster hätte also bester Stimmung sein müssen, war es aber nicht. Cafehausromantik mit Printenlikör, Kaffee und Kellnerin, das alles hatte Coster gleich einem Bollwerk vor sich aufgebaut, um eine grimmige Stimmung abzuhalten, die ihn beständig anzufliegen schien.

An der Kellnerin könne er ablesen, wie die Stimmung des Personals sei, sagte Coster. Und da der Chef des Cafes hinterm Tresen stünde, wäre ihre Fröhlichkeit auch nicht antrainiert, sondern käme aus dem Herzen. Denn wäre ihr Chef ein Leuteschinder, könnte sie das auf den kurzen Wegen zwischen Tresen und Gast nicht vergessen. Anders wäre es in einem Lokal einer Kette. Dort könnte die Freundlichkeit des Personals auch das Ergebnis eines Mitarbeitertrainings sein. Wo weite Wege lägen zwischen Unternehmensleitung und Personal, wo also der direkte Kontakt zwischen Chef und Untergebenem nicht vorliege, dort wolle er sein Geld nicht mehr hintragen.

Coster nippte an seinem Printenlikör und sagte: „Das ist mein Mittagessen.“ Er habe nämlich nichts mehr im Haus und könne sich „ums Verrecken“ nicht überwinden einzukaufen. „Schon wenn ich in der Tür das Kassenpiepen höre, kriesch isch et ärme Dier, Trithemius. Und sehe ich das Personal …“ Er nippte noch einmal an seinem Mittagessen und fuhr fort: „Weil der Einzelhandel langsam verschwindet, wissen wir nicht, welchen moralisch verkommenen Halunken man das Geld für den Einkauf in den Rachen wirft. Am Ende werden davon irgendwelche Drecksäcke fürstlich entlohnt, die sich nicht zu schade sind, eine Kassiererin fertig zu machen, weil sie angeblich 25 Cent gestohlen hat. Doch eigentlich kann man diese Leute nicht einmal von Herzen verachten, denn letzten Endes sind sie nur die Produkte einer gesellschaftlichen Entwicklung."

„Sie meinen, der Mensch ist nicht für solche Großstrukturen gemacht?“

„Ganz genau!“, sagte
Coster. „Großstrukturen jeglicher Art übersteigen das menschliche Fassungsvermögen. Der Mensch orientiert sich stets an seiner unmittelbaren Umgebung. Und wer fern ist von den ihm anvertrauen Mitarbeitern, ist zu jeder Schandtat bereit, wenn sie nur die Menschen in seiner unmittelbaren Umgebung zufrieden stellt, also den gesellschaftlichen Status befördert. Der richtet sich nämlich nicht nach überindividuellen moralischen Maßstäben. Wer das glaubt, ist erfrischend naiv. Ich bin sicher, die Herrschaften auf den Chefetagen verfügen über beste Manieren, wenn sie sich unter ihresgleichen befinden. Doch gegenüber den Menschen weit unter ihnen zeigen sie diese Manieren nicht. Sie sehen die Leute nicht und das macht sie zu dummen Affen. Vorsorglich entschuldige ich mich bei den Affen.“

Coster drängte zum Aufbruch, lud mich ein und schäkerte beim Bezahlen ausgiebig mit der Kellnerin. Sie sonnte sich erneut und sah nur ihn. Wer zahlt, bestimmt die Blickrichtung, dachte ich, was natürlich nicht stimmte, denn sie war nicht dem Geld, sondern Costers Liebenswürdigkeit erlegen. Im Rausgehen packte er meinen Arm. „Es hilft nur eins, Trithemius“, sagte er gut gelaunt: „Strenge Gesetze! Je größer gesellschaftliche oder wirtschaftliche Strukturen, desto strenger müssen sie gesetzlich überwacht werden. Also, wenn Überwachungskameras, dann auf den Chefetagen. Das wäre prima Fernsehen!“

Guten Abend
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Bitte (nicht) nachdoppeln

Internet_Registratur03

Vor Jahren legt ich eine Sammlung von Stilblüten aus dem Sportteil der Aachener Nachrichten an. Ein Autor mit dem Kürzel -jok- produzierte am laufenden Band kuriose Trägersätze der wörtlichen Rede und herbei gesuchte Verben des Sagens. Nie reichte es –jok-, einfach „sagte (er)“ zu schreiben. Seine Phantasie zwang ihn zu den zierlichsten sprachlichen Pirouetten. Dass diese Marotte noch immer nicht ausgestorben ist, sah ich heute in der Online-Ausgabe von Blick (Nachweis Pocemon).
Ein-Mann-doppelt-nach

"Bitte keinesfalls nachdoppeln! Die Schreiber sind abgebrühte Sprachverhunzer, denen nichts mehr weh tut", gibt der Stiltrainer durch die Brille seines Sprachgefühls einen guten Rat. "Andererseits macht es Spaß, solche Sätze zu bilden", lässt er hoffentlich noch rechtzeitig eine alternative Überlegung zu.
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Oje, mein armer Duden

Da-liegt-ein-DudenDer Duden auf der Fensterbank ist kein gutes Zeichen. (Ich weiß, dass meine ungeputzten Fenster auch ein schlechtes Zeichen sind, aber es geht um den Duden, verehrte Kunden.) Irgendwann habe ich damit hinterm Fenster gestanden, um ein orthographisches Rätsel bei Lichte zu besehen. Seither liegt das Buch dort, was gar nicht gut ist. Zuvor hatte auf der Fensterbank ein Buch von Bastian Sick gelegen. Und weil’s ein schlechter Kauf war, diente es mir als Abstandshalter, das heißt, ich habe den Titel: „Der Dativ ist schon wieder dem Genitiv sein Tod“ oder so ähnlich vor dem Schlafengehen ins offene Fenster geklemmt, damit’s beim Lüften nicht zufällt. Seit geraumer Zeit ist Sicks (hehe) Buch verschwunden, worüber ich eigentlich recht froh bin. Allerdings klemme ich offenbar derzeit den Duden ins Fenster, und das ist nicht einem pseudoreligiösen Überwindungsgedanken geschuldet, sondern einfach ein schlechtes Zeichen.

Früher wäre mir
nie in den Sinn gekommen, einen Duden so schmählich als Abstandshalter zu missbrauchen. Dazu diente ja Sicks albernes Schulmeisterlatein. Die Entwicklung der Dudenorthographie war viele Jahre eines meiner Studienobjekte. Deshalb besitze ich vom Rechtschreibduden 27 Ausgaben. Woher kommt also diese neue Gleichgültigkeit? Selbst ein unerschütterlicher Optimist kann sich ausmalen, dass der Duden unter der allabendlichen Fensterklemme aus dem Leim gehen wird. Dann wird’s keine Freude sein nachzuschlagen, wie ich zum Beispiel Teichoskopie schreiben soll. Der Link zu Wikipedia zeigt einen Grund, weshalb mir der Duden beinah gleichgültig geworden ist. Meist geht es schneller, im Internet nachzuschauen und dann einen Link zu setzen statt einer Erklärung. Freilich ist das Internet mit Vorsicht zu genießen, weil dort viele Fehler kursieren, wie das Beispiel des dreihufigen Urpferds zeigt. Das habe ich zwar nicht erfunden, doch ich besitze darauf das Internetmonopol.

dreihufiges-Urpferd

Trotz meiner
Bedenken schaue ich immer öfter im Internet bei Wikipedia nach als in einem Wörterbuch. Offenbar machen es viele so, weshalb der Verlag Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG. jüngst den gedruckten Brockhaus aufgegeben hat und Neubearbeitungen nur noch im Internet veröffentlichen will. Der Duden wird ebenfalls vom Bibliographischen Institut herausgeben. Eventuell droht ihm ein ähnliches Schicksal. Gedruckte Nachschlagwerke wie Brockhaus und Duden sind zu langsam, werden für unsere schnellebige Zeit zu selten aktualisiert. Die Duden-Neuauflagen erscheinen zwar im Abstand weniger Jahre. Doch wenn dazwischen in der Alltagssprache neue Wörter auftauchen, werden sie von der Dudenredaktion vorerst nur mit Anwendungsbeispielen registriert. Dann kreisen sie in der Warteschleife, um irgendwann in der Neuauflage zu landen. Für Wörter in der Warteschleife herrscht Anarchie, soweit sie orthographische Varianten zulassen. Die Dudenredaktion soll sich übrigens hinsichtlich der Schreibweise eines Wortes an der Gemeinschaft der kompetenten Sprecher und Schreiber orientieren und zusätzlich die amtlichen Regeln anwenden, was nicht immer so getreulich geschehen ist.
Oft hat die jeweilige Dudenredaktion höchst eigenmächtig gehandelt. So war sie besonders in den Auflagen 14 bis 16 von einem kapitalen Teufel des Mutwillens geritten und hat eindeutschende Schreibweisen festgelegt, nach denen niemand gefragt hatte: „Rutine“ (Routine), „Schef“ (Chef) oder „Kontainer“ (Container), um nur einige zu nennen.

Immerhin garantierte der
Duden eine gewisse Kontinuität in der Orthographie, solange er allein amtliche Geltung hatte und „maßgebend in allen Zweifelsfällen“ war. Mit der jüngsten Orthographie-Reform hat der Duden dieses Monopol verloren. Auch andere Verlage dürfen jetzt die Schreibweisen aus den amtlichen Regeln ableiten und im Zweifelsfall interpretieren. Daher weichen die Wörterbücher voneinander ab. Konrad Duden wollte einst das deutsche Kaiserreich von seiner „buntscheckigen Rechtschreibung“ befreien. Bis 1903 hatte jede große Druckerei ihre eigene Hausorthographie. Das gleiche galt für viele Schulen. Daher wurde Duden von Otto von Bismarck beauftragt, das orthographische Chaos zu regeln, womit auch der staatliche Zusammenhalt gefördert werden sollte. Die von Duden und den Buchdruckereiverbänden geschaffene Ordnung bestand gut hundert Jahre. Nun ist die deutsche Orthographie erneut buntscheckig, denn wegen der Verwirrung um die Orthographiereform haben alle Verlage sich wieder eine Hausorthographie zugelegt. Auch die Presseagenturen sahen sich genötigt, eigene Schreibregelungen einzuführen. Im schreibenden Volk kursieren derweil witzige Missverständnisse, zum Beispiel das Doppel-s nach Diphthong, man schreibt fälschlich „Viele Grüsse“ (Grüße), "ausser" (außer) oder „heissen“ (heißen). Andererseits ist mit dem Internet eine Demokratisierung der Orthographie eingetreten. So haben Blogger sich Gedanken gemacht, ob es das Blog oder der Blog heißt. Man sieht beides, und das ist erfreulich tolerant. Verschiedene Schreibweisen gelten zu lassen, tut der Schriftsprache gut. Zu rigide Regeln hemmen die Sprachentwicklung.

All das hat meine Einstellung zum derzeitigen Duden verändert. Da ich jedoch zugeben muss, dass das Blättern in einem Buch wie auch das satte Geräusch beim Zuklappen etwas ganz wunderbar Edles hat, muss ich hiermit eingestehen, dass der Missbrauch des Dudens als Abstandshalter ganz und gar verwerflich ist, wie gut die Gründe auch sein mögen, die ich oben angeführt habe. Wo ist bloß dem Sick sein Buch?
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Ein schöner Traum und ein Gedicht

Heute aus technischen Gründen hier:
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Auf einer Seite setzen...
Auf welcher Seite setzen denn nun die Bäume Moos an?...
Trithemius - 28. Mär, 11:06
Danke.
Danke.
Trithemius - 27. Mär, 08:51

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