Merkel kriegt Karlspreis an den Hals
von Trithemius - 2. Mai, 11:25
Aus technischen Gründen hier:
Gerade wollte ich loswettern gegen Bildungsentertainment, das die Köpfe der Menschen mit nutzlosem Wissen zukleistert und sie vom Selbstdenken abhält, wupp, geht mein Rechner in die Knie. Aus, vorbei, ich muss wieder zum Kartoffeldruck zurück, ein Bettlaken bestempeln und es aus dem Fenster hängen lassen. Und alle werden hoch schauen und denken: Was wohnt denn da für ein Sonderling? Vermutlich ein Kauz, der nichts besseres zu tun hat als sich zu ereifern. Einen solchen Menschen kannte ich einmal. Den nannte ich bei mir den „Geißler der Zinsknechtschaft“. Der Mann hatte nur ein Thema, nämlich Zinsen. Sie sind des Teufels, unmoralisch, jedenfalls unrecht und daher verboten. So steht es bereits in der Bibel und im Koran.
Vielen Dank, ARD,
Habnsenichwatlustiges auf Lager oder was fürs Gemüt, dass man sich hübsch in Ihren Text vertiefen kann und für eine Weile dem grauen Alltag entfliehen? Ich habe nämlich Feierabend und scheue mich, in Ihrer Furche zu trotten, wenn Sie jetzt unbedingt noch einen schweren Acker pflügen wollen. Schreiben Sie was Leichtes, einfach so, dass der Leser merkt, wie Sie hurtig in die Tasten gegriffen und dabei hie und da ein Schmankerl rausgehauen haben. Wie, danach ist Ihnen grad mal nich? Das kann doch jeder sagen, oder denken Sie vielleicht, es macht mir Vergnügen, auf Sie einzureden wie auf einen müden Gaul? Trotzdem mache ich es, obwohl ich im Augenblick lieber einen leichten Text von Ihnen lesen wollte.
Gestern in der Münchner Runde des Bayerischen Rundfunks vertrat Christine Scheel, finanzpolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, die Ansicht, die Linke sei nicht regierungsfähig. Frau Scheel ist auch Mitglied im Verwaltungsrat der staatlichen Förderbank KfW, die Großaktionär der IKB ist. Die IKB hat sich im US-Immobiliengeschäft verspekuliert, so dass sie mit insgesamt 6,5 Milliarden Euro aus Steuermitteln gerettet werden muss. Der Aufsichtsrat hat nichts von den riskanten Geschäften der IKB gewusst, und die verantwortlichen Politiker haben auch nichts gewusst.Halt, stopp. Nicht weiter durch diese Furche. Was Sie da alles aufwühlen, soll hübsch unten bleiben. Da gehören Bodendecker drüber, sonst muss ich mich heute Abend besaufen. Habnsenichwatwirklichlustiges auf Lager oder was fürs Gemüt? Heute offenbar nicht. Naja, morgen ist auch noch ein Tag.
Sich fürs Nichtwissen fürstlich bezahlen zu lassen - wieso sollten die Mitglieder der Linken das nicht können, Frau Scheel? Das kann doch jeder. Von Steuerflüchtigen zu wissen und Krokodilstränen zu vergießen, wenn welche sich beim Verschieben ihrer Vermögen erwischen lassen, aber nichts Wirksames dagegen zu unternehmen, das kann auch jeder, wenn er nur gewissenlos genug ist. Es könnte auch jeder Ein-Euro-Jobber sich am Verscherbeln des Volksvermögens beteiligen, an der Bahnprivatisierung zum Beispiel, wenn man ihn nur in eine entscheidende Position ließe. Sachkenntnis ist nicht nötig. Dazu gibt es schließlich Beraterfirmen, die neuerdings sogar die Gesetzesentwürfe ausarbeiten wie das Gesetz über Öffentlich-Private Partnerschaften (ÖPP), das von der amerikanischen Anwaltssozietät Hogan & Hartson Raue ausgearbeitet wurde und das lustige Verhökern öffentlicher Immobilien an Investoren erleichtert, wie man hier nachlesen kann.


Ach, wie fällt der Jakobsweg mir schwer. Ist’s denn nicht genug, dass er als Einbahnstraße beginnt? Muss an ihrem Ende bei der Kneipe zum lüsternen Bären dieses Schild so faul im Kneipenfenster lehnen? Montag - Tacotag, Dienstag - Schnapstag, Mittwoch - Hefetag, Donnerstag - Biertag, Freitag - Starkbiertak, Samstag - Longdrinktag - an allen Tagen könnte ich glücklich sein, nur sonntags nicht, was für eine Schmach.
Du liebe Zeit, könnte man den Dreck der Welt doch einfach so an Bodendeckern abwischen. Ob es so viele Bodendecker gibt? Ich will nicht memorieren, was es alles an Scheiß gab im Jahr 2007. Den Rückblick spare ich mir, und dem werten Mitpilger sollte ich erst recht nicht damit in den Ohren liegen, sonst geht er nachher krumm und will gestützt werden. Dazu habe ich aber ums Verrecken keine Lust. Viel mehr will ich die Reise ins innere Ausland genießen, in dem sich nämlich prima pilgern und nach Herzenslust fluchen lässt. Hussa, ihr Weggenossen, wir sind fremde, ganz anders empfindende Wesen. Egal ob das Gras alle ist oder ob das Plumeau nass im Garten liegt, wir sind auf dem rechten Weg. Und ehrlich gesagt, die Jakobsmuschel kann mir da auch gestohlen bleiben. Denn sie zeigt nur an, wo andere bereits gegangen sind. Da geht es zu wie auf der Kölner Hohe Straße am verkaufsoffenen Sonntag. Das ist eine merkantile Angelegenheit mit schwülstiger Überhöhung und öffentlicher Selbstbespiegelung. Nichts - und drüber Glasur. Ein blödes Entenrennen, irgendwie.
Eine Luft zum Saufen, unser sonntägliches Hochamt. Und das beste ist, wir brauchen nichts, denn wir sind uns selbst genug. Liebe, Hass, Wahnsinn – vorhanden - wozu soll diese Kombination gut sein? Wir bestellen das nicht. Bitte keine neue Scheiße. Da finden wir doch lieber eine Antwort auf eine Frage, die wir nicht gestellt haben: zweiundvierzig. Bitteschön, hier geht’s lang. Übrigens, wir hätten dem Jakobsweg ohnehin nicht mehr lange folgen können. Er führt nämlich durch Frankreich, und da lassen sie uns nicht rein. Besser so. 

Was dabei heraus kommt, wenn man Pflegedusche, Shampoo, Zahnpasta und pflegende Intensiv-Coloration mischt und für welchen Körperteil das Geschmiere dann gut ist, weiß ich nicht. Jedenfalls soll diese Mischung „2008 noch schöner machen“, was ja irgendwie Hoffnung weckt, denn schön würde das neue Jahr auf jeden Fall werden, wenn man dem Hitmarkt glauben darf. Möglicherweise und wahrscheinlich sowieso gilt dieses Versprechen aber für einen ganz bestimmten Kundenkreis, vielleicht für blonde Frauen, die außer schön doof zu gucken nicht viel zu tun haben, und ihre smarten Männer.
„Früher war es die Sklaverei, dann die Leibeigenschaft, dann der Frondienst, dann der Arbeitsdienst, dann die Dienstverpflichtung und heute ist es der Ein-Euro-Job. Das ist immer das gleiche, heißt nur anders.“Schade, dass man fremde alte Damen nicht einfach küssen darf. Zugegeben, was sie gesagt hat, ist reichlich polemisch, der Ein-Euro-Job ist keine Sklaverei im alten Wortsinne, und Ein-Euro-Jobber sind keine Leibeigenen ostpreußischer Junker. Trotzdem hat die Darlegung etwas Erhellendes: Es gibt eine Kontinuität des gnadenlosen Zugriffs der Mächtigen auf die Lebensgestaltung der Ohnmächtigen.
„Zwischen zwei und vier Millionen arbeiten - nach unterschiedlichen Hochrechnungen - schon heute für Löhne, die das Existenzminimum nicht abdecken. Und das, obwohl sie es sich bequem machen und Hartz IV beantragen könnten. Diese Menschen sind oft hoch motivert, fleißig, aber auch verzweifelt darüber, wie es sein kann, dass man in Deutschland unter Umständen nicht mehr von seiner Hände Arbeit leben kann.“


