Einmal über Aachen und zurück
von Trithemius - 15. Sep, 12:07
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Foto und Gif-Grafik: Trithemius
Uff, man muss vorsichtig mit sprachlichen Bildern sein, die sich auf Menschen beziehen. Im Aachener Anzeigenblatt Super Mittwoch nennt K. Schlupp den Riesenbärenklau einen „besonders unangenehmen Migrant(en) aus dem Kaukasus“. Für diese verschmockte Spielerei mit Fremdenangst und -feindlichkeit müsste Schlupp sich eigentlich bei allen Migranten entschuldigen. Vermutlich wollte er aber nur originell schreiben wie sein Kollege „sp“ von der Aachener Zeitung. In der Montagsausgabe des Lokalteils berichtet er über das Projekt „FahrRad“ der Aachener Stadtverwaltung und hat sich ein ulkiges Synonym für „Radfahrer“ rausgequetscht: „Drahteselbegeisterte“. 
Ach, es ist wahr, nicht nur die Unterschicht siecht dahin, auch der Mittelschicht geht es schlecht. Sie bräuchte dringend eine Finanzspritze. Das Geld muss von oben nach unten verteilt werden, fordert wer im ZDF? - Ein Sprecher des Einzelhandelsverbands. Der ehrwürdige Verband ist nicht etwa komplett zum Sozialismus übergetreten, sondern sorgt sich um seine Mitglieder, denn die Warenhäuser und Einzelhandelsgeschäfte verzeichnen große Umsatzeinbußen. Die Karstadt AG musste sich nach Milliardenverlusten von 77 Warenhäusern und weiteren Geschäftssegmenten trennen, die Kaufhauskette Hertie, die Modeketten Weymeyer und Sinn-Leffers sind insolvent. Die Warenwelt sortiere sich nach Discounter und Premium, sagte der Verbandsprecher, das mittlere Geschäftssegment des Einzelhandels verschwinde. Dieser Umstand ist aussagekräftiger als jede Statistik. Das passt wie Topf und Deckelchen. Am Verschwinden der Warenhäuser und Geschäfte mittlerer Preisklasse zeigt sich ganz konkret das Schwinden der Mittelschicht.
1) „Sie bevorzugen lieber Inselerkundungen mit dem Mietwagen, dann hier ein paar Straßen-Weisheiten.Weitere Belegstellen aus dem Internet lassen jedoch vermuten, dass das Wort dem Sinnbereich der Gangsta-Rapkultur entstammt:
* Hupen ist kein Drängeln, es bedeutet nur "Hey, ich bin hinter Dir, tue nichts unüberlegtes".
* Das mitten auf der Straße anhalten und mit Bekannten unterhalten ist "normal". Haben Sie eine Minute Geduld, dann fangen Sie an zu hupen. Sollten Sie vorher hupen, kann es sein, dass das Gespräch noch länger dauern wird.
* Blinken ist hier nicht so IN, meistens tun die Mallorquiner das nicht. Grund: Geht ja niemanden was an, wo sie hin wollen.“
2) „Hatebreed sind in dieser Beziehung bei weitem auch keine Waisenknaben, jedoch machen sie keinen auf Gangsta, der ohne seine Knarre keine zwei Minuten in seinem Viertel überleben kann, sondern knallen einem einfach simple Straßen-Weisheiten um die Ohren.“
3) „Commandant Und Zerstörer DonCuz und Black Jack der Gunowe erteilen unterricht mit strassen weisheiten; alles wird gebangt Aachen City Gang Bang“Im Duden steht „Straßenweisheiten“ nicht. Es ist offenbar noch ein Wort der Straße, und so differiert auch seine Schreibweise: Straßenweisheiten, Straßen-Weisheiten, strassen weisheiten. „strassen weisheiten“ verstößt am stärksten gegen die Orthographieregeln, und daher passt es zu den speziellen Sitten der Straße in Vierteln, die man als Fremder bei Nacht meiden sollte, wenn man nicht "gebangt" werden will. Bei der Schreibweise „Straßen-Weisheiten“ handelt es sich um ein Koppelwort. „Straße“ und „Weisheit“ stehen isoliert, vermutlich, weil sie naturgemäß nicht zusammengehören. Hier ist ein Bindestrich nötig, im Zitat 1) ist das der Ratgebertext. Wenn es hingegen besonders fein, feiner oder sogar "vom feinsten" zugehen soll, dann ist das orthographisch korrekte „Straßenweisheiten“ angebracht:
4) „Spaß, Humor, Satire und Comedy vom feinsten! Es gibt echt kein Thema zu dem "Die Helden der Mudderstadt" keine Meinung hätten. Das sind echte Straßenweisheiten gepaart mit der original Berliner Bauernschläue. Na da bin ick ja beruhigt, wa? Peilermann und Flow – schlimmer geht’s nimmer!“
Natürlich sind meine Ausführungen über Straßenweisheiten rein spekulativ. Vier Beispiele sind keine empirische Grundlage. Doch man kann daran sehen, dass es gut ist, verschiedene Schreibweisen eines Wortes zu haben, denn sie erlauben eine stilistische Bedeutungsdifferenzierung. Es gibt offenbar viele Straßenweisheiten, je nach Geltungsbereich. Straßenweisheit ist Insiderwissen. Es wird überwiegend mündlich weitergegeben. Soweit dieses Wissen sich nicht konkret auf den Straßenverkehr bezieht, entstammt es der Universität des Prekariats.