Erlauben Sie sich getrost Neues Denken

„Oh ja! Heutzutage ist Virtuelles und Reales soweit zusammen verflochten, dass man kaum mehr dazwischen unterscheiden kann. Und es ist auch gut so. :-) “,
schreibt Blogfreund Merzmensch in einem Kommentar.

So weit hatte ich bisher noch nicht gedacht. Hören und lesen wir doch immer die Ansicht, man dürfe Virtuelles und Reales nicht vermischen? Und erst recht dürften wir das Internet nicht als gleichwertige Sphäre des Lebens ansehen. Wurden die beiden Sphären, in denen wir uns seit dem Internet hin und her bewegen, bislang nicht immer gegeneinander ausgespielt? Ist es nicht an der Zeit, dem Internetzeitalter mit einem neuen Denken zu begegnen, einem Denken, das nicht mehr in den Kategorien der Buchkultur verhaftet ist?

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Über das Mysterium der Damenhandtaschen

Mein Studienfreund Nebenmann hat mir heute eine E-Mail geschrieben, worin er an etwas erinnert, das unsere Phantasie während des Studiums eine Weile beflügelt hat: das Mysterium der Damenhandtaschen. Nebenmann schreibt:

„Da habe ich doch kürzlich in einem Pseudo-Kulturteil einer Zeitschrift gelesen, dass irgend so ein Schnösel sich an unseren Phantasien vergangen hat und die Geheimnisse der Damenhandtaschen zu seinem Thema machte. Steht da nicht eine Plagiatsklage an? Aber wenn solch öffentliche Banalisierung von bislang verborgenen Ahnungen schon einmal geschehen ist, heilt auch ein gewonnener Prozess diese Verletzung von geistigem Eigentum nicht mehr, also: als Verlust abschreiben, wieder ein Mysterium weniger, (…).“

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Schreiben abseits der Millionen – unbezahlbar

Dieser Text wurde am 17. April 2012 nachmittags geschrieben. Nicht auf irgendeinen Beschreibstoff, sondern am Bildschirm, wo mir beim Schreiben ein digital erzeugtes weißes Blatt von etwa dem Format DIN-A4 simuliert wird, und wenn ich auf der Tastatur einen Buchstaben anschlage, erscheinen auf diesem simulierten Blatt die entsprechenden Buchstaben in der Drucktype Times New Roman 12 Pica groß. Alle Vorgänge rund um das Schreiben sind automatisiert, und in der Automatisierung steckt Expertenwissen, beispielsweise des Schriftgestalters der Times New Roman, Stanley Morison. Er hat sie 1931-32 im Auftrag der Londoner Times gestaltet, mit der Vorgabe, die Schrift solle „einfach, mannhaft und englisch“ wirken.

Fortsetzung, worin es um das älteste Buch Europas geht ...
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Der Papst hat Geburtstag, ich freu mir nen Keks

Am Karlsplatz in München nahebei der U-Bahn-Station lungert eine Junggeselleninnenabschiedsgruppe herum. Die zukünftige Braut trägt bereits einen Brautschleier auf dem Haar, einen ganz schütteren, kleinen, wie man ihn vielleicht an der Kirmeswurfbude als Trostpreis bekommen kann. Oder beim Kamelrennen. Erst letztens hörte ich von einigen jungen Frauen, sie seien ganz verrückt auf Kirmeskamelrennen. Das trifft sich gut, denn in vielen Städten wird der Frühling mit einer großen Kirmes begrüßt. Die zukünftige Braut mit dem Kunststoffbrautschleier von der Frühlingskirmesbude steht einfach nur da und lässt sich bewundern. Es muss wunderbar sein, für das bloße Herumstehen bewundert zu werden. Eine Passantin, deren rechtes Auge mit einem großen weißen Pflaster zugeklebt ist, hat ihr Handy an das offene Auge gehoben und fotografiert die zukünftige Braut. Dann dreht sie lächelnd ab und betritt die Rolltreppe nach unten. Dabei wirft sie noch immer lächelnd ein Auge zurück. Offenbar glücklich über das Gesehene und ihren Schnappschuss davon, sinkt sie ab in den Orkus.

Weiter mit einer 150-köpfigen Delegation und dem Papst ....
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Vierzig Sekunden Text

Lesen Sie 40 Sekunden Text, meine lieben Damen und Herren.
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Warum eine Pfeife keine Pfeife ist

Der belgische Surrealist René Magritte hat mehrmals das Bild einer Pfeife gemalt, worunter steht: „Ceci n’est pas une pipe“, das ist: “Dies ist keine Pfeife.” Man kann diese Botschaft auf verschiedene Weisen deuten, denn die Offenheit der Deutung ist eine Eigenschaft des Kunstwerks. Magritte selbst sagt dazu:

“Ein Bild ist nicht zu verwechseln mit einer Sache, die man berühren kann. Können Sie meine Pfeife stopfen? Natürlich nicht! Sie ist nur eine Darstellung. Hätte ich auf mein Bild geschrieben, dies ist eine Pfeife, so hätte ich gelogen. Das Abbild einer Marmeladenschnitte ist ganz gewiss nichts Essbares.”

In gleicher Weise ist natürlich das Wort „Pfeife“ keine Pfeife, die man rauchen kann. Lies mehr ...
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Von der Sprache der Gehenden an einem Karfreitag

Manche Paare, wenn sie jung sind und Hand in Hand daherkommen, gehen im Gleichschritt. Manche gehen im gleichen Rhythmus, aber spiegelschrittig. Mir scheint das die bessere Weise zu sein, wenn man in Eintracht miteinander schwingen will, denn indem sie spiegelbildlich gehen, ergänzen sie sich. Beim Gleichschritt passt sich einer von beiden dem anderen an.

Manche, namentlich die älteren, dunkel Gekleideten, er mit weißen Dauerwellen und einem langen schwarzen Mantel aus teurem Tuch, sie mit schwarzer Bolerojacke über dem Cocktailkleid, die gehen seitlich versetzt, sie etwa einen halben Schritt hinter ihm.
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Einiges über Buchstabenmagie

Als der Skalde Egil, der berühmte isländische Heldendichter, einst auf den Hof des Bauern Thorfinn kam, fand er dessen schöne Tochter Helga todkrank auf der Querbank liegen. Sie konnte keine Nacht mehr schlafen und war wie wahnsinnig. Egil fragte Thorfinn, ob irgendwelche Mittel angewandt worden seien, und Thorfinn sagte, ein Bauernsohn aus der Nachbarschaft habe heilende Runen geritzt. Danach habe sich Helgas Zustand aber noch verschlimmert.

Nachdem Egil gegessen hatte, untersuchte er Helgas Krankenlager und fand ein Fischbein, auf dem Runen geritzt waren. Er las die Runen, schabte sie ab und ließ das Abgeschabte sofort ins Feuer fallen. Dann verbrannte er den Fischknochen und ließ alles an die Luft tragen, was mit den Runen in Berührung gekommen war. Darauf erklärte er, nur der wahre Runenkundige solle sich am Ritzen versuchen; der verliebte Bauer habe falsche Runen geritzt. Er habe einen Schreibfehler gemacht. Der habe dem Mädchen Schaden gebracht. Egil ritzte die richtigen Runen und legte sie unter Helgas Kopfkissen. Da glaubte sie, aus einem Schlaf zu erwachen, und sie fühlte sich wieder gesund.

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