Bummel entlang der Abstraktionsgrenze - Gedanken zu einer Ausstellungseröffnung am heutigen Sonntag

Sehr geehrte Damen und Herren,
zum Auftakt ein Gedicht von R. L.:

Ich dachte
Alle hätten
Von allen
Alles gewusst
Aber
Keiner hat
Von keinem
Etwas gewusst

Jetzt weiß ich
Alle haben
Von allen
Nichts gewusst

Keiner hat
Gewusst
Der er
Nichts gewusst hat

Keiner hat gewusst
Dass alle
Von allen nichts gewusst haben
Dass keiner
Etwas gewusst hat

Jetzt weiß ich
Dass keiner
Und alle
Nichts wissen

Und ich
Von keinem
Etwas weiß

Diese Verse haben gewiss eine ganze Weile in einer Schachtel geschlummert und erscheinen heute zum ersten Mal im Licht der Öffentlichkeit.

Die Schachteln mit den handschriftlichen Texten holt R. L. noch seltener hervor als seine ungezählten Mappen und Skizzenblöcke. Denn er will mit seiner Kunst nicht in der Öffentlichkeit glänzen. Für ihn ist die Kunst eine natürliche Reaktion auf die Welt, - und das ist eine Form der Weltaneignung, um die ich ihn beneide.

Wann immer ich bei ihm bin, erinnere ich R. daran, dass wir seine Gedichte zu einem Buch zusammenstellen wollten. Dann lacht er und sagt ja ja, doch diese Zurückhaltung ist genau der Grund, warum keiner und alle nichts über seine Arbeiten wissen, - außer seiner Frau M. natürlich, die sein Werk seit Jahrzehnten kritisch und sachkundig begleitet.

Wir anderen wissen also nicht, dass die Gedichte schon wegen ihrer handschriftlichen Form etwas Besonderes sind. Und noch weniger wissen wir von ihrer Verwandtschaft zu seinen Zeichnungen. Und erst recht wissen wir nicht, wie R. die Wörter unserer Sprache auf ihre Bedeutung abzuklopfen versteht, bis sie sich ergeben und gar nichts mehr zu bedeuten scheinen. Jeder kennt den Effekt: Wenn man ein Wort häufig hintereinander ausspricht, verliert sich der Bezug zu seiner Bedeutung. Plötzlich verschwindet es über die Grenze der Abstraktion und ist nur noch Klang.

R. lässt es nicht ganz soweit kommen. Er balanciert die Wörter auf der Abstraktionsgrenze aus. So erscheinen sie uns nur ein wenig fremd und wir können sie genauer betrachten. Bei dieser distanzierten Betrachtung der Wörter erhellen sich allmählich die Bedeutungstiefe und die Mehrdeutigkeit unserer Sprache, die den Wörtern und Worten im Alltagsgebrauch oft genug abhanden kommt.

Warum spreche ich eigentlich über Gedichte, die in dieser Ausstellung gar nicht zu finden sind?

Zum einen will ich neugierig auf die Texte machen, damit sie ihr Schachteldasein aufgeben können. Gleichzeitig habe ich versucht, ein künstlerisches Prinzip zu benennen, das ebenso typisch für sein bildnerisches Werk ist.

Auch die Zeichnungen - hier im Raum - siedeln auf der Grenze zur Abstraktion. Einige sind dem Abbildhaften näher, andere sind nur im Kontext ihrer Vorgänger und Nachkömmlinge zu verstehen; für sich genommen sind sie abstrakt. Doch wenn man das künstlerische Verfahren kennt, ist dieses Schwingen um die Abstraktionsgrenze herum plausibel. Alles hängt davon ab, wie lange sich R. L. einem Motiv widmet. Es gibt von ihm eine Serie von Zeichnungen aus Irland, die ich einmal auf einem Kalender abgedruckt habe. R. hatte übrigens nur grüne und schwarze Stifte mitgenommen. Denn er fuhr ja zur grünen Insel und wollte die Landschaften zeichnen. Was zunächst kurios anmutet, ist ein Akt der Selbstbeschränkung, - und in der Selbstbeschränkung kann sich bekanntlich erst die wahre Meisterschaft entfalten.

Das erste Bild der Reihe zeigt eine hügelige Landschaft. Doch Schritt für Schritt entfernen sich die Zeichnungen von diesem Vorbild. Die letzte Zeichnung weist allein Flächen und Linienkompositionen auf und lässt trotzdem noch die Stimmung der Landschaft erahnen.

Auf seinen zahlreichen Studienreisen ist R. offenbar immer so vorgegangen. Zuerst ist da der visuelle Eindruck. Andere zücken dann die Kamera und schießen rasch ein paar Erinnerungsbilder. R. nimmt sich Zeit und fragt die fremde Welt in aller Ruhe nach ihrer Struktur. Blatt für Blatt seines Skizzenblocks entfernt er sich weiter vom Bildmotiv. Auf diese Weise reduziert R.L. seine Eindrücke auf ein Gerüst sparsamer Linien.

Wer so vorgehen will, muss seiner Hand vertrauen, - er muss der Linie vertrauen und sie kraftvoll und selbstbewusst anlegen. Dieses Vertrauen in die sichere Hand zeigt sich in allen Zeichnungen. Und endlich dürfen wir einige davon in Ruhe betrachten. Sie sind vom Galeristen P. dankenswerter Weise achtsam gehängt und gut ins Licht gerückt.

Wenn später mehr Platz im Raum ist, sollten Sie sich einmal der Vorstellung einer Zugreise hingeben. Sie schauen mit ihrer linken emotionalen Seite in Fahrtrichtung zum Fenster hinaus und betrachten die Landschaften. Dabei sind Sie gefordert, denn der Künstler gibt nur die Matrix seiner schwungvollen Linien vor. Das Bild entsteht erst im Kopf des Betrachters. Man ahnt, was er gesehen hat und gleichzeitig vermittelt sich eine meisterhaft gesetzte künstlerische Struktur. Hier bestätigt sich der Ausspruch:
Was sich zuletzt erst erlernen lässt, ist Einfachheit.
Im Treppenhaus finden Sie zunächst Collagen und ganz oben eine weitere Serie von Zeichnungen. Die Collagen verraten die Nähe zu Kurt Schwitters. Wie Schwitters hebt R. verrottende Verpackungen vom Boden, sammelt Zettel und handliche Gegenstände auf und gibt ihnen einen neuen, künstlerischen Wert, indem er sie in Assemblagen und Collagen einarbeitet. Wir wissen ja nichts über ihn, weil „keiner und alle nichts wissen“, doch ich glaube nicht, dass er magische Ideen damit verknüpft – wie etwa Franz von Assisi, der jeden Zettel aufhob und verwahrte, weil der Name Gottes darauf stehen könnte, den niemand mit dem Fuß treten darf. Denn irgendwie kann ich mir nicht vorstellen, dass auf einer alten Zigarettenpackung der Name Gottes verborgen ist.

Ich glaube, R. geht es um den Bildwitz; - Witz im alten Wortsinne, in dem auch Weisheit enthalten ist. In einigen Collagen zeigt sich das Vergängliche der Alltagskultur. Und es zeigt sich, dass die Kunst die Objekte des Alltag erheben und überhöhen kann, was ihr doch wieder etwas Religiöses gibt.

Bevor ich Sie an diesem Sonntagmittag in philosophisch unwägbares Gelände führe, gehen wir lieber gedanklich weiter nach oben. Dort hängt eine Serie von Zeichnungen, die in Griechenland entstanden ist. Die Zeichnungen sind von der griechischen Alphabetreihe inspiriert. Man kann sie trotzdem nicht der Kalligraphie zuordnen, denn die Buchstaben sind nicht geschrieben, sondern gezeichnet. Manche dieser Zeichnungen wirken wie beschriftete Kalkwände. Die Schriftzeichen sind Aufschrift oder Inschrift, also Graffito. Auch hier ging es dem Künstler um den Eigenwert der Form, nicht um ihren Bedeutungsgehalt. Vermutlich könnte kein Grieche die Texte entziffern, denn die Buchstaben sind rein ästhetisch angeordnet. Diese befremdlichen Schrifttafeln versetzen uns in die Lage des Archäologen, der sich mit einem unbekannten Zeichensystem konfrontiert sieht. Zum Glück müssen wir nichts davon entziffern. Es reicht der künstlerische Eindruck. Die heitere Ignoranz, mit der R. das griechische Alphabet seiner Bedeutung beraubt, hat für uns Betrachter etwas Entlastendes. Hier dürfen wir einfach schöne Bilder anschauen.

Da ich wie alle von keinem etwas weiß, enthalten meine Ausführungen nur meine Sicht der Bilder. Die Mehrfachbedeutung zeichnet ja gerade erst ein künstlerisches Werk aus. Trotzdem bin ich froh, dass ich zu diesen eindrucksvollen Arbeiten etwas sagen durfte und danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit. Jetzt sollen die Bilder sprechen. Und falls Ihnen nach Erläuterung ist:

Der Künstler ist … da.


Pataphysisches Seminar
1822 mal gelesen

Frau Nettesheim will nicht fiktiv sein

trithemius & Frau Nettesheim
Trithemius
Hier im twoday.net-Laden geht es irgendwie nicht richtig voran, Frau Nettesheim.

Frau Nettesheim
Das finde ich auch. Bei Blog.de haben wir täglich fast zehnmal so viele Kunden.
Trithemius
Die twoday-Kunden sind auch so schweigsam. Liegt das an mir?

Frau Nettesheim
Fragen Sie mich lieber nicht, Trithemius.

Trithemius
Ach so. Vielleicht sollten wir eine Werbeaktion starten, wie es die levantinischen Teppichhändler machen.

Frau Nettesheim
Einen angeblichen Notverkauf aus gesundheitlichen Gründen?

Trithemius
Sehr verehrter Kunde,
namhafte Ärzte haben ein zweifaches Herzeleid bei mir diagnostiziert und mir dringend zu einer radikalen Teppichabstinenz geraten. Unter Tränen muss ich Ihnen daher die baldige Schließung unseres Traditionsunternehmens ankündigen. Die wertvollen Einzelstücke aus unserem Lager sind nochmals reduziert. Wir müssen zu jedem Preis verkaufen und hoffen auf Ihr Verständnis in dieser schwierigen Zeit.


Frau Nettesheim
Quatsch, das nimmt Ihnen keiner ab.

Trithemius
Bei jedem klugen Wort von Sokrates rief Xanthippe zynisch Quatsch.

Frau Nettesheim
Sparen Sie sich Ihr Pangramm. Mit Gefühlen hausiert man nicht.

Trithemius
Ja, was dann? Soll ich mich einfach Ihrer Popularität bedienen?

Frau Nettesheim
Und das sähe wie aus?

Trithemius
Ich schreibe einen Wikipedia-Artikel über Sie, Frau Nettesheim. Den stelle ich in der Kategorie „fiktive Personen“ ein und verlinke ihn 25 mal mit dem Teppichhaus.

Frau Nettesheim
„Fiktive Person“? Wann haben Sie das letzte Mal mit einer Krankenschwester geflirtet?
1868 mal gelesen

Oh, das ist ein gefährlicher Wurm

Dialogfetzen aus einem Kinofilm, der gerade im Fernsehen läuft.

1 Weiter machen.
2 Na also, habe ich doch gesagt, überhaupt kein Problem.
3 Oh, das ist ein gefährlicher Wurm.
4 Hoooouuu.
5 Ich mach das schon.
6 Bleib hier, warte, NN!
7 Fahr dichter ran!
8 Jetzt den da noch!
9 Du übernimmst den!
10 Ich erledige die beiden.
11 Ahhhhh!
12 Oh, General NN, da kommt jemand!
13 Keine falsche Bewegung!
14 Na, komm schon, steh schon auf!"

Sieben dieser Sätze
aus etwa fünf Minuten des Films haben die Form von Anweisungen (1, 6, 7, 8, 9, 13 und 14 sind Befehlssätze). Es gibt fünf Aussagesätze (2, 3, 5, 10 und 12). Sie enthalten jedoch nur unspezifische Angaben und könnten ersatzlos wegfallen. Die Äußerungen in 4 und 11 sind Interjektionen, also keine grammatisch vollwertigen Sätze. Man muss nicht seine Beschreibung des restringierten Codes bemühen, um festzustellen, dass mit solchen Dialogen kein Literaturpreis zu gewinnen ist.

Zwei Fragen:

Wie heißt der bekannte Film?
Finden nur Filme mit rudimentärem Sprachcode ein Massenpublikum?

Teppichhaus Textberatung
2701 mal gelesen

Plausch mit Frau Nettesheim - Sicherheitsverwahrung

trithemius & Frau Nettesheim
Trithemius
Haben Sie schon gehört, Frau Nettesheim? Georges W. Bush kommt nach Deutschland.

Frau Nettesheim
Oje. Dann lässt er vermutlich wieder unsere Kanaldeckel zuschweißen.

Trithemius

Keine Sorge, er wird sofort in die Geschlossene von Heiligendamm gebracht.
1708 mal gelesen

Der Tod des Melkers

Heute gibt es keinen Text, denn mein Kopf mag irgendwie nicht denken. Falls du trotzdem glaubst, Buchstaben zu sehen, die zu Wörtern und Zeilen angeordnet sind und Inhalte transportieren, dann hat es etwas mit deiner Erwartungshaltung zu tun. In Wahrheit steht hier nichts. Alles wird von deinem Gehirn simuliert. Und so ist der gesamte Text deine eigene Leistung. Du hast keinerlei Beweis, dass es anders ist, wenn du niemanden bittest, deine Wahrnehmung zu bekräftigen. Ist das nicht hübsch?

Welchen Text willst du dir einbilden? Du könntest zum Beispiel einige starke Verben mit unregelmäßiger Konjugation im Konjunktiv II nehmen und eine kurze Kriminalgeschichte schreiben.
Wenn er nicht hülfe und die Kuh nicht mölke,
dann lüde sie das Gewehr und schösse.
Er sänke zu Boden, ihm tröffe das Blut von der Stirn,
und mit einem Seufzer stürbe er sogleich.
Sie hübe ihn nicht auf und drösche noch die Leich.
Dann sänge sie ein Lied und mölke rasch die Kuh.
Hurtig rönne die Milch in den Eimer.
Normalerweise hättest du natürlich alle starken Verbformen durch den Infinitiv + würde ersetzt.
Wenn er nicht helfen und die Kuh nicht melken würde,
dann würde sie das Gewehr laden und schießen.
Er würde zu Boden sinken, …
Doch dann hättest du dir die Untat ja gar nicht erst ausgedacht und der Melker würde noch leben. Denn die heute übliche Form ist in der Ballung viel zu umständlich und führt zu eintönigen Wiederholungen. Da macht das Meucheln keinen Spaß.

Kannst du mir einmal sagen, warum die alten Verbformen fast verschwunden sind? Ja, du hast Recht, auch die Klasse der ablautenden Verben ist nicht mehr produktiv. Neue Verben werden nur noch regelmäßig konjugiert.

Die deutsche Sprache hat durch diese Entwicklung an Klangvielfalt eingebüßt. Diese natürliche Abnutzungserscheinung ist vermutlich irreparabel, denn starke Verben mit unregelmäßiger Konjugation werden allgemein als veraltet empfunden und deshalb nicht mehr benützt. Man findet sie fast nur noch in alten Büchern. Doch wenn man diese Bücher nicht liest, existieren sie auch nicht. Ebenso gibt es die starken Verbformen nicht, wenn wir sie nicht mehr verwenden.

Hier jedenfalls findest
du keine starken Verbformen. Hier steht gar nichts. Der Eintrag ist leer. Du hast dir diesen Ausflug in die deutsche Grammatik nur eingebildet.

Pataphysisches Seminar
1891 mal gelesen

Plausch mit Frau Nettesheim - Kette ab

trithemius & Frau NettesheimTrithemius
Wissen Sie, was mich bei der Arbeit in der Bibliothek immer wieder angeregt hat, Frau Nettesheim?

Frau Nettesheim
Vermutlich Vrouwen kijken.

Trithemius
Zu freundlich, dass Sie Ihre spitze Bemerkung wenigstens fremdsprachlich verhüllen. Können Sie sich vorstellen, dass ich noch andere Interessen habe?

Frau Nettesheim
Zum Beispiel?

Trithemius
Zufallsprozesse. Wenn ich einen Text zu einem bestimmten Thema suche und dabei ein Buch finde, das überhaupt nichts mit meiner Suche zu tun hat. Manchmal funktioniert diese Zufallseingabe wie ein Schlüssel und eröffnet neue Zusammenhänge – vorausgesetzt, ich bin nicht durch vrouwen kijken abgelenkt.

Frau Nettesheim
Warum erzählen Sie mir das, ist Ihr Friseur im Urlaub?

Trithemius
Mir scheint, Sie haben irgendwie schlechte Laune, Verehrteste. Oder sind Sie mir böse, weil ich Sie letztens allein im Laden gelassen habe?

Frau Nettesheim
Es ist kein Vergnügen, jemanden abzuwimmeln, der mit eindeutigen sexuellen Wünschen in den Laden kommt.

Trithemius
Den haben Sie doch souverän abblitzen lassen, Frau Nettesheim. Ich habe übrigens nicht herausfinden können, wieso Google ihn über die Suchphrase ntv sendung lust von hinten ins Teppichhaus geschickt hat. Suchphrasen bringen ja auch zufällige Ergebnisse. Er will Lust von hinten und Sie erzählen ihm etwas über Stechapfeltee. Ein anderer fragt: wie lege ich bei einem fahrrad die kette an wenn sie kaputt ist (schritt für schritt) und findet:
Abendbummel online
Da dachte ich, dass es seltsam sein muss, auf Schritt und Tritt von einem ... Das ist gewiss unangenehm, vor allem wenn sie dann wieder schreckliche Bilder ...
Frau Nettesheim
Und? Könnten Sie erklären, wie man die Fahrradkette wieder anlegt?

Trithemius
Wenn die Kette gerissen ist, sollte man sich am besten eine neue kaufen, denn wahrscheinlich ist die gerissene Kette ausgeleiert. Man braucht in jedem Fall einen Kettendreher. Ein Kettenglied vom Ende der Kette wird in den Kettendreher gelegt, und dann presst man durch Schraubbewegungen den Bolzen heraus, so weit, bis er nur noch vom inneren Verbindungselement gehalten wird. Es ist wichtig, den Bolzen nicht ganz herauszudrehen, denn sonst bekommt man ihn nicht wieder hinein. Dann spannt man die Kette, um Maß zu nehmen und nimmt danach die überflüssigen Glieder ganz heraus. Jetzt wird der Kettendreher von der anderen Seite angesetzt. Man fügt die beiden Enden im Kettendreher zusammen und presst den Bolzen wieder hinein, bis er an der anderen Seite ein wenig hervorlugt.
Fertig, Frau Nettesheim.

Frau Nettesheim
Oh, hab leider nicht richtig zugehört, denn bislang dachte ich, ein Kettendreher ist ein Raucher wie Sie.

Frau Nettesheim
1724 mal gelesen

Abhaken ist sowieso hässlich


Huhu, Yello!


Ihr glaubt gar nicht, wie oft ich vor der Tagesschau noch einmal rasch wegzappen muss, und zwar, wenn unvermittelt euer Werbespot beginnt. Leider habe ich nicht immer die Fernbedienung zur Hand, bevor der Filzschreiber die Adjektive gut, gelb und günstig abhakt. Das klingt ungefähr so schön, als würde sich einer mit Styropor die Zähne putzen, nein, eigentlich klingt es noch viel viel hässlicher. Welche Sympathiewerte ihr mit dieser Kakophonie aufbaut, ist eure Sache, doch ich wollt euren Strom ums Verrecken nicht, solange ihr mit diesem quietschenden Filzstift nervt.


Zirkus des schlechten Geschmacks
1502 mal gelesen

Sprache Wurst - Text Käse

statt Käse„Wenn Ihnen Käse nicht Käse ist, dann sind Sie bei ... genau richtig.“

Den Satz kann man unterschreiben, denn feine Unterscheidungen sind eine kulturelle Leistung, oder wie der Österreicher Egon Friedell sagt: „Kultur ist Reichtum an Problemen.“

Dem kulturellen Problemreichtum gemäß ist holländischer Mai-Gouda kein Schweizer Käse, und deutsche Grammatik ist nicht Wurst.

Die Überschrift: „Exakt das, was Sie wollen, statt eines x-beliebigen Angebots!“, wäre jedenfalls hübscher, denn „statt“ als Präposition verlangt den … - Moment, hab grad den Mund voll - … Genitiv.

Das Auge isst schließlich auch mit.


Teppichhaus Textberatung
3127 mal gelesen

Abenteuer eines Quadrats

Quadrate228Quadrate217Quadrate219Quadrate230
Quadrate225Quadrate203

Trithemius 05/07
weitere Gif-Grafiken hier
2055 mal gelesen

Mariechen sprach zu Mariechen, Mariechen lass mich ma riechen - Feindlicher Duft im Einmachglas

• Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) hat die Entnahme von Geruchsproben bei G8-Gegnern gegen Kritik verteidigt. "In bestimmten Fällen ist das ein Mittel, um mögliche Tatverdächtige zu identifizieren", sagte Schäuble am Mittwoch. (heute.de 23.05.2007)
• Die umstrittene Abnahme von Körpergeruchsproben bei G-8-Gegnern ist nach Ansicht der Gewerkschaft der Polizei (GdP) durch die Strafprozessordnung gedeckt und daher nicht als Stasi-Methode zu bezeichnen. (…) Ein GdP-Sprecher ergänzte, die Methode sei schon lange bekannt und es gebe „kein Copyright der Stasi“ darauf. (ap 23.05.2007)
StasiMag sein, dass man bei der Polizei und den Geheimdiensten für "bestimmte Fälle" "schon lange“ Ermittlungsmethoden kennt, die bei uns als menschenunwürdig gelten. Man will ja neuerdings auch „Erkenntnisse“ verwenden, die in Unrechtsstaaten mittels Folter erzwungen wurden, und da ist Kontakt zu dubiosen ausländischen Polizeidiensten irgendwie notwendig.

Doch der deutsche Bürger ist da vielleicht ein wenig naiver. Von der Stasi-Praktik, Geruchsproben von Andersdenkenden zu nehmen, erfuhr die bundesdeutsche Öffentlichkeit jedenfalls erst durch die Bürgerbewegung der ehemaligen DDR, beispielsweise in der Ausstellung, von der die Süddeutsche Zeitung am 1. März 1993 berichtete.

Damals haben sich Politiker wie Presse über die menschenverachtenden Praktiken echauffiert. Schnee von gestern. Für den G8-Gipfel in Heiligendamm will man wie einst die Stasi den eigenen Bürgern heimlich hinterher schnüffeln.


Was stellen die
Regierenden und die Dienste eigentlich mit unserer schönen Republik an? Sie scheinen zu vergessen, dass ihnen die Regierungsverantwortung nur geliehen ist. Es ist würdelos, den Geruch von Menschen zu stehlen, derartige Praktiken sind eine Schande für den Rechtsstaat.

Inzwischen haben Bundeskanzlerin Angela Merkel und Innenminister Wolfgang Schäuble vor der Presse ihre Sympathie für die Globalisierungsgegner bekundet. Eventuell haben sie sich dadurch selbst zum Sicherheitsrisiko gemacht. Falls übereifrige Verfassungsschützer sie jetzt behandeln wie jeden anderen Sympathisanten und heimlich Körpergeruchsproben von ihnen nehmen, sei noch einmal betont: Es sind "lang bekannte Methoden."
Die neusten Geruchsproben
Fotomontage: Trithemius 05/07
Zirkus des schlechten Geschmacks
2074 mal gelesen

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