Sonntagstour - Verwirrte Zeiten

Sonntagnachmittag zwischen Tag und Traum – eine befremdliche Stimmung über der Stadt. Richtig hell ist es den ganzen Tag über nicht gewesen, und gegen drei dämmert es bereits. Es ist die Zeit der bummelnden Paare ohne besonderes Ziel, in der Hoffnung, dass sich irgendwo etwas Sehenswürdiges findet. Und wo sich nur die Schaufensterauslagen stummer Läden betrachten lassen, ziehen namentlich die Männer, denen eine Frau im Arm hängt, Gesichter zwischen Missmut und Unglück. Das ist übrigens bei den meist jüngeren Händchenhaltern anders. Könnte es sein, dass große und ausdauernde Nähe die Langeweile im Gepäck hat?

Auf der Pontstraße unterhalb
des Markts rieche ich frisches Fleisch. Es gibt keine Metzgerei in der Nähe, und gäbe es eine, hätte sie geschlossen. Hat man etwa am heiligen Sonntag auf einem Hinterhof eine Sau abgestochen und zerhauen? Und das an diesem trüben Nachmittag? Eine Spur von Pferdeäpfeln führt über das Pflaster hinauf auf den Markt. Hier ist ein kleiner Menschenauflauf, und zwischen den dunkel gekleideten Passanten blinken Ritterrüstungen, streichen Herolde und Weibsbilder in Trachten umher. Über ihren Köpfen blitzen Schwertklingen auf und schlagen klirrend aneinander. Ein Planwagen steht auch da, und dunkle Zelte aus roher Leinwand sind errichtet. Rauch zieht gen Himmel, - in geschmiedeten Ständern glimmen Feuer. Was ist das für ein rustikaler Zauber? In einem geöffneten Zelt sitzen welche über Bratwürsten, und die werden verkauft an einem Stand der Metzgerinnung. An der Rückwand ein Plakat: „125 Jahre Aachener Metzgerinnung“. Hm. Wenn die Aachener Metzgerinnung noch so jung ist, was hat sie dann mit der Ritterzeit zu tun? Das erschließt sich nicht. Vielleicht ist einer der Innungsmeister in einem Verein von Freizeitrittern und hat das Spektakel angeregt.

Man kann das
Rathaus besichtigen. Kostümierte mit Hellebarden flankieren das Portal. Man muss sich nur zwischen ihnen hindurchtrauen, der Eintritt ist frei. Auch im Foyer stehen kostümierte Kerls. Sie werden an diesem Tag hunderte Mal fotografiert, und falls sie bei jedem Foto ein bisschen von ihrer Seele verlieren, sind sie fortan seelenlos. Eine Frau vom Fremdenverkehrsamt führt ins Amtszimmer des Bürgermeisters. Es zeigt nach hinten hinaus, auf den Katschhof. Die Fremdenführerin erzählt, als auf dem Rathausgrund noch die Kaiserpfalz stand, habe Kaiser Karl genau wie der Oberbürgermeister hinaus auf den Katschof geschaut, denn der Eingang sei damals auf der Katschhofseite gewesen, damit der Kaiser seinen Dom im Blick hatte. Ja, gut dass wir jetzt wissen, wo Karl der Große hingeguckt hat und in welcher Rausguck-Tradition der Oberbürgermeister von Aachen steht.

Die Fleischerinnung erinnert mit
frischer Bratwurst an das 19. Jahrhundert, ein Verein spielt Mittelalter, wie Kaiser Karl im 9. Jahrhundert aus dem Fenster geguckt hat, weiß eine Dame vom Verkehrsverein, und Japaner auf Fünf-Tage-Europa-Trip fotografieren die Inneneinrichtung im Aachener Barock, - was für ein Durcheinander. Übrigens wollte ich niemals hinsehen müssen, wo der Oberbürgermeister von seinem Schreibtisch aus hinschaut, wenn er mal nicht aus dem Fenster guckt. Er hat da etwas Scheußliches vor Augen. Ich habe es fotografiert, zeige das Bild aber erst am Schluss, um meine werte Kundschaft nicht zu verschrecken.

Im Krönungssaal, versteckt hinter
großen Pinwänden, lässt sich eine Stahltür öffnen. Sie führt ins Treppenhaus einer großen Wendeltreppe, in dem allerlei Gerümpel abgestellt ist. Es riecht nach Wein. An den Wänden sind gelegentlich alte Ziegel und noch ältere Bruchsteine zu sehen. Von weiter unten tönt das Klirren von Gläsern. Dort scheint eine Küche zu sein. Und unten am Fuß der Treppe läuft der Gang stumpf aus. Da ist eine Stahltür an der Seite, auch sie lässt sich öffnen. Ich stehe auf einer Treppenstufe und sehe hinab in einen Versammlungsraum, aus rohen Bruchsteinen gemauert. Der Saal ist voller Menschen an eingedeckten Tischen, die neugierig den Kopf wenden, denn die laut zufallende Seitentür stört einen Vortrag. An der Stirnseite des Raumes stehen fünf Männer in dunklen Anzügen auf einer Bühne. Sie haben Fühler auf dem Kopf und tragen in knubbeligem Hochdeutsch einen Sprechgesang vor. Da bin ich mitten in eine Geheimgesellschaft geplatzt, die unbemerkt von den oben herumlaufenden Touristen in einem verschwiegenen Ratskeller ihre Riten abfeiert.

Und ich habe meine
Jeckenkappe nicht bei mir. Man schaut mich abweisend an, will mich nicht dabeihaben, hatte ohnehin die Kellnerin erwartet, als ich durch die Tür kam. Deshalb lege ich gar nicht erst ab, sondern schlage den Mantelkragen hoch und gehe wieder. Es freut mich, dass die zufallende Stahltür noch mal ordentlich scheppernd ins Schloss fällt. Ich will schließlich auch einen Spaß machen.

Der Flügel eines schmiedeisernen Tores lässt sich aufschieben, ich stehe wieder auf dem Markt, abseits des halblustigen Treibens. Solch schmiedeeiserne Tore hat einst mein Vater gemacht. Auch mein Großvater und mein Urgroßvater waren Schmiede. Drum will ich einmal etwas zur Ehrenrettung der Schmiede sagen. Die Jakobsstraße hoch, da kommen wir an einem Denkmal für den wehrhaften Schmied vorbei. Von ihm erzählt die Sage, er habe in Gertrudisnacht von 1278 den Grafen Wilhelm von Jülich und seine Söhne mit dem Hammer erschlagen und so die Stadt gerettet. Graf Wilhelm war im Morgengrauen mit 500 Gefolgsleuten in die Stadt eingedrungen, und als er auf Widerstand stieß, wollte er sich zurückziehen. Da kam auf dem Weg zur Arbeit ein Schmied daher und schlug kurzerhand mit seinem Hammer zu. Früh morgens sind Schmiede nämlich schlecht gelaunt und brauchen einen Amboss. Zur Not tut’s da auch ein behelmter Kopf.

In Wahrheit war der
Mann kein Schmied gewesen, sondern ein Metzger. Es gab natürlich schon vor 1883 Metzger in Aachen. Metzger stehen auf im Bewusstsein, dass sie im Morgengrauen Blut vergießen werden. Es sieht genauso aus wie Menschenblut, und vermutlich riecht es auch so. Der wehrhafte Metzger jedenfalls fand nichts dabei, den flüchtenden Grafen und seine Söhne hinzuschlachten. Er tat es der Sage nach wortlos und natürlich mit einem Schlachterbeil. Später war den Aachenern die Sache peinlich. Die Stadt wurde nämlich wegen dieser Morde dazu verurteilt, die Grafenwitwe Richarda zu entschädigen. Und damit die Sache nicht ganz so blutig in Erinnerung blieb, machte man aus dem Metzger einen Schmied. Der steht nun in Bronze gegossen an der Jakobstraße und hält einen schweren Hammer bereit.

Für das angekündigte
Handyfoto müssen wir noch einmal zurück ins Rathaus. In den 50er Jahren habe man ins Amtszimmer des Oberbürgermeisters diese Sitzgruppe gestellt, erzählte die Fremdenführerin, was damals von vielen als Stilbruch kritisiert worden sei. Und als die Stühle verschlissen waren, habe man ähnliche besorgt. Das klingt irgendwie ulkig, denn warum sollte man einen Stilbruch erneuern, wenn er glücklich verschlissen ist? Haben Stilbrüche nicht etwas Derbes und in sich Hässliches? Wer als Oberbürgermeister in einem historischen Rathaus von lauter alten Dingen umgeben ist, hat es gewiss schwer, das Drinnen des Rathauses mit dem Draußen seiner Mitbürger in Einklang zu bringen. Gebäude stehen still da, rühren sich nicht und verraten nichts, und trotzdem beeinflussen und formen sie die Menschen, die zwischen ihnen daherlaufen oder sich in ihnen aufhalten. Und ich frage mich, was macht zum Beispiel dieser Anblick hier mit meinem Oberbürgermeister:

Sitzgruppe des Grauens

Hoffentlich schaut der Mann oft aus dem Fenster.
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Herumfliegende Worte

Ein schöner Tag, vorausgesetzt, man guckt nicht in die Zeitung. Wo ich heute herumlief, war es jedenfalls erbaulich. Ich kannte einmal eine Frau, die beim Stadtbummel nicht ansprechbar war, sobald sie irgendwo in der Nähe ein paar Gesprächsfetzen erhaschte. Meist bleib sie dann stehen und tat so, als müsse sie an Ort und Stelle irgendwas Wichtiges tun, um in Wahrheit noch mehr vom Gespräch zu erlauschen. Heute habe ich kurz hintereinander drei Gesprächsfetzen aufgefangen. Danach war ich in Sorge, einen Bekannten zu treffen oder etwas Ungewöhnliches zu sehen, - dann würden die Gesprächfetzen unweigerlich im Orkus des Vergessens versacken. Diese Sorge zwang mich, die Zitate im Stehen zu notieren und ich vermisste dabei eine Unterlage. Es wäre prima, wenn in den Innenstädten hier und dort Stehpulte angebracht wären. Ein solches Stadtmöbel fehlt.

Ich hätte natürlich in ein Cafe gehen können, doch ich hatte mir vorgenommen, zuerst die Schaufensterfensterpuppe einer Apotheke zu fotografieren. Sie war nämlich im Dezember ein Engel, und jetzt ist sie kein Engel mehr, sondern hat einen Knieverband. Bin gespannt, ob und wie die Metamorphose fortschreitet. Eigentlich müsste Figur derzeit eine rote Pappnase haben. Nach Karneval steht die Osterzeit an, dann wäre die Puppe als Bunny ganz hübsch und könnte für Potenzmittel oder Kondome werben.
Engel-mit-Knieverband

Vom Thema abgekommen. Meinen liebsten Gesprächsfetzen hörte ich einmal auf der Kölner Domplatte. Ein junger Mann sagte zu einem alten: "Reg dich nicht auf, Onkel Franz, ich mach das schon." Aus irgendeinem Grund ist dieser Satz für mich wie Poesie. Heute fing ich den ersten Gesprächsfetzen am Aachener Markt auf. Vor dem Lokal Postwagen, gleich neben dem Standesamt, hatte sich eine staatsgemachte Hochzeitsgesellschaft versammelt. Ein Mitvierziger sprach auf zwei Frauen und einen Mann ein, zeigte einer imaginären Person mit heftiger Geste einen Vogel, beugte sich vor und sagte empört: „… und feiert da Silvester!“ Warf sich in die Brust und fuhr fort: „ Ja gut, Okay, dat issss ….. „
Die Worte, der Mann, man hätte die Rolle nicht besser besetzen können. Vielleicht ging es erneut um die ominöse Nicole? Jedenfalls dachte ich mir, egal, um wen es geht, man sollte als Außenstehender nie so heftig urteilen. Man ist dann grundsätzlich im Irrtum.

Später überholte ich ein
älteres Ehepaar, und er sagte: „ … ja, isch hab an und für sisch … " - Diese Wendung hatte ich schon lange nicht mehr gehört. Sie gehört einem Soziolekt des Nichtssagenden an, kann ohne Informationsverlust gestrichen werden, hat aber etwas Kommunikatives. Die Wendung ist nur zu gebrauchen, wo es nötig oder erlaubt ist, sich sprachlich auszubreiten. Da braucht man als Zuhörer Zeit. Nur wer Zeit hat, kann sich so unterhalten.

Im Cafe sprach eine alte
Dame mit einer Kellnerin, die ihr mit den Krücken half. „Ne, ne, dat jehört sich nicht!“, sagte sie immer wieder. Was genau sich nicht gehörte, konnte ich nicht herausfinden. „Das gehört sich nicht“, wird sowieso mit den derzeit Alten aussterben. Die nachfolgenden Generationen haben nämlich sehr divergierende Ansichten darüber, was sich wie gehört. „Das gehört sich nicht“ gehört in eine Welt des Anstands. Diese Welt ist dabei, im Orkus des Vergessens zu verschwinden.


Guten Abend
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Wenn ein Stern vom Himmel fällt ...

unruehmliche-Begegnung
Aus aktuellem Anlass. Die Originalfassung ist ein Cartoon, das ich vor langer Zeit in einer Aachener Hochschulzeitschrift veröffentlicht habe.
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Herdprämie - Herdprämie - Herdprämie

Ab etwa dem 45. Lebensjahr will eine bestimmte Sorte des urbanen Mannes Modelleisenbahner werden. Mangelt es an handwerklichem Geschick, hat er, wie landläufig gesagt wird, zwei linke Hände, dann verlässt er den Modelleisenbahnclub wieder und tritt ersatzweise in eine Sprachgesellschaft ein, etwa in den Bund für deutsche Schrift oder in die Gesellschaft für deutsche Sprache. Und wie bei den Modelleisenbahner auch diplomierte Ingenieure mitmachen, so können auch Sprachgesellschaften Akademiker für sich gewinnen, zum Beispiel ältliche Professoren, die vergrämt auf wissenschaftlichen Abstellgleisen hocken. Heute meldeten die Medien, eine "Jury von Sprachwissenschaftlern" habe das Unwort des Jahres bekannt gegeben. Man hat „Herdprämie“ gekürt.

Ein unbefangener Betrachter könnte vermuten, dass sich die deutsche Sprachwissenschaft mit dem Küren von Wörtern und Unwörtern des Jahres beschäftigt, ja, dass es sogar ihre vornehmste Aufgabe ist, die Wörter des allgemeinen Sprachgebrauchs zu loben oder zu tadeln. Die Sprachwissenschaft wäre dann so etwas wie ein Wortgericht, in dem befunden wird, wie eine Sache genannt werden darf und wie nicht. Mit diesem Anspruch stünde die Sprachwissenschaft über allen, über den anderen Wissenschaften, über den Medien und über der Politik, ja, auch über den Kirchen, denn eine so verstandene Sprachwissenschaft wäre eine übermächtige Religion, die allein nach Gutdünken handelt. Sie kennt keinen Gott als ihren Auftraggeber. Ihr Auftraggeber ist die Sprache selbst, der sich auch Gott unterwerfen muss, denn mit Hilfe der Sprache kann der Mensch sogar mit Gott machen, was er will. Er kann GOTT in Versalien schreiben, GOtt mit zwei großen Anfangsbuchstaben, Gott getreu der amtlichen Rechtschreibung und zuletzt auch als einen kleinen gott.

Entschuldigung, vom Thema abgekommen. Unser Thema: Eine Sprachwissenschaft, die sich moralisierend in die Sprachentwicklung einschaltet, ist keine Sprachwissenschaft, sondern eine Religionsgemeinschaft. Wie kommt es, dass sich Sprachwissenschaftler dazu hergeben, an einem pseudoreligiösen Ritual wie der Wahl des Unwortes teilzunehmen? Es kann nur Eitelkeit sein. Denn eigentlich müssten sie wissen, dass sie spekulativen Unsinn betreiben. Sprache bezeichnet nur. Wenn ein Wort eine üble Sache bezeichnet, so liegt das Übel nicht im Wort, sondern in den realen Gegebenheiten, menschlichen Handlungen und Denkungsweisen.

Die Sprache der Politik und der Medien kennt viele Wörter, die eine bestimmte Gesinnung kennzeichnen. Diese Wörter zu verbieten oder moralisch zu geißeln ist genauso sinnvoll wie Impfung gegen Schweinepest. Man weiß nach Tilgung oder Impfung nicht mehr, wo der Pestvirus steckt. Also, froh um jedes entlarvende Wort.
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Abendbummel online - Anrüchiges Thema

Der Kreislauf des GeldesUnd kein Winter in Sicht. Und keine Themen auf der Straße. Und keine Kunden im Friseurladen. Und mein Friseur sagte so gut wie kein Wort. Nur einmal wurde die Stille von Bemerkungen unterbrochen, als nämlich die Schere zu Boden fiel. Zum Glück blieb sie nicht mit der Spitze im Boden stecken, denn das wäre ein schlechtes Omen; es bedeutet späten Besuch. Das könnte im Frisuerladen nur einer sein, der kurz vor Feierabend reinkommt und die Löschen so wild um die Ohren hat wie ich, bevor der Friseur Hand an mich legte. Doch ich kam zeitig. Meine eigene Mutter würde mich nicht mehr erkennen, so hingebungsvoll hat der stille Friseur mir jedes einzelne Haar geschnitten.

Danach bummelte
ich durch die leere Stadt und ließ mir vom böigen Wind die sorgsam geföhnte Haarfrisur wieder in Ordnung bringen. Das Jahr ist noch jung, und so sind noch lange nicht alle Figuren aufgetaucht, die das Jahr 2008 bevölkern werden. Sie stehen erst später im Jahr im Weg herum, wenn ich es eilig habe. Irgendwie vermisse ich das Volk, und ich bin heimlich froh, wenn sich die Reihen wieder auffüllen.

Das dachte ich, als ich im Café am Münsterplatz saß und draußen nichts Interessantes sah, bis auf einen Angestellten der Sparkasse im dunklen Anzug. Er hatte ein Handy am Ohr und schritt mit flatternden Hosenbeinen im Kreis. Er hätte das Gespräch auch in seinem wenige Meter entfernten Büro führen können, doch es war offenbar eines, bei dem man mit großen Schritten im Kreis laufen muss. Da waren auch zwei junge Stadtstreicher, die miteinander haderten. Ich habe die beiden schon einmal vor dem Eingang eines Supermarktes gesehen. Damals stritten sie auch. Der eine behauptete, dass er stets mehr Geld zusammenschnorren könne als der andere. Und auch jetzt blieb der bessere Geldsammler mit seinem Becher auf dem Münsterplatz zurück, derweil sich der andere scheltend entfernte. Der Bettler und der „Banker“ waren also beide mit Geldfragen beschäftigt. Der Unterschied zeigte sich in ihren Schritten. Der Bettler machte Trippelschritte auf der Stelle, wenn sich jemand näherte. Denn weil er Kleingeld erbettelt, kann er keine großen Schritte machen wie der Banker, der gewiss einen Millionendeal am Ohr hatte. Von der Stelle kamen beide nicht, denn ihre Gedanken kreisten um Geld.

Der moderne Mensch
denkt viel über Geld nach. Entweder drückt ihn ein Zuwenig oder es plagt ihn die Sorge, wie er sein Zuviel vermehren kann. Das ist irgendwie unerfreulich, denn es müssen so viele andere Dinge bedacht werden, wenn die Gesellschaft vorankommen will.

Später habe ich mir Rollkoffer angeschaut. Im Foyer des Ladens war eine große bronzene Springbrunnenplastik aufgestellt, eine Figurengruppe mit beweglichen Gliedern rund um ein ovales Becken. Im Becken lagen überdimensionale Münzen. Und ich dachte: Geld, verdorie, schon wieder dreht sich alles um Geld.

Guten Abend
Brunnen in Aachen: Der Kreislauf des Geldes
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Zwei Zettel vom Bürgersteig (2)

Referat MMIZettel (2) fand ich unweit von Zettel (1), und zwar am selben Tag auf der Aachener Jakobstraße. Links unten hat der Zettel eine Chiffre, die darauf schließen lässt, dass der Zettel von D stammt und an S weitergegeben werden soll. Der handschriftliche Text ist die Gliederung eines Referats zum Thema: Computer als Werkzeug. Unter dem Thema stehen die dem Referat zugrunde liegende Literatur und die Namen von drei Autoren, Züllinghoven, Reinhard Budde und Carola Lilienthal. Es folgt eine Vierpunkte-Gliederung von a) bis d). Unter a) sollen Werkzeug- und Maschinenbegriff geklärt werden, b) behandelt offenbar die Handhabung des Werkzeugs in Auseinandersetzung mit Material, c) stellt Werkzeug und Maschine vergleichend gegenüber. Die Schlussfrage, d), lautet: „Was hat das alles für Auswirkungen auf die SW-Entwicklung und MMI“ SW meint Software, mit MMI ist die Mensch-Maschine-Interaktion gemeint.

Erhebt sich die Frage, was denn „das alles“ genau ist. Ist es ein wichtiger Unterschied, ob man einen Computer als Werkzeug begreift oder als eine Maschine? Wenn ich meinen Laptop nehme und damit nach einem Kaninchen werfe, um es zu erlegen, benutze ich ihn eindeutig als Werkzeug, nämlich zur effektiven Ausnutzung meiner Körperkräfte durch ein Gerät. Es hängt dann ab von meiner Kraft, meiner Geschicklichkeit, den Flugeigenschaften meines Laptops und vom Verhalten des Kaninchens, ob ich erfolgreich bin und mir am Abend ein Kaninchen braten kann oder nicht. Angenommen, ich hätte das Kaninchen nicht getroffen, dann könnte niemand mit Genauigkeit sagen, woran es gelegen hat. Die Einflussgrößen erschließen sich nicht, denn die Welt ist zu komplex, als dass man eine zuverlässige Beschreibung eines Vorgangs geben könnte. Die Wahrheit lässt sich nur annähernd erschließen, niemals jedoch restlos.

Ein Programmierer schreibt ein Computerprogramm, in dem man mit Laptops nach Kaninchen werfen kann. Die Grundlagen des Programms sind Mathematik und Logik sowie eine Programmiersprache, die auf den Regeln von Mathematik und Logik beruht. Mit Hilfe der Programmiersprache entwirft der Programmierer eine grafische Welt, in der auf bestimmte Weise die Formen von Kaninchen auftauchen. Dem Nutzer dieser Welt verleiht der Programmierer Einflussmöglichkeiten. Er kann über Maus oder Tastatur einen Effekt auslösen, der die bewegte Grafik eines Laptops aufruft. In einem Kollisionsregister wird abgefragt, ob sich Laptop und Kaninchen berührt haben, worauf eine Unterroutine dieses Ereignis grafisch darstellt. Wenn nun der Benutzer mit einem Mausklick einen Laptop Richtung Kaninchen schickt, dann ließe sich mathematisch genau nachvollziehen, warum er getroffen hat oder nicht, denn das Ereignis auf dem Computerbildschirm geschieht innerhalb streng definierter Bedingungen. Ein Computerprogramm ist eine virtuelle Maschine, und eine Maschine arbeitet nach genau festgelegten Regeln. Alles was in diesen Regeln und Routinen nicht berücksichtigt ist, existiert nicht.

Die Maschine legt den Menschen auf ihre Regeln fest und lässt ihm nur einen streng definierten Gestaltungsspielraum. Ist die Maschine so komplex wie ein Computer, kann sie beim Nutzer die Illusion erzeugen, der Gestaltungsspielraum sei unendlich, woraus sich ein trügerisches Vertrauen in die Technik entwickelt, eine Gleichsetzung der Maschinenwelt mit der realen Welt.

Es ist also ein großer Unterschied, ob man den Computer als Werkzeug benutzt oder als Maschine. Der Maschinenwelt fehlen wesentliche Elemente des menschlichen Daseins, das Unwägbare sowie Ethik und Moral. Logik kommt ohne sie aus. Die Mensch-Maschine-Interaktion darf nicht nur darauf angelegt sein, dass der Mensch sich den logischen Bedingungen der Maschine anpasst. Indem der Mensch viele seiner Handlungen und Entscheidungen von Maschinenregeln anhängig macht, ja die gesellschaftlichen Vorgänge überhaupt zunehmend diesen Regeln unterwirft, macht er sein Leben unwirtlich und hart. Eine allein nach logischen Erwägungen organisierte Gesellschaft würde die Wahlmöglichkeiten ihrer Mitglieder immens einschränken, sie völlig abhängig machen und somit ihrer Menschlichkeit berauben. Es lohnt sich, darüber nachzudenken oder gar ein Referat darüber zu schreiben.
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Zwei Zettel vom Bürgersteig (1)

mein Freund und ich
Zettel (1) fand ich gestern auf dem Bürgersteig. Der handschriftliche Text ist in deutscher Sprache verfasst. Es ist eine Kontaktanfrage an einen Unbekannten, der einen ausgebauten Transporter besitzt. Handschrift und Inhalt lassen auf eine junge Frau schließen. Sie hat auf den gedrehten Abriss eines Geschäftsbriefes geschrieben. Dieser Text ist niederländisch und von einem „Voorzitter“ (Vorsitzender) unterschrieben, der den seltsamen Namen Bas Eenhoorn trägt. Der voorzitter schreibt offenbar über eine Marketingstrategie. Der letzte Satz des Briefes lautet: „Om te zorgen dat de consument steeds bewuster gaat kiezen voor dé specialist in beweging!“. Das bedeutet frei übersetzt: Um dafür zu sorgen, dass der Konsument immer bewusster DEN Spezialisten für Bewegung wählt. Was ist ein „specialist in beweging“? Ein bewegter Spezialist? Die Eingabe von „specialist in beweging“ bei Google ergibt als ersten Link:

„Bewegung“ ist also buchstäblich und übertragen zu verstehen. Der Bewegungsspezialist will potentielle Konsumenten zu sich bewegen, damit er ihre Gliedmaßen bewegen kann. Leider enthüllt der Abschnitt nicht, mit welcher Werbestrategie das Unternehmen den Konsumenten für sich gewinnen will, auf dass er „bewusst“ das Angebot des vorzitters wählt. Führt Werbung zu bewussten Wahlentscheidungen? Es kann ein Nebeneffekt von Werbung sein, doch eigentlich zielt sie ja auf das Unbewusste des Konsumenten, soll dort ziehen und zerren, wo er sich nicht wehren kann. Was der Vorsitzende „bewusste Wahl“ nennt, ist ein Euphemismus für „beeinflusste Wahl“.

Es besteht ein ulkiges Bindeglied zwischen dem getippten Brief und dem handgeschriebenen Zettel, nämlich dort, wo der vorzitter unterschrieben hat. Hier treffen zwei Handschriften aufeinander. Die Frau hat geschrieben: „Mein Name ist“ und dahinter steht auf dem Kopf "Bas Eenhorn", denn Dorit, die Verfasserin des Zettels, hat sich nicht getraut, ihn zu streichen oder zu überschreiben. Er hatte schließlich das Erstlingsrecht auf dem Papier.

Der Zettel offenbart zwei unterschiedliche Lebenswelten. Trotzdem haben sie mehr als das Papier gemeinsam. In beiden Botschaften geht es um Spezialwissen zum Thema Bewegung. Wir leben halt in einer bewegten Zeit, und wer mitschwimmen will im großen Strom, muss sich auch bewegen, wird gezogen, gezerrt, geschoben oder geschubst. Deshalb ist es der größte Luxus, sich allein aus eigenem Antrieb bewegen zu dürfen.
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Neues aus zweitausendacht

neues-aus-2008

Selten ist der Entschluss, einem Laster zu entsagen, so gefeiert worden. Am 31. Dezember 2007, wenige Sekunden vor zwölf Uhr trat ich meine letzte Zigarette aus. Und sogleich erhob sich ringsum ein unfasslicher Jubel. Sektkorken knallten, Sprengkörper wurden gezündet, Raketen zischten in den dunstigen Nachthimmel, und unter vielfarbigem Sternenregen lagen sich einander wildfremde Menschen in den Armen und stammelten Worte der Rührung. Prächtig! Das hatte ich nicht erwartet. Niemand hatte mir gesagt, wie sehr die Welt sich wünschte, dass ich dem Rauchen entsage.

Es wäre jetzt natürlich hübsch, diese Idee noch ein bisschen auszumalen. Das geht aber leider nicht. Es ist nämlich so. Wenn ich früher einen Text geschrieben habe und plötzlich stockte der Fluss meiner Gedanken, dann bin ich aufgestanden, ins Nebenzimmer gegangen und habe eine Zigarette gedreht. Das ist jetzt Vergangenheit, alter Kuchen sozusagen, weshalb dieser Text also stockt, wo er hätte noch ziemlich lustig werden können oder wenigstens ein bisschen lustig, so dass der werte Leser, die verehrte Leserin hätten schmunzeln müssen.

„Herr Trittenheim, ich musste nicht schmunzeln!“, das werde ich in 2008 oft zu hören kriegen und das vermutlich von den selben Leuten, die in der Silvesternacht Böller gezündet und Raketen abgefeuert haben. Allerdings bin ich ja auch nicht verantwortlich fürs Schmunzeln weiter Kreise, nö, ganz und gar nicht. Man kann schließlich nicht von mir erwarten, dass ich meine Gesundheit ruiniere, nur weil grad mal irgendeiner schmunzeln will und weiß nicht worüber.

Vorsorglich wünsche ich allen Kundinnen und Kunden ein gutes neues Jahr 2008 sowie Grund zur Freude satt und genug.

Herzlichst
Trithemius
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Wallfahrt auf dem rechten Weg

Wallfahrt in =>=>=>=>=> Etappen

Es gibt viele Gründe, den Jakobsweg zu gehen. Mein Grund ist anrüchig. Ich trat in einen Hundehaufen. Das fühlte sich weich und freundlich an, war aber bei näherer Betrachtung eklig. Manche sagen ja, in einen Hundehaufen zu treten bringe Glück. Vermutlich stammt der Spruch von einem faulen Hundebesitzer. So, jetzt hatte ich also dessen faules Glück am Fuß, was sich zwar besser anhört als Scheiße am Bein, mich jedoch vor die Frage stellte, wie ich das beschissene Glück wieder loswerden kann.

Da sah ich an einem Verkehrsschild die Jakobsmuschel, und ich dachte: Gut, dann mache ich es wie alle, ich laufe ich mir auf dem Jakobsweg die Sohlen ab, dann bin ich die Scheiße los. Ich bin bestens gerüstet, denn ein Pilger geht mit kleinem Gepäck. In meinen Manteltaschen habe ich ein Handy, einen Ersatzknopf, einen fünf Zentimeter langen Nagel, 17 Cent, verteilt auf drei Münzen, zwei Zuckertütchen, ein hübsch gestaltetes Notizbüchlein mit Roboter-Motiv sowie einen edlen Stift, den ich jüngst von einer lieben Freundin bekam. Natürlich sind die beiden letztgenannten Gegenstände für meinen Pilgerbericht ungeeignet, denn mit einem edlen Stift darf man keinen Scheiß in ein hübsch gestaltetes Notizbüchlein mit Roboter-Motiv schreiben. Ich tippe alles ins Handy ein - Mobloggin ist wie gemacht für Scheißberichte.

Tut mir leid, dass das Wort Scheiße hier so oft auftaucht. Ich bin ja gerade erst losgegangen, und es dauert noch eine Weile bis ich mir die Sohlen mitsamt Scheiße abgelaufen habe.

Alles am Start

Steil steigt der Weg an, und schon winkt die erste Versuchung. Ehrlich gesagt, eigentlich winkt sie nicht, das machen Häuser nur selten. Also neuer Versuch: Rechts lockt (hehe) die erste Versuchung, der Söller, in dem ich mich trefflich besaufen und eventuell allen Scheiß am Bein eines Thekenhockers abwischen könnte. Und der Rest, der noch in den Rillen steckt, stört mich nicht, wenn ich den Kanal voll habe.

Ich rufe mich zur Ordnung! Wie man sieht, ist ein Pilgerweg steil, hart und steinig, nämlich mit Versuchungen und Schwierigkeiten gepflastert. Und jetzt kommen mir auch noch zwei hübsche Frauen entgegen.

=>=>=>=>
alle-Tage-glücklichAch, wie fällt der Jakobsweg mir schwer. Ist’s denn nicht genug, dass er als Einbahnstraße beginnt? Muss an ihrem Ende bei der Kneipe zum lüsternen Bären dieses Schild so faul im Kneipenfenster lehnen? Montag - Tacotag, Dienstag - Schnapstag, Mittwoch - Hefetag, Donnerstag - Biertag, Freitag - Starkbiertak, Samstag - Longdrinktag - an allen Tagen könnte ich glücklich sein, nur sonntags nicht, was für eine Schmach.

Vielleicht fragt sich der eine oder andere Leser, wie es denn inzwischen um die Scheiße bestellt ist. Sie ist noch da, und besonders seitlich der Sohle. Mir ist übrigens etwas aufgefallen. Im Rinnstein des Jakobswegs liegen Botschaften. Die Botschaft lautet „Billig“. Das ist hübsch. Man weiß ja nicht, ob der Jakobsweg überall so gut ausgeschildert ist wie hier. So habe ich eine zweite Richtschnur. Solange ich die Botschaft „Billig“ im Straßendreck finde, bin ich auf dem Pilgerweg.

Es ist überhaupt
besser, den Blick auf den Boden zu senken, denn locken nicht ringsum alleweil die schrecklichsten Ablenkungen und oder Versuchungen? Kaffeemomente zum Beispiel, denn „Wir lieben Kaffee-Momente“, in denen schöne blonde Frauen in Wäsche vor dem Spiegel posieren. Für meinen Geschmack sollte die Wäsche nicht unbedingt die Farbe von Kaffee mit viel Milch haben. Dieser Umstand sowie das Bewusstsein, eine kotige Schuhsohle zu haben sind meine Rettung. „Kackbraun“, denke ich, reiße mich los vom Kaffee-Moment der Liebe, wende mich ab und steige weiter die Straße hinauf.

=>=>=>

Den fünf Zentimeter langen Nagel kann ich gut gebrauchen, denn ich will überall Ich-war-hier-Marken ritzen, auf dass die Welt sehen kann, dass auch ich den Jakobsweg gegangen bin, die innere Einkehr zu suchen, um die Ergebnisse in die Welt hinaus zu tröten. Ach nein, ich habe ein noch schlichteres Motiv. Ich will nur den Scheiß vom Fuß los werden. „Eine Reise ins innere Ausland“, verspricht das Plakat eines ausländischen Gurus, der sich nach Aachen verirrt hat, hehe. Gut, das wird bestimmt vergnüglich. Da kann ich so oft Scheiße, bekackt und Dreckswelt rufen, wie ich lustig bin, denn in meinem inneren Ausland kennt mich ja keiner.

Schon spüre ich die Befreiung von der Alltagslast, und vor lauter Übermut greife ich in die Manteltasche und schmeiße mein Geld weg. Was? Das sind ja nur 17 Cent und somit so gut wie nichts? Es ist alles, was ich habe und somit gleich viel wie eine Million, die ich weggeworfen hätte. Ja, und das wird meine Botschaft sein an die anderen Pilger, so ich welche treffe. Schmeißt das Geld weg, Leute, das macht Jux! Sind wir denn Wallfahrer zum schnöden Mammon? Nein, wir wollen den Alltagsscheiß hinter uns lassen. Nebenbei, der klebt zwar noch an meiner Fußsohle, allein, es ist deutlich weniger, weil ich eben in einem vom Leser unbeachteten Moment etwas nachgeholfen habe, indem ich den Fuß an Bodendeckern abwischte. Die sind sowieso meistens hässlich, weil es einfach nicht gut für ein Lebewesen ist, so nah am Boden zu kriechen. Richten wir uns also auf und lassen den Blick schweifen.

=>=>

entenrennenDu liebe Zeit, könnte man den Dreck der Welt doch einfach so an Bodendeckern abwischen. Ob es so viele Bodendecker gibt? Ich will nicht memorieren, was es alles an Scheiß gab im Jahr 2007. Den Rückblick spare ich mir, und dem werten Mitpilger sollte ich erst recht nicht damit in den Ohren liegen, sonst geht er nachher krumm und will gestützt werden. Dazu habe ich aber ums Verrecken keine Lust. Viel mehr will ich die Reise ins innere Ausland genießen, in dem sich nämlich prima pilgern und nach Herzenslust fluchen lässt. Hussa, ihr Weggenossen, wir sind fremde, ganz anders empfindende Wesen. Egal ob das Gras alle ist oder ob das Plumeau nass im Garten liegt, wir sind auf dem rechten Weg. Und ehrlich gesagt, die Jakobsmuschel kann mir da auch gestohlen bleiben. Denn sie zeigt nur an, wo andere bereits gegangen sind. Da geht es zu wie auf der Kölner Hohe Straße am verkaufsoffenen Sonntag. Das ist eine merkantile Angelegenheit mit schwülstiger Überhöhung und öffentlicher Selbstbespiegelung. Nichts - und drüber Glasur. Ein blödes Entenrennen, irgendwie.

O
Ogmios, du weißt wie ich die verirrten Menschen flüchte, die nach einer Reise darauf lauern, mir ihre flachen Erinnerungen in die Ohren zu blasen. Da nähe ich mir lieber den Mantelknopf an die Backe oder bohre mir ein Loch ins Knie und säe Salat rein. Ja, das darf ich hier sagen, denn wir sind im inneren Ausland, wo sogar die Polizei außer Betrieb ist. Dessen habe ich mich vergewissert.

=>

nein danke! Eine Luft zum Saufen, unser sonntägliches Hochamt. Und das beste ist, wir brauchen nichts, denn wir sind uns selbst genug. Liebe, Hass, Wahnsinn – vorhanden - wozu soll diese Kombination gut sein? Wir bestellen das nicht. Bitte keine neue Scheiße. Da finden wir doch lieber eine Antwort auf eine Frage, die wir nicht gestellt haben: zweiundvierzig. Bitteschön, hier geht’s lang. Übrigens, wir hätten dem Jakobsweg ohnehin nicht mehr lange folgen können. Er führt nämlich durch Frankreich, und da lassen sie uns nicht rein. Besser so.
Zum Glück

zweiundvierzig
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