Warum Herr Gottschalck nächtens über meinen Flur schleicht

Der März neigt sich dem Ende zu, doch noch immer hat der Winter die Tage im eisigen Griff. In den Nächten, wenn in den Wohnungen die Heizungen schlafen, dann bekommt das Haus eine Gänsehaut und macht sich kältestarr, während der Frost ins Mauerwerk zieht. Die Dielen beginnen zu knarren, die erkalteten Heizungsrohre knallen, die Wände knistern und flüstern. Es braucht nicht viel Phantasie, sie erzählen zu hören, von meinem Vorbewohner etwa, der ein überaus seltsamer Mann gewesen sei, niemals mit den Nachbarn sprach, und nie verließ er die Wohnung ohne Hut.

Seinen Namen weiß ich nicht. Wir wollen ihn Gottschalck nennen. Herr Gottschalck war von Beruf Korrektor, und sein Arbeitsplatz war ein Glaskasten inmitten einer großen Verlagssetzerei gewesen. Einst war er Schriftsetzer, doch als er in die Jahre kam, machte sein krummer Rücken ihm zu schaffen. Er konnte die schweren Kästen mit den Bleilettern nicht mehr wuchten. Als Herr Oster, der Oberkorrektor des Hauses, plötzlich verstorben war, da wurde Herr Gottschalck in den Glaskasten befördert, um Korrekturfahnen zu lesen und Fehler aufzusuchen. Denn jede Druckerei hat einen ungebetenen Bewohner, den Druckfehlerteufel.

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Acht Omas uzen einen Igel – aber warum?

Weil er die Karteikarten versehentlich vor- und rückseitig beschrieben hatte, habe er ein geplantes Buch nie geschrieben, berichtet der Linguist Harald Weinrich – leider zu spät. Da war mir schon derselbe Fehler unterlaufen. Es ist mühsam, die Übersicht über ausgelegte Karteikarten zu behalten, wenn Wichtiges auf Rückseiten steht. Deshalb will ich auch gar nicht so recht aufschreiben, warum die Omas den Igel ärgern, wo es doch gerade draußen so ungemütlich ist und sogar unentwegt friert. Freilich hatte ich mir das auferlegt, also nicht das Frieren, sondern über das schändliche und zugleich segensreiche Tun der Omas zu berichten. Das beschloss ich, als ich heute Morgen darüber nachdachte, dass der menschliche Körper nicht besonders lernfähig ist.

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Tridihee joo di hee joo – Radiosprecherin verjagt den Lenz

Der Lenz will und will nicht kommen. Wie bewachtes Wasser nicht kocht, so schadet es erkennbar, wenn man dem Frühling vorzeitig Lieder singt wie die Radio-Moderatorin Linde Merckpoel des flämischen Musiksenders Studio Brussel. Folge: Neuschnee und Minusgrade. "It’s not human, sorry!"

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Kreizsacklzement! Woas is oin Mantra?

„Mysteriöse Schriftzeichen an der Bergwand“, titelt der Münchner Merkur in seiner Online-Ausgabe und schildert die mühsame Recherche nach der Bedeutung der Zeichen. Herausgefunden hat ein befragter Experte, dass es tibetanische Schriftzeichen sind, die Om mani padme hum lauten, aber man wisse noch nicht, was das heißt.

Man merkt sofort, dass der Merkur im Land der deutschen Pisa-Meister erscheint. Der Artikel spiegelt soviel Kompetenz, ist mit soviel Rechercheaufwand erstellt, ist geradezu ein Paradebeispiel für investigativen Qualitätsjournalismus.

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Diskjockey-Verbandspräsident ohne Mitglieder

Ein Beitrag zum Regalprojekt des Kollegen Shhhhh

Hinter den Glastüren meines Bücherregals befinden sich großformatige Bücher. Neben einem Kunstband über den Merzkünstler Kurt Schwitters stehen zwei Zeitschriften im DIN-A4-Format aus dem Jahr 1980, eine französischsprachige und eine niederländische Ausgabe. Sie sind herausgegeben von der belgischen Diskjockey-Organisation, Union Professionelle des Disc-Jockeys de Belgique (UPDJ), und dem flämischen Ableger, Belgische Disc-Jockeys Organisatie (BDO). In Belgien gibt es eben alles doppelt.

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Thronverschwörung und ein Sieg der Kaisertreuen

Ein Beitrag zum Regalprojekt des Kollegen Shhhhh

In diesem Text geht es quasi um nichts. Um einen Buchstaben, der mal verschwinden sollte, aber nicht durfte, dann doch verschwand, aber auf geheimnisvolle Weise wieder bereitgestellt wurde. Er tönt nicht, also man hört ihn beim Sprechen nicht, er zeigt weder Dehnung noch Schärfung an, sondern hat seit Jahrhunderten die ehrenvolle Aufgabe, gar nichts zu tun, lediglich besessen zu werden.

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Hl. Joseph, bitt’ für uns! – Die Biographie des Regals

Ein Beitrag zum Regalprojekt des Kollegen Shhhhh

Mein Bücherregal besteht aus vier senkrecht unterteilten Elementen. Das linke Element hat im unteren Teil zwei Glastüren. Dahinter befinden sich Bücher, die ich besonders vor dem Verstauben schützen will. Die Entsprechung der beiden Regalböden im Element ganz rechts ist meiner Dudensammlung vorbehalten. Es gab eine Zeit, in der ich mich intensiv für die Entwicklung der deutschen Orthographie interessiert habe. Daher habe ich die verschiedenen Ausgaben des Dudens von 1901 an gesammelt. Dazu bin ich gern auf Flohmärkten gewesen und habe nach alten Duden gesucht, bis etwas geschah, was meine Sammelfreude getrübt hat. Davon später.

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Wir Baumeister der falschen Perspektiven

Mit dem geschätzten Kollegen Shhhhh tauschte ich mich letztens über falsche Perspektive aus. Er meinte freilich die Erzählperspektive, während ich darin einen Begriff aus der bildenden Kunst verstand, nämlich die Darstellung von dreidimensionalen Objekten, die es in dieser speziellen Weise nur in der 2. Dimension geben kann. Die nebenstehende unmögliche Lattenkiste ist so ein Beispiel. Ich habe einmal ein Foto gesehen, worauf ein Mann eine ähnliche Kiste in den Händen hielt, was allerdings kein Beweis war, dass man sie tatsächlich halten könnte. Die Fotografie ist ja ebenfalls zweidimensional, wenn sie auch die 3. Dimension täuschend echt abbilden kann.

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