Heimatkunde im Teppichhaus
von Trithemius - 6. Nov, 21:33

Das Wort „Printen“ ist verwandt mit dem englischen „to print“, also auch mit „Presse“ und dem deutschen Fremdwort „Printmedium“. Das alte deutsche Wort „prenten“ für „drucken“ ist ebenfalls mit den Printen verwandt. Warum? Kann man mit Printen drucken? Nein, allenfalls ein bisschen herumknüseln. Das Wort hörte ich einmal von einem Freund, der im Keller des elterlichen Buchladens eine Raubdruckerei betrieb. Er sagte: Ich bin kein Drucker, sondern ein Papierbeknüseler.
Der Printenteig wurde ursprünglich in hölzerne Druckformen gepresst, und zwar in Gestalt eines Heiligen. Printen sind eigentlich gepresste Heilige. Mehr weiß ich darüber nicht; man kennt ja die Besonderheiten der Heimatstadt selten so gut wie die Touristen, die einmal eine Fremdenführung mitgemacht haben. Der Nachtbummel zum und durch das Pataphysische Institut ist auch eine Fremdenführung. Dort hängt in einem der Treppenaufgänge ein großes Heiligenbild. Vorsorglich bitte ich die Besucher, den Heiligen nicht zu berühren, zu pressen oder etwa mit Schokoladenprinten zu beknüseln.

spaziergang
Musik: Martin Kratochwil
(aus der ersten Lesenacht)