Manche Wörter sind blöd wie Hüfthosen

PedalritterIn den Redaktionen der Aachener Zeitungen, die inzwischen alle in einem Verlag erscheinen, herrscht leider seit Jahrzehnten die Meinung, man dürfe ein Substantiv nicht zweimal hintereinander verwenden. Vielleicht hat der Urheber dieser Macke seine Macke von einem kleingeistigen Schulmeister mitbekommen. Leider sind solche Schulmeister selten imstande, das dazu nötige Ausdrucksvermögen und einen großen Wortschatz zu vermitteln.

Der originelle Mensch, der sich einst die Wörter Pedaltreter, Pedalritter, Drahtesel und Stahlross ausgedacht hat, müsste posthum des Landes verwiesen werden. Seine Wortprägungen waren bei der Erstverwendung vielleicht lustig. Sie entstammen vermutlich einer Zeit, in der man das Radfahren noch für eine Tätigkeit von spleenigen Zeitgenossen ansah. Der berühmte englische Lexikograph Dr. Samuel Johnson höhnte über ein erstes pedalgetriebenes Gefährt: „Somit hat der Mensch die Wahl, ob er sich selbst bewegen will oder sich selbst und einen Wagen dazu.“ Ähnlich dachten einige Jahrzehnte später die Schaulustigen, als sie dem Freiherr von Drais während der Jungfernfahrt mit der Draisine am 12. Juni 1817 den Vogel zeigten. Einer ihrer geistigen Nachfahren hat sich die vogelzeigenden Wörter Pedalritter auf Drahtesel und dergleichen ausgedacht. Bekämen seine Erben dafür Tantiemen, wären sie reiche Leute. Übrigens gibt es vergleichbar lächerliche Ausdrücke nicht für den Autofahrer.

Durch ständigen Gebrauch sind die albernen Komposita aus dem Sachbereich des Fahrrads natürlich nicht schöner geworden. Inzwischen hat sich das Radfahren jedoch als zuweilen günstige Fortbewegung erwiesen. Daher sind die Metaphern zudem überholt und altbacken. Sie entstammen dem engstirnigen Denken einer vergangenen Lebenswirklichkeit.

Nicht jeder kann es sich leisten, etwas wegzuwerfen. Mancher hat einfach nicht soviel im Kopf. Sieht er ein Wort wie Fahrrad, greift er intuitiv in eines seiner wenigen Sprachkästchen und holt den Drahtesel oder das Stahlross hervor. Guckt es kurz an – findet es immer noch prima oder wenigstens gut genug oder er denkt: „na ja, was Besseres gibt’s halt nicht auf dieser Welt“, - und gibt zum zehntausendsten Mal den selben despektierlichen Altmännerwitz in Druck. Bitte diese Sprachschublade nicht mehr öffnen. Sie enthält dummes Zeug.

Sprachmoden sind schwerer zu überwindenAlberne Sprachmoden sind schwerer zu überwinden als ihre Erfinder
(Foto: Trithemius)



Teppichhaus Textberatung
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Spass im Teppichhaus

Liebe Kundinnen und Kunden,

heute vormittag äußerte Herr Mark E. Ting alias Prinz Rupi diesen dringenden Wunsch zum Warenangebot des Teppichhauses:

Lieber Jules, Du weißt, was ich meine: ein wenig mehr Farbe, bisweilen weniger Ernst, auch mal Ausgelassenheit zulassen, den Spaß nicht vergessen …

Selbstverständlich hat die Teppichhausdirektion auf der Stelle ihre arbeitsscheuen Farb- und Humorexperten aufgescheucht, dem faulen Ernst einen Tritt verpasst und die gewünschte Ware fertigen lassen.

spasss-im-teppichhaus

Schönes Wochenende
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Vom Zeigen des Zeigens

Frau-Nettesheim-VideoTrithemius
Bitte lächeln, Frau Nettesheim!

Frau Nettesheim
Schalten Sie die Kamera aus, Trithemius. Ein Standbild von mir muss reichen, ich bin keine Medientusse.

Trithemius
Das weiß ich doch, Frau Nettesheim. Das Video ist ja nicht für die Öffentlichkeit bestimmt. Ich wollte Ihnen nur einmal zeigen, wie hübsch Sie heute wieder aussehen.

Frau Nettesheim
Wie schamlos Sie wieder lügen. Sie zeigen, dass Sie mich zeigen.

Trithemius
Allerdings, denn das Zeigen des Zeigens ist sehr in Mode gekommen, wie ich letztens auf einer Fete erneut beobachten konnte. Man hat sich unablässig gegenseitig fotografiert und zwischendurch die Bilder auf dem Laptop betrachtet. Auf diese Weise wird der Wirklichkeit eine parallele Bildwirklichkeit hinzugefügt, die wiederum auf die Wirklichkeit Einfluss nimmt.

Frau Nettesheim
Sie meinen, dass durch die gezeigten Bilder Handlungen und Ereignisse provoziert werden, die ihren einzigen Grund im Zeigen haben?

Trithemius
Ja, Frau Nettesheim. Die inszenierte Wirklichkeit der Bildwelten gewinnt immer mehr Einfluss auf unseren Alltag. Das ist ein seltsamer Rückkopplungsprozess. Er führt zur Übermacht der zweiten Dimension und macht letztendlich unsere Leben flach.

Frau Nettesheim
Sehen Sie, darum will ich auch nicht, dass Sie zeigen, wie ich heute aussehe. Das nimmt mir die Unbefangenheit, und dadurch gewinnt das technische Bild Einfluss auf mein Verhalten.

Trithemius
Und ich dachte immer, Sie stehen über solchen Dingen, Frau Nettesheim.

Frau Nettesheim
Verschonen Sie mich mit Ihren Idealisierungen, Trithemius!

Frau Nettesheim
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Über die Kulturtechnik Zeichnen

zeichne-mal-wieder

... heute jenseits der Dorfgrenze.
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Plus!


Was haben vorübergehend
glückliche DDR-Bürger nach dem Fall der Mauer in die westdeutschen Kameras gestammelt? „Wahnsinn!“, und das zu Recht, der Glückshormone wegen, die ungebremst durch ihre Venen gepumpt wurden.

Wenn man in der Marketingabteilung eines Discounters am Schreibtisch hockt, erlebt man dann auch solche Momente der Überwältigung, so dass das Sprachzentrum seinen Dienst versagt und nur noch "Wahnsinn" herausrückt? Beim Aufheben einer Büroklammer vielleicht? Oder sitzt zufällig eine Neue am Empfang, die das Blut aus dem Kopf treibt, weil es anderswo gebraucht wird? Bitte, was hat euch in den Wahnsinn getrieben? Einige Überschriften aus eurer Werbebeilage vom 20. Juni 2007:

Wahnsinn! Das will ich!

Wirklich? Macht es solchen Spaß, so richtig gaga zu sein?
Offenbar, denn so geht’s bei euch weiter:

„Wahnsinnsangebote bei Plus!“, „irre billig!“
„Kleine Packungen – wahnsinnig billig!“
„… zum Wahnsinnspreis“
„Wieder eine Wahnsinnsidee von Plus“


Plus-Wahnsinn

„Wieder eine Wahnsinnsidee von Plus“, ja, was denn noch? Meint ihr das Kind in einer Hüpfburg mit der Überschrift: „Kleine Herzen hüpfen – Das ist Wahnsinn!“? Wäre so ein Kind eventuell mit Kinderschokolade zu heilen, von der ihr versprecht, dass sie „nur kurze Zeit“ wahnsinnig macht? Hackfleisch gemischt ist da wohl nicht zu empfehlen, oder? Rinderwahnsinn geht so schnell nicht weg.

Ein Tipp: Falls euch eure „Wahnsinnsideen“ im morgendlichen Katzenjammer einmal gar zu sehr quälen, - einfach mal für eine Weile trocken bleiben, denn auch die harten Getränke aus eurem Sortiment verbreiten leider „Wahnsinn“.

Tretet Dada bei!

Zirkus des schlechten Geschmacks
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Kasseler braucht Kochmützen

Documenta-Leiter Roger M Buergel kleinAch, wie wunderbar die Zeiten, als Christiane Herzog als Gattin des damaligen Bundespräsidenten im ersten deutschen Fernsehen eine Kochsendung hatte und sich darin von einem Sternekoch mit dem passenden Namen Koch die Möhrchen schrabben ließ.

Es war ungemein erfrischend, wie Frau Christiane Herzog klarzumachen verstand, wo genau die Trennlinie verläuft zwischen Herrschaft und Dienstboten. „Herr Koch, die Kasserole, bitte!“

Schon der neureiche Trimalchio des römischen Schriftstellers Petron erfreut sich bekanntlich daran, dass sein Koch auf den Namen Schneid hört. So kann Trimalchio seinen Koch beim Namen rufen und gibt ihm gleichzeitig den Befehl, den mit Früchten gefüllten Ochsen aufzuschneiden. In diesem Sinne war Christiane Herzogs Wahl des Kochgehilfen Koch zwar nicht neu, und trotzdem nahezu genial. "Koch!" das ist: Name, Berufsbezeichnung und Befehl in einem Wort. Sparsamer kann man seine Dienstboten nicht anweisen. Leider ist Christiane Herzog schon einige Jahre tot, und so ist da auch niemand mehr, der den kometenhaften Aufstieg der Köche bremsen könnte.

Doch so sehr die emporgekommenen Köche auch kochen, sotten und mit Pfannen jonglieren, in Sterneküchen, im Fernsehen und in Zirkuszelten, noch immer kriegen Millionen nichts in die Bäuche oder verenden sogar auf dem weiten Weg ins rettende Restaurant. Schrecklich ist zum Beispiel die Situation an der Costa Brava. 100.000 Hungrige jährlich versuchen einen Platz im Restaurant El Bulli zu ergattern, doch nur 8.000 Menschen können von Molekularkoch Ferran Adrià beköstigt werden. Das Schicksal der Abgewiesenen ist ungewiss.

An der Tafel des Ferran Adrià gespeist zu werden, das ist, wie man sich leicht vorstellen kann, schier unmöglich. Der documenta-Leiter Roger M. Buergel hat dieses Kunststück offenbar fertig gebracht und ist seither des Lobes voll. Und mehr noch, er wird in den nächsten hundert Tagen je zwei hungernde Dokumentabesucher auswählen, die sich kostenlos im Restaurant El Bulli satt essen dürfen. Leider hat Roger M. Buergel weder seinen Schneider noch seinen Friseur zu soviel Altruismus überreden können, weshalb er ihre Werke auch nicht zum Kunstwerk erklärt und auf Nachfragen gereizt reagiert: Das verstehe wohl „jeder, der alle Tassen im Schrank hat“.

Tretet Dada bei!

(Fotomontage: Trithemius 06/07)

Zirkus des schlechten Geschmacks
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documenta 12 - Mutter schmiert Stullen

Kassel (dpa) - 1735 Tage musste die Kunstwelt warten, dann ging es pünktlich auf die Minute los: Punkt zehn fuhr der Wagen von Bundespräsident Horst Köhler - mit einem weißen "d12"-Fähnchen am Türrahmen - vor dem Fridericianum in Kassel vor. Als symbolischer erster Gast hat Bundespräsident Köhler die documenta 12 in Kassel eröffnet. Für die nächsten hundert Tage werden 650 000 Besucher auf der weltweit wichtigsten Ausstellung moderner Kunst erwartet. Knapp zwei Stunden Zeit sah das Protokoll für die beiden größten der fünf Ausstellungsbauten vor. Geführt wurden Köhler und seine Frau von documenta-Chef Buergel und dessen Frau. Die Presse blieb ausgeschlossen, bis auf wenige Minuten vor zwei der interessantesten Objekte der "d12".
Besonders beeindruckt zeigte sich Bundespräsident Horst Köhler von dem 25 Meter langen digitalen Tableau des Berliner Künstlers Hanno P. Glimmerschiefer, das die drei Leitmotive der diesjährigen documenta in sich vereint: Ist die Moderne unsere Antike? - Was ist das bloße Leben? - Was tun?

Mutter-schmiert-Stullen
Hanno P. Glimmerschiefer - Mutter schmiert Stullen (d12)

Köhler verwies auf die Stärke der Kunst, die Fragen nach dem Was tun zum Diskurs zu machen: „Die documenta bringt die Probleme der Welt mitten in unser Wohnzimmer. Ich hoffe, das regt viele Menschen an, über genau diese Probleme noch einmal nachzudenken.“
Roger-Martin Buergel, Leiter der documenta 12, erläuterte während des Pressetermins mit dem Bundespräsidenten, bei Kunst gehe es nicht um Objekte, sondern um ästhetische Erfahrung. "Und das beginnt mit Verstehensirritationen, einem Erlebnis der Andersheit." Er könne durchaus verstehen, dass mancher Ausstellungsbesucher frustriert sei, "aber Frustration ist der unverzichtbare Bestandteil von Bildung.“

Tretet Dada bei!
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Teppichhaus - Programmankündigung

vorab

Liebe Kundinnen und Kunden,


wenn die Wetterverhältnisse es zulassen, startet heute Abend gegen 22 Uhr im Stammhaus eine neue Folge des Nachtschwärmers. Die Fahrten mit der Nachtdraisine über verschiedene Gleisstrecken in Belgien, den Niederlanden und in der Eifel begannen im Dezember 2005 und erschienen in drei Staffeln allnächtlich bis April 2006. Zur Einstimmung sind letzten vier Fahrten wieder öffentlich:
-1- -2- -3- -4-
Viel Vergnügen bei unserer nächtlichen Reise wünschen
Helene Nettesheim
Trithemius
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Kaffeeplausch mit Frau Nettesheim - Kakophonie im Nachmittagskopf

trithemius & Frau NettesheimFrau Nettesheim
Trithemius! Was ist los mit Ihnen?

Trithemius

Nix.

Frau Nettesheim
Genau das meine ich. Sie sind doch sonst so gesprächig.

Trithemius
Liebe Frau Nettesheim, so gerne ich mich mit Ihnen unterhalte, ich kann meinem denkfaulen Nachmittagskopf gerade mal keine zitatwürdigen Äußerungen abringen.

Frau Nettesheim

Von Ihnen erwartet das ohnehin keiner.

Trithemius

Sie sind vielleicht lustig. Wir sitzen hier auf dem Präsentierteller oder besser gesagt, auf einer virtuellen Bühne. Und das für ewige Zeiten, zumindest solange das Internet besteht. Stellen Sie sich vor, Frau Nettesheim, wenn wir beide längst abgenippelt sind, kann jemand unser aktuelles Gespräch belauschen, der sich zur Zeit noch in der Krabbelphase befindet und am liebsten an seinen Zehen lutscht. Irgendwann ist er erwachsen und fragt die Suchmaschine seines Rechners nach dem Wort „Kakophonie“. Und prompt müssen wir beide antanzen und drüber sprechen.

Frau Nettesheim

Wir reden doch gar nicht über Kakophonie, sondern über Ihren denkfaulen Nachmittagskopf.

Trithemius
Wir reden auch nicht übers Sterben. Doch unser Gespräch übers Sterben, im Hellen betrachtet“ vom November 2005 wird neuerdings ständig aufgerufen. Das heißt, während ich Ihnen grad was über die Kakophonie auf dem Markt erzählen will, lässt ein anderer uns zum Thema letzte Ruhe parlieren. Im Internet kann alles gleichzeitig passieren.

Frau Nettesheim
Für uns beide ist nur der jeweilige Augenblick von Belang. Ihre Vision, wir würden zum dadaistischen Simultangerede herbeizitiert, ist in Wahrheit ein rein theoretisches Problem.

Trithemius
Dadaistisches Simultangerede ist das Stichwort, Frau Nettesheim. Heute Mittag saß ich auf dem Markt und wollte zu einem Milchkaffee die Süddeutsche lesen. Doch rund um mich herum war ein derart kakophonisches Stimmengewirr, dass ich mir gewünscht habe, meine Ohren wären wieder zu. Und dann habe ich mich immer wieder erstaunt umgeguckt, denn außer mir schien das niemanden zu stören.

Frau Nettesheim
Die Leute blenden den Lärm eben aus. Nur Sie sind noch nicht daran gewöhnt, weil Sie gerade erst beim Ohrenarzt waren. Ich muss noch immer schmunzeln, dass Sie mir kürzlich erzählt haben, die Güterzüge seien leiser geworden, seitdem man auf der Brücke neue Schienen verlegt hat.

Trithemius
Da sehen Sie mal, wie man sich täuschen kann und subjektive Wahrnehmungseinschränkungen zu rationalisieren versucht.

Frau Nettesheim
Darin sind Sie Weltmeister.

Trithemius
Vielen Dank, Frau Nettesheim. Man wird Ihre freundliche Bemerkung noch beschmunzeln können, wenn wir beide längst der subjektiven Wahrnehmungstäuschung unseres Hinscheidens unterliegen.

Frau Nettesheim
Do maache se in Kölle kein Finster vür op.

Frau Nettesheim
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Abendbummel online - Hören Sie das Knistern der Scheine?

Helfen die TablettenAm Ende der Bank entlang der Hausfront des „Domkellers“ sitzen neben mir drei wohlsituierte Herren. Bald gesellt sich eine Frau hinzu. Ihr fröhlicher Gruß wird nur achtlos erwidert. Die Drei sind sich einig, dass ihrer An- oder Abwesenheit nur geringe Bedeutung zukommt. Offenbar ist sie mit dem stoffeligsten der drei verheiratet, und das hat sie abgehärtet, denn sie lässt munter auf Blumen in ihrer Einkaufstüte schauen. „Sind das nicht schöne Farben?“, fragt sie. Einer brummelt „Hm, ja“, dann reden sie über ein Fußballspiel und den Schiedsrichter.

Wie das Gespräch vom Rasen hinüber zur Arktis fliegt und wie grünlich, vom Flieger aus gesehen, die Eisberge schimmern, bekomme ich nicht mit, denn ich versuche mit mäßigem Erfolg meine Ohren zu verschließen. Einer murmelt etwas von Klimaerwärmung. Der die Eisberge von oben gesehen hat, versichert, dass die Flugzeughersteller alles in ihrer Macht stehende für den Klimaschutz tun. In einem Institut der Technischen Hochschule forsche man im Auftrag von Rolls-Royce an Turbinenschaufeln. Dazu sei eigens eine Halle errichtet worden. Rolls-Royce liefere immer wieder Metallblöcke an und lasse sie mit unterschiedlicher Hitze schmelzen, auf dass man die absolut und endgültig beste Turbinenschaufel daraus gieße. Und habe man an der TH erst einmal die Königin aller Turbinenschaufeln gefunden, verbrauche ein Flugzeug weniger Kerosin als ein Moped, weshalb man schon jetzt ruhigen Gewissens die Eisberge überfliegen und angucken dürfe, denn man müsse sich schließlich mit eigenen Augen vom Zustand der Eisberge überzeugen. Zugegeben, das mit dem Moped habe ich erfunden.

Von den eisbergfreundlichen Schaufel-Tests wandert das Gespräch zu den Ohren des einen. Er hat einen Pfropfen drin. „Mit den Ohren ist nicht zu spaßen“, meint die Frau, und nutzt die Gelegenheit, sich ein wenig mehr Aufmerksamkeit zu sichern. Der Taube müsse zum Ohrenarzt, der werde mit einem feinen Röhrchen den Pfropfen heraussaugen. Ich gucke stiekum zu ihm hinüber. Ein Röhrchen in seinem Ohr und das andere Ende im Mund des Ohrenarztes – da hätte ich lieber noch mehr von den Turbinenschaufeln gehört. Doch leider will er nicht auf den Rat der Frau hören, sondern erwägt, sich die Ohrstöpsel selbst herauszupulen, da er ja „Selbstzahler“ sei. Nun hebt die Frau mit schweren Warnungen an, welche Verwüstungen eine Haarnadel in seinem Ohr anrichten könnte, dringt jedoch nicht durch den Pfropfen an seinen Verstand.

Gestern abend wurde mir ein Professor der Ohrenheilkunde vorgestellt, und ich sagte: „Den Herrn Professor Doktor, Doktor kenne ich schon.“ Da grinste er sardonisch und fragte: „Habe ich Ihnen auch schon einmal weh getan?“ „Ja“, sagte ich. Tatsächlich war ich vor Jahren bei ihm gewesen. Er war zu einer Vitrine gegangen, in der allerlei hässliche Gerätschaften lagen, und hatte eine seltsam geformte Pinzette herausgeholt, die vermutlich älter war als wir beide zusammen. Damit hatte er in meinen Ohren herumgepult und mir dabei so weh getan, dass ich dachte, ich sitze auf einem Folterstuhl. Als die blutige Tortur vorbei war, hatte er Daumen und Zeigefinger aneinander gerieben und gefragt: „Hören Sie das?“ Ja, diese Geldzähl-Geste hörte ich genau und ich ärgerte mich, dass ich privat versichert bin und er sich gewiss ein fettes Honorar für seine Stümperei berechnen würde.

Ich wandte mich von meinem alten Peiniger ab und sagte ihm auch nicht, dass ich just vorgestern bei einem seiner Kollegen gewesen war, einem Arzt ohne Doktortitel. Er verpasste mir eine sanfte, schmerzlose Ohrenspülung. Denn dafür gibt es ein probates medizinisches Gerät. Jetzt bin ich befreit und höre ein nächtliches Moped noch, wenn es längst in der Inneren Mongolei angekommen ist.

Ein Freund eines Freundes ist einmal wegen Magenproblemen zum Internisten gegangen. Der verschrieb ihm Tabletten. Eine Woche später stand der Mann an der Supermarktkasse und entdeckte drei Schlangen weiter seinen Internisten. Der Internist rief:
„Und? Helfen die Tabletten?“
„Ja, prima!“
„Dann nehmen Sie die weiter!“
"Gut, mache ich!"
Eine Woche später bekam der Freund meines Freundes von seinem Internisten eine neue Rechnung für „Eingehende Beratung.“
Die Geschichte ist natürlich eine urbane Sage.

Guten Abend


Abendbummel online
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