Bringt die Clowns herbei!

Penn-Karnevalisten-aufgewac

Es laufen ja genug Clowns umher, doch zu packen sind sie kaum. Also ehrlich, wer noch nicht gaga ist, hat nichts zu lachen, denn er weiß vor lauter Schocks und Krisen nicht mehr, in welchem schwarzen Loch sich sein Kopf gerade befindet, und man kann schon froh sein, wenn er wenigstens nicht im Hintern eines Mächtigeren steckt. Wir wissen ja schon seit dem Gilgamesch-Epos, dass im Seelengrund jedes Menschen ein Untier hockt und auf seinen Einsatz wartet. Allerdings scheint die Spezies Mensch neuerdings vom kollektiven Selbstvernichtungswahn befallen zu sein. Einige sind bereits völlig durchgeknallt und wollen den ohnehin drohenden Weltuntergang unbedingt beschleunigen, und zwar auf Lichtgeschwindigkeit. Muss das sein? Ist das eigentlich nötig? Was kann dabei herauskommen außer der Option auf den Nobelpreis? Der ist ja sinniger Weise von einem Dynamitfabrikanten gestiftet worden. Das hat er geschickt eingefädelt, der gerissene Hund. Ihm zu Ehren basteln Wissenschaftler aus aller Welt an einem Knall, den dieser Erdball noch nicht erlebt hat. Damit den Wissenschaftsclowns auch ja keiner die Show vermasselt, wurde CERN übrigens von der Staatengemeinschaft zum exterritorialen Gebiet erklärt. Vor dem schwarzen Loch sind alle Weißkittel gleich.

Die einen mästen ihr inneres Untier mit der Idee vom Nobelpreis, die anderen mit dem Anabolika Geld, und die zu wenig davon haben, lechzen danach, weil sie auch endlich mal Unmensch sein wollen. Die Geld- und Machtsüchtigen haben sich in letzter Zeit mächtig ins Zeug gelegt, den Auftakt des Weltuntergangs zum Megaevent zu machen. Ihre kunstvollen Krisen fegen als apokalyptische Reiter um den Globus. Wo sie waren, wächst kein Gras mehr. Und in jeder TV-Talkrunde sitzen die falschen Propheten in bester Verkleidung, und die Redakteure der Sendungen bemühen sich keinen Deut darum, an den Perücken und falschen Bärten zu zupfen. Nie erfährt der Zuschauer, von welchem Interessensverband die Propheten bezahlt und ausgesandt wurden. Seit Tagen sage ich mir, das Ganze ist ein wirklich gut gebauter Witz mit einer echt knalligen Pointe. Das ist internationale Hochkomik. Den Witz versteht nicht jeder. Es wird Zeit für die karnevalistische Aufarbeitung.

Von den Narren mit den umgedrehten Jakobinermützen war in den letzten Monaten nichts zu sehen. Sie hielten Sommerschlaf. Dabei hätten wir ihr gutgelauntes Föttchenwackeln gut gebrauchen können.
Mier laache ons kapott, dat nennt mer Krise,
Mier laache ons kapott, dat nennt mer schön, …
– das geht leicht in jeden Kopf. Davon brauchen wir dringend mehr. Zum Glück sind wenigstens die Aachener Penn-Karnevalisten aus der Sommerpause zurück, sind aufgewacht, haben sich das Gesicht zurechtgerückt, Schlips um den Hals, Kappe weiter oben, und dann raus ins Geschehen. Wo gibt es was zu lachen? Alaaf, das Welttheater ist aber wirklich ein schwer zu erklärender Witz. Der Kassierer sagt: „Wir machen jut Wetter mit der Portokasse und verschenken einen Riesenscheck!“ Die Rettung kommt vom Präsidenten: „Männer, wir legen noch einen drauf und verteilen die Summe auf zwei Riesenschecks!“ Übrigens, nicht nur die Riesenschecks bestehen überwiegend aus Papier. Ich würde an deiner Stelle auch keine Dollars mehr annehmen, wenn du dir noch was leisten willst vor Alfred Nobels posthumen Ehrenknall.

Zirkus schlechten Geschmacks
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Wild gewachsene Schwerkraft

Fünf

Den nordöstlichen Hang des Aachener Lousbergs hinunter erstreckt sich ein verwilderter Park, der zu einem Kloster im Tal der Soers gehört. Ein Kranz aus hohen Buchen und Kleingehölz umschließt eine ausgedehnte Hangwiese. Im Talgrund liegt ein stiller Teich. Jahrzehnte hat er kaum je Besucher gehabt, denn der Klosterpark war nur vom Kloster aus zugänglich. An den Lousberg grenzt der kleinere Salvatorberg. Am Pass beginnt die Buchenallee. Sie ist von kleinen Buchen gesäumt, deren Kronen den Weg überspannen, und führt bis zum Ende des Lousbergs am Hang entlang. Bei sommerlicher Hitze bieten die Buchen angenehme Kühle. Zudem weht von den Wiesen beständig ein Luftzug herauf, fängt sich in den Blättern und erfrischt den Geist. Links steigt der Lousberg auf, rechts geht der Blick über das Soerstal hinweg, bis hin zum Höhenzug des Aachener Kessels. Am Horizont steht die mächtige weiße Fahne eines Kühlturms, so dass man denken könnte, dort werden die Wolken gemacht.

Auf halber Höhe beschreibt die Buchenallee eine S-Kurve und führt steiler bergauf. Anfangs der Kurve beginnt der Klosterpark. Die Sicht wird von einer Ziegelmauer versperrt. Seit einigen Monaten steht die Pforte offen. Hinter der Pforte geht es ziemlich steil bergab. Einige Wegpassagen haben aus Ziegeln gemauerte Stufen. Herabströmendes Wasser hat die Fugen ausgewaschen, so dass die Tritte wie lückenhafte Gebisse sind, aus denen sich weitere Zähne lockern. An anderen Stellen sind die Stufen unter dem Waldboden verschwunden. Hier war einmal ein ordnender Geist am Werk gewesen, der Halt geben wollte. Er ist weg, und jetzt herrschen andere Kräfte.

Wenn du mitkommst, dann auf eigene Gefahr. So steht es auf dem Schild am Eingang. Man braucht einen langen Atem, denn der Abstieg zieht an den Kräften. Zum Glück scheint heute eine kalte Sonne. Bei Regen wäre der Weg nicht zu wagen. Trotzdem ist nicht ausgemacht, ob wir heil hinunter kommen und erst recht nicht, ob wir später vom Tal aus die Kurve kriegen und den Wiederaufstieg zur Buchenallee schaffen. Mir scheint es sogar unwahrscheinlich. Denn der Park ist nicht so idyllisch wie er auf den ersten Blick scheint. Beim Hinsehen zeigt sich dieses ungeheuerliche Morden und Fressen, aus dem Leben besteht. Du kannst dich im Augenblick sicher wähnen, doch im Mäusehaus herrscht gerade Panik, weil drüben über der Lichtung ein stattliches Raubvogelpaar seine Kreise zieht.

Vier

Eingang Klosterpark

Sobald wir nicht mehr hintereinander absteigen müssen, da vorn zwischen den mächtigen Buchen, möchte ich dir etwas erzählen, worüber ich seit langem nachdenke. Heute Mittag habe ich eine Weile am Münsterplatz in der Sonne gesessen, mal dem bunten Treiben zugeschaut, mal in mein Blöckchen gekritzelt, worüber ich mit dir reden möchte. Der Kaffee wurde kalt, das Blöckchen war bald voll, und dann packt mich die Ungeduld und ich fuhr nach Hause. Natürlich lese ich dir nichts aus meinem Notizbüchlein vor. Stift und Papier haben ja nur geholfen, die Gedanken zu Ende zu denken und zu ordnen.

Vor einigen Jahren traf ich zwei Jugendfreunde wieder, die ich seit meiner Jugend nicht mehr gesehen hatte. Wir fuhren für drei Tage auf die Insel Texel, wo wir damals zusammen gewesen waren. Während dieser nostalgischen Tour wurde mir eine Illusion geraubt. Einer der beiden Freunde war zu meinem Erstaunen in die Chefetage eines weltweit operierenden Unternehmens aufgestiegen. Er hatte nur die Handelsschule besucht, doch offenbar hatte man ihm dort das Rechnen beigebracht. Zuletzt flog er in der Welt umher und betreute die vielen Niederlassungen des Unternehmens. Dann musste er nacheinander zuerst die spanische, dann die englische Filiale schließen. Die Mitarbeiter dort zu entlassen, fiel ihm schwer. Er schlief schlecht, denn es plagte ihn das schlechte Gewissen. Die Londoner Niederlassung hatte Gewinne gemacht, und es gab zwar einen Grund, aber keinen vernünftigen Grund, sie zu schließen. Einer aus dem Vorstand des Mutterkonzerns hatte eine Geliebte in London gehabt und war regelmäßig hingeflogen, wobei ihm die dortige Niederlassung einen guten Vorwand bot. Dann war die Beziehung in die Brüche gegangen, weshalb der Mann das Interesse an London verlor und die Schließung der Niederlassung anordnete. Mein Freund hatte diese irrationale Entscheidung ins Werk gesetzt und erwog seither, den Job zu schmeißen.

Drei

Seinen Bericht mochte ich gar nicht glauben, denn ich hatte mir vorgestellt, auf den Vorstandsetagen würde nach streng rationalen Gesichtspunkten entschieden, abseits von Sentiment und allein den Kapitaleignern verpflichtet. Denn ist es nicht das, was sie uns immer erzählen? Sie entlassen trotz fetter Gewinne tausende Mitarbeiter, und regt sich Kritik, dann schicken sie ihre hoch bezahlten Vasallen in die Talkshows und lassen verkünden, dass man leider so handeln musste, um das Unternehmen sicher aufzustellen. Es gelte, den stets drohenden feindlichen Übernahmen zu begegnen, also brauche man Geld, um seinerseits Unternehmen zu schlucken. Gekaufte Wirtschaftsprofessoren predigen Lohndumping, eitle Chefredakteure von Finanzzeitschriften beklagen die deutsche Gesetzgebung als schier unüberwindbares Hindernis für den Aufschwung, neoliberale Politiker schwafeln von den Kräften der Globalisierung, denen man nur mit der Abschaffung sozialer Errungenschaften wirksam begegnen könne, - und das dumme Vieh nickt ab und fügt sich, weil ja nie die Rede davon ist, dass es nicht um Unvermeidliches, sondern um Entscheidungen von Personen geht, bei denen der Schwanz, die Geldgeilheit oder beides regieren.

Derzeit reichen alle rhetorischen Winkelzüge nicht aus, das Desaster in der Welt zu beschönigen, das durchgeknallte Investment-Banker angerichtet haben. Es fehlen selbst dem neoliberalen Gesocks die Worte angesichts der Billionen, die weltweit verpulvert wurden. Keiner weiß Rat, niemand weiß, welche Erschütterungen noch kommen und wen sie mitreißen werden. Nervosität macht unvorsichtig. Plötzlich zeigt sich die verlogene Gesinnung der Eliten fast unbemäntelt, und wer gut zuhört, kann erstaunliche Bekenntnisse hören, die alles bezeugen, was man sich nicht ausmalen wollte, da sie bar sind jeder Vernunft und Verantwortung.

Zwei

abwärtsWas ist? Ich habe doch gesagt, der Weg ist steil. Halt dich an einem Zweig fest, bevor du abrutschst. Wir sind ja auch schon bald unten, und können uns auf der Bank am Teich ausruhen. Es wird dir gefallen - da ist noch Sonne. Ein dutzend Tritte über die alten Stufen, und wir haben es vorerst geschafft. Wenn du hier strauchelst, liegt es in deiner Verantwortung.

Weißt du, was mich am meisten erstaunt? Am Sturz der Banken ist niemand verantwortlich. Das hat Hilmar Kopper, der Exvorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, im Fernsehen gesagt. Wenn der kleine Finanzmakler am Computer riskante Geschäfte macht, dann tut er das nicht aus Bosheit, sondern aus Not. Wenn er sich weigert, macht er geringere Gewinne als seine Kollegen und muss seine Entlassung fürchten. Das ist einfach so: Die Gesetze des Marktes richten sich immer nach den übelsten Gaunern. Um Schaden abzuwenden, muss man nach deren Gesetzen handeln.

Warum der Staat nicht den schändlichen Verkauf von Haushypotheken an Finanzinvestoren verbietet, wurde Hans Eichel gefragt. Er sagte, dass man den Banken diese Möglichkeiten nicht ganz verwehren dürfe, denn wenn sie einmal kurzfristig klamm sind, weil sie sich beispielsweise mit faulen Finanzpaketen verspekuliert haben, könnten sie sich mit dem Verhökern von Hausbesitzerschicksalen frisches Kapital besorgen. Das ist ulkig, findest du nicht? Der kleine Haubesitzer wird ja nicht gefragt, ob er seiner Großbank mal eben aushelfen will. Seine Existenz, seine Nöte, wenn sein Haus versteigert wird, - kannste vergessen. Leute wie Guido Westerwelle wollen unser Land gänzlich nach diesen Marktgesetzen ausrichten. Der Staat solle sich raushalten und die hemmenden Gesetze abschaffen. Die Politik verstehe sowieso nichts von Wirtschaft, tönte der smarte Chefredakteur, daher sei die IKB in die Pleite gegangen wie auch einige Landesbanken in Öffentlicher Hand. Was die Finanz-Experten und Banker von Wirtschaft verstehen, dürfen wir derzeit erleben. Was wäre, wenn ein schwacher Staat seine Bürger ganz dem Schalten und Walten dieser Leute aussetzen würde?

Sag mal, hat nicht die Raubtier-Wirtschaft längst die Erziehung unserer Kinder übernommen? Vor einigen Jahren habe ich in einem Reisekatalog für Formel-1-Reisen etwas über den exklusiven Paddockclub nahe der Boxengasse gelesen.

Eins

Den Paddockclub, in dem sich die Reichen und Schönen der Welt treffen, diesen heiligen Grund darf man nur mit geputzten Schuhen betreten, weshalb man sicherheitshalber einen Schuhputzer bereithält, falls ein russischer Oligarch noch Blut und Dreck seiner Karriere an den Füßen hat oder so. Du kannst der größte Halunke auf diesem Erball sein, solange man dir nichts beweisen kann, öffnen dir deine geputzten Schuhe alle Türen. Du musst sie nicht mal eintreten, wie du es früher vielleicht gemacht hast.

Die Überbetonung der Äußerlichkeit geht einher mit einem Verlust an Sozialfähigkeit. Und darauf werden bereits die Kinder getrimmt. Von allen Seiten wird getutet und geblasen, was sie unbedingt haben müssen, um ein glücklicher Affe zu sein. Erstklässler beginnen schon, sich zu stylen, Kleidung und Schulzeug müssen von bestimmten Marken sein, und wer da nicht mithalten kann oder will, ist ein Verlierer oder Außenseiter. Echt, ich habe nicht die geringste Lust, das weiter auszumalen. Sonst kriegen wir hier im kalten Schatten das Grausen. Der Chefvolkswirt der Deutschen Bank hat jetzt ausgeführt, dass (wohl übertragen gemeint) die Eltern die Schuld an der Finanzkrise tragen. Sie erziehen ihre Kinder nicht mehr, bringen ihnen keine Moral und kein Selbstwertgefühl mehr bei. Übersetzt heißt das: Unsere Elternhäuser bringen charakterliche Wracks hervor, die sich später von Banken- und Wirtschaftsbossen zu Raubtierpraktiken verführen lassen. Da trifft natürlich die Wirtschaft keine Schuld. Wenn sich ihnen nur Charakterschweine andienen, was sollen sie machen? Zum Glück können die Verantwortlichen ihre Kinder auf Privatschulen schicken. Dort wird ihnen dann die hohe Schule der Niedertracht beigebracht, damit sie lernen, den Pöbel zu bändigen, der in der rauen Welt ganz unten heranwächst.

Tut mir leid, ich hätte dir sagen sollen, dass uns im Talgrund Sumpf und Schlamm erwarten. Wir haben immerhin den kürzesten Weg hindurch genommen, den ich grad mal finden konnte. Dort drüben führt ein Steg zum Teich. Wir können auf der Bank sitzen, bis die Sonne hinter dem Lousberg verschwunden ist. Der Blick auf Teich und Hangwiese entschädigt für den schwierigen Abstieg. Und sitzt du hier eine Weile, dann kommt dir das ganze Debakel gleich unwirklich vor. Leider kann ich keine Witze erzählen. Ich vergesse nämlich auch von den besten Witzen immerzu den Anfang, den Mittelteil und dann den Schluss.

Wie es wirklich ist, sehen wir früh genug. Mag noch gar nicht dran denken. Wenn wir die Lichtung umrundet haben, steht der Aufstieg an. Da sind die schlammigen Wege von schweren Maschinen zerfahren, und kreuz und quer liegen gefällte Bäume und Knüppel. Trittsteine finden sich kaum. Wir müssen selbst Hand anlegen und wenigstens das Gestrüpp wegräumen. Das geht hier leichter als in der Gesellschaft. Ihr Zustand ist ja nicht rein versehentlich so erbärmlich. Die mit dem wirklich großen Geld bestimmen dieses Geschehen und nehmen die Verelendung vieler Menschen billigend in Kauf. Und selbst demokratischen Regierungen sind zu schwach, ihnen zu widerstehen. Denn die meisten von uns tun sich raus. Wir lassen die Politiker wurschteln und wollen uns nicht für eine menschenwürdige Gesellschaft einsetzen. Viel zu anstrengend. Wir betrachten am liebsten die Oberflächen, solange wir uns darin gespiegelt finden. Wo die Trittsteine wackeln, sucht jeder seinen eigenen Weg. Das nennt sich Individualismus. Wie können aber so viele Individualisten vorankommen, ohne den Park zu zertrampeln? Die Macht der Kirche ist dahin, und die Macht des Geldes ist Sumpf, Schlamm und tiefer Kot. Da soll uns niemand erzählen, das sei der beste Weg für die Gattung Mensch. Wenn wir wieder hinauf wollen, müssen wir politisch denken und sozial handeln, und zwar möglichst bald, bevor wir bis zum Hals und so ...
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Flasche leer - Mutprobe für Beherzte

Eine Mutprobe, und wenn du nicht mitkommen willst, lies nicht weiter. Die Sache ist nicht wirklich gefährlich, aber Mut ist trotzdem erforderlich. Wenn du die Probe erfolgreich absolvierst, erwartet dich am Schluss eine Belohnung. Du brauchst dich für diese Mutprobe auch nicht stylisch anzuziehen. Es würde reichen, wenn du einen einfachen Trainingsanzug hättest. Vermutlich hast du in deinen gewiss umfangreichen Beständen keinen einfachen Trainingsanzug. Darum leihe ich dir einen. Seine vorherrschende Farbe ist Magenta. Die Hose hat an der Naht zwei senkrechte weiße Streifen. Bei der Jacke zieht sich je ein breiter Streifen von den Schultern zum Bund. Vermutlich ist der Trainingsanzug eine billige ostasiatische Nachahmung eines teuren Pitbullsmokings. Leider ist der Anzug ziemlich schmutzig und riecht ein wenig. Die Mutprobe besteht nicht allein darin, diese Teile anzuziehen, das wirklich Schwierige kommt noch. Falls du also noch nachträglich aus der Mutprobe aussteigen willst, …

Entschuldige, wenn ich das sage: Du siehst unmöglich aus. Hab auch Verständnis, dass ich einige Schritte zurücktrete. Das ist eine völlig natürliche Reaktion. Man hat Angst, sich an dir zu beschmutzen und fürchtet Ansteckung. Würdest du jetzt bitte diesen Raum verlassen und auf die Straße gehen? Ich begleite dich in gebührendem Abstand. Und nimm die Alditüte mit! Ja, im Stadtzentrum bist du ziemlich allein in dieser Aufmachung. Durch die hübschen Straßen der Altstadt bummeln die gut situierten Hedonisten, Einheimische wie Touristen, die Unterhaltung suchen und Genüsse. Du gehörst nicht dazu und verdirbst den Leuten durch dein Auftreten die Laune. Sie halten heimlich Abstand von dir, und die meisten sehen dich gar nicht an. Wer noch elender ist als du, hockt in Eingängen oder kniet auf dem Bürgersteig mit hochgerecktem Plastikbecher. Das gibt dir ein wenig Stolz, denn du bist anders als sie, du wartest nicht auf milde Gaben, du arbeitest, wenn auch zu einem Hungerlohn. Schau, der Mülleimer am Laternenpfahl. Schieb mal den Arm durch die schmale Öffnung und taste nach Flaschen. Ach, komm, hab dich nicht so, du kannst ein bisschen Dreck vertragen. Es ist alles eine Frage der Gewöhnung.

Da ist nichts, keine
Flasche? Hast du auch wirklich in alle Ecken gefühlt? Es reicht nicht, nur mal die Hand einzutauchen, du musst mit dem ganzen Arm hinein. Wenn du gründlich arbeitest, kannst du heute Abend mit der vollen Tüte zum Kiosk gehen und dein Tagessalär abholen. Kipp aber vorher die sauren Reste aus den Bierflaschen, denn die Händler mögen nicht, wenn ihnen der schimmlige Schleim auf die gewischten Fliesen tropft. Vielleicht findest du sogar ein paar Petflaschen, die sind weniger eklig, leichter und bringen mehr. Ja, gäbe es nur Petflaschen, wäre dein Leben ganz hübsch. Findest du nicht?

Gut, dann kommt jetzt die richtige Belohnung für die bestandene Mutprobe. Du brauchst an menschliches Elend keinen Gedanken mehr zu verschwenden. Der Dreck bleibt zwar, ist eigentlich noch weitaus ekliger als kotige Mülleimer, doch er ist plötzlich unsichtbar, denn du rutschst über Los ans andere Ende der Leiter: Für eine Weile bist du Finanzmanager bei einer amerikanischen Investmentbank, hast ein wunderbares Haus, - man könnte es eine Villa nennen. Zu dir gehört eine wohlgesittete Familie, du bist angesehenes Mitglied in diversen teuren Clubs, … um es kurz zu machen: Du hast nahezu den Himmel auf Erden und freust dich deines Lebens. Es gibt allerdings ein kleines Problem in deinem gut dotierten Job. Du weißt seit einigen Monaten, dass deiner Bank die Insolvenz bevorsteht. Denn du und deine smarten Kollegen, ihr habt mit faulen Krediten gezockt. Über Jahre habt ihr Hypothekenschulden gekauft, von Menschen, die nicht viel mehr hatten als ein Flaschensammler, habt deren Schulden gebündelt, hübsch verpackt und weiterverkauft. Am Handel mit Nichts ließ sich viel Geld verdienen, und eure Erfolgsprämien waren astronomisch. Jetzt ist das anrüchige Geschäft leider aufgeflogen, und weltweit krachen die Banken ein, die sich daran beteiligt haben. Gestern traf es deine Bank. Du musst deine Sachen aus dem Büro holen. Doch wirklich, es ist nicht weiter schlimm für dich.

Im Privathafen deines
Segelclubs schaukelt deine stattliche Yacht. Sie liegt in der Reihe mit den vielen anderen Yachten der Mitglieder deiner Diebeszunft. Die beiden Kinder aus erster Ehe sind aufgehoben im Schweizer Elite-Internat "Auf dem Rosenberg“. 70.000 Euro Schulgeld zahlst du aus der Portokasse. Also wirst du das tun, wovon du schon lange träumst, einige Monate in der Weltgeschichte umhersegeln und dich sehen lassen, wo die Reichen der Welt sich gerne aufhalten. Wenn du genug vom Müßiggang hast, wirst du dich wieder dem Markt anbieten, und du kannst sicher sein, dass bald darauf ein Headhunter anruft. Einen kreativen Kopf wie dich kann die asoziale Finanzwelt immer gut gebrauchen.

Ein prächtiges Leben wünscht

Trithemius
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Standfoto der Woche

Flotter Dreier mit Schubkarre - aus technischen Gründen hier.
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Einmal über Aachen und zurück

Mit dem Riesenrad über den Aachener Katschhof



Video, Fotos: Trithemius
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Rar und schräg und weißnichtwie

Fehler in der kosmischen Software

Es zeichneten diesen
Tag keine besonderen Ereignisse aus, jedenfalls in meinem Leben nicht. Und vielleicht kannst du das auch von deinem sagen. Trotzdem ist mir seit dem Nachmittag befremdlich zumute. Ausgelöst hat es ein junger Mann. Er stand im Schatten des Doms, schrubbte eine Gitarre und sang. Warum er glaubte, in der Öffentlichkeit singen und schrubben zu müssen, ist ein Fall für den Tiefenpsychologen. Heilbar ist der Schaden vermutlich nicht. Allenfalls könnte ein guter Therapeut ihn dazu bringen, etwas weniger Schädliches zu tun, - vielleicht mit Gitarren zu jonglieren. Wer dem Mann eine Münze in den aufgeklappten Gitarrenkoffer warf, tat’s aus Mitleid oder um sich freizukaufen. Andere sahen nicht hin und hasteten davon. Nichts von allem half. Da bat eine ältere Dame zwei Ordnungskräfte, man möge dem schrägen Sänger Einhalt gebieten, und dabei hatte sie nur Bestes im Sinn, als sie sagte: „Der tut sich ja selber schaden an der Kehle!“

Stell dir vor, du
musst bei Nacht einen raschen Fluss überqueren. Du hast eine Gitarre im Arm. Vor dir im schwarzen Wasser leuchten dir Trittsteine den Weg. Du schrubbst vor Aufregung die Gitarre, brabbelst dir dabei Mut zu, wägst die Entfernung zum nächsten Trittstein ab und springst, - schrubbst, brabbelst, wägst und springst, … und jedes Mal, wenn du Tritt gefasst hast, bricht ein Schrei aus dir hervor, mal aus Erleichterung, mal aus Furcht, gerade so, wie der Stein zu deinen Füßen wackelt. Das tönt „Schrubbschrubbmrrmlmrrml - Aaäeeeeee! - Schrubbmrrmlmrrml - Ooöaaaaa! – schrubbschrubbmrrmlmrrml - Eeeyaaaaa!“ … und so weiter, und immer weiter, denn das Wasser ist gar kein Fluss, sondern ein Strom. Womöglich überquerst du auch gar keinen Strom, sondern da breitet sich in der Schwärze ein Ozean aus, und du bist du schon so weit draußen, dass dich die mahnenden Rufe der Ordnungskräfte nicht mehr erreichen.

Entschuldige, dass ich dich so gequält habe. Komm weg aus dem schwarzen Wasser. Bleib auch nicht stehen im Fallwind am Fuße des Doms. Du brauchst nicht einmal mit Gitarren zu jonglieren. Die Welt ist auch so schon rar und schräg und weiß nicht wie.
Foto und Gif-Grafik: Trithemius
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Wärmende Kroaten und Drahteselsohren

Der Pförtner der Sparkasse steht geduldig in der Schwingtür und verabschiedet die Angestellten in den Feierabend. Er muss lange warten, denn Sie kommen sporadisch in kleinen Gruppen, und je höher der Rang, desto später. Diese Leute schieben sich einzeln am Pförtner vorbei, denn Macht macht bekanntlich einsam. Es ist kalt und regnerisch. Anders als die trotzigen Touristen im T-Shirt und in kurzen Hosen, haben sich die Herren aus der Sparkasse dem Wetter angepasst und tragen dicke Kroaten um den Hals. Ach nein, es sind bloß Krawatten. Falls Kroaten mitlesen: Krawatte stammt vom deutschen Wort Kroate ab. Den Grund weiß ich leider nicht zu sagen. Falls unsere Vorfahren tatsächlich je einen Kroaten um den Hals gehabt hätten, bitte ich nachträglich um Entschuldigung. Wir machen’s nicht mehr. Freilich habe ich gut Reden, denn ich sitze geschützt im Cafe und lese Zeitung.

KlauengewächsUff, man muss vorsichtig mit sprachlichen Bildern sein, die sich auf Menschen beziehen. Im Aachener Anzeigenblatt Super Mittwoch nennt K. Schlupp den Riesenbärenklau einen „besonders unangenehmen Migrant(en) aus dem Kaukasus“. Für diese verschmockte Spielerei mit Fremdenangst und -feindlichkeit müsste Schlupp sich eigentlich bei allen Migranten entschuldigen. Vermutlich wollte er aber nur originell schreiben wie sein Kollege „sp“ von der Aachener Zeitung. In der Montagsausgabe des Lokalteils berichtet er über das Projekt „FahrRad“ der Aachener Stadtverwaltung und hat sich ein ulkiges Synonym für „Radfahrer“ rausgequetscht: „Drahteselbegeisterte“.

Die Aachener
Lokalredaktionen sind vermutlich die letzten Reservate für die altväterlichen Wörter Stahlross, Drahtesel, Pedalritter und Pedaltreter. Und den Volontären bringt man die hohe Schule des Stahlross-Drahtesel-Pedalritter-Pedaltreter-Einsatzes bei, dass nämlich ein Pedalritter niemals auf einem Drahtesel zu sitzen hat und erst recht nicht ein Stahlross auf einem Pedaltreter und oder umgekehrt, dass ein Pedaltreter kein Ross treten darf, sondern nur Esel.

Auf dem Heimweg trete ich mein Fahrrad ordentlich, denn ich will das arme Tier nicht unnötig lang dem useligen Regen aussetzen. Doch dann muss ich es heftig bei der Kandare nehmen. Denn ich heiße zwar nicht Sarah, will die Fensterbotschaft aber trotzdem haben. Glück kann jeder gebrauchen, und vielleicht kann mir auch jemand die Geschichte hinter dieser Botschaft aufhellen, damit ich aus dem Grübeln rauskomme.

Schaufenster-für-Sarah
Guten Abend
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Mit ohne Musik ins Schwarze Loch

Apokalypse-mit-Musik
Fotos, Text, Animation: Trithemius
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Ohrwurm-Bashing - wider blöde Musik

Ohrwurmbashing

Bashing-Liste
Bitte hier entlang.

(Nützliches und Unterhaltsames zum Phänomen Kettenbrief hier)
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