1a Auto-Lobbyismus, Tagesspiegel!

Heute meldest du freudig: „Berlins Straßen sind die sichersten Deutschlands - Jedes Jahr ein neuer Rekord: Die Zahl der Verkehrstoten sinkt seit Jahren. 2009 registrierte die Polizei nur 48 Tote, so wenig wie nie zuvor seit dem Krieg. Zum Vergleich: 1999 waren es 103 Tote, 2008 noch 59.“

Mal angenommen, es findet sich wieder mal ein toter Säugling in einem Kühlschrank. Titelt ihr dann: „Deutschlands Kühlschränke werden immer sicherer“ – und weiter: „Ein neuer Rekord: 2009 ist ein Säugling weniger im Kühlschrank gefunden worden als im Vorjahr.“?

Gell, da herrscht ein bisschen Chaos im Redaktionsoberstübchen.

Schläfenschraube (landläufig "Vogel"),
Trithemius

Abgelegt unter: Zirkus des schlechten Geschmacks
1419 mal gelesen

Toter Tabak

Heute im Kiosk. Ich sage: „Einmal Van Nelle halbschwer und Canuma Blättchen.“ Der türkische Händler, ein bisschen irritiert, hält die richtige Packung hoch und sagt: „Sie meinen halbschwarz.“

Er ist gewiss der Hundertste gewesen, der mich mit treuherziger Unwissenheit zu schulmeistern versucht. In Aachen, in Köln, in Berlin ist es mir so ergangen und schon oft in meiner neuen Heimatstadt Hannover. Das ist mir eigentlich egal, solange ich den richtigen Tabak bekomme. Was geht’s mich an, wenn die Leute im Irrtum sind. Die Aufklärung ist ohnehin längst gescheitert, und ringsum versackt der postmoderne Mensch in neuen Mythen. Was einer vorbetet, beten Hundertausende nach. Wahr ist, was die meisten für wahr halten. Und daher ist es nicht verwunderlich, dass selbst Google mich fragt: „Meinten Sie: halbschwarzer Tabak“

Nein, ich meinte „Halbschweren Tabak“, „Half zware shag“. Das niederländische „zwar“ bedeutet „schwer“ und nicht „schwarz“. Die volketymologische Übersetzung von „zware“ als „schwarz“ orientiert sich offenbar am Vokal a. Aber was soll denn halbschwarz überhaupt sein? Halbschwarz gibt es gar nicht. Dafür haben wir ein eigenes Wort, nämlich Mittelgrau. So ein Tabak ist im Zweifel tot.

„Einmal mittelgrauen Tabak, bitte! Haben se nich? Dann vielleicht schwarzweißen Tabak? Och nich? Dann geben Sie mir die blaue Packung da. Nein, die mittelblaue. Da ist nämlich mittelbrauner Tabak drin.“
2032 mal gelesen

Schlechter Witz über weißes Zeug

Auf allem lastet dicke Schicht;
Was mag das sein? Man weiß es nicht.
Vermutlich wurden über Nacht,
Rasierschaumdosen leer gemacht.

Und ist erst alles eingeschmiert,
Dann wird das ganze Land rasiert.
Sein Zustand macht die Götter krank,
Drum hobeln sie den Erdball blank.

Entschuldigung, hab’ Spaß gemacht
Und hoffe sehr, dass einer lacht.
Man trinke ruhig einen Tee,
Das weiße Zeug, das ist nur Schnee.
1989 mal gelesen

Moral in der Krise

Einen Skandal in Disney World schilderte der Moderator Sam de Bruyn des flämischen Radiosenders Studio Brussel. Dort gibt es eine Achterbahn, bei der man in einen finsteren Tunnel stürzt. Und just, wo die Gondel in die Tiefe taucht, wird man fotografiert. Beim Verlassen der Achterbahn kommt man an einer Schautafel vorbei, wo die Fotos ausgehängt sind.

Es sei nun seit längerem üblich, dass junge Frauen beim Foto-shooting im Tunnel ihr T-Shirt lüpfen. Deshalb hatte Disney World Leute eingestellt, die die nacktbusigen Fotos aussortieren. Diese Leute habe man jetzt wegen der Krise entlassen müssen. In der Folge seien auf der Aushangtafel massenhaft „bloße Titten“ zu sehen.

Soweit de Bruyns Bericht. Er hat einige Merkmale einer urbanen Sage, sollte er aber der Wahrheit entsprechen, dann zeigt sich hier, wie durch die Auswirkungen der Krise wirklich alles entblößt wird.
2437 mal gelesen

Dreist - Gemein - Verboten: Volontär Hanno P. Schmocks Videotagebuch

Dieses Blog wird derzeit nicht aktualisiert.
Neue Beiträge in der Cafeteria.

Hanno P. Schmocks Videotagebuch (1) hier.

INHALT

1) Ursula von der Leyen erfreut das Prekariat
2) Drei Paar Tanzbein
3) Lasches Rudern auf der Leine
4) Verwirrte junge Menschen, Musik und Hunde
5) Spasss auf dem Hochstand
6) Flussfahrt mit Frau

Hanno P. Schmocks Videotagebuch (2) hier.

INHALT

1 - Mutwillige Polizeipferd-Beleidigung
2 - Fritz Haarmann war da
3 - Suizidversuch in Hosenträgern
4 - Maskierte große Taschen
5 - Worin wir denken
6 - Irres Hochamt
7 - Schließlich: Ein Mann und drei Frauen
1889 mal gelesen

Alarm in den Alpen - Eine Tragikomödie

Alarm-in-den-Alpen-in-3-Akt
2848 mal gelesen

Weltpremiere: The Bankerboys - Das Video



Text, Animation und Grafik: Trithemius. Mit Dank an den Wiener
Musiker Martin Kratochwil alias Kurzweil (Musik, Gesang) und an
den Aachener Filmemacher Marco Röpke (Video).

=> Weiteres Material von und mit den Bankerboys

Yo, yo, liebe Kundinnen und Kunden. Passend zur Weltpremiere des Bankerboy-Videos wurde das Teppichhaus Trithemius für den BOBs Award der Deutschen Welle nominiert. Eine Jury hat 11 Blogs für die Kategorie "Bestes deutsches Weblog ausgewählt". Jetzt entscheiden die Stimmen der Internetnutzer, also deine, deine und besonders deine. Wenn dir das Angebot im Teppichhaus gefällt, dann stimme HIER ab. Helft auch, die Botschaft der Bankerboys zu verbreiten. Herzlichen Dank und ...

beste Grüße
Jules van der Ley

THE BOBs
3219 mal gelesen

Gepfiffener Spatzendreck und fröhliches Schnackseln

Super-MittwochAls dem Redakteur der Aachener Woche aufgetragen ward, etwas über den neuen Ordensritter wider den tierischen Ernst zu vermelden, schlug er die Hacken zusammen, zog den verbalen Sonntagsbratenrock über und schrieb von „Oberen“ und von „Herren“, die irgendwo „weilen“, um einem „designierten Ritter den Ritter anzutragen“. Der Name sei eigentlich das „bestgehütetste Geheimnis“ gewesen, jetzt jedoch würden die Spatzen „in großen Lettern Mario Adorf von den Dächern“ pfeifen.

Es ist also letztens am Münchener Bayerischen Hof ziemlich gefährlich gewesen. Die großen Lettern fielen nur so von den Dächern. Inzwischen pfeifen die Spatzen die Brocken von allen Häusern der Republik. Besonders vor den Kapitalbuchstaben A und M muss man sich in Acht nehmen. Am Ende wird noch jemand von den Initialen eines Ritters wider den tierischen Ernst erschlagen. Inhaltlich ist an der Meldung jedoch nichts auszusetzen, denn tatsächlich war der Name des designierten Ordensträgers ein Geheimnis. Das brauchte allerdings niemand zu behüten, mangels Relevanz. In den letzten Jahren fielen die Namen folgender Personen von den Dächern:
Friedrich Merz - Der lustige Bierdeckel-Steuererklärungs-Propagandist stahl seine Karnevalsrede in Teilen aus dem Internet. Im Jahr 2007 klagte der CDU-Bundestagsabgeordnete Merz erfolglos vor dem Bundesverfassungsgericht, weil er seine Nebeneinkünfte nicht offenlegen wollte.
Wendelin Wiedeking, Vorstand der Porsche AG - Er strich 2007 ein Gehalt von 60 Millionen Euro ein, und vermutlich deshalb nennt ihn der AKV: „Robin Hood der Wirtschaft“.
Guido Westerwelle, FDP-Parteivorsitzender - In seiner Porsche-Laudatio reimte er werbewirksam: „Ich reih' mich ein als Gratulant und freu' mich schon auf eine forsche Rede aus dem Hause Porsche: Perfekt entworfen, flott und spritzig, stark im Auftritt, schnell und witzig. In seinen Adern fließt Benzin - Hoch lebe Ritter Wendelin!“
Joachim Hunold - Chief Executive Officer (CEO) der Air Berlin PLC; der Ordensritter 2007 wurde von der Liste gestrichen, weil er bei der Ordensverleihung zu dreist für sein Unternehmen warb, weshalb die ARD sich aus der Übertragung der Verleihung zurückziehen wollte.
Gloria von Thurn und Taxis, angeheiratete Fürstin - Die notorische Katholikin bekam den Orden vermutlich wegen ihrer Bemerkung bei Friedman: „Afrika hat Probleme nicht wegen fehlender Verhütung. Da sterben die Leute an AIDS, weil sie zu viel schnackseln. Der Schwarze schnackselt gerne.“
Was ist lustvoller, diesen peinlichen Personen zuzusehen, wie sie einander feiern, oder nach Herzenslust zu schnackseln? Halt, bitte einen Moment Geduld, das steigert die Lust. Es gilt noch nachzutragen, wer die „Herren“ sind, die alljährlich irgendwo „weilen“, um dem „designierten Ritter den Ritter anzutragen“:
Hans Wollgarten, Präsident des Aachener Karnevals-Vereins 1859 e.V., ist selbständiger Steuerberater und Wirtschaftsprüfer. Er betreibt eine Kette von Kanzleien in Deutschland. Die Staatsanwaltschaft Aachen hat kürzlich gegen ihn einen Strafbefehl von 40.000 Euro erlassen. Wegen? Steuerhinterziehung.
Boris Bongers - AKV-Vizepräsident, Diplomkaufmann, Vertriebsdirektor eines Aachener Kosmetikunternehmens und sucht nach eigenen Angaben "autochthone Weine“, womit vermutlich nicht der saure Karnevalswein vom Aachener Wingertsberg gemeint ist.
Patrik Hoesch - AKV-Geschäftsführer, Betriebsökonom und Manager einer großen Kanzlei für Steuerberatung und Wirtschaftsprüfung. Tugenden laut AKV-Webseite: "Pünktlichkeit, Ehrlichkeit und gewissenhafte Menschen. Untugenden: Hinterlistigkeit und Neid“.
Kein Wunder, dass der Redakteur der Aachener Woche in sprachliche Habacht-Stellung verfiel, angesichts der erlesenen Schar von Wirtschaftsprüfern und Steuerberatern und den anderen „Oberen“, über die er schreiben durfte. Das erinnert an die Bemerkung von Heinrich Heine, der Aachener komme daher wie einer, der den Stock verschluckt hat, mit dem er vorher verprügelt wurde. Man sollte denken, die Zeiten von Kleinmut und Obrigkeitsdenken sind vorbei, doch mit dieser verschmockten Berichterstattung ist Heine noch nicht widerlegt.

Zirkus des schlechten Geschmacks
4696 mal gelesen

Plausch mit Frau Nettesheim - Abwasch beschleunigt die Phasenverschiebung

trithemius & Frau Nettesheim
Trithemius

Phasenverschiebung, Frau
Nettesheim, nicht
„Hasenverschiebung“. So
weit kommt es noch, dass
die unsichtbare Hand
unsere guten deutschen
Hasen abschiebt.

Frau Nettesheim
Und was ist nun mit der
Phasenverschiebung?

Trithemius
Was soll schon sein? Da verschiebt sich was von der einen Phase in die nächste. Systemtheorie, Frau Nettesheim.

Frau Nettesheim
Ach, Ihr neues Hobby.

Trithemius
Das können Sie nennen, wie Sie Kleingeld haben. Seit langem denke ich, dass man das Geschehen in menschlichen Kulturen als System betrachten muss, das sich selbst organisiert. Wenn Sie sich morgen im Fingernagelinstitut Ihres Vertrauens die Nägel feilen und lackieren lassen …

Frau Nettesheim
Es heißt "Fingernagelstudio", Trithemius. Ich habe noch nie eines betreten.

Trithemius
… dann handeln sie zwar aus einem egoistischen Motiv, trotzdem dient es dem Allgemeinwohl. Frau Fingernagelstudio hat am Abend ein Plus in der Kasse und kann sich ein neues Handy kaufen. Der Handyladen-Betreiber schöpft wieder Hoffnung und gibt den Plan auf, seine Familie umzulegen, so dass der jüngste Sohn die Schlachtkaninchen aus dem Stall des Nachbarn befreien kann … und so weiter und so weiter. Es ist doch ein tröstlicher Gedanke, dass ein chaotisches System wie die menschliche Gesellschaft sich irgendwie organisiert, so dass die Summe aller egoistischen oder sozialen Handlungen ein Überleben der Art sichert. Wenn Sie sich allerdings weigern, ins Fingernagelstudio zu gehen, Frau Nettesheim, und stattdessen in einen teuren Käseladen …

Frau Nettesheim
… organisiert sich das System geringfügig anders, mit dem gleichen Ergebnis oder etwa nicht? Sie sagen, es gehe um die Summe der Handlungen.

Trithemius
Ja, ich gebe zu, dass unser Gesellschaftssystem zwar aus individellen Handlungen besteht, aber Ihre Entscheidung für oder gegen das Glück der Maniküre ist innerhalb der Systemtoleranz. Das Gesellschaftssystem ist groß, und alles Große ist schwer zu bewegen. Wenn sich aber die Gegebenheiten ringsum das System verändern, treten Spannungen und Reibungsverluste auf, die alle Elemente des Systems irgendwann zu spüren bekommen. Fast jede menschliche Kultur ist durch Computer und Internet ins Informationszeitalter übergetreten, das dem Einzelnen völlig neue Verhaltensweisen abverlangt. Dazu muss sich jeder neu orientieren und organisieren, und weil das eine Weile dauert, entsteht bei vielen Menschen großer Stress. Der führt beispielsweise in eine Finanzkrise, die wiederum noch mehr Stress erzeugt. Wenn der Druck dann zu stark wird, zerfällt das alte System und gruppiert sich neu, egal, ob Nutznießer der alten Ordnung dagegenhalten. Und diese Neuorganisation des kulturellen Systems ist eine Phasenverschiebung. Es kommen herrliche Zeiten, Frau Nettesheim!

Frau Nettesheim

Ich weiß genau, warum Sie das sagen. In den letzten Tagen haben Sie den Teppichausbesuchern die Hölle heiß gemacht, und jetzt haben Sie ein schlechtes Gewissen und verkünden Sonnenschein.

Trithemius
Ehrlich, ich bin erst gestern darauf gekommen, als ich einen Systemtheoretiker im Fernsehen hörte. Lassen Sie sich morgen die Fingernägel schön machen oder die Männerfanglocken richten, Frau Nettesheim, das hilft bestimmt, die Phasenverschiebung zu beschleunigen.

Frau Nettesheim

Ich hätte einen besseren Vorschlag, Trithemius. Machen Sie das. Noch besser wäre allerdings, Sie würden mal Ihre Küche aufräumen. Sonst wird bei mir der Anpassungsdruck so groß, dass ich mir selbst eine Tasse spüle.

Trithemius
Halten Sie ein, Verehrteste, es würde mich beschämen!
2575 mal gelesen

User Status

Du bist nicht angemeldet.

Teppichhaus Trithemius / Teestübchen Trithemius

Aktuelle Beiträge

Jenseits der vertrauten...
„Wenn ein Mensch geboren ist und erste Eindrücke empfängt,...
Trithemius - 7. Apr, 17:26
Der Pohl
Einer, an den ich ein halbes Jahrhundert nicht gedacht...
Trithemius - 5. Apr, 18:25
Einfach zu viele Eier
Traditionell sammelten die Messdiener unseres Dorfes...
Trithemius - 4. Apr, 10:31
Ein Bote wird in den...
Der Schweizer Volkskundler Hanns Bächtold-Stäubli verzeichnet...
Trithemius - 1. Apr, 11:42
Die kulinarische Konsequenz....
Die kulinarische Konsequenz. Gibts Rezepte?
Trithemius - 29. Mär, 07:18
Irgendwann erreichte...
Irgendwann erreichte der Brief, wenn auch nach sehr...
Lo - 29. Mär, 00:14
Auf einer Seite setzen...
Auf welcher Seite setzen denn nun die Bäume Moos an?...
Trithemius - 28. Mär, 11:06
Danke.
Danke.
Trithemius - 27. Mär, 08:51

RSS Box

Links

Suche

 

Kalender

Juni 2026
Mo
Di
Mi
Do
Fr
Sa
So
 1 
 2 
 3 
 4 
 5 
 6 
 7 
 8 
 9 
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
21
22
23
24
25
26
27
28
29
30
 
 
 
 
 
 
 
 

Web Counter-Modul

Status

Online seit 7039 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 10. Apr, 15:04

Credits


Abendbummel online
Bild & Text
dörfliches
Ethnologie des Alltags
Frau Nettesheim
freitagsgespräch
Gastautoren
Hannover
Internetregistratur
Kopfkino
Pataphysisches Seminar
Pentagrion
Schriftwelt im Abendrot
surrealer Alltag
Teppichhaus Intern
Teppichhaus Textberatung
... weitere
Profil
Abmelden
Weblog abonnieren