Teppichhaus-Volontär Hanno P. Schmock kommentiert: Der deutsche Außenminister trägt in der Türkei keine kurzen Hosen

„Ich bin hier nicht als Tourist in kurzen Hosen unterwegs, sondern als deutscher Außenminister. Das, was ich sage, zählt“, sagte Außenminister Guido Westerwelle in der Türkei. Damit sandte Westerwelle ein wichtiges Signal an alle Kritiker zu Hause. Westerwelles Hot Pants bleiben im Koffer. Das zählt. Von Guido Westerwelle darf man kein diplomatisches Umhertänzeln erwarten. Keine kurzen Hosen beim Staatsbesuch! Basta. Auch wenn er damit die türkische Regierung konsterniert und das türkische Volk bitter enttäuschen muss.

Freilich ist Westerwelles Absage auch eine Ohrfeige für jene, die erwartet hatten, er werde die altväterliche deutsche Diplomatie revolutionieren und wenigstens im Außenamt die kurzen Hosen einführen. Ihnen bleibt nur, auf den globalen Temperaturanstieg zu hoffen. Das sind trübe Aussichten, angesichts eisiger Temperaturen und dichter Schneedecke.

Dass nichts zählt, was Touristen in kurzen Hosen sagen, ist die weitere, bittere Erkenntnis, die uns Guido Westerwelle von der fernen Türkei aus in den Reisekatalog schreibt:

Der Tourist in kurzer Hose
labert das Bedeutungslose.


Guido Westerwelle versagt sich in der Türkei die heißen Hosen. Mancher mag es bedauern. Für den Weltfrieden ist es ein Segen. Der attraktive deutsche Außenminister setzt Maßstäbe, gewagt und trotzdem kokett. Man wird sich seinen Namen merken müssen.

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Mein surrealer Alltag (8) - Traumgesicht

Der Schnee verdeckt derweil so manches, wovon man lieber nichts wissen möchte. Auf dem geräumten Bürgersteig liegt erneut eine dünne Schneedecke, darauf Schuhabdrücke, durch die der schmutziggraue Bürgersteig zu sehen ist. Plötzlich starrt mich aus einem Absatzabdruck ein alter Indianer an, und dann bin ich auch schon drüber weg. Typischer Fall von Hineinsehen, denke ich, denn es ist wohl eher unwahrscheinlich, dass im Bürgersteig unter der dünnen Schneedecke wirklich ein Indianer liegt und sich etwa mit der Hand ein Fensterchen in den Schnee gewischt hätte. Zudem: Indianer, deren Gesicht gerade mal so groß ist wie ein Schuhabsatz, so kleine Indianer gibt’s vermutlich nicht. Trotzdem lässt mir das Indianergesicht keine Ruhe.

Was will mir das Bild wohl sagen? Mein Vorgänger, über dessen Spur ich gegangen bin, hat er etwa die Rechte der Indianer mit Füßen getreten? In Hannover sind Indianer meines Wissens niemals heimisch gewesen. Hier lebten einst die Altsachsen, davor vielleicht Kelten und noch früher mysteriöse Bandkeramiker. Wenn diese Menschen aus dem Osten zugewandert sind, dann könnten sie durchaus slawische Gesichtszüge gehabt haben, und ich habe nur gedacht, da glotzt mich ein Indianer an.

Es wäre nicht erfreulich, wenn unter dem Schnee noch mehr von den Leuten herumliegen. Wer weiß, was beim nächsten Tauwetter alles hoch kommt? Stehen dann überall in der Stadt steinalte Bandkeramiker auf, setzen sich auf den Bordstein und töpfern was?

Zum Glück soll es weiterhin schneien.

Mein surrealer Alltag 1-7
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Volontär Schmock berichtet: Tanz den Westerwelle

Seit einigen Monaten kursiert im Internet ein Videomitschnitt, worin FDP-Chef Guido Westerwelle sich entlarvt, nur unbeholfen Deutsch zu sprechen. Während einer Presskonferenz traktiert er einen tadellos Deutsch verstehenden BBC-Reporter mit der stilistisch missratenen Phrase: „Es ist Deutschland hier“. Letztlich qualifizierte sich Westerwelle mit dieser Äußerung endgültig für sein Amt als Außenminister. Erleichtert jubelte die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) in ihrem vierteljährlich erscheinenden Vereinsorgan Muttersprache: „Als Außenminister richtet Westerwelle den geringsten Schaden am Sprachkörper an; den Ausländern wird sein putziges Deutsch kaum auffallen.“

Dagegen ist „Es ist Deutschland hier“ bei vielen orientierungslosen Deutschen gut angekommen, war in den Monaten Oktober bis Dezember 2009 der beliebteste Klingelton und ist immer öfter auf Anrufbeantwortern zu hören, freilich nur auf denen, die in Deutschland stehen. Und auch das Ausland freut sich. In seiner noch kurzen Amtszeit als Außenminister hat Westerwelle bereits eine ganze Reihe von Ländern bereist und ihnen einen Namen gegeben: „Es ist Italien hier!“, „Es ist Israel hier!“ „Es ist Schweden hier!“, „ …Österreich!“ usw. Gut 20 Staaten wissen schon, wie sie heißen, andere stehen Füße scharrend auf der Warteliste.

Das Ausland freut sich einen Ast, unter Westerwelles Parteifreunden wächst die Sorge. So verschreckte Westerwelle beim traditionellen Dreikönigstreffen der FDP am heutigen Mittwoch seine Partei, als er eine „geistig-politische Wende“ ankündigte, Arm in Arm mit der CDU. Versteinerte Gesichter in den Reihen der FDP-Parteigrößen. Eine „geistig-moralische Wende“ hatte schon Helmuth Kohl im Jahr 1982 angekündigt und stracks vollzogen, zusammen mit der FDP. Eine erneute Wende brächte eine Drehung um 360 Grad und würde die Volkstanzgruppe CDU/CSU-FDP-Koalition vollrohr zurück in den Sozialismus marschieren lassen.

Noch während Westerwelle sprach, ließ der CSU-Parteivorsitzende Horst Seehofer dementieren, er habe Rhetorikpreisträger Westerwelle einen „schwadronierenden Eintänzer“ genannt. Auch habe er nicht gesagt, Westerwelle solle lieber in die Innere Mongolei reisen und Stutenmilch schlürfen.

Es ist Schilda hier.
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1a Auto-Lobbyismus, Tagesspiegel!

Heute meldest du freudig: „Berlins Straßen sind die sichersten Deutschlands - Jedes Jahr ein neuer Rekord: Die Zahl der Verkehrstoten sinkt seit Jahren. 2009 registrierte die Polizei nur 48 Tote, so wenig wie nie zuvor seit dem Krieg. Zum Vergleich: 1999 waren es 103 Tote, 2008 noch 59.“

Mal angenommen, es findet sich wieder mal ein toter Säugling in einem Kühlschrank. Titelt ihr dann: „Deutschlands Kühlschränke werden immer sicherer“ – und weiter: „Ein neuer Rekord: 2009 ist ein Säugling weniger im Kühlschrank gefunden worden als im Vorjahr.“?

Gell, da herrscht ein bisschen Chaos im Redaktionsoberstübchen.

Schläfenschraube (landläufig "Vogel"),
Trithemius

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Toter Tabak

Heute im Kiosk. Ich sage: „Einmal Van Nelle halbschwer und Canuma Blättchen.“ Der türkische Händler, ein bisschen irritiert, hält die richtige Packung hoch und sagt: „Sie meinen halbschwarz.“

Er ist gewiss der Hundertste gewesen, der mich mit treuherziger Unwissenheit zu schulmeistern versucht. In Aachen, in Köln, in Berlin ist es mir so ergangen und schon oft in meiner neuen Heimatstadt Hannover. Das ist mir eigentlich egal, solange ich den richtigen Tabak bekomme. Was geht’s mich an, wenn die Leute im Irrtum sind. Die Aufklärung ist ohnehin längst gescheitert, und ringsum versackt der postmoderne Mensch in neuen Mythen. Was einer vorbetet, beten Hundertausende nach. Wahr ist, was die meisten für wahr halten. Und daher ist es nicht verwunderlich, dass selbst Google mich fragt: „Meinten Sie: halbschwarzer Tabak“

Nein, ich meinte „Halbschweren Tabak“, „Half zware shag“. Das niederländische „zwar“ bedeutet „schwer“ und nicht „schwarz“. Die volketymologische Übersetzung von „zware“ als „schwarz“ orientiert sich offenbar am Vokal a. Aber was soll denn halbschwarz überhaupt sein? Halbschwarz gibt es gar nicht. Dafür haben wir ein eigenes Wort, nämlich Mittelgrau. So ein Tabak ist im Zweifel tot.

„Einmal mittelgrauen Tabak, bitte! Haben se nich? Dann vielleicht schwarzweißen Tabak? Och nich? Dann geben Sie mir die blaue Packung da. Nein, die mittelblaue. Da ist nämlich mittelbrauner Tabak drin.“
2011 mal gelesen

Schlechter Witz über weißes Zeug

Auf allem lastet dicke Schicht;
Was mag das sein? Man weiß es nicht.
Vermutlich wurden über Nacht,
Rasierschaumdosen leer gemacht.

Und ist erst alles eingeschmiert,
Dann wird das ganze Land rasiert.
Sein Zustand macht die Götter krank,
Drum hobeln sie den Erdball blank.

Entschuldigung, hab’ Spaß gemacht
Und hoffe sehr, dass einer lacht.
Man trinke ruhig einen Tee,
Das weiße Zeug, das ist nur Schnee.
1968 mal gelesen

Moral in der Krise

Einen Skandal in Disney World schilderte der Moderator Sam de Bruyn des flämischen Radiosenders Studio Brussel. Dort gibt es eine Achterbahn, bei der man in einen finsteren Tunnel stürzt. Und just, wo die Gondel in die Tiefe taucht, wird man fotografiert. Beim Verlassen der Achterbahn kommt man an einer Schautafel vorbei, wo die Fotos ausgehängt sind.

Es sei nun seit längerem üblich, dass junge Frauen beim Foto-shooting im Tunnel ihr T-Shirt lüpfen. Deshalb hatte Disney World Leute eingestellt, die die nacktbusigen Fotos aussortieren. Diese Leute habe man jetzt wegen der Krise entlassen müssen. In der Folge seien auf der Aushangtafel massenhaft „bloße Titten“ zu sehen.

Soweit de Bruyns Bericht. Er hat einige Merkmale einer urbanen Sage, sollte er aber der Wahrheit entsprechen, dann zeigt sich hier, wie durch die Auswirkungen der Krise wirklich alles entblößt wird.
2410 mal gelesen

Dreist - Gemein - Verboten: Volontär Hanno P. Schmocks Videotagebuch

Dieses Blog wird derzeit nicht aktualisiert.
Neue Beiträge in der Cafeteria.

Hanno P. Schmocks Videotagebuch (1) hier.

INHALT

1) Ursula von der Leyen erfreut das Prekariat
2) Drei Paar Tanzbein
3) Lasches Rudern auf der Leine
4) Verwirrte junge Menschen, Musik und Hunde
5) Spasss auf dem Hochstand
6) Flussfahrt mit Frau

Hanno P. Schmocks Videotagebuch (2) hier.

INHALT

1 - Mutwillige Polizeipferd-Beleidigung
2 - Fritz Haarmann war da
3 - Suizidversuch in Hosenträgern
4 - Maskierte große Taschen
5 - Worin wir denken
6 - Irres Hochamt
7 - Schließlich: Ein Mann und drei Frauen
1874 mal gelesen

Alarm in den Alpen - Eine Tragikomödie

Alarm-in-den-Alpen-in-3-Akt
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Auf einer Seite setzen...
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Trithemius - 28. Mär, 11:06
Danke.
Danke.
Trithemius - 27. Mär, 08:51

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