Warum eine Pfeife keine Pfeife ist

Der belgische Surrealist René Magritte hat mehrmals das Bild einer Pfeife gemalt, worunter steht: „Ceci n’est pas une pipe“, das ist: “Dies ist keine Pfeife.” Man kann diese Botschaft auf verschiedene Weisen deuten, denn die Offenheit der Deutung ist eine Eigenschaft des Kunstwerks. Magritte selbst sagt dazu:

“Ein Bild ist nicht zu verwechseln mit einer Sache, die man berühren kann. Können Sie meine Pfeife stopfen? Natürlich nicht! Sie ist nur eine Darstellung. Hätte ich auf mein Bild geschrieben, dies ist eine Pfeife, so hätte ich gelogen. Das Abbild einer Marmeladenschnitte ist ganz gewiss nichts Essbares.”

In gleicher Weise ist natürlich das Wort „Pfeife“ keine Pfeife, die man rauchen kann. Lies mehr ...
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Von der Sprache der Gehenden an einem Karfreitag

Manche Paare, wenn sie jung sind und Hand in Hand daherkommen, gehen im Gleichschritt. Manche gehen im gleichen Rhythmus, aber spiegelschrittig. Mir scheint das die bessere Weise zu sein, wenn man in Eintracht miteinander schwingen will, denn indem sie spiegelbildlich gehen, ergänzen sie sich. Beim Gleichschritt passt sich einer von beiden dem anderen an.

Manche, namentlich die älteren, dunkel Gekleideten, er mit weißen Dauerwellen und einem langen schwarzen Mantel aus teurem Tuch, sie mit schwarzer Bolerojacke über dem Cocktailkleid, die gehen seitlich versetzt, sie etwa einen halben Schritt hinter ihm.
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Einiges über Buchstabenmagie

Als der Skalde Egil, der berühmte isländische Heldendichter, einst auf den Hof des Bauern Thorfinn kam, fand er dessen schöne Tochter Helga todkrank auf der Querbank liegen. Sie konnte keine Nacht mehr schlafen und war wie wahnsinnig. Egil fragte Thorfinn, ob irgendwelche Mittel angewandt worden seien, und Thorfinn sagte, ein Bauernsohn aus der Nachbarschaft habe heilende Runen geritzt. Danach habe sich Helgas Zustand aber noch verschlimmert.

Nachdem Egil gegessen hatte, untersuchte er Helgas Krankenlager und fand ein Fischbein, auf dem Runen geritzt waren. Er las die Runen, schabte sie ab und ließ das Abgeschabte sofort ins Feuer fallen. Dann verbrannte er den Fischknochen und ließ alles an die Luft tragen, was mit den Runen in Berührung gekommen war. Darauf erklärte er, nur der wahre Runenkundige solle sich am Ritzen versuchen; der verliebte Bauer habe falsche Runen geritzt. Er habe einen Schreibfehler gemacht. Der habe dem Mädchen Schaden gebracht. Egil ritzte die richtigen Runen und legte sie unter Helgas Kopfkissen. Da glaubte sie, aus einem Schlaf zu erwachen, und sie fühlte sich wieder gesund.

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Treppenlift nach Hamburg – ohne Frau Nettesheim

Trithemius
Gestern auf der Limmerstraße sah ich eine Straßenbahn, die warb seitlich für Treppenlift-Nord.de. Wie mag so ein Treppenlift nach Norden funktionieren, Frau Nettesheim?

Frau Nettesheim
Gibt’s nicht. Norden liegt nur auf der Landkarte oben.

Trithemius

Jetzt lassen Sie doch Ihre Phantasie ein wenig hüpfen, hohe Frau. Es ist doch eine artige Vorstellung, man könnte den Norden mit einem Treppenlift erreichen, bequem darin Platz nehmen, und er fährt am Treppengeländer hoch gen Norden.

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Kleinvieh macht besonders viel Mist

Wer hätte je etwas von Präsident Peter Mickmann gehört, wenn er nicht dem Zentralverband Deutscher Rassekaninchenzüchter e.V. angehört, der immerhin über 160.000 Mitglieder zählt und somit die weltweit größte Dachorganisation für Kaninchenzüchter ist. Nein, wir hören und lesen nichts von Herrn Peter Mickmann in unseren Leitmedien, wohl aber kann man keine Zeitung, keine Zeitschrift aufschlagen, keine Talkshow einschalten, ohne einem feist grinsenden Patrick Döring zu begegnen, dem Generalsekretär eines Vereins namens FDP, der mit gerade mal 63.000 nicht halb so viele Mitglieder hat wie der Kaninchenzüchterverband.

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Über das Zusammentreffen von Wörtern und Buchstaben

Die Runenmeister ritzten in Sparschreibung, wenn also der Auslaut eines Wortes und Anlaut des folgenden Wortes gleich waren wie bei „Runenmeister“ und „ritzen“, ließen sie einen Buchstaben weg. Jacob Grimm, der sich mit Runeninschriften beschäftigt hat, ließ sich vermutlich von dem Prinzip anregen, als er die Regel schuf, beim Zusammentreffen von drei gleichen Konsonanten wie in „Schifffahrt“ sei ein Buchstabe zu tilgen. Die Orthographiereform hat diese Sparschreibung rückgängig gemacht. Überhaupt führt sie oft zur Verlängerung der Wörter durch Trennung ehedem zusammen geschriebener Wörter und die Schreibung mit Doppel-s statt Eszett.

Eigentlich will ich aber über ein stilistisches Problem schreiben.

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Wer das liest, kann lesen! – Vom Lesezwang

BuchstabenwüsteWer ein solches Blatt aus dubioser Quelle in die Hände gedrückt bekommt, fühlt sich nicht unbedingt gezwungen, es zu lesen. In der Buchdruckersprache heißen diese Erscheinungen „Bleiwüste. Man vermisst bei solchen Texten zwischendurch einen geistigen Ruheplatz, wo man sich erschöpft von der bereits durchwanderten Wüste niederlassen kann, um den Schweiß von der Stirn zu wischen. Verständig zu lesen, ist anstrengend, erfordert starke Konzentration, ein beständiges Mitdenken und Abwägen. Weil das Gehirn ein großer Energieverbraucher ist, andererseits aber stets über die Sicherung der Ressourcen wacht, fühlt man sich durch Bleiwüsten eher abgeschreckt. Unwillkürliches Lesen findet nur ausschnitthaft statt, denn diese Botschaft ist durch zuviele Buchstaben verdünnt.

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Null Nachrichten aus der Teppichhausredaktion

In meinem Kopf wird vermutlich gerade umgebaut. Seit Tagen habe ich das Gefühl, es geht da gar nicht voran. Ich inspiziere natürlich nicht andauernd. Es könnte sein, dass die Arbeiter in der Nacht sogar fleißig werden. Wenn ich tagsüber nachgucke, dann passiert gar nichts. Da steht ein Rohbau mit mehreren Flügeln, aber wie es scheint, sind die Leitungen noch nicht gelegt. Während das Teppichhandels-Unternehmen inwendig umgebaut wird, ist neue Ware nicht zu bekommen, nur ein bisschen Geplauder. Eigentlich hätte ich auch „inwändig“ schreiben können, denn der Umbau passiert ja innerhalb der Wände. „wendig“ und „Wand“ haben sowieso mit „winden“ die gleiche Wortwurzel. Die Wände unserer Vorfahren wurden nämlich aus Zweigen geflochten. Wer behände eine neue Wand winden konnte, der war wendig. Die Bedeutung ist heute noch im windigen Vertreter spürbar. Da ist das Wort abgesunken.

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Danke.
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