Was erlauben Urlauber?

Vor Jahren schon ist mir auf den Ost- und Nordfriesischen Inseln aufgefallen, dass der einheimische Menschenschlag entweder albern oder aber übellaunig ist. Beide Attribute sind Erscheinungsformen der Bosheit, wobei mir der Alberne fast noch unheimlicher ist als der Übellaunige. Namentlich die Bewohner der Nordseeküsten stammen ja überwiegend von Strandräubern ab, und wer wollte, wenn überhaupt, von einem albern feixenden Strandräuber erschlagen werden? Die raue Nordsee hat ein Übriges dazugetan, den unersprießlichen Charakter der Menschen dort zu prägen, und wie auf den sandigen Dünen nur vereinzelt die Grashalme stehen, ist auch die Bosheit nur unzulänglich kulturell überformt, namentlich durch eine dem Geschäftssinn geschuldete professionelle Freundlichkeit, durch die es aber eiskalt schimmert wie durch den Netzstrumpf einer Hafenhure.

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Endlich wieder Aktionismus – mit halben Portionen

Seit an Seit mit Ingrid Hartges, Hauptgeschäftsführerin des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga), hat Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) die Initiative vorgestellt, dass Restaurants kleinere Portionen anbieten sollen. Weil in deutschen Restaurants soviel weggeworfen würde, was „Zu gut für die Tonne“ ist.

Wir lassen ja alle im Restaurant immer die Hälfte zurückgehen. Wir verwöhntes Pack picken nur einmal ins Essen und sind schon bedient. Wir vermuten ein Haar in der Suppe und lassen sie unverzüglich in den Ausguss kippen. Wir rufen: “Herr Ober, der Kaffee hat Kork!”, weil uns die Tasse zu groß ist. Wenn wir uns unbeobachtet fühlen, spucken wir schon den ersten Bissen in die Serviette. Wir bunkern alles in den Backen und kotzen es vor die Tür. Wir gehen überhaupt nur ins Restaurant, um Speisen zu vernichten. Dass diesem flegelhaften Verhalten ein Ende gesetzt wird, haben wir Ilse und Ingrid zu verdanken. Wobei besagte Ingrid sich vor Vergnügen gekringelt hat, dass die tumbe Aigner sich vor den Karren des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) hat schirren lassen.

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Auf die Welt gucken mit Frau Nettesheim

trithemius & Frau Nettesheim

Frau Nettesheim

Nehmen Sie doch die Dinge wie sie sind, Trithemius.

Trithemius
Wie meinen?

Frau Nettesheim

Als wertfreie Realitäten, deren Bedeutung Sie selbst ihnen geben. Damit nehmen Sie eine beinah göttliche Sicht an, die Ihnen Seelenruhe und ein vergnügliches Leben beschert.


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Wir kaufen nicht mehr an der Tür

Lieber Leser,

sind vielleicht eine Frau, dann sind Sie selbstverständlich mit gemeint. Sehr sogar, denn ich möchte meine Dudensammlung herzeigen. Die hat bisher noch jedes Frauenherz hüpfen lassen, vor allem aber die Philatelisten allesamt ins Abseits gestellt.

Meine Sammlung besteht aus 32 Bänden unterschiedlicher Ausgaben des Dudens, von 1905 an. Leider teilt sie das Schicksal billiger Briefmarkensammlungen. Das mag manche Schönheit schnöde finden, die Enttäuschung nicht verhehlen können und etwa sagen: “Die gelten ja alle nicht mehr, die Dudenausgaben sind doch längst überholt.“ So wurde meine stolze Dudensammlung schon oft abgestempelt und entwertet. Nach meinem Empfinden gelten die Ausgaben aber alle noch, denn es ist eine große Hülfe für die sprachliche Ausdruckskraft, wenn man sich an passenden Stellen alter Schreibweisen bedient. Naja, Hülfe ist so reingemogelt in den Satz, weil mir grad kein beßres Exempel eingefallen ist.

Alle Duden-Ausgaben meiner Sammlung haben einmal in den Schulen gegolten. Nach deren Vorgaben wurde Schülern Rechtschreibung eingepaukt. Sie wurden danach benotet und aussortiert. Der Linguist Carl Ludwig Naumann hat herausgefunden, dass Lehrer die Diktatnote schon im 19. Jahrhundert geliebt und gefördert haben, weil nur sie dem Deutschunterricht einen objektiven Bewertungsmaßstab bietet.

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Zielloses Radfahren (5) – Unter dem Wind gegen Latein

Schlimmer als Regen ist Gegenwind. In Aachen kommt er meistens aus West, vom Atlantik über den Ärmelkanal her. Der Westwind bläst ganz ordentlich. Dann hilft es schon, wenn man zu zweit ist und abwechselnd am Hinterrad fahren kann. Eine Gruppe ist natürlich schneller. Wenn dich eine große Gruppe einholt, weil du alleine gegen den Wind gefahren bist, das ist wie in einem Bus Platz zu nehmen. Man muss im Bus allerdings aufpassen, beizeiten das Tempo der Gruppe aufzunehmen, sonst sackt man nach hinten durch wie ein Stein, verliert den Anschluss zum letzten Hinterrad, und man kommt nie mehr heran. Die Gruppe enteilt, du musst wieder allein gegen den Wind.

Weiter in der Gruppe ...
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Zielloses Radfahren (4) – Leidenstour mit Souplesse

Die Strecke um den Maschsee ist etwa sechs Kilometer lang. Ich habe den Kopf voll, das Herz ist mir schwer. Da hilft es manchmal, sich anzutreiben. Allerdings muss ich zugeben, auf der ersten Runde um den Maschsee wenig gesehen zu haben. Instinktiv bin ich links herum gefahren, wie sich ein Verirrter immer linksrum hält, dem Schlag seines Herzens folgend, weshalb er ungewollt im Kreis läuft. Zunächst wird er sich freuen, Spuren zu finden, denn er mag denken: Ach, hier ist ja schon mal einer gelaufen, dem brauche ich nur zu folgen. Die vermeintlichen Vorläufer werden immer mehr, sooft der Verirrte seine Kreise zieht und glaubt, auf dem richtigen Weg zu sein.

Weiter um den Maschsee ...
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Zielloses Radfahren (3)- Regentour

Kennst du das? Wenn mit dem Regen ein Temperatursturz von gefühlten 10 Grad einhergeht, und man ist nicht passend gekleidet, sogar bald durchnässt und friert erbärmlich? Das ist uns leider widerfahren, weil wir uns zu lange bei Draht Franz Groll aufgehalten haben. Wir müssen auf dem kürzesten Weg nach Hause fahren, und er führt leider wieder quer durch die riesige Schrebergartenkolonie „Schnurzepief“. Zum Wochenende hin wird man in der ganzen Kolonie Altäre sehen, Tische mit Deutschlandfahnen bedeckt, auf denen die Flachbildschirme aufgestellt sind - für die Fußballfans aus der Nachbarschaft zum Nearest Neighbour Viewing (NNV). Der Fernseher steht selbstverständlich unter dem Terrassenüberdach, unter dem Tisch, im Inneren des Altars Bierkästen und -fässchen, falls das Wetter wird wie heute.

Weiter nass werden ...
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Zielloses Radfahren (2) – Sonntagstour

Für einen Moment lässt mich die Weite über der breiten Querstraße aufatmen, doch dann wird mir wieder eng. Die Straße ist No-go-Area. Hier fährt man nur mit dem Auto hin. Kaum eine Lücke im Verkehr, aber ich biege auf einen gut ausgebauten Radweg. Es geht an der Stirnseite der weiträumigen Schrebergartenanlage „Schnurzepief“ vorbei. Ein großes Schild im dicken Heckenbusch beweist es denen im Auto und mir, ein Ortsschild für eine Kolonie, die sich ausgesperrt und ihre Unabhängigkeit erklärt hat. Hinter der Hecke gilt nicht das Grundgesetz, sondern die Schrebergartenordnung. Das ist Kleindeutschland in Deutschland, – also das echte Deutschland.

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Auf einer Seite setzen...
Auf welcher Seite setzen denn nun die Bäume Moos an?...
Trithemius - 28. Mär, 11:06
Danke.
Danke.
Trithemius - 27. Mär, 08:51

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