Wie ich beinahe versehentlich gestorben wäre (5) – Pillen

Der Infarkt ist in jedem Fall ein Einschnitt. Du kannst danach nicht weiter machen wie zuvor, denn du bist durch ihn mit deiner Endlichkeit konfrontiert, begleitet von einem tiefen Misstrauen gegenüber dem eigenen Körper. Das würde sich vermutlich schnell verlieren, aber die Medikamente, die ich morgens und abends nehmen muss, verhindern ein Vergessen und eine Wiederkehr des Selbstvertrauens. Die Medikamente sagen mir, dass ich meinem Körper nur vertrauen kann, wenn ich ihn mit verschiedenen Präparaten diszipliniere.

Ich hasse
das. Ich hasse die Medikamentenpackungen, ich hasse die zweifelhaften Versprechungen der Beipackzettel, hasse die Litaneien von unerwünschten Nebenwirkungen. Hasse die exorbitanten Preise. Indem ich täglich schlucke, was mir die Ärzte verschrieben haben, handele ich ständig gegen meine Natur. Und ich weiß nicht, was davon der Preis des Überlebens, was wirklich unumgänglich ist.

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Wie ich beinahe versehentlich gestorben wäre (4) – Herzdraht

„Wundern Sie sich gleich nicht. Ich bin dann etwas verkleidet“, sagt der Chefarzt, bevor er mich von der Intensivstation zur Herzkatheteruntersuchung schieben lässt. In der Nacht hat sein Oberarzt mich über die Gefahren und Risiken des Eingriffs aufgeklärt. Deren gibt es viele, und ich sehe mich gezwungen zu unterschreiben, dass man mich gegebenenfalls straflos um die Ecke bringen darf, natürlich nur mit den besten Absichten, mich vom Herzinfarkt zu heilen. Ein Wahl hatte ich nicht wirklich, und nachdem ich machtlos meine Unterschrift unter die Einverständniserklärung gehunzt hatte, sagte ich: „Jetzt bringen Sie mir bitte ein Blanko-DIN-A4-Blatt. Nach all den düsteren Drohungen will ich mein Testament machen.“ Materielle Güter habe ich nicht zu vererben, aber es muss doch geregelt werden, was mit den drei Teppichhäusern und den gut 2.000 Texten darin geschieht, falls ich den Löffel abgebe.

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Wie ich beinahe versehentlich gestorben wäre (3) – Infarkt

Nicht alle Tage ruft ein Arzt: „Scheiße!“, wenn er sich mein EKG ansieht.
Ich frage: „Was meinen Sie damit?“
„Jetzt ist es passiert!“, sagt er. „Sie müssen sofort ins Krankenhaus!“

Ab dann lässt er mich nicht mehr aus den Augen, ist ständig neben mir, reicht mir seinen Arm, wenn ich nur einen Schritt gehe und fühlt unentwegt meinen Puls. Erneut wird ein Rettungswagen herbeitelefoniert, und an der Tatsache, dass mein Hausarzt mit in den Rettungswagen steigt, kann ich den Ernst meiner Lage ablesen. Tage zuvor, als ich mit ähnlich starken Armschmerzen in der Notaufnahme vom Henriettenstift gewesen war, da hatte mir eine Ärztin noch gesagt, die Schmerzen kämen von meiner Wirbelsäule, und ich war beruhigt nach Hause gefahren und hatte mir einen Termin bei Orthopäden geben lassen.

Jetzt habe ich offenbar eine Scheißdiagnose und muss eingestehen, dass ich diese Eskalation versehentlich selbst herbeigeführt habe.

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Wie ich beinahe versehentlich gestorben wäre (1)

Liebe Besucher des Teppichhauses,

derzeit ist es ein bisschen schwierig für mich zu schreiben, denn ich melde mich per smartphone aus dem Siloah-Krankenhaus in Hannover. Dienstag werde ich vorausichtlich entlassen. Ich hatte nämlich einen Herzinfarkt. Aber beinahe versehentlich gestorben wäre ich schon eine Woche zuvor. Ich werde davon in Folgen erzählen, sobald ich besser auf das Internet zugreifen kann als jetzt.

Eines jedenfalls ist mir und Ihnen erspart geblieben. Jacob Grimm hat als Lexikograph die Feder für immer beim Stichwort “Frucht” hingelegt, wie man im Deutschen Wörterbuch in einer Fußnote nachlesen kann. Wäre ich kürzlich versehentlich gestorben, hätte als letzter Beitrag im Teppichhaus der über den Papst und den Heiligen Stuhl gestanden, und man hätte gesagt, das hat er davon. Was muss er auch über den Heiligen Stuhl ablästern und den lieben Gott mit reinziehen in die Sache.

Puh! Noch mal gut gegangen.
=> Folge 2
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Pipileaks: Heiliger Stuhl verstopft Sommerloch

Nachdem der Papst sich erfolgreich gegen den vorne PipiFanta-, hinten KackaPralinenwitz des Satiremagazins Titanic gewehrt hat, ließ die Titanic-Redaktion heute verlauten, man wolle im August erneut den Papst aufs Titelblatt heben. Vermutlich will Titanic diesmal alles richtig machen und Benedikt mitsamt dem Heiligen Stuhl nicht mehr hinten, sondern auf der Vorderseite abbilden. Besagter Heiliger Stuhl hatte nämlich auf Empfehlung der deutschen Bischofskonferenz juristische Mittel gegen die Pipileaks-Titelseite eingelegt, wie der Sprecher der deutschen Bischofskonferenz, Matthias Kopp, der Frankfurter Rundschau sagte.

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Auf jeden Fall bequemes Sitzen – definitiv

Zwei junge Frauen haben vor einem Café auf der Limmerstraße an einem Tisch in der Sonne gesessen und wechseln jetzt herüber unter die Markise mit den Worten:
„Hier ist es angenehmer!“
„Auf jeden Fall, definitiv!“

Schon die erste Bemerkung ist keine wirklich neue Information, denn dass die Sonne sticht, hat ja die meisten bereits unter die Markisen in den Schatten flüchten lassen. Aber der Antwortsatz: „Auf jeden Fall, definitiv!“ ist in seiner doppelten Zustimmung völlig überflüssig, wenn es in dieser Kommunikationssituation um den reinen Austausch von Information ginge. Schon indem die eine Frau der anderen bereitwillig an einen Tisch im Schatten gefolgt ist, hat sie die Übereinstimmung signalisiert. Der gesamte Vorgang müsste also nicht sprachlich bekräftigt werden.

Auf jeden Fall weiterlesen, definitiv ...
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„Ga-ga-ga!“ – Früher Aufbruch der Graugänse

In „Der unsichtbare Dritte“ (North by Northwest) von Alfred Hitchcock, spielt Gary Grant den New Yorker Werbefachmann Roger Thornhill, der von Agenten im Kofferraum eines Autos entführt wird. Thornhill glaubt, aus dem Kofferraum eine Gartenparty gehört zu haben, aber wie sich später herausstellt, war das eine Schar schnatternder Gänse gewesen.


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Nachdenken im Intercity-Express

Im ICE hatte jemand die Süddeutsche Zeitung zurückgelassen. Irgendwann zog ich die zerfledderte Zeitung aus dem Netz, sortierte sie ein wenig und begann zu lesen. Für einen Augenblick flog mich ein vertrautes Gefühl an, denn vor dem Aufkommen des Internets habe ich die Süddeutsche Zeitung täglich gelesen.

Das vertraute Gefühl speiste sich aber nicht aus den Inhalten, nicht aus dem Schreibstil, sondern aus der Tatsache, dass einem in der Zeitung die Welt erklärt wird. Das ist einfach wie Bahnfahren. Wie der Zugreisende sich keine Gedanken über die Fahrtstrecke machen muss, die Stationen seiner Reise nicht zu bestimmen und nicht auf den Weg zu achten hat, braucht auch der Zeitungsleser nur den gedanklichen Spuren zu folgen, die der Journalist zu Zeilen angeordnet hat gleich den Gleisen der Bahn.


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Auf welcher Seite setzen denn nun die Bäume Moos an?...
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Danke.
Danke.
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