Nasse Socken im Rampenlicht

Ich gehöre zu den Leuten, die ihrer Waschmaschine gerne beim Waschen zusehen. Manchmal kann ich mich gar nicht lösen vom dramatischen Geschehen, das das Bullauge meiner Waschmaschine offenbart, und ich habe manches aufwändig gestaltetes TV-Programm sausen lassen, weil ich vom Waschvorgang einfach nichts verpassen wollte. Wenn ich bedenke, dass an gewissen TV-Formaten ganze Hundertschaften beteiligt sind, die aufzuzählen ich jetzt echt zu müde bin, aber es fängt an beim Reinigungspersonal und den Kulissenbauern und endet nicht beim Ohrfeigengesicht, das die Sendung präsentiert, sondern da sind noch die Schufte in der Redaktion, die das Elend zu verantworten haben. Deren Leistung toppt meine Waschmaschine locker mit ihrem Sparprogramm. Wenn ich boshaft wäre, könnte ich sogar behaupten, ich hätte bei allen Filmen mit Til Schweiger lieber meinen nassen Socken zugesehen, wie sie im Waschvorgang mancherlei verschiedene Formen angenommen haben und jederzeit vielfältiger, im Ausdruck faszinierender und überhaupt ansehnlicher waren als der oben genannte Schauspieler, dessen Namen ich lieber nicht mehr nenne, denn wer macht das hier wieder sauber? Ich kann ja nicht meinen Bildschirm nehmen und ins Kochprogramm stecken. Oder doch?

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Nicht angeschaut und trotzdem alles gesehen – Alltagsethnologie im Zirkus des schlechten Geschmacks

In der Zeit intensiver Studien habe ich nicht die Muße gehabt, jedes greifbare Fachbuch zu lesen. Der Blick ins Inhaltsverzeichnis oder ins Sachregister hat geholfen, alle Bücher auszusondern, die mir nichts zu sagen hatten. Nachher reichte mir sogar nur der Anblick des Buches, um den darin schlummernden Geist oder Ungeist zu erkennen. Diese Technik auf den Alltag angewandt, hat mich gut durchs Leben gebracht. So habe ich es auch mit dem TV-Konsum gehalten. Um einen Witz aufzuwärmen: Bei einer seit Jahren omnipräsenten Medienhure dachte ich lange Zeit, der Kerl hieße „Dr. Eckart von Hirsch“, weil ich immer schon umgeschaltet hatte, bevor das Ohrfeigengesicht gänzlich vorgestellt war.

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Verschwunden im Orkus der Ignoranz – Ein Bummel über den Lindener Berg und zurück

Hässliche Orte sind unter Autobahnbrücken. Über deinem Kopf braust Verkehr, und du fragst dich, welche Idioten es am Sonntagnachmittag schon wieder so eilig haben, so unbedingt von hier nach da fahren müssen. Können sie nicht einmal wenigstens da bleiben, wo sie sind? Was ist das überhaupt für eine Art, den Mitmenschen rücksichtslos durch die Ohren zu brausen? Ich tät mich schämen. Jedenfalls bieten sie unter der Autobahnbrücke Weihnachtsbäume an und verkauft auch am 3. Adventssonntag. Ich gehe vorbei, obwohl ich in diesem Jahr einen brauche, einen kleinen nur, denn ich werde Weihnachten lieben Besuch haben.

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Zehn Jahre Teppichhaus und ein neues Projekt

Glatte zehn Jahre gibt es jetzt das Teppichhaus Trithemius. Anfang November 2005 entdeckte ich für mich das Bloggen. Es gibt viele Gründe, ein Blog zu beginnen. Bei mir war es heftiger Kummer, der mich einen Ausgleich suchen ließ. Mein erstes Blog hieß „Wolfsburg-Notizen“. Obwohl ich meinen Kummer allnächtlich ins virtuelle Off geheult habe, hat der Name eine andere Bewandtnis.

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Jüngling der Schwarzen Kunst – 5 – Allerlei Versautes

Täglich nimmt der Jüngling den ersten Bus um 6 Uhr 35. Es gibt auf dieser Linie zwei Busfahrer, die sich abwechseln, der dicke Hubert und das nervöse Karlchen. Obwohl er im Nachbardorf nur zwei Kilometer entfernt seine Schicht beginnt, kommt Hubert fast immer zu spät. Kommt mit derselben Selbstverständlichkeit zu spät, mit der er der dicke, Respekt einflößende Hubert ist. Hubert soll ein Frauenheld sein, ist irgendwie tierhaft, immer unwirsch, wie es manche Frauen mögen. Im Sommer sitzt er im Unterhemd hinterm Steuer. Es ist auf ihn kein Verlass, nicht mal auf seine Unpünktlichkeit. Fünf Tage kommt er zwanzig Minuten zu spät, und am sechsten Tag auf die Minute, so dass, wer sich auf Huberts Unpünktlichkeit einstellt, den Bus verpasst.

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Ein Bild und seine Gedichte (10) – Von Äpfeln träumen

Neues Bild und neue Einladung zum Dichten


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Jüngling der Schwarzen Kunst – Berichtsheft 3 – Die 13. Gasse

Des Jünglings Kindheit endete so abrupt wie eine Kindheit beginnt. Nach seinem ersten Arbeitstag steht er in der häuslichen Dachstube auf dem Stuhl und schaut aus dem Fenster der Dachgaube. Hinter ihm bereitet seine Mutter das Abendbrot. Er fragt: „Muss ich das jetzt mein ganzes Leben machen?“ Sie antwortete nicht, weiß genau, dass er nicht zum Fenster hinauszuschauen meint. Vielleicht will sie das Schreckliche der Aussicht auf sein Leben nicht sehen, vielleicht denkt sie, dass er eines Tages groß genug sein würde, um nicht mehr auf dem Stuhl stehen zu müssen, wenn er aus dem Fenster schauen will. Vielleicht hat sie aber auch einen Funken Hoffnung, dass er nicht sein Leben lang am Setzkasten stehen würde, dass er einen Weg finden würde, darüber und sogar über sich hinauszuwachsen. Das aber wagt sie nicht zu sagen, er ist noch zu klein für diese Idee.

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Jüngling der Schwarzen Kunst – Berichtsheft 2 – Fräulein Lamboy und der Laut des Besens

Historisch betrachtet sind Groß- und Kleinbuchstaben Urgroßeltern und Urenkel. Unsere Großbuchstaben stammen von der Römischen Capitalis ab. Nach dem Zusammenbruch der römischen Kultur wandelte sich die Capitalis unter dem Einfluss neuer Schreibmaterialien, Schreibtechniken und Schreibziele zur Kleinbuchstabenschrift. Etwa um 800 war dieser Prozess mit der Karolingischen Minuskel abgeschlossen. In den folgenden Jahrhunderten verfällt die Schrift. Erst die Humanisten der Renaissance besinnen sich wieder auf die klar lesbare Karolingische Minuskel. Sie halten sie fälschlich für eine Schrift der Römer und verbinden sie mit der Römischen Capitalis, die ihnen von den antiken Denkmälern, Säulen und Portalen noch klar entgegentritt. Diese Kombination aus römischen Majuskeln und karolingischen Minuskeln nennen sie Antiqua. Nachträglich kam nur der i-Punkt hinzu und das kleine t hat sich vorwitzig die Andeutung einer Oberlänge angeeignet. Es ist die Form unserer Schrift bis heute.

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Danke.
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