Das Flüchtlingselend ist unser Elend

„Tina, jetzt brauche ich nen Schnaps!“, sagte ich vorgestern Abend der Gastgeberin, nachdem ich von einem mir bis dato unbekannten jungen Mann Ansichten gehört hatte, die so bodenlos waren, dass ich gar nicht gewusst hatte, wie ich argumentativ begegnen sollte. Immerhin war allem zu entnehmen, dass er wohl das Handelsblatt las. Welches neoliberale Drecksblatt noch für das krude Durcheinander in seinem Kopf verantwortlich war, – ich habe nicht nachgefragt.

Ich stehe sowieso schier machtlos vor der braunen gedanklichen Jauche die sich in letzter Zeit übers Land ergießt. Das nicht enden wollende Flüchtlingselend und unsere verantwortungs- und hilflos agierende politische Klasse haben ein menschenverachtendes Gedankengut in ungeahntem Ausmaß freigesetzt.


Lies mehr ...
1576 mal gelesen

Fragwürdiges aus der Welt der Gucci-Sonnenbrillen

Ein sonniger Samstagnachmittag am südlichen Ufer des Maschsees. Eine Gruppe von acht jungen Männern und Frauen kommt den Weg entlang. Einer entdeckt eine Sonnenbrille, die auf der Lehne einer Bank klemmt. Ergreift sie, zeigt sie erfreut rum, weil er sie als zweifellos teure Sonnenbrille von: „Gucci!“ erkannt hat und nimmt sie mit. Niemand aus der Gruppe widerspricht ihm. Auf der Bank haben zuvor ein Junge und ein Mädchen gesessen. Sie hatten wohl gerade ihr Abitur gemacht und sprachen über ihre Sprachkenntnisse und vor allem über Zukunftspläne. Mit dem Kopf in der Zukunft kann man beim Aufbrechen schon mal die Sonnenbrille vergessen.

Lies mehr ...
1403 mal gelesen

Jüngling der Schwarzen Kunst – Berichtsheft – Prolog

Nach acht Jahren Volksschule, im Alter von 13 Jahren wurde Hannes Overlack aus Nettesheim ein Jünger der Schwarzen Kunst, indem er in eine Schriftsetzerlehre eintrat. “Aventur und Kunst” hatte schon Gutenberg seine Erfindung genannt, Aventur bedeutete Wagnis und Abenteuer, denn die Erfindung dieser neuen Technologie war für den gelernten Goldschmied Gutenberg ein wirtschaftliches Wagnis gewesen, an dem er letzlich auch gescheitert ist, Kunst bedeutete handwerkliches Können. Als Druckfarbe ist ursprünglich nur Schwarz, ein Gemisch aus Leinöl und Ruß, zum Einsatz gekommen. Das Synonym Schwarze Kunst liegt daher nah, zumal bis ins 19. Jahrhundert nicht Johannes Gutenberg, sondern Johannes Faust als Erfinder galt, weshalb der Buchdruck lange Zeit als Technik geschimpft wurde, die sich unerlaubter, teuflischer Mittel bediente. Die Gesellen in Overlacks Lehrbetrieb riefen ihn Jüngling. Das ist die Bedeutung von “Jüngling der Schwarzen Kunst”.

Auf den folgenden Blättern aus einem Berichtsheft ist geschildert, wie der naive Jüngling sein Handwerk erlernt und wie er durch die Schrift aus der Beschaulichkeit seines Geburtsortes in eine komplex sich auffächernde Welt versetzt wird, für deren Verständnis ihm anfangs noch die Kategorien fehlen. Zum jungen Mann herangereift und allmählich begreifend, gerät er in eine gefährliche, für ihn höchst fatale Liebschaft voller sexueller Obsessionen und sieht sich unvermutet mit den Fernwirkungen des Nationalsozialismus konfrontiert. Der Bericht von dieser modernen Aventur und Kunst endet mit dem Niedergang des mittelalterlichen Handwerks und seiner Ersetzung durch Foto- und Computersatz. Das erste Blatt beginnt vor dem Anfang …

Lies mehr ...
1410 mal gelesen

Modetratsch

Um vier Uhr morgens werde ich wach, stehe kurz auf, gucke aus dem Fenster, stelle fest, dass es noch regnet, sinke zurück ins Bett, aber kann nicht wieder einschlafen, egal wie ich mich drehe, obwohl ich bei Regen doch immer gut schlafen kann. Die ganze Zeit muss ich über ein Wort nachdenken, dass ich gestern gelernt habe und wozu mir in der Straßenbahn prompt die entsprechende Erscheinung in der Dingwelt untergekommen ist, so dass ich dachte, hättest du jetzt die Kamera bei dir und wärest dreist genug, könntest du das Ding fotografieren. Ich wälze also das Wort durch meinen Kopf, betrachte es von allen Seiten, und wie Körper und Geist miteinander korrespondieren, so muss ich mich auch im Bett hin und her wälzen, wälze diesen Text quasi in mein Bettzeug, aber kriege ihn nicht auf die Reihe, so dass er als fertiges Produkt zu nehmen wäre und flugs aufzuschreiben. Also ergebe ich mich, stehe auf, mache Kaffee, packe mir den Klapprechner auf den Schoß und versuche schreibend Struktur in meine Gedanken zu bringen. Inzwischen ist es 5:37 Uhr und mir ist es noch nicht gelungen, mit dem Wort rauszurücken.

Lies mehr ...
1822 mal gelesen

Pah! Wittgenstein!

Unten auf der Ecke wartet ein Taxi. Ich schaue eine Weile hin, aber es kommt kein Fahrgast. Für einen Augenblick überlege ich, ob ich ein Taxi bestellt habe. Dann wundere ich mich, dass ich, noch im Schlafanzug hinter dem Fenster stehend, mir überhaupt eine derartige Frage stellen kann. Wie lange wird der Taxifahrer dort unten warten, bevor er ungeduldig wird, aussteigt und irgendwo Sturm klingelt, womöglich brutal meine Schelle presst, so dass ich mitmuss wie ich grad bin. Wo lasse ich mich notgedrungen hinfahren? Im Schlafanzug könnte ich mich höchstens auf der Limmerstraße zeigen. Auf der Limmerstraße würde ich im Schlafanzug nicht auffallen.

Lies mehr ...
1471 mal gelesen

Ihr Pinselhörnchen!

was ein Pinselhörnchen genau ist? Ich muss zugeben, dass ich das nicht weiß. Eben las ich in Lichtenbergs Sudelbüchern das Wort “Pinsel.” Da löste sich das Wort Pinselhörnchen aus hinteren, längst vergessenen Gehirnwindungen, purzelte mir vor die Füße und wollte genauer besehen werden. Mit Lichtenbergs “Pinsel” hat es wenig gemeinsam. Mir ist das Pinselhörnchen Anfang der 80er Jahre begegnet. Möglicherweise hat es in einer alternativen Aachener Stadtillustrierten gestanden, deren erstes Titelblatt überwiegend in Blautönen gehalten war. Ich habe es beinah noch vor Augen. Aber es verflüchtigt sich in der Farbluftperspektive meiner Erinnerung.

Lies mehr ...
1169 mal gelesen

Ein Bild und seine Gedichte (9) – Leibniz-Ring und Trüffelschwein

Neues Bild und neue Einladung, es zu bedichten

Hier ...
1627 mal gelesen

Volontär Schmocks Trendkompass – lauter dumme Leute

Eine Beleidigung meiner Intelligenz ist die Sherlock-Holmes-Serie, die derzeit von 3Sat gezeigt wird. Holmes und Watson agieren darin in der Jetztzeit, was ganz und gar unpassend ist, denn die Figuren sind Produkte des viktorianischen Zeitalters, in dem deduktives Denken und wissenschaftliche Methoden der Verbrechensaufklärung breiten Leserschichten noch als sensationell verkauft werden konnte. Entsprechend überdreht muss Holmes in der heutigen Zeit agieren, um noch einigermaßen plausibel zu wirken. Vor allem sein arrogantes Getue nervt. Weiß doch jeder denkende Kopf, dass Arroganz die Todsünde wider alle Intelligenz ist. Die Handlung hat zudem derart kindische Fehler und eine tölpelhafte Regie, dass einem das überkandidelte Getue nur noch auf den Geist geht.

Lies mehr ...
1312 mal gelesen

User Status

Du bist nicht angemeldet.

Teppichhaus Trithemius / Teestübchen Trithemius

Aktuelle Beiträge

Jenseits der vertrauten...
„Wenn ein Mensch geboren ist und erste Eindrücke empfängt,...
Trithemius - 7. Apr, 17:26
Der Pohl
Einer, an den ich ein halbes Jahrhundert nicht gedacht...
Trithemius - 5. Apr, 18:25
Einfach zu viele Eier
Traditionell sammelten die Messdiener unseres Dorfes...
Trithemius - 4. Apr, 10:31
Ein Bote wird in den...
Der Schweizer Volkskundler Hanns Bächtold-Stäubli verzeichnet...
Trithemius - 1. Apr, 11:42
Die kulinarische Konsequenz....
Die kulinarische Konsequenz. Gibts Rezepte?
Trithemius - 29. Mär, 07:18
Irgendwann erreichte...
Irgendwann erreichte der Brief, wenn auch nach sehr...
Lo - 29. Mär, 00:14
Auf einer Seite setzen...
Auf welcher Seite setzen denn nun die Bäume Moos an?...
Trithemius - 28. Mär, 11:06
Danke.
Danke.
Trithemius - 27. Mär, 08:51

RSS Box

Links

Suche

 

Kalender

April 2026
Mo
Di
Mi
Do
Fr
Sa
So
 
 
 2 
 3 
 6 
 8 
 9 
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
21
22
23
24
25
26
27
28
29
30
 
 
 
 
 

Web Counter-Modul

Status

Online seit 6973 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 10. Apr, 15:04

Credits


Abendbummel online
Bild & Text
dörfliches
Ethnologie des Alltags
Frau Nettesheim
freitagsgespräch
Gastautoren
Hannover
Internetregistratur
Kopfkino
Pataphysisches Seminar
Pentagrion
Schriftwelt im Abendrot
surrealer Alltag
Teppichhaus Intern
Teppichhaus Textberatung
... weitere
Profil
Abmelden
Weblog abonnieren