Vor dem ersten Wort

Immer wenn ich spontan etwas schreiben will, kommt mir ein innerer Bibliothekar in die Quere. Schlurft mit provozierender Langsamkeit vor mir her und wuchtet einen Stapel Bücher mir aufs Lesepult, dass es nur so staubt.
„Das gehört auch noch zum Thema!“, sagt er, „das muss zuvor bedacht und eingepflegt werden.“
„Na, hören Sie! Ich kann doch nicht immer bei Adam und Eva beginnen. Sonst weiß man gleich, dass ich ein deutscher Autor bin.“
„Was denn sonst? Sie schreiben deutsch.“
„Meine Texte könnten aus der spanischen Pfeifsprache Silbo Gomero übersetzt sein.“

„Das ist doch Quatsch, Jungchen“, sagt der Kerl und zeigt mir einen Vogel. „Nie hat es Literatur in der Pfeifsprache Silbo Gomero gegeben. Ist doch quasi eine Mundart, die auf dem Spanischen fußt. Könnnen Sie Spanisch?“
„No, Sir! Mich stört gerade etwas anderes, nämlich dass mir ein Fimmel gezeigt wurde.“
„Fimmel, was?“
„Schläfenschraube, Autofahrergruß, eine strafbare Beleidigung! Und dann etwas höchst Verwirrendes, dass Sie mir in meinem Kopf begegnen, aber mir außen an der Schläfe einen Fimmel zeigen. Das lässt mich glatt vergessen, was ich eigentlich schreiben wollte.“
„Tja, Pech.“
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Kein Platz für die Weltrettung

Gestern Abend, ich sitze an meinem Schreibtisch, habe mich zur Fensterfront gedreht und tue nichts. Da plötzlich fliegt etwas Leuchtendes von Norden über den angrenzenden Park heran, verharrt eine Weile über den Baumkronen und taucht alles in helles Licht. Das wird doch kein Ufo sein, denke ich. Aber ich kann nicht aufstehen, um nachzusehen, denn ich habe mir kurz vorher ein Butterbrot gemacht. Das liegt auf dem Teller auf meinen Knien, und ich weiß nicht, wohin damit, weil auf dem Schreibtisch wieder mal kein Platz ist. Das Ufo flog dann weiter übers Haus. Ich konnte mich aber nicht überwinden, in die Küche zu eilen, um ihm hinterherzusehen.

Eventuell ist’s im weiträumigen Innenhof des Blocks gelandet. Aliens stiegen aus, um den Weltfrieden oder gar die Weltrettung zu bringen. Ich biss in mein Butterbrot und entschied: Soll doch der Installateur Wolf vom Eck, der sich vor mir schon mal gebrüstet hat, er wäre ein Thermenflüsterer, der soll die Weltrettung entgegennehmen. Was mich betrifft, sorry, ich habe doch schon einen Teller auf den Knien und wüsste jetzt nicht, wo ich die Weltrettung abstellen soll.
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Die nie erzählte Geschichte vom großen Butterbrot

Eine Geschichte, die ich hätte schreiben wollen, aber nie geschrieben habe, wie einer in einem griechischen Lokal ein großes Sandwich bestellt, der Wirt ein langes Brot bringt und sich zeigen lässt, wie lang das Sandwich sein soll, dann in die Küche geht, zurückkommt, sich nochmals vergewissert. Der Gast wartet. Dann geht die Tür zur Küche auf, und er sieht den Wirt sich mit seiner Frau beraten, ihm Blicke zuwerfend. Der Gast wartet weiter. Sein Sandwich kommt nicht. Andere werden bedient. Die Zeit vergeht. Der Wirt hat inzwischen eine alte Frau geholt. Die beiden tuscheln erregt. Sie zeigen auf ihn, streiten. Der Gast stellt den Wirt zur Rede. Der erklärt in gebrochenem Englisch, es gehe die Sage, dass da einer käme. Der werde die Insel von der Fremdherrschaft der christlichen Religion befreien und der sei zu erkennen daran, dass er ein riesiges Brot verzehren wolle. „Alles Unsinn, ich bin Atheist!“, ruft der Gast. Dass er ein Gottloser sei, habe er gleich vermutet, sagt der Wirt. Darum bekomme der Gast dieses unmäßige Sandwich auch nicht. Und weil der Mann das große Butterbrot nicht bekam, habe ich die Geschichte nie geschrieben.
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terug van weggeweest - wieder da!

wiedereroeffnung
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Die volle Wahrheit über Julius Trittenheim

Dienstagmorgen kurz vor der Teestübchen-Redaktionskonfernenz. „Wo hat der Chef seinen ersten Text veröffentlicht?“, fragt Redaktionsasisstentin Marion Erlenberg ungläubig und vergisst glatt, den Mund zu schließen. „Im Stadtmagazin von Würselen!“, grinst Volontär Schmock hämisch. „Von wegen Titanic oder Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. Hier, ich habe es schwarz auf weiß!“ Er knallt ihr ein aufgeschlagenes, schon etwas zerfleddertes Heft auf den Tisch und wispert: „Eine Reportage über die Realschule Würselen, Sie wissen schon, Frau Erlenberg, wo die berühmte Krankenschwester und der legendäre Feuerwehrmann von Martin Schulz zur Schule gegangen sind, genauer über deren Fahrradkeller; hihi! Tippen Sie den mal ab, dann mogele ich ihn ins Teestübchen, wenn der Chef zum Mittagstisch ist!“
Gesagt, getan:

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An einem Sonntagmorgen im Februar

Allmorgendlich klappe ich den Tagesschau-Feadreader auf und schaue nach, was in der Welt geschehen ist, ob nicht vielleicht ein irrer Diktator meinen Planeten weggesprengt hat, derweil ich schlief. Eigentlich müsste ich keine der Schlagzeilen lesen, denn wenn das Internet noch da ist und auch der Feadreader der Tagesschauredaktion, könnte ich mich beruhigt zurücklehnen. Was da sonst noch in der Welt passiert ist, betrifft mich ja gar nicht. Es ist im ununterscheidbaren Nebeneinander von Schreckenskunde und Banalitäten reines Entertainment.

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Teestübchen Humorkritik – Tata, tata, tataaa! Karneval

Morgens werde ich wach, ist mein Humor weg, die heitere Gelassenheit zog gerade als letzte die Tür hinter sich zu. Es war wie der Auszug der Israeliten aus Ägypten. Ich habe das Pack aber nicht verfolgt. Man weiß ja, wie das endet. Mittwochs wird bei uns im Haus die Treppe geputzt. Ich habe keine Lust mit einem Eimer Putzwasser kaltgestellt zu werden, während die Ironie, der Nonsens, die Albernheit und die heitere Gelassenheit quasi trockenen Fußes in den Keller talpen. Der heiteren Gelassenheit habe ich noch hinterher gerufen: „Was soll der Quatsch? Warum schließt du dich diesen Weicheiern an?!“

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Einladung zum literarischen Bummel über den Teestübchen-Weihnachtsmarkt

Meine Lieben Damen und Herren,

über Nacht hat es auch im Norden geschneit, und beinah ebenso über Nacht ist der Teestübchen-Weihnachtsmarkt eröffnet worden. Es findet sich dort ein prächtiges Buchangebot von einer Autorin und zwei Autoren. Ich lade Sie und euch herzlich zum literarischen Bummel ein, ganz bequem vom heimischen Rechner aus, vielleicht bei einem Tee oder einem Glas Wein, ganz nach Belieben. Klicken Sie einfach hier

Beste Grüße
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Auf einer Seite setzen...
Auf welcher Seite setzen denn nun die Bäume Moos an?...
Trithemius - 28. Mär, 11:06
Danke.
Danke.
Trithemius - 27. Mär, 08:51

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