Careca - 7. Nov, 20:05

Zehn Sekunden Ruhm.
Okay, hier sind es mehr geworden. Durch geschickte Schnitte schaffen es die Schnitttechniker sogar auf 1:50 auszudehnen.

Auf einem Loreley-Konzert der WDR-Serie Rockpalast mit Steve Ray Vaughn war ich mit Freunden dabei. Wir wussten, dass die Kameras das Publikum abfilmen und bei interessanten Motiven verharren würden. Nun waren wir nicht so interessant, dass die Kameras uns aufgesaugt hätten, aber wir schafften es zu unserem 2-Sekunden-Ruhm. Wir schwenkten einen "Preußen Münster"-Schal und eine Kamera fing uns ein. Ich sah die Szene später nur einmal, bei der Wiederholung am nächsten Samstag Nachmittag und dann nie wieder. Genau, die vier stecknadelgroßen Gestalten mit dem grün-schwarzen Schal, das waren wir ... und was ist aus mir geworden? Genau. Noch nicht mal ein gescheiter Bundespräsident ... es ist eine fiese Sache, wenn die Kameras auf Face-shot oder Beauty-shots unterwegs sind. Solange du nichts gemerkt hast, ist es kein Problem. Aber wehe du hast mitbekommen, dass du gefilmt wirst, dann ist es vorbei mit dem bei sich selber sein. Dann kommst du raus aus deinem eigenen Zentrum. Wie bei dem Jungen. War es für ihn anfangs meditativer Gottesdienst, als er es bemerkte war es mit der gesammelten Inbrunst vorbei und wurde immer mehr zur Show für andere. Unfreiwilliger 10-Sekunden-Ruhm. Die Kamera klaute ihm den größten Augenblick der Verschmelzung zwischen Künstler und Fan über die Musik. Die Kamera ließ ihn mit einem Allgemeingut verschmelzen. Es berauscht, klaute dem Jungen aber sicherlich den wahren orgiastischen Höhepunkt.
Der Vergleich mit Dealer und Konsumenten trifft das ganz gut.

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