Kopfkino

Prustlach, ein Witz und noch einer!

" Eozän, das: Erste der drei großen Perioden, in die Geologen das Alter der Welt unterteilt haben. Aus dem Eozän stammen die meisten bekannten Witze."
Ambrose Bierce (1842 – 1914), US-amerikanischer Journalist und Satiriker, aus: Bierce, Des Teufels Wörterbuch (The Cynic’s Word Book),

Mittwochabend habe ich mal wieder versucht, einen Witz zu erzählen, und zwar beim geselligen Limmern. Das Verb limmern ist gebildet nach der überaus lebendigen Limmerstraße im hannöverschen Szene-Stadtteil Linden-Nord. Dort trifft man sich an warmen Sommerabenden, hockt auf Fensterbänken und auf echten Bänken, guckt Leute, plaudert und trinkt Flaschenbier, immer umkreist von Flaschensammlern, die durch ihr höfliches, aber manchmal voreiliges Flaschenbetteln den Bierkonsum anheizen.

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Kellerassel verstößt gegen intergalaktisches Recht

Es hat geregnet. Ein schwerer Landregen ist niedergegangen. Im Hof zwischen den feuchten Fliesen kriecht mit provozierender Langsamkeit eine Assel. Die Abmessungen einer Asselwelt zugrundegelegt, betrachte ich sie aus großer Höhe, derweil ich meinen Fahrradsattel trocken wische. Weil ich so wenig über Asseln weiß und weil sie sich so seltsam stoisch bewegt auf ihren kaum sichtbaren sieben Beinpaaren, stelle ich mir vor, die Assel wäre das Raumschiff einer außerirdischen Spezies, eher noch das Landungsschiff, mit dem sie unsere Welt erkunden.

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Einiges über die Heimtücke meiner Handschuh

Weil hier der Frühling noch immer auf sich warten lässt, muss ich über ein Problem schreiben, nämlich über die Heimtücke meiner Handschuh. Sie sind reichlich klobig. Aber ich trage sie trotzdem, nachdem ich meine schlankeren Handschuh vor gut zwei Jahren im Büro meiner Steuerberaterin vergessen habe. Wann immer ich mit dem Fahrrad fahre, ziehe ich mir diese dicken Handschuhe über, erstmals wenn ich vor der Wohnungstür auf dem Treppenabsatz stehe. Als Rechtshänder stecke ich meinen Hausschlüssel immer in die rechte Jackentasche. Da steckt aber schon die Geldbörse, weil ich sie nicht in der Arschtasche tragen will, damit sie mir die Hose nicht nach unten zieht. Dabei ist sie nicht mal schwer, weil ich nur Silbergeld in ihr dulde, alle anderen Münzen aber in einer Kaffeedose sammle, um sie später bei der Deutschen Bundesbank gegen frisch gedruckte Scheine einzutauschen, weshalb ich immer ganz unwirsch werde, wenn eine Kassiererin mich etwa fragt: „Haben Sie zwei Cent?“ „Sehe ich etwa wie ein Kerl aus, der zwei Cent mit sich herumschleppt?“

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Austrocknende Gedanken über Wasser

Der Text hier ist leider unter der Sonne eingetrocknet, versumpft quasi ohne Pointe. Dabei fängt er mit einer Erkenntnis an: Das ausgedehnte System der Teiche und Kanäle im hannoveranischen Georgengarten ist aus einem Altarm der Leine entstanden, vermutlich nicht durch Austrocknung, sondern durch Baumaßnahmen bei der Anlage des Parks im 19. Jahrhundert. Ein Altarm, der zum Teich gemacht wurde, ist von den Gewässern die allertraurigste Erscheinung. Was einst stolz geflossen und manchmal frech über die Ufer getreten ist, kann jetzt nicht mehr weiter, ist abgeschnitten von Erneuerung, steht nur noch da, trübt sich ein und verschlammt.

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20 Punkt kompress – Landpartie

Die Schranke geht nieder, hüpfte noch zwei-, dreimal auf und kommt leise klirrend zur Ruhe. Eine Weile bleibt es still. Dann beginnt die Luft zu knistern, das anschwellende Sirren der Gleise.

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Das Urteil des Schemjaka

„Das Urteil des Schemjaka“, ein russisches Volksmärchen in der Fassung von Giovanni Sercambi hat mir so gefallen, dass ich die Inhaltsangabe im April 1993, heute vor 22 Jahren, in mein Tagebuch schrieb. In dieser Geschichte rührte mich die Figur eines armen Mannes namens Landrea, der unschuldig in schier aussichtslose Umstände gerät, dem aber am Schluss durch kluge Richter wirklich Recht zugesprochen wird, zu wundersam um nicht Märchen zu sein. (Ich hoffe, der Text ist lesbar, war zu faul, ihn noch mal abzutippen. Und ganz verzichten auf Handschrift sollten wir sowieso nicht.)

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Eine Hundemama, ein Radfahrer, fünf Hunde und ein Zeh

Eine Frau ist mit vier kleinen Hunden und einem Schäferhund auf einem zum Fußweg offenen Spielplatz. Plötzlich beginnt der Schäferhund einen kleinen Hund zu jagen. Es geht rund und rund. Die Kreise der zwei streifen über den Fußweg und nähern sich dem Fahrradweg, auf dem gerade ein Radfahrer heranrolllt. Die Frau schreit den Schäferhund an „Sean! Sean!“ Als der Schäferhund geduckt an ihre Seite kommt, tadelt sie ihn: „Hast du nicht alle Latten am Zaun?“
Der Radfahrer hat der Hunde wegen anhalten müssen.

Radfahrer: Ihr Hund kann das nicht verstehen. Kein Wunder, dass er nicht gehorcht. Es erfordert ein hohes Maß an Intelligenz, von ‘Hast du nicht alle Latten am Zaun’ auf den gemeinten Inhalt zu schließen. Das können Sie ja nicht mal.

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Einiges über das menschliche und das technische Maß

Neulich ist mir aufgefallen, wie ich mir Entfernungen räumlich vorstellbar mache. Ich greife zurück auf frühe, quasi kindliche Erfahrungen. Zwischen unserem Dorf und dem Bahnhof des Nachbardorfes lagen zwei Kilometer. Die Strecke bin ich gegangen, wann immer ich mit dem Zug fahren wollte, beispielsweise nach Köln. Die Entfernung nach Köln betrug 20 Kilometer. Bei klarer Sicht konnte man über die Felder hinweg ganz schemenhaft den Kölner Dom sehen. Die Kreisstadt Grevenbroich war zwölf Kilometer entfernt. Da war das Freibad, und ich bin mehrmals mit dem Fahrrad hingefahren. Zum Kloster Knechtsteden mit seiner Klosterschule radelte man sechs Kilometer.

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wellen, wellen, wellen

In frischer Morgenluft fuhr ich mit dem Rad ein Stück die Ihme hinauf, vorbei am Wehr, wo aus dem schnellen Graben das Wasser der Leine in die Ihme stürzt. Auf der Wiese wurden zu mietende Kanus von Anhängern abgeladen. Kleine Gruppen standen beieinander und wurden für Kanufahrten instruiert. Jeder hatte schon die leuchtend orangefarbene Schwimmweste umgetan. Ich überquerte die Leinebrücke zum Maschsee hin. Ah, wie sanft die Leine dahin zieht mit dem wenigen Wasser, das man ihr gelassen hat.

Vorher war die Ihme vom Uferweg nicht zu sehen gewesen. Ein Meer von hohen Stauden verwehrt die Sicht. Das Kraut blüht dunkelrot mit einem Stich zum Violetten, und die Blüten duften durchdringend bis hart an den Rand des Unangenehmen. Vermutlich ist das Zeug von irgendwo eingewandert, sein Same mit Meteoriten von fernen Planten zu uns gekommen, und breitet sich langsam von der Ihme aus, um irgendwann den ganzen Planeten zu erobern. Man soll nicht sagen, ich hätte nicht gewarnt.

Aber egal jetzt. Es rollt so schön am Maschsee entlang. Da sind schon die ersten Zelte vom Machseefest. Zum Glück haben alle Vergnügungstempel, Sauf- und Fressbuden noch geschlossen. Ich kann ungehindert durch die stille Budengasse am Nordufer entlang der Promenade rollen und mich an die Umrundung des Maschsees machen. Doch da lockt in der Sonne eine leere Bank. Warum nicht hier eine Weile sitzen? Es ist ja noch so früh!

Ein leiser Wind streicht von Süden über den See und kräuselt die Wasserfläche. Kleine Wellen streben dem Nordufer zu. Nach einer Weile frage ich mich, was geschieht, wenn sie an die Ufermauer treffen. Wohl gar nichts; sie werden sich nicht auftürmen dort. Dazu sind sie zu schwach. Sie werden einfach aufhören, Wellen zu sein.

Ach, wie dumm die deutsche Sprache doch ist, indem sie jederzeit liebedienerisch Substantive anbietet für Vorgänge. Indem wir eine Bewegung „Welle“ nennen, denken wir wie Starrköpfe. Wir haben zwar das Verb „wellen“, nutzen es aber selten. Denn wollte ich schreiben „Das Wasser wellt sich“, denkt man sogleich an eine Riesenwelle, die sich aufbaut und, einen Tunnel bildend, nach vorne rollt, um an ihrem Kamm zu brechen. Ein todesmutiger Surfer schneidet die Welle im Tunnel an und lässt sich in ihr vorwärts treiben, bis die Gischt über ihm zusammenbricht, ihn mit sich reißt bis auf den Grund. Ob er noch mal auftauchen wird? Das sind bange Minuten.

Hallo?! Wir sitzen am Maschsee. Das ist kein Gewässer für Wellensurfer. Wie die Wasserfläche vor dem Wind sich kräuselt und wie es scheint, vorbeiströmt, wirkt der See wie ein Strom, breiter als der Rhein. Von links nach rechts wellt es sich unablässig wie wäre ich sehr betrunken, besoffen, richtig hackevoll, wenn das Bild meiner Umgebung gegen alle physikalische Logik unablässig vor meinen Augen von links nach rechts schiebt, ohne je nach links wieder zurückzukehren. Es heißt in solchen Fällen, dass die Welt sich drehe, aber es ist gar kein Drehen. Es ist immer das gleiche Bild, das sich vorbeischiebt. Wie das Bild dieser Wellen hier, die ja keine Individualität haben, auch gar nicht bestehen, sondern sich nur gleichförmig immer wieder neu bilden, so dass es besser wäre nur von „wellen“ zu sprechen, weil sie gar keine Wellen sind.
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Nachtfalters Erinnerungen

Als ich heute morgen im Bad Licht machte, flatterte aus einer Ecke ein großer Nachtfalter auf. Flatterte ziellos herum und suchte vergeblich nach einem versteckten Ruheplatz. Nicht zehn Sekunden blieb er irgendwo sitzen. Vielleicht konnte er sich in der plötzlichen Helle schlecht orientieren, vielleicht auch weil er aus dem Schlaf gerissen war, jedenfalls setzte er sich bald auf einen für ihn völlig ungeeigneten Platz, nämlich auf die weißen Kacheln links neben meinem Badspiegel. Da wollte ich ihn schon aus ästhetischen Gründen nicht lassen. Abgesehen davon ist ein Insekt, das jede Sekunde orientierungslos herumflattern kann, kein angenehmer Gast im Bad.

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Danke.
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