surrealer Alltag

Wie ich heute den Lauf der Welt verändert habe

Da wird jetzt mancher sagen, pah, das kann er nicht! Wie will er das denn bewerkstelligt haben? Ganz einfach: ich habe zwei Teller, die auf meinem Tisch standen und Platz wegnahmen, die habe ich in die Küche getragen. Mehr war nicht nötig, den Lauf der Welt zu verändern. Alles Weitere sind Folgeerscheinungen, wobei das natürlich eine willkürliche Festlegung ist, die Paul Watzlawick treffend „die Interpunktion von Ereignisfolgen“ nennt. Darauf konnte ich die schwere Schublade mit meinen Karteikarten aus der Kommode wuchten und bequem auf den Tisch stellen, so dass ich hernach ohne Verrenkung den Stapel Karteikarten zum Thema Fraktur suchen, auffinden und hervorziehen konnte.

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Pah! Wittgenstein!

Unten auf der Ecke wartet ein Taxi. Ich schaue eine Weile hin, aber es kommt kein Fahrgast. Für einen Augenblick überlege ich, ob ich ein Taxi bestellt habe. Dann wundere ich mich, dass ich, noch im Schlafanzug hinter dem Fenster stehend, mir überhaupt eine derartige Frage stellen kann. Wie lange wird der Taxifahrer dort unten warten, bevor er ungeduldig wird, aussteigt und irgendwo Sturm klingelt, womöglich brutal meine Schelle presst, so dass ich mitmuss wie ich grad bin. Wo lasse ich mich notgedrungen hinfahren? Im Schlafanzug könnte ich mich höchstens auf der Limmerstraße zeigen. Auf der Limmerstraße würde ich im Schlafanzug nicht auffallen.

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Vom Klingeln und Klopfen

Wenn, als ich jung war, geklingelt oder geklopft wurde, ward ich vergnügt, denn ich dachte, nun käme es. Jetzt wenn es klopft, erschrecke ich, denn ich denke: “da kommt’s” (Arthur Schopenhauer, 1822)

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Einiges über mein Galaktisches Betriebssystem

VORSICHT! Dieser Text wurde im Wartezimmer eines Kieferchirurgen geschrieben. An der Wand gegenüber hängt eine virtuose Spachtelarbeit in Blau, Stumpfweiß und Schwarz. Sie zeigt eine Steilküste von halbschräg oben, wie man sie von Südengland kennt, zentral und fluchtend drei Abbrüche wie von Kreidefelsen, von links die Wiesen, die bis an die Abbrüche ragen und mit einigen Weidepfählen begrenzt werden, rechts unten die See. Die sehr dünne Frau neben mir auf dem schwarzen Ledersofa hat keinen Blick dafür. Sie wirkt nervös und ängstlich. Ich lenke mich ab, indem ich diesen Text hier in mein Moleskine-Büchlein kritzele.

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Die Frau, die vom Himmel fiel

Eigentlich sollte ich von den Frauen ab sein, also kein Interesse mehr haben. Meine Beziehungen der letzten Jahre, wenn ich ehrlich bin – davor auch, sind neben Himelhochjauchzen immer nur Stress gewesen. Stress, der mein Denken verengte, Stress, der mich hinderte, etwas Sinnvolles zu tun, zumindest aber meine Kreativität blockiert hat. Wann immer nämlich eine Frau in mein Leben trat, war mir beispielsweise das Schreiben wie das Pflügen eines schweren, steinigen Ackers, und das Gespann waren Pferd und Ochse. Wie der Landmann weiß, bringt ein so ungleiches Gespann am Ende der Furche immer das Geschirr durcheinander.

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Das kulinarische Vorbild der Welt

Mir ist der Gedanke an das kulinarische Vorbild nicht geheuer. Ich möchte ihn keinesfalls zu Ende denken. Aber letztens, als ich mich auf eine einfache Scheibe Schwarzbrot mit Butter und Tomatenscheiben freute, drängte er sich im Verlaufe des Verzehrs derselben wieder auf. Mit Rücksicht auf unbefangene Leser will ich den Begriff des kulinarischen Vorbilds erklären, dann eine kleine, durchaus traurige Geschichte erzählen. Im TV wurde gezeigt, wie die industrielle Produktion von Fertiggerichten geplant und umgesetzt wird. Zunächst kocht ein Meisterkoch das Gericht mit frischesten Zutaten. Das Ergebnis ist das „kulinarische Vorbild“.

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20 Punkt kompress – Wucher und Wucherungen

Blöden Traum geträumt.

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Bericht von einer wunderbaren Menschenunterhaltung

Als ich den Warteraum betrat, lag das etwa acht Monate alte Kleinkind zu Füßen seiner sitzenden Mutter. Der Säugling riss die Augen kugelrund auf und staunte mich an. Ich grinste, verzog mein Gesicht, aber es gelang mir nicht, ihm eine Reaktion zu entlocken, die über das große Staunen hinausging. Also ließ ich es und staunte einfach zurück. Nur selten musste das Wesen blinzeln. Da gingen die Lider runter und wieder hoch wie Fensterjalousien, wenn sich ein Paar nicht einigen kann, ob die Sonne draußen bleiben soll oder rein gelassen wird. Die Sonne war ich. Lichtenberg sagt: „Die unterhaltendste Fläche auf der Erde für uns ist die vom menschlichen Gesicht.“

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Von allen Seiten anschauen – Über das Umkreisen von Dingen

Das Palindrom wie etwa der Nonsenssatz „Leg in eine so helle Hose nie ‘n Igel“, gehört landläufig in die Abteilung Sprachspiel. Ein wenig unheimlicher ist da schon der Rückling, ein Palindrom, das von hinten gelesen eine zweite Botschaft enthält: „Die Liebe ist Sieger“ heißt rückwärts gelesen: „Rege ist sie bei Leid“ und lässt uns an SM-Spielchen denken, wie sie neuerdings durch die Roman-Trilogie “Fifty Shades of Grey” modisch geworden sind. Rückwärtslesen und -sprechen ist aber eine uralte magische Praxis. Zaubersprüche und Flüche können nur durch Rückwärtssprechen wieder zurückgenommen werden.

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Frozen shoulder (4) – Schmerzen oder Scheißerei

Im Speisesaal werden feste Plätze zugewiesen. Mit mir am Tisch sitzt ein Polizist, der schon zwei Jahrzehnte an den Folgen eines Dienstunfalls leidet. Wenn er nicht in Kur ist, beschäftigt er sich mit Todesfallermittlungen. Zuvor war er Streifenpolizist. Seine Geschichte klingt nach dümmer als die Polizei erlaubt: Auf einer abschüssigen Straße, die von blühenden Kirschbäumen gesäumt war, verfolgte er einen Einbrecher und hatte ihn gerade gestellt, da wurde er von einem Streifenwagen erfasst. Der Streifenwagen war wegen der Kirschblütenblätter auf der Straße ins Rutschen geraten und verletzte ihn so schwer, dass er wohl niemals mehr gesunden wird. Schon sechsmal war er deshalb in Kur, bezahlt von der Haftpflichtversicherung des Einbrechers. Ein Richter hatte damals folgendes geurteilt:

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Danke.
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