surrealer Alltag

Frozen shoulder (3) – Männer, die mit Krücken zeigen

Der Ortsname Burtscheid leitet sich her vom lat. Porcetum, „Schweinetrift“. Gemeint sind Wildschweine, die den Wald in großer Zahl bevölkerten. Schon die Römer hatten das in 25 Quellen zu Tage tretende 50 bis 70 Grad heiße Thermalwasser zum Kuren genutzt. Dampfende 74 Grad hat das Wasser der Landesbadquelle, der heißesten Therme Mitteleuropas. Eine Weile habe ich im Aachener Stadtteil Burtscheid gelebt. Täglich lief ich durch die beschauliche Fußgängerzone über den Burtscheider Markt, wo sich gleich einer Klippe das klotzige Gebäude der Rheumaklinik erhebt, ehemals Bad der Landesversicherungsanstalt Rheinprovinz.

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Auszeit – Schauen Sie unter den Stein!

Du musst etwas schreiben, raunt es in mir. Du musst etwas hinterlassen, bevor du wegfährst, etwas wie eine Zettelbotschaft, die man unter einen Stein legt. Also dann, es ist noch früh am Morgen: „Sie werden sich nicht mehr an mich erinnern!“, sagt die Narkoseärztin, indem sie mir die Hand reicht. „Doch ich erinnere mich an Sie!“, widerspreche ich, muss aber nachfragen: „Wo haben wir uns gesehen?“ Sie war nicht bei mir, als ich anästhesiert wurde, ist nur für meine Schmerzen zuständig, nein, für das Gegenteil, ist mein Narkoseengel für die Nichtschmerzen. Später frage ich den Nachtdienst nach dem Namen meines Engels. „Dr. Lindenberg“. Aber ich habe keine Gelegenheit mehr, sie zu überraschen, indem ich sie mit ihrem Namen anrede. Die Klinik wirft mich schon am zweiten Tag wieder hinaus.


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Dieser verfluchte Jetlag

Nachts um 3 Uhr bin ich hellwach und habe nichts Besseres zu tun, mich an den Rechner zu setzen und meine späteren Erinnerungen aufzuschreiben. Wegen dieser „zirkadianen Schlaf-Wach-Rhythmus- und einer daraus resultierenden unspezifischen Persönlichkeitsstörung werde ich heute Mittag einen Arzt aufsuchen. Seine aparte Sprechstundenhilfe bittet mich in den Wartebereich. Eine Sitzgruppe aus bequem aussehenden schwarzen Sesseln ist mit drei Patienten besetzt. Ich setze mich auf eine schwarze Ledercouch. An der Wand vor mir hängt ein großer Bildschirm, auf dem in einer Endlosspule der Arzt so genannte Igel-Leistungen anbietet, schmerzhafte Behandlungen mit Laserstrahlen, heißen Steinen, tausend Jahre alten Nadeln und dergleichen. Keiner blättert in einer Zeitschrift. Alle schauen Wartezimmerfernsehen.

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An apple a day …

Der Sonntag ist dann auch wirklich sonnig gewesen, ungewohnt warm für die Jahreszeit. Ich gehe durch die Sonne die Davenstedter Straße entlang Richtung Lindener Hafen und esse einen Apfel. An einer Säule der Schnellwegunterführung hängt ein Plakat, das ich fotografieren möchte. Ich bleibe vor der Säule stehen und esse schneller, denn ich brauche ja eine freie Hand. Ungeduldig wie ich bin werfe ich den Apfel nur halb gegessen in die Botanik. „An apple a day keeps the doctor away“ übersetzt Wikipedia mit „ein Apfel pro Tag hält den Doktor fern“. Hält ein halbgegessener Apfel dann einen halben Arzt fern? Gibt es überhaupt halbe Ärzte?

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Gefährliche Gedanken

Meistens habe ich keine Gedanken oder belanglose Alltagsgedanken, aber manchmal habe ich Gedanken, die sich später als gefährlich, zumindest aber als höchst lästig erweisen, weil sie etwas Blödes heraufbeschwören. Gestern klingelte es an meiner Wohnungstür. Da stand eine Frau im Treppenhaus und sagte: „Sie wissen sicher, dass Strom immer teurer wird. Ich kann Ihnen eine Alternative anbieten. …“ Ich unterbrach: „Von welchem Anbieter kommen Sie?“, und sie nannte mir ihren Verein. Indem sie anhob, weiter auf mich einzureden, sagte ich: „Ich schließe grundsätzlich nichts an der Wohnungstür ab. Schicken Sie mir ein schriftliches Angebot!“

„Aber dazu bin ich ja hier. Ich will Ihnen doch helfen“, sagte sie.
Ich bedankte mich höflich, und sie antwortete schnippisch: „Da nich für!“

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Der Chinese in mir lacht noch nicht

Obwohl ich schon eine Weile auf diesem Planeten herumlaufe, tue und erlebe ich immer noch Dinge, die ich nie zuvor getan oder erlebt habe. Gestern ließ ich mich beispielsweise akupunktieren. Als ich noch in Aachen lebte, da liebte ich eine Frau, die das wegen chronischer Beschwerden alle vier Wochen mit sich tun ließ. Ich habe sie oft begleitet, denn ihr Akupunkteur hatte seine Praxis in der schönen niederländischen Stadt Maastricht. Ich brachte sie bis zur Tür, sah sie reingehen und holte sie wieder ab. Über die Behandlung mochte sie nicht gern reden. Deshalb hatte ich auch bislang keine Vorstellung von Akupunktur.

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Müßiges aus dem Stadtpark Hannover

Hannovers Stadthalle liegt passender Weise in Hannovers Stadtpark. Der wiederum liegt im noblen Zooviertel mit herrschaftlichen Häusern, deren Bewohner den Stadtpark verschmähen, weil sie vor ihren Terrassen eigenes Grün und eigene Gärtner haben. Öffentliche Parks sind doch eigentlich dazu gut, dass auch der Hinterhofbewohner mit seinen Kellerkindern einen Schritt in die Natur machen kann, zwischen Blumenrabatten spazieren, Springbrunnen bestaunen, auf weißlackierten Bänken ausruhen, und so dem grauen Alltag für eine Weile enthoben wird. Insofern liegt der Stadtpark Hannover völlig falsch.

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Leuchtender Karl, Trick 17 und galaktisches Rauschen

Rauschen ist ein Begriff aus der Kommunikations- und Informationstheorie. Der Begriff meint stochastische Störungen, die auf dem Übertragungskanal zwischen Sender und Empfänger einer Nachricht auftreten können. Was Trick 17 ist, lässt sich leider nicht so genau klären. Die sogenannte Pro7-Wissensshow „Galileo“ hat verbreitet, ein Magier namens Carlos Luminoso (zu deutsch “leuchtender Karl”) habe ein Buch mit seinen Zaubertricks hinterlassen. Die letzten Seiten, auf denen sein Trick Nummer siebzehn beschrieben war, seien bei einem Brand vernichtet worden. Schöne Geschichte, doch leider nicht wahr.

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Fräulein Petrol

Ist Fräulein Petrol etwas zugestoßen, ist sie etwa krank? Oder ist sie einfach nur umgezogen? Das wäre freilich nicht unbedingt zu ihrem Schaden, denn das düstere Nachbarhaus, in dem Fräulein Petrol wohnt, hat keine guten Schwingungen. Wochen schon hatte ich mich nach ihrem Verbleib gefragt, ja, mich ehrlich gesorgt. Doch vor einigen Tagen, es regnete in Strömen, da kam Fräulein Petrol rauchend den Fußweg hoch, eine helle Tasche mit offenbar geringem Einkauf geschultert, die glühende Zigarette zum Schutz vor dem Regen in der hohlen Hand verbergend. Dann stellte sie sich kurz bei den Bäumen unter und rauchte hastig.

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Starke Verben und kristalline Regenbögen im Vogelfrei

Gestern Abend war es voll im Vogelfrei. Herr Leisetöne hatte zum Glück unseren Tisch reserviert. Als ich eintraf, saß er schon am Kopfende, das Fenster im Rücken, und las angestrengt. Was er las, habe ich nicht wahrgenommen, denn am Nebentisch biss eine Blondine gerade von einem Stück Regenbogen ab. Ich habe schon allerhand gesehen, aber noch nie sah ich eine Blondine derlei tun, nicht mal eine Rothaarige und erst recht keine Brünette. Da aber die anderen ringsum den Vorgang ignorierten, Leisetöne noch nicht einmal aufsah, schob ich mich auf die Bank an der Breitseite des Tisches, wo ich immer sitze, mit dem Rücken zur Wand.

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