surrealer Alltag

Weckerchen Holger und der Zauber des Schreibens

Als ich heute Morgen sah, was für ein trübes, nasses Grau mir als Tageslicht angeboten wurde, erfasste mich bodenloser Grimm. Ich schimpfte und tobte. Sogar das rote Kontrolllämpchen am Kaffeeautomaten begann zu zittern, obwohl es doch als einziges einen tröstenden Schein spendete. Alles ringsum bedrohte ich, fuchtelte mit dem gestreckten Zeigefinger herum, als wärs mein schwerer Trommelrevolver. Die Bilder an der Wand, der Fernseher, die Lampen, sie müssten dran glauben, stieß ich hervor. Sogar in den Vorhang drohte ich zu schießen, was er freilich mit höhnischem Wehen quittierte.

Als erstes verlor Weckerchen Holger die Nerven und hub gleich an zu jammern.
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Aquarell

Man kann ja tausend Sachen haben und Schubladen, die sich vor Zeug kaum noch bewegen lassen. Das schützt nicht davor, dass man just das nicht hat, was man gerade braucht. Ich will eine Straßenszene aquarellieren und habe kein kürschnerrot mehr. Glücklicher Weise bin ich vor fünf Jahren, als ich mal einen Radiergummi gebraucht habe, da bin ich Mitglied in einem Fachgeschäft für Künstlerbedarf geworden. In diesem exklusiven Geschäft residiert eine aparte Dame von ätherischer Schönheit an einem beinah quadratischen Infostand hinter der Theke und lächelt mich erwartungsvoll an.
„Wo finde ich denn kürschnerrot?“

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Die schönsten Augen nördlich der Alpen

Hallo?! Wie peinlich ist das denn?! Unter dem Gejohle der Penner und Punker, die immer vor dem Edeka-Supermarkt lagern, werde ich in Handschellen über die Limmerstraße abgeführt. Und just, als die beiden Polizisten mit mir am Straßenrand warten, um eine stadteinwärts fahrende Straßenbahn vorbeizulassen, just in diesem peinlichen Augenblick kommt Frau Schewardnadse mit dem Fahrrad angefahren, hintendrauf einen leeren Kindersitz. Rundet im erstaunten Wiedererkennen ihre schönen Augen, und gerade kann ich noch stammeln: „Es ist nicht das, wonach es aussieht!“, da zerren mich die Bullen auch schon zum Polizeiwagen hin.

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Wundern hoch drei – Mein surrealer Alltag

Wie ich auf meiner Couch liege und ein bisschen aus dem Fenster hinaus in den Himmel träume, wundere ich mich plötzlich über so viele Dinge, über die Form meiner Zimmerdecke, über die kahlen Zweige draußen, die gegen den Himmel wie Gestrüpp aussehen, das ich gerne kämmen wollte, über meine Couchlehne, die links von mir aufragt wie die chinesische Mauer, dass vom Computer her die Musik, die Jingles und das flämische Gerede von Studio Brussel sinnlos weitertönen, weil eine Totmanntaste fehlt, obwohl ich längst nur Ruhe will, aber zu faul bin aufzustehen.

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Und was ist jetzt mit dem verdammten Bus?

Als ich nach draußen kam, befand sich die öffentliche Ordnung in Auflösung. In einem Klima von Angst und Gewalt rannte alles durcheinander. Den Grund für das Chaos konnte ich nicht sehen. Da war eine Menschengruppe, der ich mich anschloss. Eine junge Frau warnte: „Der Bus kann in fünf Minuten wieder hier sein!“ Wie ich noch rätselte, was es mit dem bedrohlichen Bus auf sich haben könnte, hörte ich ein anschwellendes Brummen – das Motorengeräusch eines Busses. Es kam aber nicht von der Hauptstraße her, wie ich erwartet hatte, sondern über eine Nebenstraße heran, so rasch, dass kaum Zeit blieb zu reagieren. Das Brummen zu hören und den Bus auftauchen zu sehen, war eins.

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Zwei Anrufe im Omnibus

Im vollbesetzten Bus der Linie 100 telefonierte einer. „Reg dich nicht auf, Schatz, am 9. kommt die Fußbodenheizung rein.“
Ich fragte meine Sitznachbarin: „Wann kommt die Fußbodenheizung rein?“
„Ich weiß nicht“; sagte sie, weil sie offenbar in Gedanken gewesen war.
„Am 9!“, sagte der Mann, der neben uns im Gang stand.
„Wieso erst am 9.?“, fragte die Frau mit Kinderwagen. Da schaltete sich die Busfahrerin ein, blies ins Mikrophon und sagte: „Ich finde es auch knapp, so kurz vor Weihnachten. Kein Wunder, dass Frau Schatz in Panik gerät.“

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Glocke schlägt nur drei und drei

Die Tage und Nächte fließen vorbei, doch ich bin wie Beton, fühle mich in den Zustand meiner körperlichen Gebrechen zementiert. Vielleicht liegt der Stillstand meiner Genesung daran, dass ich längst tot sein sollte, nach Herzinfarkt und Schlaganfall. Gottes Stiefelabsatz hat zweimal nach mir gezielt, aber nur halb getroffen. Und ich schlucke allmorgendlich einen Chemiecocktail aus fünf Tabletten, renne brav zu Ärzten, zu Apotheken, zur Sprachtherapie, zur Physiotherapie, zur Herzsportgruppe, um auszugleichen, was Gottes Fehltritte angerichtet haben.

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Wahrer Bericht aus meinem Luxusleben


Heute Morgen
legte ich mich gleich wieder hin. Es ist etwas Wunderbares, aufzustehen und sich wieder hinzulegen im wohligen Gefühl, keinen Termin zu haben und den ganzen Tag nichts zu müssen. Man muss freilich das Gegenteil kennen, wie ich es gut vier Jahrzehnte gekannt habe. Bei Wind und Wetter, Dunkelheit und Eisregen in aller Früh das Haus zu verlassen … Brrrr! Gerne stehe ich, die Kaffeetasse in der Hand, am Fenster und schaue auf die Ärmsten, die draußen vorbeihasten. Männer in Anoraks und eng geschnürten Kapuzen, eine Frau in schwarzen Gummistiefeln … je mehr arme Schweine, desto besser fühle ich mich.

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Endfertig aus Düsseldorf

Aus mir unerfindlichen Gründen bin ich nicht gern in Düsseldorf. Aber als ich am Samstag von Aachen zurück nach Hannover fahren wollte, ging die günstigste Verbindung über Düsseldorf, also nahm ich die. Ein Fehler. Dort umsteigen vom RE in den ICE. Ich hatte noch Stunden zuvor reserviert und fand einen schönen Platz. Da stieg eine junge Frau ein und fragte: „Was heißt denn: „Gegebenenfalls freigeben“? Bevor ich mir eine Antwort zusammen gestruddelt hatte, kam sie selbst drauf. Dass nämlich die Plätze eventuell reserviert sind, die Bahn aber unfähig ist, die Reservierungen anzuzeigen. Leider setzte sie sich direkt hinter mich und begann zu telefonieren.

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Nächtlicher Besucher

Der, mit dem ich die Kammer teilte, der Kamerad war nicht da. Überhaupt, so schien mir, den fehlenden Geräuschen nach zu urteilen, war ich allein auf der obersten Etage unterm Dach. Ausgeflogen war das ganze Volk, geflohen vor der Hitze. Die hatte sich dagegen im stillen Haus festgesetzt und mich mürbe gemacht. Ohne Licht zu machen warf ich mich nackt aufs klamme Bett. Die Tür zum Balkon stand weit offen in Erwartung des Gewitters, das Abkühlung bringen sollte. Bevor ich mich hinlegte, hatte ich fern am Himmel schon Wetterleuchten und zuckende Blitze gesehen.

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Danke.
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