surrealer Alltag

Wunschlos wünschen

Beinah wunschlos zu sein, ist ein schöner Zustand. Er umfing mich, als ich mich nach längerem Bummel an der Limmerstraße auf einen Milchkaffee niedergelassen hatte. Ich fand es hübsch, etwas in mein Notizbuch zu schreiben. Bald guckten die Leute verstohlen. Dachten wohl wunders, was ich da schreibe, vielleicht Poesie vom Edelsten und Feinsten, etwas Heiter–ironisch-feuilletonistisches, etwas Philosophisches oder sogar eine Limmerstraßenreportage, in der sie vorkommen. Aber nichts davon, hehe! Ich schreibe so gut wie über gar nichts, finde es nur hübsch, etwas ins Notizbuch zu schreiben und ab und zu an meinem Kaffee zu nippen.


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Frischgeduscht in die Pilze fahren

Weil sein Blog „Leise Töne“ heißt und er sich „Shhhhh“ nennt, was lautmalerisch den beschwichtigenden Ton meint, mit dem zum Leisesein gemahnt wird, nenne ich meinen jungen Freund hier „Herr Leisetöne“. In Wahrheit ist er überhaupt nicht leise, besonders nicht, wenn er mich urplötzlich anklingelt und wohlgemut ruft: „Wir fahren in die Pilze! Ich hole dich in 15 Minuten ab!“ „Wohin?“, frage ich verwirrt, denn es hatte sich wie „Wir fahren in die Tetse!“ angehört.
„In die Pilze! Mach hinne!“
“Ich muss noch duschen!”
“Du brauchst nicht zu duschen. Wir fahren in den Wald!”

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Mich trifft der Schlag (4)- Nachtmahr

Zwölf Quadratmeter Himmel habe ich von meinem Krankenbett vor Augen. Er ist durch zwei Fensterkreuze gegliedert. In der Nacht wirft das mittlere schmale Fensterelement durch den Vorhangspalt ein dickes Kreuz aus Licht an die Zimmerdecke. Das kann kein Zufall sein. Das Krankenhaus ist in evangelischer Trägerschaft. Was gläubigen Christen ein Trost sein mag, wird mir zum Alpdruck. Ich wälze mich unterm Kreuz hin und her, und jedes Mal wenn ich unvorsichtig zur Zimmerdecke blinzle, wird eine weitere heidnische Identität von mir erzeugt und fällt auf mich zurück.


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Sagen Sie mal, wie komme ich hier nach Norden?

Wer eine Ausfahrt mit dem Rad plant, tut gut daran, auf die Windrichtung zu achten. Du fährst am besten gegen den Wind los, damit du auf dem Heimweg, wenn die Kräfte schon ein bisschen nachgelassen haben, Rückenwind hast.

Leider vertue ich mich in Hannover ständig mit der Himmelsrichtung. Nachdem ich im Internet nachgeschaut habe, woher der Wind weht, mache ich mich gegen den Wind auf den Weg, glaube beispielsweise nach Norden los zu fahren und bin eigentlich westwärts unterwegs. Vermutlich liegt es daran, dass der Fluss Leine die Stadt Hannover von südost nach nordwest durchquert.

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Wu wei und die Weisheit meiner Jacke

Als ich heute Morgen ein Ohr zum Fenster rausgehalten und ein Auge hinterher geworfen habe, da wusste ich schon, der autofreie Sonntag fällt ins Wasser. Leider war ich zur Fahrradsternfahrt mit einem flüchtigen Bekannten verabredet, dem ich jetzt absagen musste. Er hatte mir vor einigen Tagen seine Adresse auf ein Zettelchen gekritzelt und darum gebeten, dass ich ihn abhole. Das Zettelchen hatte ich in mein Notizbuch gesteckt. Das Notizbuch war in meinem Rucksack. Den hatte ich nach einer Feier bei Familie Shhhhh aber vergessen, wie ich überhaupt immer etwas vergesse, wenn ich ein bisschen zuviel getrunken habe, und in der vergangenen Nacht habe ich noch ein bisschen mehr als ein bisschen zuviel getrunken. Das hätte gereicht, mindestens zwei Rucksäcke zu vergessen, weshalb ich ersatzweise noch mein Mobiltelefon vergessen hatte. Ich musste also am heiligen Sonntagmorgen bei Familie Shhhhh an der Haustür klingeln, konnte mich aber nicht mal telefonisch anmelden, weil die Telefonnummer ja auf meinem Mobiltelefon gespeichert war, das bei ihnen lag.

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Zwischen Sechs und Zehn und ein lachender Mund

Die Uhr zeigte mir einen Lachmund, als ich heute Morgen zum zweiten Mal aufwachte. Das erste Mal wars grad sechs Uhr gewesen, ich hatte mich noch mal hingelegt, war wieder eingeschlafen, und wie ich aufwache, lacht meine Uhr mich an. Ich hätte gedacht, die Zeigerstellung zehn nach zehn, die den Lachmund markiert, wäre längst privatisiert und in den Dienst der Juweliere und Uhrenverkäufer gestellt. Es muss bereits am Anfang des Irrenparadieses geschehen sein, das wir Konsum- und Warenwelt nennen, dass man eine an sich nicht übel beleumundete Zeigerstellung ergriffen und pervertiert hat.

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Immerzu nächtliches Gepolter - surrealer Alltag

Über mir wohnt eine Krähe. Ich habe sie bei mir so getauft, obwohl ich weiß, dass man Frauen keine Tiernamen geben sollte, es sei denn, man würde von einer dazu aufgefordert. Nein, solch eine Krähe ist meine Obernachbarin keinesfalls. Nur trägt sie ausschließlich schwarze Kleidung. Jetzt im Winter hüllt sie sich in einen langen schwarzen Kapuzenmantel, dessen Schöße die Beine bei ihren schnellen Schritten umflattern. Da ist der Eindruck des Rabenartigen nahe liegend, besonders wenn sie die schwarze Kapuze aufgesetzt hat, weil doch der Winter zurückgekehrt ist mit Schnee. Das einzige Helle an ihr ist das bleiche, verhärmte Gesicht mit einem bitteren Mund darin, dessen Lippen wiederum mattschwarz lackiert sind. Ihre Stirnlocke ist eisgrau, so dass man denken könnte, sie wäre eine alte Frau. Aber das ist Frau Krähe nicht.

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Über Superlative, Baseballschläger & Fußleisten

Mir träumte, eine junge Frau werde von der Bildzeitung gefeiert, weil sie ihre Examensklausur auf die Fußleiste des Hörsaals geschrieben hatte. So sehr wurde sie von Bild in den Himmel gehoben, als wäre sie die Erfinderin und Bewahrerin der Handschrift gleichzeitig. Das ärgerte mich und ich dachte, was fällt denen ein? Erst letztens hatten sie eine Frau zur mutigsten Kioskverkäuferin von Hannover ausgerufen, weil sie einen Kleingangster, der sie überfallen wollte, mit einem Baseballschläger in die Flucht geschlagen hatte. Dieser Superlativ „Hannovers mutigste Kioskverkäuferin“ wäre doch nur dann gerechtfertigt, wenn in einer Testreihe alle Kioskverkäuferinnen Hannovers gleichzeitig von vermummten Männern mit Messern überfallen würden und wenn alle Frauen Baseballschläger hinter der Theke hätten. Schließlich hätten die anderen Kioskverkäuferinnen nur dann die Gelegenheit, sich mutig hervorzutun und nur dann wäre das Prädikat „Hannovers mutigste Kioskverkäuferin“ berechtigter Weise zu vergeben.

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Fürsorgliche Untat

Vor meinem Fenster ist ein Baum abgeschlachtet worden. Während meiner Abwesenheit haben die Männer vom Grünflächenamt ein großes Kettensägenmassaker veranstaltet. Man traut es ihnen gar nicht zu, denn sie stehen meistens rauchend irgendwo zusammen, fahren den Kleinlaster lustlos hin und her, sortieren Geräte auf der Ladefläche, heben sie hoch und werfen sie in eine andere Ecke, zwängen sich zu dritt ins Führerhaus, um Brote zu mampfen, und über all dem fast absichtslosen, wie planlosen Geschehen hängt die große Frage, wann werden sie zur Tat schreiten und welche Tat wird das sein?

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„Ga-ga-ga!“ – Früher Aufbruch der Graugänse

In „Der unsichtbare Dritte“ (North by Northwest) von Alfred Hitchcock, spielt Gary Grant den New Yorker Werbefachmann Roger Thornhill, der von Agenten im Kofferraum eines Autos entführt wird. Thornhill glaubt, aus dem Kofferraum eine Gartenparty gehört zu haben, aber wie sich später herausstellt, war das eine Schar schnatternder Gänse gewesen.


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