Mensch im Mantel

Wann immer ich in den Garderobenspiegel sehe, was trage ich da? Einen Mantel. Kann mich inzwischen kaum noch erinnern, dass es einmal anders gewesen sein muss. Jedenfalls weiß ich mit Sicherheit, dass ich nicht mit einem Mantel um die Schultern geboren wurde, sondern sogar – pardon – ganz nackt war. Nicht, dass ich so auf die Straße spazieren wollte, aber wenn ich den Mantel mal weglassen dürfte, das wäre schon eine feine Sache, denn immerhin trage ich darunter noch einen dicken Pullover.

Was ist das eigentlich da draußen? Eine kleine Eiszeit? Die letzte soll vom Anfang des 15. bis ins 19. Jahrhundert hinein gedauert haben. In den nasskalten Sommern verfaulte das Korn auf den Halmen, und in der Folge gab’s Hungersnöte, Hexenverfolgung, diverse Seuchen, Überschwemmungen, den 30-jährigen Krieg, blutige Metzeleien zu Hauf, die französische Revolution, und das Kölner Stadtarchiv stürzte ein. Ach nein, das war ja erst letztens.

Jetzt soll bloß kein Meteorologe daherkommen und klugscheißen, Winterwetter im Frühling sei noch kein Hinweis auf eine neue Eiszeit, weil man Wetterbeobachtung langfristig ansetzen müsse. Wenn das so ist, kann er mir auch nicht das Gegenteil beweisen. Also kusch, sonst gibt es gehörig was vors Protoplasma. Die Kälte macht nämlich schlechte Laune. Den Mantel um die Schulter tragen, das bedeutet redensartlich, dass man waffenlos daherkommt, in bester Absicht. Aber was hätte ich schon für Waffen vorzuweisen gegen die andauernde Kälte. Vielleicht müssen wir zu radikalen Mitteln greifen, ein paar eiskalte Gierhälse in Vulkane stürzen, die falschen Propheten Hans-Werner Sinn und Hans-Olaf Henkel teeren und federn, Jörg Kachelmann der Inquisition übergeben oder den Wunsch einer Nervensäge namens Sonja Zietlow erfüllen und sie zum Mond schießen, ohne Rückfahrkarte natürlich.

Zietlow bietet sich an
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