Spass im Teppichhaus - Bürgernähe

Der-Oberbürgermeister-ruft-
1750 mal gelesen

Standfoto der Woche: Wichs und Pokal

Die Arbeit des Fotografen der Lokalpresse ist hartes Brot. Der Auftrag lautet Leserbindung, und die formalen Vorgaben sind klar: Die Abgebildeten müssen mit dem Anlass der Abbildung gut zu sehen sein.

Diesmal hat diese schwere Aufgabe auf besonders lobenswerte Weise der Aachener Fotograf Martin Ratajcak gelöst.
(Quelle: Super Sonntag, 12. August 2007)

Präsident und Königspaar
Laudatio: Das gefällig arrangierte Foto spiegelt auf herausragende Weise die gesellschaftlichen Realität. Im Vordergund halten sich ein Karlsschützen-Präsident und ein Stadt-König an einem schlanken Pokal fest. Die Honoratioren tragen Ehrennadel und Plaketten an der Brust sowie ihren körpereigenen Mannesstolz wohl platziert unter der Nase. Indem sie in die Kamera lachen, kommen die Schnurrbärte hübsch zur Geltung. Königin Andrea grenzt ihren fransigen Pony mit einem artigen Krönchen ab. Sie schickt ihr Lächeln bescheiden aus dem Hintergrund, denn sie weiß: das Halten phallischer Pokale ist Männersache. Ihre herunter gezogenen Mundwinkel wirken ein wenig säuerlich. Es bleibt dem Betrachter überlassen, ob sie sich von den stattlichen Herren eingeengt fühlt oder sogar einen ordentlichen freudschen Penisneid empfindet.

Prädikat:
Fünf Punkte auf der nach oben offenen Humorskala.


1503 mal gelesen

Intergalaktische Kommunikation

KommunikationstörungWo der Palisadenzaun des Nudistencamps beginnt, zweigt ein Weg nach rechts ab durch den Wald. Dort ballt sich eine Menschengruppe, als wären ihre Mitglieder von verschiedenen Seiten herbeigeströmt. Während ich mich durch den Matsch des Wegrands vorbeifädele, tönt aus dem allgemeinen Verzäll die Stimme einer älteren Frau im Rollstuhl: „Ich spreche akzentfrei Niederländisch, so dass mich ein Arzt gefragt hat: Wo kommen Sie eigentlich her?!“

Das könnte man jetzt falsch verstehen, als hätte der Arzt nach der Herkunft der Dame gefragt, um das Zentrum einer Epidemie zu lokalisieren, denn manche halten das Niederländische ja für eine Rachenkrankheit. Eigentlich ist Niederländisch jedoch eine hübsche Sprache, weshalb ich die Frau um ihre Fähigkeit beneide. Wenn ich in Südlimburg Niederländisch sprechen will, antwortet man mir auf Deutsch. Die Niederländer wollen offenbar nicht, dass ein Deutscher ihre Sprache verhunzt.

Wo kommen wir eigentlich her? Und was tun wir bei der Palisade des Nudistencamps? Als Student bin ich hier einmal vorbeigekommen, da saß ein Mann im Baum und schaute mit seinem Fernglas den Nudisten zu. Was er da wohl gesehen hat? Mir reicht eigentlich, was man in einer Sauna zu sehen bekommt, wenn die schützenden Bademäntel fallen. Da guckt man lieber nicht zuviel um sich, denn die meisten Leute sehen angezogen besser aus.

Wir sind nicht wegen der Nudisten hier, sondern über die Serpentinen des Dreiländerwegs heraufgekommen, und bevor wir in den Wald fuhren, hätten wir einen schönen Blick über den Aachener Kessel gehabt, wenn es nicht so diesig wäre. Der Himmel hat einen merkwürdigen Zustand zwischen blau und bewölkt, als hätte das Wetter ein Praktikant gemacht. Das besorgt mich ein bisschen. Sollte der Himmel sich zuziehen, und der Praktikant gar ungeschickter Weise einen Temperatursturz herbeiführen, bin ich zu leicht angezogen, denn ich war erkältet.

Wir lassen den Menschenauflauf um die perfekt Niederländisch sprechende Dame hinter uns und rollen zwischen Palisade und Waldrand zur Stelle im Wald, wo sich Belgien, die Niederlande und Deutschland treffen. Dann befinden wir uns am Drielandenpunt, dem höchsten Berg der Niederlande. Man kann dort um eine Säule herumgehen und die imaginären Grenzen in einem Rund überschreiten. Prompt kommt die Sonne hervor und bescheint das bunte Treiben der Tagestouristen.

Übrigens ist der Himmel der Rhinoviren auch manchmal wolkenlos, - wenn keine lästigen Antikörper in der Nähe sind. Dann besuchen sie lustig Ausflugsorte und vermehren sich glücklich unter der Sonne des erkälteten Wirts, und leider befallen sie nicht nur Wirte, sondern auch deren Gäste. Rhinoviren werden meist von Hand zu Hand gegeben, und alle, die Ess- oder Trinkbares reichen, sind die Netzbetreiber für die Kommunikation zwischen Rhinovirus und Mensch. Diese Kommunikation findet statt, wenn wir auch die Inhalte sehr einseitig interpretieren. Sind zum Beispiel die Schleimhäute des Menschen durch das Wirken der Rhinoviren gereizt, bemerkt der befallene Mensch die Anwesenheit von Mikroorganismen, weil’s weh tut. Wehrt sich das Immunsystem des Menschen, erleben die Mikroorganismen, wie unwirtlich ihr Kosmos sein kann. So richtig für den anderen freuen kann man sich also nicht.

Ohrenaufhängung
Welch ein Gewusel am Drielandenpunt, die reinste Kirmes. Ein Dicker mit Wanderstock beguckt sich versonnen die Namentassen vor dem belgischen Andenkenladen. Er ist wohl nicht dabei, aber den einen oder die andere kennt er bestimmt. Theoretisch lassen sich alle Touristen bei den Ohren aufhängen, doch die Vielfalt der Namen nimmt zu und wird auch immer seltsamer, das ist bei den westlichen Nachbarn nicht anders. Von manchem Knurr-, Gurr-, oder Zischlaut weiß man erst, dass er ein Name ist, wenn er auf einer Andenkentasse auftaucht. Die Welt der Namen zerstreut sich. Dem Zwang zur Konformität setzt der Mensch eine Individualisierung der Vornamen entgegen. Das wirkt ein bisschen hilflos und ist pure Namenmagie.

Unsere Sprachen beruhen auch auf der Idee der Namenmagie. „Benannt – Gebannt“, auf diese Weise eignet sich der Mensch die Welt an. Leider kümmert sich die Welt nicht um unsere Namenmagie. Sie gilt nämlich nur in der menschlichen Gemeinschaft.

Eigentlich müssten wir allen Lebewesen Empfindungen zubilligen, die der menschlichen Empfindung gleichwertig sind. Denn dass wir nichts darüber wissen, wie andere Lebewesen die Welt für sich reklamieren, ist kein logisch vertretbarer Grund, sich als die Krone der Schöpfung zu betrachten. Wir Menschen können uns ja auch nur gegenseitig über unsere Sicht der Welt Auskunft geben, und selbst da haben wir Verständigungsprobleme.

Sag mal, von Hollands höchstem Berg aus betrachtet, ist die Tiefsee dann tiefer? Man ist auf jeden Fall weiter weg von der ewigen Nacht des Meeresgrunds. Wie der Vielborster der Tiefsee die Welt erlebt? Er betet nicht die Sonne, sondern das Erdinnere an, denn seine Lebensenergie kommt aus unterseeischen Vulkanen. Doch die Nahrung kommt von oben. Ab und zu sinkt ein riesiger Kadaver wie Manna aus seinem Himmel.

Wusstest du, dass derzeit etwa 5000 Walkadaver in der Tiefsee die Nahrung für die absonderlichsten Wesen bieten, die in dieser Welt entdeckt wurden? Seit 30 Millionen Jahren sinken Walkadaver herab, und um sie herum entfaltet sich ein reges Leben von Wesen, die uns fremder sind als alle Aliens, die du bisher im Kino sehen konntest. Wenn ich als Tagestourist über den Drielandenpunt streife, dann mag ich denken, ja, so ist die Welt. Doch so einfach ist die Welt eben nicht. Sie besteht aus unzähligen Kosmen, die sich alle irgendwie durchdringen. Die Gesamtheit aller Kosmen bildet das System unserer Welt. Ihre gemeinsame Basis ist der Austausch von Information. Ihre gemeinsame Musik ist Entstehung, Wachstum und Verfall im Wechselspiel.

Mit einem Hund zu kommunizieren ist leichter als mit einem Vielborster oder einem Rhinovirus zu kommunizieren, doch je fremder die Information, desto höher ist ihr Informationsgehalt, das ist schlichte Informationstheorie. Daher ist nicht nur das Leben im menschlichen Rachenraum, sondern auch das in der Tiefsee wichtiger für die Gattung Mensch als die Frage, ob wir uns gerade in Belgien, den Niederlanden oder Deutschland befinden. Wenn sich also alle Kosmen durchdringen, und jede Erscheinungsform des Lebens ihre eigene Interpretation der Welt hat, dann tut der Mensch gut daran, den anderen Arten nicht seine Interpretation der Welt aufzuzwingen. Denn anders wird deren Antwort für uns so unfreundlich sein, dagegen sind Halsschmerzen ein Sonntagsthema.

Nachdenken über die Tiefsee

Auf Hollands höchsten Berg:
Nachdenken über die Tiefsee und intergalaktische Kommunikation
1938 mal gelesen

Aktion Helm Auf!

Aktion-Helm-auf


(Zirkus des schlechten Geschmacks)
1466 mal gelesen

Frau Nettesheim bezweifelt

trithemius & Frau NettesheimTrithemius
Uff, Frau Nettesheim

Frau Nettesheim
Wenn Sie es sagen.

Trithemius
War das eine anstrengende Woche.


Frau Nettesheim

Das kam mir gar nicht so vor.

Trithemius
Sie haben mich ja auch nur am Mittwoch gesehen, als ich im Teppichhaus gewirkt habe. An den anderen Tagen lagen Sie hübsch in der Sonne und ich habe geschuftet.

Frau Nettesheim
Daran stimmt rein gar nichts: Es hat ständig geregnet, und faul herumzuliegen pflege ich nie. Vermutlich stimmt nicht einmal, dass Sie an den anderen Tagen geschuftet haben.

Trithemius
Doch. Am Montag musste ich mich durch Einöden von Fremdtexten quälen. Das war kein Spaziergang durch einen lichten Buchenwald, bei dem man ab und zu wie ein übermütiger Wanderer ein paar Brennnesseln köpft. Da ging es zuerst durch Wüsten und dann durch unwegsames Gelände bergan. Der Weg lag voller Brocken. Zum Glück hatte ich mir einen Duden aufgepackt. Und dann musste ich ständig googeln, um rauszufinden, ob die Fakten überhaupt stimmen. Und nicht zuletzt musste alles in ein gefälliges Layout gefummelt werden. Ja, und die Überschriften erst, Frau Nettesheim. Ich konnte ja nicht titeln: „Langweiliger Kram“, „Muss man nicht gelesen haben“, oder „Was so ziemlich keinen interessiert“, sondern musste einen Augennagel drübersetzen, damit die Texte doch gelesen werden.

Frau Nettesheim
Sie verleiten die Leute, Text zu lesen, die Sie selbst nicht gerne gelesen haben?

Trithemius
Ganz so schlimm waren die ja gar nicht. Und außerdem, warum soll es den Leuten besser gehen als mir? Am Dienstag habe ich ...

Frau Nettesheim
Mein lieber Trithemius, Sie haben in allem Recht, und ich habe meine Ruhe. Sonst erzählen sie mir auch noch die anderen Tage so blumig.

Trithemius
Schade, Frau Nettesheim
1315 mal gelesen

Ringsum Lebenswege

aula-carolinaKennst du das? Du wachst morgens auf, und wunderst dich, wer du bist und dass du allerlei Dinge erledigen sollst, bis hin zum Kaffee machen. Und während du alles ohne groß zu denken zu erledigen verstehst, denkst du, na gut, dann füge ich mich eben in dieses Leben als Mensch des 21. Jahrhunderts.

Wenn es blöd kommt, fremdelst du den ganzen Tag als wärst du im falschen Film. Wer gibt dir eigentlich die Gewissheit, dass du gestern nicht jemand anderes warst? Beweisen kannst du es nicht. Am Ende warst du gestern noch die Ex-Geliebte von Horst Seehofer und hast gerade der BILD alles gebeichtet, wie es war mit Seehofer und so. Was hast du dir gedacht, als du ein Verhältnis mit einem verheirateten Politiker begonnen hast? Das war nicht gerade klug, oder? Na ja, wo die Liebe hinfällt. Vorstellen kannst du dir das heute nicht mehr, denn heute bist du im Körper eines Mannes erwacht und ins Bad gewankt. Ja, so geht es zu in der Welt. Alleweil ändert sich was.

Jetzt sitzt du in der Aachener Pontstraße vor dem Laden einer Bäckereikette, die keinen guten Ruf hat, da sich ihr Name dummerweise auf „goebeln“ reimt. Bist trotzdem mutig hineingegangen, hast dir Kaffee und ein Brötchen aufs Tablett laden lassen, nach Milch musstest du fragen und bekamst die pampige Antwort, die stehe irgendwo auf den Tischen, und jetzt sitzt du draußen in der Sonne, trinkst deinen Kaffee, und was ist? Dein Brötchen fühlt sich auf der Unterseite feucht an. Das ist ein bisschen eklig, und hättest du jetzt Lust, dir die Zimpe der Verkäuferin noch einmal anzuschauen, dann würdest du hineingehen und das Brötchen reklamieren. Doch du hast dich ja auch in deiner früheren Existenz als Ex-Geliebte von Horst Seehofer nicht gut um deine Belange gekümmert. Also hoffst du, das Brötchen werde in der Sonne rasch trocknen, am besten, bevor du beim Beißen an die nasse Stelle kommst.

Gegenüber werden die oberen Etagen des Hauses Nr. 117 renoviert. Bist du vielleicht vor 157 Jahren Julius Reuter gewesen? Dann hättest du dort unterm Dach einen Taubenschlag gehabt. Deine Täubchen fliegen für dich nach Brüssel und zurück. Das ist recht weit, und du bist stolz darauf, dass deine Täubchen die Strecke so sicher und rasch bewältigen. Selten verfliegt sich eine oder landet in einem wallonischen Kochtopf. Und deshalb versorgst du deine Täubchen gut, stehst unterm Dach, und durch die offenen Luken blinzelt die Morgensonne herein. Du magst es, die Staubteilchen im Lichtbündel tanzen zu sehen. Es ist, als hätten sie sich im Sonnenlicht zum Hochzeitstanz versammelt. „Hochzeit?“ Das Wort rührt etwas in dir an. Hattest du nicht gegen Morgen noch von einer schönen Hochzeit geträumt? Du wolltest einen bekannten Politiker heiraten, der leider schon eine Frau hatte. Seltsamer Traum.

Egal jetzt, die Depeschen müssen nach Brüssel gesandt werden. Du wickelst sie zu kleinen Rollen zusammen und steckst sie in Hülsen. Nun kommt, meine Täubchen! Seid meine Boten! Tragt die Depeschen brav nach Brüssel hin. Und während du ein ums andere Täubchen gen Himmel wirfst, denkst du, dass du sie nicht mehr lange brauchen wirst. Werner von Siemens hat dir geraten, nach London zu gehen und dort ein Telegraphenbüro zu eröffnen. „Julius! Die Telegraphie wird die Welt verändern!“, das hat Siemens dir gesagt. Und dann hast du deine Frau überzeugt, dass es gut ist, nach London zu gehen. Siemens hat dies gesagt! Siemens hat das gesagt! Die Tauben können wir vergessen, meine Liebe.

Unfassbar denkst du, während du leider in die feuchte Stelle des Brötchens beißt, dass die große stolze Nachrichtenagentur Reuters hier im Haus Nr. 117 der Pontstraße ihre Wurzeln in Taubenkot hat. Der Dachboden ist auch renoviert worden. Da gibt es jetzt ein chices Appartement. Wer wird da wohl einziehen? Vielleicht die Geliebte irgendeines Prominenten?

Komm, wir bummeln die Pontstraße hinunter zum Markt. Alle Cafés, Restaurants und Imbissbuden haben Stühle vor der Tür. Hier summt und brummt es von atzenden Studenten. Da erhebt sich gerade ein ganzer Tisch Maschinenbauer. Wenn davon mal einer eine gute Frau findet, die ihm Verantwortung beibringt, wer weiß, welche Innovation er sich ausdenkt. Aber jetzt ... gut, wenn wir da endlich durch sind. Guck, die Tür zur Aula Carolina steht auf. Da hängen ganz schöne Bilder. Die Künstlerin weiß noch nicht so recht, in welche Richtung ihre Kunst gehen soll, das sieht man. Trotzdem ist es gut, dass sie einmal so prominent ausstellen darf. Daraus kann sich etwas entwickeln, oder?

Findest du nicht auch, dass es unzählige gute Ansätze in der Welt gibt? Man muss nur beständig an einer Sache arbeiten und ab und zu etwas wagen. Es gilt natürlich eine Lücke zu finden. Wo andere schon sitzen, hat man wenig Platz zum aufrechten Stehen.

Guten Abend
1641 mal gelesen

Hier lacht der Drogist (2)

Kachelmanns Strömungsfilmmaske
O wie rätselhaft die Launen
der Frau, denn alles an ihr ist
von Luna bestimmt. Nie weiß
der Mann ihr Lächeln zu
deuten. Ist gerade Ebbe oder
Flut? Zieht etwa ein Sturmtief
heran? Bricht ein Azorenhoch
sich Bahn?

Die moderne Frau vermeidet
Kommunikationsstörungen
und Beziehungsfrust mit

Kachelmanns Strömungsfilmmaske

Einfach die richtigen
Strömungspfeile aufbringen,
und schon weiß Ihr Partner,
wie das Wetter wird.

Dermatologisch an
Kaninchen getestet!

Statt 9,75
nur 7,99



Zirkus des schlechten Geschmacks
1513 mal gelesen

Hier lacht der Drogist (1) ...

Neu im Sortiment... und die Kundin freut sich. Ein Kind, ein richtiges Kind, mit hübsch geformten
Bäckchen, und Ohren sind
auch dran!

Modell "Klein Plapperle"
kann Mama sagen, mit
den Äuglein rollen,
trinken und Pipi machen.

Wieder eine
Wahnsinnsidee vom
Drogisten Ihres
Vertrauens! Greifen
Sie zu! Holen Sie sich
Ihr eigenes Kind, so
lange der Vorrat reicht!


Mit einem Kind kann man hübsche Sachen anstellen. Es lässt sich kämmen oder in einen Petstroller setzen und umherschieben.

Gedränge im Kaufhaus? Kein Problem. Einfach reinfahren in das Gewirr von Beinen. Da hat jeder Verständnis, und macht Platz, denn ach, es ist ein süßes Kind. So mancher drückt ein Tränchen weg, denn es gibt ja nicht mehr so viele von der Sorte.

Statt 9,99 nur 7,99


Zirkus des schlechten Geschmacks
1430 mal gelesen

Abendbummel online - speisen - abreisen

Im Zweifelsfall stammt ein geflügeltes Wort von Goethe oder Schiller.
Diesmal Schiller, Friedrich (1759-1805):
Es kann der Frömmste
nicht in Frieden leben,
wenn es dem Nachbarn nicht gefällt!
Dann: Kaiser (Keiler), Roland (* 10. Mai 1952)
Schlagertext:
Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben
Wenn ihm die schöne Nachbarin gefällt
Und ihm das Schicksal vor der eignen Haustür
Solche schönen Beine stellt.
Down under
Von wegen „schöne Beine.“
Es kann der Frömmste nicht
in Frieden leben, wenn am
Nachbartisch ein
Lehrerehepaar sitzt, das
eine Bekannte aufgegabelt
hat. Da ist der schöne
Friede unter den Platanen
am Münsterplatz dahin. Die
Bekannte tut rauchend
kund, sie sei völlig entnervt,
habe nichts von den Ferien
gehabt, weil sie viermal am
Tag auf Krankenbesuch in
die Uniklinik müsse, und
wenn die Schule beginne,
solle ihr bloß kein Schüler
blöd kommen, dem werde
sie ... (zum Beispiel das hier)

Bedauerlich, ja, für beide
Seiten. Die eine will
Ohrfeigen verteilen, das
Lehrerpaar ist ebenfalls auf
der Suche nach Ohren, und
zwar, um
Urlaubserinnerungen hinein zu blasen. Was soll ich machen, mein „großer Kaffee“ ist noch fast voll. Die Sache könnte nicht ärger sein, wenn mich das wildfremde Lehrerpaar von der Straße aus ins Haus gezerrt hätte, um mir die Urlaubsdias zu zeigen. An eigene Gedanken ist da nicht zu denken, denn die beiden schwelgen nach Kräften in Superlativen. Es wird von einem sündteuren Menü berichtet, das man sich gegönnt hat, ach und oh, die ganze Speisenfolge und der Wein noch dazu!

Eine Weile kann ich mich ablenken durch vrouwen kijken, die schönen Beine der Passantin, und was es sonst noch an diversen Frauen zu sehen gibt. Ja, sie sind eindeutig schöner als die Männer und machen auch mehr aus sich. Einige jedenfalls. Bei den Männern tun sich die Stoffel hervor. Sie nehmen schon mal an einem der Cafétische platz, ob drinnen oder draußen, und die Frau stellt sich brav in die Bestellschlange oder schleppt das Tablett heran. Als Außerirdischer muss man sich über die Gattung der menschlichen Zweibeiner wundern. Hieß es nicht in der Zentralbibliothek von Alpha Centauri, dass das Homo-Sapiens-Männchen sich um Jagd und Beute kümmert?

Leider können wir den Gedanken nicht weiter verfolgen, denn das Lehrerehepaar hat nun Register gezogen, gegen die kein Kraut gewachsen ist. Hört! Man war am Urlaubsort nah bei einem Waldbrand. Da flog zuerst eine braune Wolke über den Kamm, und im Nu rollte die Feuerwalze den Hang hinab. Nein, in Gefahr war man nicht. Denn sicherheitshalber sei man abgereist. Der Eigentümer ihrer Ferienwohnung habe jedoch Fotos gemacht. Man will ihn heute noch anrufen, ob er ihnen die Fotos „auf den Rechner laden“ könne.

Jetzt bin ich tatsächlich in den Bann gezogen. Denn bekanntlich löscht man mediterrane Feuerwalzen mit tauchenden Touristen, die von den Saugrüsseln der Löschflugzeuge versehentlich aufgesaugt wurden. Später findet man sie zwischen verkohlten Baumstümpfen, und an manchen erkennt man noch Badehose und Ausrüstung. Wenn der Eigentümer der Ferienwohnung den Lehrern ein solches Foto „auf den Rechner laden“ wird, dann kann am ersten Schultag im Lehrerzimmer keiner mithalten.

Guten Abend
1467 mal gelesen

Einmal herzhaft gähnen

Wasserballett
(Fotomontage: Trithemius)


Zur Zeit macht sich ein kleines Atlantik-Tief über Deutschland her, „und das wirkt sich auch auf den Tagesschauströmungsfilm aus!“, drohte gestern Abend ein Kachelmann. Aha, oho, da rauscht also ein Tiefdruckgebiet heran, bringt heftigen Wind, gar Sturm vielleicht, und der wiederum mischt den Tagesschau-Strömungsfilm so richtig auf, so dass seine Pfeile wirr über Deutschland schwärmen. Und gucke ich raus – da jagen tatsächlich Kachelmanns Strömungspfeile am Himmel, zischen auch durch die Botanik und biegen Busch und Baum. In den Wald soll man da lieber nicht gehen, sagte Kachelmann.

Ein Meteorologe ist
Jörg (!) Kachelmann nicht, er tut nur so, denn studiert hat er etwas anderes, und bevor er seinen privaten Wetterdienst aufgebaut hat, arbeitete er beim Radio. Wenn seine ausufernde Wetterberichtsshow im Fernsehen zu Ende ist, frag ich mich oft „und wie wird jetzt das Wetter?“ Allerdings ist sein Armrudern vor diversen Karten und der verbale meteorologische Kinderkram ganz ulkig, wenn man ordentlich bekifft ist. Dann macht sogar Kachelmannexegese Spaß. Früher sorgte ich mich freilich nie um eventuell gegebenenfalls umherzischende Strömungspfeile oder Grenzlinien von Tiefs oder Hochs über dem Atlantik. Da habe ich einfach mal aus dem Fenster geguckt, wie die Leute rumlaufen. Doch wenn heute einer einen Schirm aufgespannt hat, weiß ich nicht, ob da Regentropfen fallen oder Strömungspfeile. Mir würde Jörg Kachelmann und seine Mitarbeiterin Claudia Kleinert im Maßstab 1:87 gut gefallen, er mit seinem Schirmchen im Wetterhäuschen, sie mit Sonnenblümchen vor der Tür.

Wer hat das gesehenWir gucken noch mal
raus: Et is am rääne.
Ist eigentlich die
Klimaerwärmung
vorläufig abgesagt?
Heute schon gegähnt?
Ach, komm, wir gähnen
mal ein bisschen. Das ist
nicht nur soziale
Interaktion, sondern
hält auch die wilden
Tiere davon ab,
uns aufzufressen,
behaupten jedenfalls
meine Blättchen.

Kusch! Und Klappe zu! Das ist Quatsch, bitteschön, zumindest blanke Spekulation. Auch wilde Tiere gähnen. Ihr seid eben nur Zigarettenblättchen und kein Lexikon. Übrigens ist die indogermanische Wurzel des Wortes „gähnen“ onomatopoetisch, ahmt also den Gähnlaut nach. „Gähnen“ bedeutet „den Rachen aufsperren“ und ist sowohl verwandt mit „klaffen“ wie auch mit griech. "cháos" - leerer Raum, Luftraum, Kluft. Aus dem Wort „Chaos“ hat wiederum der Brüsseler Chemiker J. B. v. Helmont (1577-1644) die gelehrte Neuschöpfung „Gas“ gebildet, ein Wort das erst im 19. Jahrhundert durch das Aufkommen der Gasbeleuchtung in die Allgemeinsprachen eindrang. Und, wer hätte das gedacht, auch das Wort „Gans“ ist mit „gähnen“ verwandt, weil die Gans den Rachen ganz weit aufzureißen versteht und Fauchlaute von sich gibt. Angeblich gähnt sogar die Ameise, bevor sie sich ans Tagwerk macht. Und dann gähnen auch die anderen Ameisen, damit sie nicht von wilden Tieren gebissen werden.

Warum ist Gähnen ansteckend? Es schützt die Gruppe vor herunterfallenden Strömungspfeilen, ganz bestimmt. Übrigens halten wir die Hand vor den Mund, damit beim enthemmten Gähnen die Seele nicht rausflutscht, denn sie ist ja auch nur irgend so ein Gas. Weil Gänse keine Hände haben, wird ihnen in manchen Gegenden Frankreichs die Seele immer wieder reingestopft, was ihnen aber irgendwie auf die Leber schlägt.


Ja, und damit der Regen nicht aufs Gemüt schlägt, vergeuden wir noch ein bisschen Zeit und bummeln weiter durch die Etymologie. Das Wort „vergeuden“ – nutzlos vertun – ist natürlich auch mit „gähnen“ verwandt. Vergeuden ist eine Präfixbildung zu dem untergegangenen mittelhochdeutschen Verb „guiden“ – prahlen, groß tun, das Maul aufreißen. Wenn Kachelmann jetzt nicht Jörg sondern Guido heißen würde, dann hätte das aber leider nichts mit guiden zu tun. Das wäre Volksetymologie. Guido ist die Kurzform zu Witold und bedeutet Herrscher des Waldes. Das Wort „Wald“ wiederum ist in seiner Herkunft dunkel wie der Wald selbst. Deshalb lieber nicht reingehen (s.o.). Eventuell gehört „Wald“ zur Wortsippe von „wild“. Und das bedeutet „nicht angebaut“, also einfach so wachsend. Genauso ist der heutige Text, - nicht angebaut, sondern einfach unter einem Atlantiktief und Kachelmannschen Strömungspfeilen gewachsen.
2576 mal gelesen

Abendbummel online - schräg dahin

Paarung wirkt auf die Partner

Angenommen in dieser Sekunde geschieht etwas Absonderliches: Die gesamte Welt schrumpft auf das Spurformat H0. Dann kann man natürlich trotzdem nicht in einen Märklin-Waggon einsteigen, denn auch die Modelleisenbahn bleibt ja maßstabsgetreu. Uff, die Welt ist also im Augenblick nur noch ein siebenundachtzigstel groß, und wir haben nichts davon gemerkt, - weil wir, genau, kein Referenzsystem haben. Die Wahrheit ist, in jeder Sekunde könnte unsere Welt schrumpfen oder sich gewaltig ausweiten, und nur ein eventuell gegebenenfalls göttliches Auge könnte die Sache beobachten.

Die Kapriolen der Welt beschränken sich leider nicht auf Größenverhältnisse. Manchmal wird sie auch in sich instabil. Allerdings muss ich zugeben, dass ich mir das jetzt nur ausgedacht habe, weil ich heute offenbar ein bisschen schräg in der Welt bin.

Spätestens seitdem die
Kellnerin mir ihr aufgesperrtes Portemonnaie unter die Nase gehalten hatte, auf dass ich die Zeche einfach reinwerfen sollte wie in einen Klingelbeutel, ohne dass sie die Summe sehen könnte und ob es überhaupt echtes Geld ist, spätestens da war mir der heutige Tag irgendwie seltsam. Möglicher Weise hatte sie sich hinsichtlich Bezahlung einem Gottesurteil unterworfen oder schämte sich, mir wegen eines eventuellen Trinkgelds in die Augen zu schauen, denn verdient hatte sie überhaupt kein Trinkgeld. Eine Weile vorher hatte sie nämlich meinen benutzten Teller weggenommen und nur geschnauft, so dass ich mich selber fragen musste - „Hat’s geschmeckt?“ und - „Ja, danke!“ sagen.

Vorher hatte ich eine Hochzeitsgesellschaft am Rathaus gesehen. Als das Brautpaar die Treppe herabkam, da warf eine dickliche Frau im dunklen Kostüm begeistert Konfetti. Es war hübsch, wie sich aus der Hand der Konfettiwerferin kleine Konfettiwolken davon machten, um über den Marktplatz zu vagabundieren. Ganz offenbar hatte das unbeworfene Brautpaar vergessen, einen kompetenten Zeremonienmeister zu bestellen. Er hätte der Frau gesagt, sie solle sich oben auf der Brüstung postieren, weil an großen Gebäuden unberechenbare Fallwinde auftreten. Vielleicht hätte der Zerominenmeister auch eine andere Brautkutsche gewählt und keinen schwarzen Chevrolet-Kombi mit getönten Scheiben. Zum Glück hatte jemand einen weißen Schleier um die Antenne gebunden. Da sah jeder sofort, das Auto transportiert keine Leichen, sondern ein Hochzeitspaar.

Auf der Krämerstraße hätte ich beinahe selbst dran glauben müssen. Aus einem Modeladen stürzte eine Frau im Shoppingrausch hervor und hätte mich fast mit langstieligen gelben Rosen erstochen. Danach wunderte mich auch der freundliche Mörder im clownesken Frack nicht mehr. Er saß am Fuße des Doms auf einem Schemel, hatte einen buntgeschmückten Bollerwagen vor sich, in dem er Gläser mit selbstgemachtem „Pilgersenf“ feilbot. Da wusste ich endlich, wo die ganzen Heiligtumsfahrt-Pilger abgeblieben waren.

Jetzt erschliest sich auch die Bedeutung der Zahl des Tieres auf dem Haus Nr. 666. Es ist ein Sinnbild für die Ideen des Innenministers Wolfgang Schäuble: Die linke Hausseite symbolisiert die DDR vor der Wiedervereinigung, die rechte Seite die BRD nach der Wiedervereinigung.

Guten Abend
1676 mal gelesen

User Status

Du bist nicht angemeldet.

Teppichhaus Trithemius / Teestübchen Trithemius

Aktuelle Beiträge

Die Papiere des PentAgrion...
<img alt="Papiere des PentAgrion bd 2" style="margin:5px;"...
Trithemius - 23. Apr, 13:18
Die Papiere des PentAgrion...
Folge 2.1 Die Macht der Jacke - Folge 2.2 Von den Socken...
Trithemius - 3. Feb, 09:49
Papiere des PentAgrion...
Folge 2.1 Die Macht der Jacke - Folge 2.2 Von den...
Trithemius - 3. Feb, 00:20
Die volle Wahrheit über...
Dienstagmorgen kurz vor der Teestübchen-Redaktionskonf ernenz....
Trithemius - 25. Apr, 19:16
Besser aufrecht sterben,...
Besser aufrecht sterben, als mit kalten Knien leben! Nach...
Lo - 25. Feb, 17:03
An einem Sonntagmorgen...
Allmorgendlich klappe ich den Tagesschau-Feadreader...
Trithemius - 25. Feb, 10:45
Teestübchen Humorkritik...
Morgens werde ich wach, ist mein Humor weg, die heitere...
Trithemius - 13. Feb, 17:30
Hallo Melanie,
welch eine Überraschung. Du bist mir offenbar nicht...
Trithemius - 3. Jan, 17:02

RSS Box

Links

Suche

 

Kalender

Februar 2026
Mo
Di
Mi
Do
Fr
Sa
So
 
 
 
 
 
 
 1 
 2 
 3 
 4 
 5 
 6 
 7 
 8 
 9 
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
21
22
23
24
25
26
27
28
 
 
 
 

Web Counter-Modul

Status

Online seit 6917 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 15. Jul, 02:09

Credits


Abendbummel online
Bild & Text
Ethnologie des Alltags
Frau Nettesheim
freitagsgespräch
Gastautoren
Hannover
Internetregistratur
Kopfkino
Pataphysisches Seminar
Pentagrion
Schriftwelt im Abendrot
surrealer Alltag
Teppichhaus Intern
Teppichhaus Textberatung
Textregistratur
... weitere
Profil
Abmelden
Weblog abonnieren