Wenig Spasss mit Emma

Jim-Knopf-und-Frau-Mehdorn
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Gut begründete Agonie

trithemius & Frau Nettesheim
Frau Nettesheim

Hier sieht es ja aus wie bei Hempels unterm Sofa.

Trithemius

Kein Lebender hat je unter das Sofa von Hempels geguckt, Frau Nettesheim, also trifft mich ihre Bemerkung nicht.

Frau Nettesheim

Wollen Sie mir eine sophistische Diskussion aufzwingen? Ich meine das Chaos hier.

Trithemius

Ja, mir sind die Dinge ein wenig entglitten, weil ich anderweitig beschäftigt war. Wenn das Durcheinander nicht mehr mit 30 Handgriffen zu beseitigen ist, neige ich dazu, zu kapitulieren und es eine Weile zuzulassen, bis die mahnende Stimme mich zum Handeln veranlasst.

Frau Nettesheim

Dann ist ihre mahnende Stimme vermutlich heiser, weil sie seit Tagen auf taube Ohren stößt.

Trithemius

Hat sie sich deshalb Verstärkung durch Sie geholt, Frau Nettesheim?

Frau Nettesheim

Nein, das ist letztlich Ihre Sache. Meine Bemerkung war ein spontaner Ausruf des Schreckens. Wenn Sie sich in dem Durcheinander wohlfühlen …

Trithemius

Ich fühle mich nicht wohl darin. Und wenn ich auch noch nicht zur Tat geschritten bin, so mache ich mir seit gestern schon Gedanken darüber, was es damit auf sich hat und wie ich es am besten beseitige.

Frau Nettesheim

Und? Müssen Sie zuerst noch eine Zeichnung davon machen, bevor sie tätig werden?

Trithemius

Mich interessiert die Theorie des Unzulänglichen, Frau Nettesheim. Zum Unzulänglichen gehören verschiedene Erscheinungen, und sie alle unterliegen dem gleichen Prinzip, das ich zu Ihrer Erbauung „Hempel-Effekt“ nennen möchte. Gestern stand ich am Service-Point der Bahn in einer Warteschlange. Es ging und ging nicht voran, so dass die Schlange wuchs. Ja, einige gaben sogar entnervt das Warten auf und suchten das Weite. Ich hatte Zeit, die Damen an den Schaltern zu beobachten. Und dabei fiel mir auf, dass ihre Bewegungen sich umgekehrt proportional zum Anwachsen der Schlange verhielten. Je mehr potentielle Kunden sich in die Schlange einreihten, desto langsamer arbeiteten sie. Ja, eine der Frauen schien sogar in eine Art Starre zu verfallen, wie es die Kaninchen angeblich auch tun, wenn sie eine Schlange sehen.

Frau Nettesheim

Was hat das mit dem Chaos im Teppichhaus zu tun? Mir scheint, Ihr Versuch, den „Hempel-Effekt“ zu beschreiben, ist pures Vermeidungsverhalten.

Trithemius

Um Ihrer Unterstellung zu entgehen, will ich mich kurz fassen: Der Hempel-Effekt: Jeder Zustand des Unzulänglichen im menschlichen Dasein zieht dem jeweils Betroffenen Energie ab, und zwar mit dem Quadrat zur Belastung durch den als unzulänglich empfundenen Umstand. Wenn ein solcher Zustand nicht mehr mit 30 Handgriffen beseitigt werden kann, reicht die Energie des Menschen nur noch dazu, den augenblicklichen Zustand zu halten, nicht aber, ihn zu beseitigen.

Frau Nettesheim

Selten habe ich erlebt, dass einer sich auf so komplizierte Weise darum zu drücken versucht, in seinem Umfeld Ordnung zu machen. Jetzt brauche ich erst einmal einen Kaffee.

Trithemius

Leider ist keine Tasse mehr sauber, Frau Nettesheim.
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Medialer Bummel in fünf Etappen

Zeitungsherbst

Vorgestern

Anfang der 90er Jahre des vergangenen Jahrhunderts dachte der Chefredakteur der New York Times über die Zukunft seines Mediums nach. Seine Vision: Zeitungen kämen morgens aus dem Faxgerät. Das Trägermedium wäre eine abwaschbare Folie. Nach dem Lesen würde die Zeitung weggewischt, und die Folie könnte für die nächste Ausgabe wiederverwertet werden.

Zunächst hat die Idee etwas Sympathisches, denn sie greift auf eine antike Tradition zurück. Die Tinte des Altertums war nicht wasserfest. Mit einem Schwamm konnte sie vom Papyrus abgewaschen werden. Der römische Dichter Martial (40-104 n. Chr.) schickte seinem vollendeten Buch gleich einen Schwamm mit, damit der Freund den Text auswischen konnte, wenn er nicht gefalle. Manche Autoren bedienten sich beim Löschen missratener Textstellen der Einfachheit halber ihrer Zungen. Bei einem Wettbewerb der Dichter am Hofe des römischen Kaisers Caligula sollen die durchgefallenen Poeten gezwungen worden sein, ihre Ergüsse selbst abzulecken.

Die Vision der abwaschbaren Zeitung ist nicht Wirklichkeit geworden, das Internet hat sie unnötig gemacht. Da jedoch vermutlich niemals ein Chefredakteur zu mir nach Hause gekommen wäre, um seine Zeitung abzulecken, ist das nicht wirklich bedauerlich.

****

Gestern

Eine täglich abgewaschene Zeitung hätte auch eine nachträgliche Überprüfung von Aussagen unmöglich gemacht. Alte Zeitungen sind historische Dokumente. Trotzdem ist es nicht ratsam, sie in einer Drei-Zimmer-Wohnung zu sammeln, wie es ein Wiener getan haben soll. Am Ende konnte er sich zwischen den Zeitungsstapeln nur noch durch schmale Laufwege bewegen. Selbst das Aachener Zeitungsmuseum sammelt nur erste und letzte Ausgaben einer Zeitung sowie Exemplare, die herausragende Ereignisse des Weltgeschehens dokumentieren.

Am Freitag vollzog
sich ein herausragendes Ereignis in der deutschen Presselandschaft, und ich hatte es zunächst verpasst, da ich den ganzen Tag im Lektorat eines Verlags zugebracht hatte, wo wir die Endfassung eines Fachbuches erstellten. Gegen 20:00 Uhr frage ich vergeblich in der Tankstelle nach, und auch beim freundlichen Iraner, der gerade die Aushangtafeln in seinen Kiosk räumt, ist die Zeitung ausverkauft. Wo kriege ich jetzt noch eine Zeitung vom Tage her? Schräg gegenüber liegt der Bambi-Grill, und da ich ohnehin zu müde zum Kochen bin, beschließe ich, mir Pommes zu holen, die in Aachen Fritten heißen, was zum Beispiel im Ruhrgebiet keiner versteht, wie ich letztens erfahren habe.
Exkurs Bambi-Grill
Der Kinderfilm Bambi von 1942 ist ein Zeichentrickfilm der Walt-Disney-Studios. Die Vorlage lieferte das 1923 erschienene Buch „Bambi, ein Leben im Walde“ von Felix Salten. Als Disneyfigur erlangte das Rehkitz Bambi internationale Berühmtheit, so dass der Name mit einem Rehkitz gleichgesetzt wird wie Tempo mit einem Papiertaschentuch. Warum das Schnellimbiss-Lokal Bambi-Grill heißt, erschließt sich ohne weiteres nicht. Vermutlich dreht sich zartes Rehkitzfleisch auf dem Dönerspieß. Wer im Bambi-Grill auf sein Essen wartet, dem steht ebenfalls vorzügliche geistige Nahrung zur Verfügung. Auf den Tischen liegen die Süddeutsche Zeitung, die F.A.Z. und das Handelsblatt aus. Dieser Umstand verweist auf den Kundenkreis, denn der Bambi-Grill liegt im Aachener Hochschulviertel. Die Zeitungsauswahl spiegelt die politische Ausrichtung heutiger Studenten.
Im Bambi-Grill hockt einer auf einem Schemel, isst Bambi-Geschnetzeltes in dicker Soße mit Fritten und liest nebenher die F.A.Z. Mist! Hoffentlich macht der jetzt keine schmantigen Flecken auf die Zeitung, denn genau die will ich der Bambi-Grill-Bedienung abschwatzen.

***

Leider pickt der Mann elend langsam in seinem Teller herum, und macht meine Hoffnung zunichte, er werde fertig mit Essen und Lesen sein, bevor ich meine Pommes bezahle. Entweder ist die FAZ so interessant, dass er kaum zum Essen kommt, oder aber er kaut auf jedem Happen Geschnetzelte 30 mal, um sich wie ein alter Indianer beim Rehkitz zu bedanken. Trotzdem frage ich die Besitzerin hinter der Theke, ob ich ihr die Frankfurter Allgemeine Zeitung abkaufen könne, denn ich hätte keine mehr bekommen. Ob sie den Grund für meinen Wunsch versteht, weiß ich nicht, doch sie deutet freigebig auf die Zeitung und sagt, ich könnte sie haben. Über der F.A.Z. sitzt allerdings stur wie ein Esel der langsame Esser. Deshalb vereinbare ich mit meiner Gönnerin, die Zeitung am Samstag abzuholen. Dann jedoch muss ich mir das Exemplar aus der Altpapiertonne suchen, denn der Sohn der Besitzerin hat sie bereits entsorgt.

FAZ mit neuem LayoutMein Exemplar der F.A.Z. riecht ein wenig. Man hat Pommes, Currywurst, Döner und sonst was über ihr verzehrt. Trotzdem bin ich froh, diese besondere Ausgabe zu besitzen. Die F.A.Z. hat am Freitag ihr traditionelles Layout aufgegeben. In einem Leitartikel auf Seite eins beschreibt FAZ-Mitherausgeber Werner D'Inka, was sich geändert hat und warum.

Das Layout ist das
Gesicht einer Zeitung und macht sie unverwechselbar. Deshalb ist es stets ein Wagnis, die bekannten Gesichtszüge zu verändern. Wer sich liften lässt, mag sich anschließend schöner finden. Trotzdem besteht die Möglichkeit, dass andere sich befremdet fühlen und sich fragen, ob sie es noch mit der selben Person zu tun haben. Deshalb titelt D’Inka: „Wir bleiben uns treu“, was ein wenig selbstbezüglich wirkt, denn als Leser ist man eher daran interessiert, ob einem die Zeitung treu bleibt. Was hat sich geändert? Auf der ersten Seite erscheint ab jetzt ein Foto und zwar in Farbe. Die Frakturschrift über den Kommentaren ist durch eine schmalfette Times ersetzt. Die Trennlinien zwischen den Spalten sind entfallen, die Spalten selbst sind durch verschieden breite Stege voneinander abgesetzt. Man will dem Leser die Orientierung erleichtern, damit er sich nicht in der Seite verirrt und versehentlich in einem Artikel nebenan weiter liest. Mehr weißer Raum macht die Zeitungsseite lichter. Das heißt, dass die Artikel kürzer als früher sind. Bleiwüsten wird es deshalb in der FAZ nicht mehr geben; Kanäle des Lichts führen das Auge, und wem ein Text zuviel Mühe macht, findet Erholung und Zerstreuung in den Oasen der Farbfotos.

Vor dieser Radikalliftung hat man sich per Marktforschung rückversichert, und D’Inka verkündet froh: „Mit den Neuerungen entspricht die Redaktion dieser Zeitung den Wünschen einer großen Mehrheit der Leser. Der Souverän hat gesprochen (…).

**

Heute


Was ist los mit dem Souverän Zeitungsleser? Er ist offenbar hibbelig geworden und mag nur noch ungern lange Texte lesen. Die audiovisuellen Zerstreuungsmedien haben seine Lesegewohnheiten verändert, und zwar so radikal, dass selbst die als konservativ geltende F.A.Z. ihr Erscheinungsbild ändern muss. Von der Frakturschrift vermutet D’Inka zu Recht, dass ihre Kenntnis langsam verloren geht. Viele jüngere Leser haben Schwierigkeiten damit.

Am heutigen Nachmittag habe ich auf der Dachterrasse gesessen, um die Druckfassung des Buches noch einmal zu kontrollieren, bevor es am Montag in die Druckerei geht. Unter der blitzenden Herbstsonne strahlte das Papier im reinsten Weiß, und bei diesem ausgezeichneten Kontrast zwischen Blatt und Druckerschwärze konnte ich sogar ohne Lesebrille arbeiten. Obwohl ich mich manchmal mit dem Wind um den Manuskriptstapel zanken musste, habe ich konzentriert geschaut und gelesen, mit einem Bleistift die Seiten abgehakt oder hie und da eine kleine Korrektur angemerkt. Der Mensch braucht Material, um zu begreifen. Deshalb sollte man die Endkontrolle eines Textes nicht am Bildschirm vornehmen. Man braucht das Bewusstsein von Material, um die Schrift ernst zu nehmen, die eben nicht einfach abzuwaschen ist oder in einer amorphen digitalen Form daherkommt, jederzeit zu verändern oder spurlos zu tilgen. Die Idee der sorgfältigen Korrektur gehört zum Printmedium. Sie ist ein Relikt der verschwindenden Gutenbergkultur, in der Setzer und Korrektoren noch mit dem Druckfehlerteufel kämpften, zu dessen Vertreibung sie sich mit „Gott grüß die Kunst!“ begrüßten. Sorgfältige Korrektur ist dem Internet eher fremd. Kaum jemand macht sich die Mühe und druckt zum Beispiel einen Blogtext zum Redigieren aus, bevor er ihn veröffentlicht. Digitales Schreiben verführt zur Schludrigkeit. Und schludrig Geschriebenes wird mit Recht schludrig gelesen.

Mittwoch-BastelnAch ja, der
Ausdruck, mit dem ich auf der Dachterrasse gesessen habe – das Buch heißt „Zeitung in der Primarstufe“. Es bietet didaktische Grundlagen für das Lernen mit der Tageszeitung. Neben theoretischen Basistexten enthält es eine Fülle von Unterrichtsvorschlägen, -beschreibungen und Erfahrungsberichten von Grundschullehrerinnen und -lehrern. Sie zeigen, wie sich schon Kinder der ersten Klassen an die Zeitung heranführen lassen, indem sie lesen, auswerten, selbst für die Zeitung schreiben oder mit dem Zeitungsmaterial gestalten. Ja, auch das Basteln mit der Zeitung hat seinen Wert. Das ist machen im alten Wortsinne, "kneten, streichen, pressen, abbilden". Wer als Kind schon mit der Zeitung hantiert hat, weiß die Materialerfahrung zu schätzen. In den Händen dieser Kinder liegt die Zukunft der Zeitung.

*

Morgen

Der Herbst der Zeitungen verspricht bunte Blätter. Die Redaktionen sehen sich in Konkurrenz zum Internet und vergessen dabei zu oft, was die Qualität der Zeitung ausmacht: Man kann sie anfassen und nicht auswischen. Das gilt es herauszustellen und zu bewahren. Gerade sucht die Süddeutsche Zeitung den Königsweg, im Internet ihre Seriosität zu verspielen. Boulevardthemen und aberwitzig untertitelte Bildstrecken sind der krampfhafte Versuch, den ins Internet abgewanderten Lesern Zucker zu geben. Was ist die Folge für den arglosen Leser? Karies im Gehirn. Gut, das Bild ist gewagt, doch ich weiß nicht, wie der psychologische Fachausdruck für die schleichende Verblödung lautet, zu deren Förderer sich die Zeitungen nicht machen sollten, wenn sie noch einen goldenen medialen Oktober erleben wollen.
Zeitung-in-der-Sackgasse
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Philosophie mit Brötchen

Brötchenphilosophie
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Geld macht glücklich

Zuwachs bei Ochsen
Dass die Aachener Nachrichten die Besucher des Münchener Oktoberfestes als Rindviecher beschimpfen, ist der deutschen Einheit gewiss so abträglich wie der hämische Ruf: „Wir wollen den Limes zurück!“ Es muss offenbar noch viel geschehen, bis die Einheit mit Bayern auch in den Köpfen der Menschen im Westen angekommen ist.
glück allein macht nicht glücklich
Schlimme Kunde kommt von der Noris-Bank: Das schöne alte Glück ist kaputt und muss durch Geld von der Noris-Bank ersetzt werden.

Der Wiener
Buchautor Dr. Robert Sedlaczek hat gemeinsam mit der Volkshochschule Hietzing eine Patenaktion für bedrohte Wörter ins Leben gerufen. Ich habe die Patenschaft für Glück beantragt und hoffe, dass man bei der Volkshochschule Hietzing damit einverstanden ist.
Glücks-Pate Trithemius

Gestern wurde Edmund Stoiber von der Bundeswehr mit großem Brimborium, Ehrenkompanie und Marschmusik verabschiedet. Der arglos plappernde Kommentator auf Phoenix sagte, das sei eine Geste des Dankes der Bundeswehr und des Verteidigungsministers Jung, weil Stoiber sich für die Standorte der Bundeswehr in Bayern und für den Auslandseinsatz der Bundeswehr stark gemacht hat. Stoiber war zu Tränen gerührt, als sich die Bundeswehr so zackig dafür bedankte, dass sie wieder Krieg führen darf.

Die Aachener Nachrichten
bestehen übrigens darauf, dass sie in der Überschrift nicht die Besucher des Oktobersfestes gemeint haben, sondern das Schlachtvieh.
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Regenschirm aufspannen

Kommst du mit in die Stadtbibliothek? Sie ist im Gebäude einer ehemaligen Molkerei untergebracht, das man um- und ausgebaut hat. Eine ganze Weile hat es da noch nach Milch gerochen. Doch irgendwann verliert sich alles. Früher lag die Stadtbibliothek in einem alten Gebäude in der Peterstraße. Man trat auf der ersten Etage in einen Katalograum, musste zunächst Karteikarten befragen, dann einen Bestellzettel ausfüllen und einem livrierten Angestellten aushändigen. Der nannte dir gnädig einen vagen Abholtermin, und wenn du Glück hattest, lag dein bestellter Stapel bereit, nachdem du eine Runde durch Aachen und einmal rundum gemacht hattest. Und manchmal konnte sich dein Glück unmittelbar in Pech verwandeln, wenn sich die bestellten Werke als ungeeignet entpuppten.

schirm_aufspannenDas Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens steht übrigens auf der ersten Etage. Die Bände gehören zum Präsenzbestand. Man kann sie nicht ausleihen. Im Regal drüben steht allerdings ein Nachdruck, den man ausleihen dürfte. Ich blättere lieber in der ledergebundenen Ausgabe von 1933, obwohl ich Vegetarier bin. Die Kühe, die dafür ihre Haut hergeben mussten, sind ja nicht mehr zu retten. Außerdem, wenn ich Milch trinke, muss ich mich auch damit abfinden, dass eine Kuh nicht an Altersschwäche sterben wird, sondern vorher die Gurgel ... und so. Das ganze Schriftwesen ist unmittelbar mit tierischen Produkten verbunden. Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts wurde das Buchpapier mit tierischem Leim gemacht. Dieses Papier hält viel länger als jüngere Papiersorten. Deshalb ist der Erhaltungszustand alter Bücher oft besser als der ihrer Nachfolger. Für das HDW gilt das leider nicht.

Im Kellergewölbe der Bibliothek lagern Pergamenthandschriften. Viele müssen noch archiviert werden. Eine Bibliothekarin sieht darin ihr Lebenswerk. Kürzlich war sie in der WDR-Lokalzeit zu sehen, und da sagt sie, dass sie bis zum Ende ihrer Dienstzeit nicht damit fertig werden würde. Vor einigen Jahren bin ich einmal mit ihr ausgegangen. Doch mit ihren Büchern konnte ich nicht konkurrieren.

Die feinste Sorte Pergament heißt übrigens Jungfernpergament. Es ist aus der Haut ungeborener Tiere gemacht. Schon seltsam, oder? Man kann sich die heilige Inbrunst vorstellen, mit der sich ein Schreibermönch an sein Pult setzte, um heilige Texte aufs Jungfernpergament zu kalligraphieren. Die Inbrunst war auch nötig, denn das Schreiben war ein mühseliges Schaffen. Oft waren die Skriptorien ungeheizt, und in vielen Randbemerkungen findet sich die Klage über schlechtes Beleuchtung und kältestarre Finger. An einer Bibel schrieb man über ein Jahr. Doch der heilige Columba im 6. Jahrhundert schrieb eine Evangelienhandschrift in 12 Tagen. Dietrich, der erste Abt von St. Evroul, nutzte übrigens den Aberglauben, um seine Schreiber zu motivieren. Er pflegte ihnen die Geschichte von einem sündhaften Mönch zu erzählen, der einmal aus freien Stücken einen Folianten abgeschrieben hatte. Als er gestorben war, verklagten ihn die Teufel, die Engel aber brachten das große Buch hervor, von dem nun jeder Buchstabe eine Sünde aufwog, und siehe da, es war ein Buchstabe übrig. Da wurde seiner Seele gestattet, in den Körper zurückzukehren und auf Erden Buße zu tun.

Bin ich etwa vom Thema abgekommen? Du guckst so merkwürdig. Ja, ich weiß, wir wollten nachschlagen, was es mit dem Schirmaufspannverbot auf sich hat. Tatsächlich steht hier was. Komisch, jahrzehntelang habe ich meinen nassen Schirm aufgespannt, und jetzt lese ich, welch schreckliches Ungemach mir deshalb widerfahren könnte. Und alle scheinen von der Gefahr zu wissen. Selbst die Queen lässt den Regenschirm erst vor dem Buckingham Palace aufspannen, habe ich bei wdr.de gelesen. Aberglaube sucht sich übrigens immer neue Erscheinungsformen. In einem Skater-Forum las ich eben: „regenschirm in der wohnung aufspannen, bringt die bullen ins haus“. Warum die Queen wohl Angst vor den Bullen hat?

Guten Abend
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Plausch mit Frau Nettesheim - Daneben

trithemius & Frau Nettesheim
Frau Nettesheim
Ihr Eintrag gestern war ziemlich kryptisch.

Trithemius
Ja, Frau Nettesheim.

Frau Nettesheim
Und weiter?

Trithemius
Was?

Frau Nettesheim
Wollen Sie nicht erklären, was es damit auf sich hat?

Trithemius
Ach so. Ich war den Tag über komplett lustlos. Überdruss, Frau Nettesheim. Die Welt ging mir auf den Geist. All das Getute und Geblase in den Medien, Stoiber, Pauli, Seehofer, Merkel, Scharping; das Wetter, die Leute auf der Straße, das Leben überhaupt… und mir selbst fiel ich auch auf den Wecker, weil ich mich nicht mit meinem Überdruss abfinden wollte. Immerhin traf ich mich am Abend im Egmont mit Careca. Er trank einen Milchkaffee und eine Cola – er musste noch weiter fahren – ich trank drei Kölsch, die mir mal wieder im falschen Glas serviert wurden. Doch es war anregend, Careca im realen Leben zu begegnen. Später brachte ich ihn zu seinem Auto, denn es regnete, und er hatte keinen Schirm. Als ich wieder zu Hause war, packte mich erneut die Lustlosigkeit. Da fiel mir ein, dass Theobromina gesagt hat, man dürfe einen nassen Schirm nicht aufspannen, weil dann jemand im eigenen Umfeld stirbt. Gut, habe ich gedacht, hier ist außer mir niemand. Dann habe ich den Schirm aufgespannt, um aus dem Leben zu scheiden. Hat aber nicht geklappt, wie Sie sehen, Frau Nettesheim.

Frau Nettesheim
Wären Sie so freundlich, mich mit diesem Unsinn zu verschonen und meine Frage zu beantworten, Herr Trithemius?

Trithemius
Ui, jetzt wird sie förmlich, da muss ich mich benehmen. Also, das ist ganz einfach, Frau Nettesheim. Man sieht zwei Schlüssel. Der rechte ist heller, er verweist darauf, dass ich beim Tippen der Zeile stets den Buchstaben rechts neben dem richtigen Buchstaben getippt habe, aus PUREM ÜBERDRUSS, Frau Nettesheim.

Frau Nettesheim
Und Sie erwarten, dass sich jemand ernsthaft mit dem Produkt Ihres Überdrusses auseinander setzt und die Zeile dechiffriert?

Trithemius
Hätte ja sein können, Frau Nettesheim. Es war ein Versuchsballon, eine Frage an die Welt, ob ich noch drin bin oder gänzlich rausgerutscht.

Frau Nettesheim
Armer schwarzer Kater.

Trithemius
Ach ja, ich werde gleich in die Bibliothek gehen und in Bächtold-Stäublis Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens nachschlagen, was es mit dem Schirm auf sich hat. Es wird gewiss anregend, in die Ideenwelt des Volksglaubens einzutauchen, der ja im Wesentlichen von Frauen gepflegt wird. Sie sind ja auch so ein Kräuterweib, Frau Nettesheim, und rühren bei Neumond Ihren Pudding nach rechts.

Frau Nettesheim
Wiszdvjlpüg!
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Nutzloses Schallexperiment mit Vokalen

Schallexperiment02

(Zeichnung und Ausführung: Trithemius)
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Dubioses Frauenlob

trithemius & Frau NettesheimTrithemius
Gestern habe ich in einem Tagebuch von 1991 geblättert, Frau Nettesheim, und wissen Sie, was ich dort gefunden habe?

Frau Nettesheim
Ihr altes Ich?

Trithemius
Ja, das auch. Es ist tatsächlich seltsam, seinem Ich von vor 16 Jahren zu begegnen. Man erkennt sich wieder, und gleichzeitig erschaudert man vor der eingeschränkten Zukunftsperspektive. Wenn ich früher ein neues Tagebuch begann, habe ich die jungfräulich weißen Seiten durchgeblättert und gedacht, dass es hübsch wäre zu wissen, was am Ende alles drin stehen wird. Und dann sammelte sich Buch um Buch an, alle zwei Monate, bis zum Jahr 2000. Da standen 42 Tagebücher in der Reihe, und eine ganze Weile habe ich sie ignoriert, weil mein Leben sich so drastisch verändert hatte und mir der Zugang zum alten Ich verwehrt war. Heute ist’s ein Dokument der 90er Jahre, und wenn ich die 90er Jahre auch nur aus meiner subjektiven Perspektive festgehalten habe, so spiegeln die Tagebücher trotzdem den Zeitgeist.

Frau Nettesheim
Ein ähnlicher Effekt tritt auch bei den Weblogs auf, wenn man sie aus zeitlicher Distanz betrachtet. Und die vielen subjektiven Sichtweisen in den Blogs ergeben insgesamt ein zuverlässigeres Bild der Zeit, da doch ein jeder die Welt anders interpunktiert, wie ich gestern aus Ihrem Text herausgelesen habe. Eigentlich wollten Sie mir jedoch sagen, was Sie im Tagebuch gefunden haben.

frauenlobTrithemius
Ach ja, ein Frauenlob ihres ehrenwerten Ahnen aus dem Jahre 1509. Und da habe ich gedacht, dass Sie, Frau Nettesheim, die lebendige Bestätigung seiner Ausführungen sind, obwohl sie der wissenschaftlichen Empirie entbehren.

Frau Nettesheim
Ich weiß nicht, ob Agrippa den Frauen damit ein Kompliment macht. Wenn Frauen von der Natur begünstigt sind, können die Männer sich faul zurück lehnen und alles auf die genetischen Anlagen schieben.

Trithemius
Mir ist schon klar, dass die genetischen Anlagen allein nicht den ganzen Menschen ausmachen. Ihre Frische und Ansehnlichkeit hat gewiss auch mit kultureller Verfeinerung zu tun, Frau Nettesheim.

Frau Nettesheim
Ja, und hätten Sie sich heute Morgen den Barthobel durchs Gesicht gezogen, würden Sie jetzt nicht aussehen wie ein Bärremkrüffer.

Trithemius
Welch ein wunderbares Wort, Frau Nettesheim. Das habe ich schon ewig nicht mehr gehört. Da verzeihe ich Ihnen glatt den hässlichen „Barthobel“.
Kölsch: Bärrem, Haufen oder ein Stapel (von Strohballen); Krüffer, Kriecher; Bärremkrüffer, (übertragen) ein Landstreicher, der in einem Strohballenstapel wohnt.
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Fingerkuppenkräuselkrause

Zu viele Dinge in der Welt, zuviel Information. Ich wollte einen Pullover, habe aber einen Wasserkocher gekauft. 5000 Seiten Gebrauchsanleitung in allen Weltsprachen. Dabei ist das Gerät nicht etwa die technische Variante einer Eier legenden Wollmilchsau, sondern kocht nur Wasser. Meine Gebrauchsanleitungsbibliothek füllt eine ganze Kommodenschublade, und fast alles davon ist noch ungelesen. Für die erfolgreiche Benutzung eines Wasserkoches ist die Lektüre der Gebrauchsanweisung nicht unbedingt erforderlich, sondern eher hinderlich, denn ich will ja jetzt heißes Wasser und nicht erst in fünf Stunden. Tatsächlich ist nicht einmal gesagt, dass ich den Wasserkocher besser zu bedienen lerne, wenn ich die Gebrauchsanweisung studiere. Bei den meisten Geräten reicht dem Nutzer das Weltwissen, das er sich im Laufe seines Lebens angeeignet hat gepaart mit der Technik Versuch und Irrtum. Generell ist die genaue sprachliche Beschreibung nicht so leistungsfähig wie man glauben könnte. Eine Aufbauanleitung für ein Möbelstück zum Bespiel wäre sprachlich kaum zu vermitteln. Hier sind Schaubilder mit den einzelnen Aufbauphasen hilfreicher.

Interpunktion
Wenn man zum Beispiel ein Ereignis oder ein Bild digitalisiert, dann setzt man einer fließenden komplexen Wirklichkeit eine grobe Struktur gegenüber. Anders: Man nimmt über ein Netzwerk die Information ja oder nein ab. Eine Kurve lässt sich mit Hilfe von Punkten beschreiben. Ich könnte sie auch anders interpunktieren ( im Bespiel rot). In beiden Fällen vermittelt sich das Bild der Kurve. Nur eine vergleichende Überprüfung bringt an den Tag, dass die gleiche Kurve auf unterschiedliche Weise dargestellt ist. Ist die zugrunde liegende Struktur zu fein für das menschliche Auge, dann bilden sowohl die grünen wie die roten Punkte die Kurve scheinbar 1:1 ab. So wäre die unterschiedliche Interpunktion von grün und rot nicht mehr zu erkennen.

Ähnliches geschieht bei der Zerlegung eines Bildes in Rasterpunkte im Reproverfahren. Wenn man mehrere Aufnahmen macht und dabei das Raster jeweils um einige Grad dreht, einmal um die Achse, sieht ein unbefangener Betrachter bei jeder Einzelaufnahme das gleiche, nicht jedoch das selbe Bild, wie er glaubt zu sehen. Legt man nur zwei solcher Filme übereinander, erhält man einen Moiré-Effekt. Alle Bilder übereinander ergeben nur noch schwarz. Die Bildinformation ist verschwunden. Hier zeigt sich, dass sich eine Information nur wahrnehmen lässt, wenn sie ausgedünnt ist. Die Information muss ausgedünnt sein, damit der Mensch sie verwerten kann. Der Verfeinerung der Wahrnehmungsstrukturen sind also Grenzen gesetzt.

Der Mensch eignet sich die komplexe Welt über die Wahrnehmungsstruktur Sprache an. Dass die Wörter der Sprache wie grobe Punkte sind, mit deren Hilfe wir die Wirklichkeit erfassen, ist uns bei der Sprachverwendung selten bewusst. Wir neigen dazu, die sprachliche Erfassung mit der Wirklichkeit gleichzusetzen. Eine Verfeinerung der Sprachstruktur brächte jedoch keine genauere Wirklichkeitserfassung. Wenn wir an einer Stelle verfeinern, müssen wir an einer anderen Stelle vergröbern, damit Gesamtmenge der Information das menschliche Maß nicht überschreitet.

Was ist Fingerkuppenkräuselkrause? Ich bekomme sie, wenn ich bestimmte Textilien berühre. Denn da nehme ich das Textil nicht mehr als eventuell tragbar wahr, sondern es vermittelt sich mir nur eine Information: „Ich war einmal ein Joghurtbecher.“
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Befremdliches unter der Herbstsonne

Skulptur-ohne-Titel"Skulptur ohne Titel" - die Arbeit des niederländischen Malers, Zeichners und Bildhauers Jaap Mooy (1915-1987) steht seit August 2007 im AVANTIS European Science and Business Park, einem kaum besiedelten deutsch- niederländischen Gewerbepark in der Nähe von Aachen. „Der Mensch braucht das Bild“, sagt Jaap Mooy, dessen plastisches Werk in der Tradition des Dadaisten Hans Arp steht.

Die Skulptur zeichnet sich durch geometrische Formen und Kühle aus. Unter der blitzenden Herbstsonne entfaltet sie einen befremdlich anmutenden Glanz. Man mag an einen Blitz denken, von einem zürnenden heidnischen Gott zum Erdboden geschleudert. Doch sie erinnert auch an ein Relikt der Vorzeit, gleich einem Monolithen zur Bestimmung des Sonnenstands, oder an eine moderne Variante der Skulpturen auf rapa nui, die der Holländer Jakob Roggeveen Paasch-Eyland (Osterinsel) nannte, nach dem Tag der Anlandung am Ostersonntag des Jahres 1722.

(gesehen am 25. September 2007, gegen 12:00 Uhr)
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Kopfsteinpflastermusik

Kopfsteinpflaster-auf-dem-AJa, gibt’s, denn heute keinen Abendbummel?

Die Frage ist ein fünfhebiger Jambus, erste Silbe unbetont, zweite Silbe betont, und das fünfmal im Vers. Der Jambus ist beschwingter als sein Bruder Trochäus, der sogleich mit einer betonten Silbe beginnt, als würde einer bei dir zu Hause die Tür eintreten und: „Komm jetzt mit!“ rufen.
Nein, Trochäus woll’n wir nicht,
Wir bummeln jetzt in Jamben.

Den ganzen Bummel in Jamben zu schreiben, das wäre mir aber zu mühselig. Denn immer wenn ich einen Jambus zu schreiben versuche, fällt mir ein Satz ein, der partout ein Trochäus sein will. Und umgekehrt. Übrigens, wir gehen inzwischen über den belebten Münsterplatz. Hier liegt Kopfsteinplaster, da empfiehlt es sich nicht, über Schrittfolgen nachzudenken. Guck, da klackert wieder eine Frau in Pumps heran. Wie Frauen auf hohen Absätzen über Kopfsteinpflaster gehen, das nötigt mir stets Bewunderung ab. Es ist eine Akrobatenleistung, die allein der Schönheit oder der Eitelkeit gewidmet ist, also im hohen Maße kulturell.

Übrigens, ist dir
das eigentlich schon einmal aufgefallen? Das Wort „Trochäus“ ist selbst ein Jambus, während das Wort „Jambus“ ein Trochäus ist. Ich gebe zu, das ist eher nutzloses Wissen. Doch wer sich mit nutzlosem Wissen beschäftigt, verhält sich ebenso kulturell wie die Frauen mit hochhackigen Schuhen auf Kopfsteinpflaster. „Kultur ist Reichtum an Problemen“, sagt Egon Friedell.

Komm, wir lassen mal den Mann mit dem Rollwagen vorbei. In letzter Zeit denke ich oft darüber nach, wie denn wohl in 10 bis 15 Jahren die Bürgersteige und Plätze gestaltet sein werden. Im Jahre 2020 steht nicht nur ein Mann mit Rollwagen, - wie heißen die Dinger noch mal, doch nicht Petstroller? Na, egal, wir waren im Jahr 2020, dann heißen die vielleicht ganz anders. Also, dann steht nicht nur einer mit seinem Schiebekärrchen hinter dir und kann nicht weiter, dann stehen in der Stadt Hunderte herum. In jedem Fall brauchen wir dann breitere Bürgersteige und Rampen an allen Eingängen. Selbstverständlich werden die Kopfsteinpflasterpassagen dann mit Rollbahnen durchzogen sein oder gar ganz weichen müssen. Weißt du, und darum sitze ich zur Zeit noch so gerne am Münsterplatz. Solange noch die akrobatischen Hochhackigen über das Kopfsteinpflaster klackern.

Guten Abend
(Das ist ein Trochäus)
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Plausch mit Frau Nettesheim - Beinah vergessen

trithemius & Frau NettesheimTrithemius
Fast hätte ich vergessen, dass heute Weltalzheimertag ist, Frau Wermelskirchen.

Frau Nettesheim
Nettesheim.

Trithemius
Ach so, und wer bin dann ich?

Frau Nettesheim
Damit macht man keine Witze, Trithemius, zumal Sie im Glashaus sitzen.

Trithemius
Und ich dachte, das hier ist das Teppichhaus.

Frau Nettesheim
Wenn ich mir angucke, was gestern im Schaufenster lag, dann könnte es auch ein Schuhladen sein.

Trithemius
Hätte ich beinah vergessen.

Frau Nettesheim
Was?

Trithemius
Na, Lurchi zu bloggen. Ich hatte es vorgestern angekündigt und dann wieder vergessen, bummelte durch die Stadt und überlegte, ob ich einen Abendbummel schreiben sollte und worüber. Und hätte mich nicht eine gute Blogfreundin daran erinnert, wäre ich wegen Lurchi wortbrüchig geworden.

Frau Nettesheim
Wortbrüchig wegen Lurchi? Hihi. Einer wie Sie sollte sich mit Ankündigungen eben zurückhalten.

Trithemius
Ja, zumal es deutlich weniger Spaß macht, eine Ankündigung in die Tat umzusetzen. Die Ankündigung eines Vorhabens verändert die Motivationslage. Dann ist man denen gegenüber in der Pflicht, die von der Ankündigung wissen.

Frau Nettesheim
Und da Sie sich nicht gerne in die Pflicht nehmen lassen, verlieren Sie die Lust. Folglich hatten Sie Lurchi nicht vergessen, sondern verdrängt.

Trithemius
Möglich, doch ich bin der Ansicht, dass sich der Mensch in erster Linie selbst in die Pflicht nehmen sollte. So vermeidet er die ständig drohende Fremdbestimmung. Eine Arbeit, die ich mir selbst auferlege, macht viel mehr Freude. Wirklich, Frau Nettesheim, als ich leichtfertig mein Vorhaben ankündigte, war ich noch voller Tatendrang, und vor allem wusste ich, warum ich eine Lurchi-Bildgeschichte vertonen wollte. Das war fast weg, als ich die Bildgeschichte fürs Blog layoutet und dann vertont habe.

Frau Nettesheim
An einigen Stellen Ihres Vortrags klingt eine gewisse Gleichgültigkeit an.

Trithemius
Das interpretieren Sie jetzt hinein, Frau, äh, Nettesheim, weil ich Ihnen innere Vorgänge offenbart habe. Denn mit dem Tun kam auch die Lust am Tun zurück, wenn auch nicht mit der Frische, die ich sonst verspüre.

Frau Nettesheim
Sie haben den Unterschied zwischen intrinsischer und extrinsischer Motivation erlebt.

Trithemius
Intrinsische Motivation ist das Geheimnis guter Arbeit. Auch das Blog sollte man in erster Linie zum eigenen Vergnügen betreiben. Man muss die Sachen so machen, wie man sie gerne lesen würde. Wenn man zusätzlich positive Rückmeldung von anderen bekommt, dann ist das erfreulich. Bleibt sie jedoch aus, ist’s auch nicht schlimm, denn man hat sich schon selbst eine Freude gemacht. Mit anderen Worten: Jedermann sein eignes Publikum.

Frau Nettesheim
Eine Erkenntnis dank Lurchi.

Trithemius
Lange schallt’s im Laden noch,
Salamander lebe ... schade, jetzt habe ich den Reim vergessen.
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