Ein Ackermann ist immer dabei

„Olympia ohne Ackermann“, titelt die Tageschau. Das ist ja wohl eine Ente. Warum sollte Ackermann nicht zu den Olympischen Winterspielen nach Vancouver fliegen? Schließlich war er auch bei den Sommerspielen in Peking. Dr. Josef Ackermann ist schon seit 2002 Mitglied im 14-köpfigen Stiftungsrat der Stiftung Deutsche Sporthilfe. Sportler kommen und gehen, dürfen mal mit, mal müssen sie zu Hause bleiben. Aber die wirklich wichtigen Köpfe werden zu den Olympischen Spielen immer eingeladen und amüsieren sich, wann sie wollen, in der VIP-Lounge. Geld und Leistungssport sind nämlich so unzertrennlich wie Dick und Doof.
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Unwörter, Untiere & schwer zu kriegende Teilchen

Was ist eigentlich Sprachwissenschaft und wozu ist sie gut? Wozu sie nicht gut ist, das kann man hier schon nachlesen. Derweil kann ich eine private Angelegenheit klären:

Böse Zungen haben nämlich behauptet, ich hätte die Teppichhaus-Cafeteria geschlossen, weil sie betriebsratsverseucht war. Darüber kann ich nur lachen. Das Wort kenne ich nicht mal. Und wer etwas anderes verlauten lässt von den Teppichhausmitarbeitern, fliegt raus, hundertprozentig. Das mir völlig unbekannte Wort war sowieso nur in Baumärkten zu haben. Da lag es nicht etwa im Regal, nicht mal unter der Ladentheke, sondern man musste mit einem Abgesandten der Baumarkt-Konzernzentrale in ein Kabuff gehen, und da, Aug in Aug, da hat er es eventuell mitgeteilt, dir ins Ohr geraunt, wenn du zufällig ein Baumarkt-Filialleiter bist. Denn „betriebsratsverseucht“ ist ein böses Wort, geradezu ein Unwort, viel schlimmer als „Arsch“, „Scheißdreck“ oder „Kopfwichser“. "Betriebsratverseucht" ist quasi ein hundsgemeines Baumarkt-Kabuff-Geheimwort.

Ja, verflucht, ich hatte immer gedacht, so ein Abgesandter einer Konzernzentrale geht mit dem Filialleiter in sein Kabuff, zieht die Tür zu und sagt: „Was? Hier gibt es einen Scheißbetriebsrat? Schmeiß die Rädelsführer raus, aber pronto!“ Das war aber total falsch. Der Abgesandte im feinen Zwirn sagt: „Was? Der Scheißladen hier ist betriebsratverseucht? Schmeiß die Rädelsführer raus, aber pronto!“

Diese schlimme Wahrheit verdanken wir den Damen und Herren Sprachwissenschaftlern Horst Schlosser, Margot Heinemann, Nina Janich und Martin Wengeler. Sie haben das Wort „betriebsratsverseucht“ ans Licht gezerrt und stracks zum Unwort des Jahres 2009 gekürt. Wie jedes Kind weiß, ist es die Aufgabe der Sprachwissenschaft, die Wörter des Sprachgebrauchs in gut und böse einzuteilen, und einmal im Jahr nehmen sie eines vor und machen es zur Sau. Die deutsche Sprache braucht eben harte Zucht, und wenn sie sich erfrecht, eine dreckige Geisteshaltung genau zu bezeichnen, dann gibt’s was um die Ohren. Nur dann lernt die Sprache, sich feiner auszudrücken.

So geht echte Wissenschaft. Wieso haben uns eigentlich die Mathematiker noch nicht die verflixte "Unzahl des Jahres" ausgerechnet? Auch die Biologen sollen sich nicht länger zieren und das "Untier des Jahres" platthauen. Und wenn Ranga Yogeshwar im gewagten Selbstversuch das "Scheiße-schwer-zu-kriegende-Teilchen des Jahres" einfängt, ja, das wär doch mal Teilchenphysik, wie sie im Buche steht.
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Und heimlich lacht die Peitschenlady

Der folgende Text ist spekulativ, denn die wahren Hintergründe und Abläufe entziehen sich der Überprüfung. Derzeit rauscht der FDP/CSU-Spendenskandal durch den Blätterwald. Den Herbst über hatte die Presse keinen Sinn darin zu sehen vermocht, warum die FDP bei den Koalitionsverhandlungen eine Senkung der Mehrwertsteuer für Hotels von 19 auf sieben Prozent verlangt hatte, inzwischen festgeschrieben im Wachstumsbeschleunigungsgesetz. Am 1. Januar 2010 trat das Gesetz in Kraft, und quasi über Nacht hat der SPIEGEL nun den Grund dafür gefunden: die Millionenspende des Milliardärs August Baron von Finck an die FDP. Spätestens heute sind beinah alle Zeitungen auf den Zug aufgesprungen, denn ja, man schreibt am liebsten voneinander ab.

Am vergangenen
Sonntag las ich die Vorabmeldung auf der Homepage der ARD-Tagesschau. Darauf informierte ich mich bei Wikipedia über den spendablen Baron. Zu meinem Erstaunen verwies man dort auf einen Artikel im Stern vom 17. Juni 2009: „Milliardär Finck spült viel Geld in die Kassen der FDP“. Fincks Parteispenden an FDP und CSU waren also schon im Juni 2009 offenbar, und ebenso war bekannt, dass von Finck Miteigentümer der Mövenpickgruppe ist, der unter anderem 14 Hotels gehören.

Warum hat sich keine Redaktion an den Stern-Artikel erinnert, als die FDP ihr Wachstumsbeschleunigungsgesetz präsentierte? Waren sämtliche Zeitungsschreiber den Herbst über von einem kollektiven Gedächtnisschwund befallen, so dass sie nichts weiter zu präsentieren wussten als ratloses Kopfkratzen? Es kam wohl auf den richtigen Zeitpunkt an, und der war gekommen, nachdem das absurde Gesetz in Kraft getreten war. Das wirft ein schlechtes Licht auf die angebliche Wächterfunktion unserer Medien. Was hilft’s, die offene Stalltür anzuprangern, wenn die Kuh bereits entflohen ist? Etwa eine Milliarde Euro jährlich kostet das Gesetz den Steuerzahler. Jetzt empört sich Antje Sirleschtov im TAGESSPIEGEL: „Chapeau, Ihr Lobbyisten: effiziente Arbeit. FDP-Politiker hingegen sollten beim Thema Politikverdrossenheit in nächster Zeit tunlichst den Mund halten.“ Auch die Opposition ist inzwischen wach geworden:

„Der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Joachim Poß, erklärte: „Jetzt wird transparent, was man erwarten konnte. CSU und FDP sind in den vergangenen Jahren offensichtlich zu reinen Lobbyvereinen degeneriert.“ Die FDP mache sich den Staat zur Beute, kritisierte die Grünen-Fraktionsvorsitzende Renate Künast: „Jetzt ist offenbar Zahltag: Auf der einen Seite wird die Mehrwertsteuer für Hotels reduziert, auf der anderen Seite erhält die FDP eine Millionenspende aus der Branche.“ (dpa)

Mich überkommt nicht nur die große Politikverdrossenheit angesichts einer schamlos agierenden FDP, sondern auch wegen einer verschnarchten Opposition, die erst aus der Zeitung erfährt, was die FDP so treibt. Und vor allem frage ich mich, wer denn Presse und Opposition genau jetzt aus dem Winterschlaf geschreckt hat. Qui bono? Wem nutzt es? In jedem Fall hat Bundeskanzlerin Angela Merkel Grund zur Freude. FDP und CSU hatten ihr in den letzten Wochen auf der Nase herumgetanzt mit nicht finanzierbaren Steuersenkungsplänen. Und da ist plötzlich „schwarz-gelber Winterfriede“ eingekehrt. Winterfriede, das heißt: Westerwelle und Seehofer kuschen, denn Frau Merkel hat ihnen mit Hilfe der willfährigen Presse die neunschwänzige Katze gezeigt. Er hier weiß sogar, wie die schmeckt.

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Die Killer-Blondinen kommen nicht - sie sind schon da

Eigentlich hätten wir auch darauf kommen können, was eine Studie der University of California belegt. Blondinen sollen aggressiver sein als andere Frauen und sich stärker für die Wahrung eigener Interessen einsetzen. Der an der Studie beteiligte Psychologe Aaron Sell behauptet, er sei von dem Ergebnis selbst überrascht.

Auf den ersten Blick scheint der Erkenntniswert der Untersuchung gering. Schon 2006 meldete die Süddeutsche Zeitung, der Genpool der Blondinen sei im Schwinden begriffen. In etwa 200 Jahre wären die Naturblondinen ausgestorben. Demnach wäre es bald aus mit der Vormachtsstellung der Blondinen und ihrem verbissenen Karrierestreben. Doch leider: Nach Aaron Sell gilt der Befund auch für gefärbte Blondinen.

Vielleicht knallen auf den Vorstandsetagen der Kosmetikindustrie bereits die Sektkorken. Das überraschend günstige Ergebnis der Studie verheißt einen reißenden Absatz von Blondierungsmitteln. Aber die Auftraggeber der Studie Herren schießen sich ins eigene Knie. Schon jetzt rütteln aggressive Blondinen an den Vorstandssitzen und wollen selber Schampus saufen. Wir Deutschen können ein trauriges Lied davon singen. Wir haben bereits sie und sie und auch noch sie.
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FDP, you make my day

Aus dem süßesten Mittagsschlaf erwacht, wusste ich zuerst gar nicht, woher mich die gute Laune angeflogen hatte. Natürlich hätte ich Grund gehabt, mich über die Konstanz meiner Existenz zu freuen, da ich in meinem eigenen Kopf erwachte und nicht etwa in dem von Kai Diekmann, Kerner oder Beckmann. Eine ganze Weile lag ich noch da und verlängerte im Geist die Liste der Figuren, in deren Kopf ich keinesfalls erwachen wollte. Dieses Spiel ist nicht ungefährlich, denn eine solche Liste hat die Eigenart, immer schmuddeliger zu werden. Man muss die Reihe von unangenehmen Figuren beizeiten beschließen, weit vor nervenden Comedians wie Hans-Olaf Henkel, Hans-Werner Sinn oder Atze Schröder. So kommt man freilich niemals dazu, sich an Leuten wie August Baron von Finck junior zu erbauen.

Wenn August Baron von Finck junior aus einem Mittagsschlaf erwacht, dann gilt sein erster Gedanke natürlich nicht der Liste der Köpfe, in denen er nicht erwachen möchte, sondern seinem Milliarden-Vermögen und dem Umstand, dass es sich per Übernachtung zu vermehren pflegt, was ihn, nebenbei, beinah langweilt, weil’s jeden Tag so ist.

Heute könnte sich August Baron von Finck allerdings köstlich amüsieren. Der SPIEGEL meldet die höchste Parteispende in der Geschichte der FDP. Im Jahr 2009 haben die Freien Demokraten eine gestückelte Parteispende von insgesamt 1,1 Millionen Euro eingestrichen, gespendet von August Baron von Finck, genauer, von seiner Düsseldorfer Substantia AG, Miteigentümerin der Mövenpick-Gruppe, die in Deutschland 14 Hotels betreibt.

Bekanntlich hatte die FDP in den Koalitionsverhandlungen eine Senkung des Mehrwertsteuersatzes auf Hotel-Übernachtungen von 19 auf sieben Prozent durchgesetzt. Und dieses Finck-Vermögens-Wachstumsbeschleunigungsgesetz ist just zum 1. Januar 2010 in Kraft getreten.

Jeder Geschäftsmann weiß, das Geld wird im Einkauf verdient. Daher hat August Baron von Finck allen Grund zu Freude, dass die FDP und mithin die ganze Bundesregierung für ein Trinkgeld zu haben war. Aber das Beste daran: August Baron von Finck hat uns allen gezeigt, von welch spottbilligen Marionetten wir regiert werden und an wessen Strippen sie hängen.

Vielen Dank, Herr Baron, das ist dAdA!

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Schweine im Schnee - wir weinen

Auf Höhe der Tierärztlichen Hochschule Hannover riecht es nach Schweinestall. Da habe ich mich schon gefragt, was man dort mit den armen Schweinen alles anstellt. Graben sie etwa betäubte Schweine bis zum Hals im Schneematsch ein, um herauszufinden, wie sich das garstige Gemisch aus tauendem Schnee und Streusalz auf Lederschuhe auswirkt? Oder schießen sie für die Bundeswehr mit Maschinengewehren auf betäubte Sauhaufen, damit Militärärzte die Versorgung großer Fleischwunden üben können?

Etwa im Jahr 1978 mokierte sich die Hochschulzeitschrift Aachener Prisma über den Titel einer Doktorarbeit: „Der Einfluss eines Dauerlaufs auf die Atemfrequenz des galoppierenden Schweins“ – Die Frage hatte sich bislang kaum jemand gestellt, weshalb der Titel der Doktorarbeit als Kuriosum galt. Doch bei der späteren Automatisierung der Schlachthäuser wird man auf die visionäre Studie dankbar zurückgegriffen haben. Wie schnell kann man Schweine aus einem Pferch zum Betäuben jagen, ohne dass eines davon einen Herzinfarkt erleidet und den Zustrom von galoppierendem Frischfleisch behindert?

Im Jahr 2009 galoppierten in Deutschland etwa 20 Millionen Mastschweine zur Schlachtbank, weil der Deutsche Wurst, Kotelett oder Gekröse auf dem Teller haben will, manchmal sogar in XXL-Portionen. Natürlich werden die Schweine in modernen Schlachthöfen „human“ getötet, zuerst begast und im bewusstlosen Zustand geschlachtet und zerhauen. Wenn sie erst einmal in ihre Eintelteile zerlegt und hübsch abgepackt im Supermarkt liegen, muss man gar nicht mehr an die Voraussetzungen der modernen Fleischproduktion denken, ans aufgeregte Galoppieren, ans ängstliche Quieken, an die Zuckungen nackter Flanken, wenn eine stoische Abstechmaschine die Halsschlagader öffnet und das Blut sprudeln lässt.

Heute ereifert sich die Münchner Abendzeitung:

Schweine-im-Schnee
„Schweine als Lawinenopfer – Perverses Experiment gestoppt“

Mal angenommen, über einem Alpendorf geht eine Lawine runter. Man wird dort gewiss auch Schweine vermuten können, zumindest in Ställen. Wären diese Schweine etwa keine Lawinenopfer? Dann ist es doch gut zu wissen, wie der Bauer an seinen geretteten Schweinen die Mund-zu-Mund-Beatmung machen muss, damit sie noch was taugen für den Schlachthof. Weiterhin angenommen, die Redakteure der Abendzeitung wären selbst Schweine und sie dürften wählen zwischen zwei Todesarten, würden sie lieber betäubt im Schnee erfrieren, sanft und süß in den Schweinehimmel aufsteigen oder etwa den Tod im Schlachthaus wählen, mit der Aussicht, von fettigen Mäulern gefressen zu werden?

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Staunet und seid stumm - Die Geburt des Rundfunks auf hoher See

Heute meldete der flämische Radiosender Studio Brussel, genau vor 100 Jahren habe die erste Radiosendung stattgefunden. Am 13. Januar 1910 konnten die New Yorker über Radioempfänger eine Aufführung des Metropolitan Opera House hören.

Über die Geburtsstunde des Rundfunks in Amerika schreibt hingegen
Kurt Seeberger (Der Rundfunk; in: Stammler, Wolfgang; Deutsche Philologie im Aufriss, Band III, Berlin 1957, Sp. 666.):

"Einige Küstenschiffe an der Atlantikküste Amerikas waren 1906 mit neuen Funkgeräten ausgerüstet worden. Die Funker in den Kabinen lauschten an jenem Abend auf die üblichen Signale und Zeichen, als im Kopfhörer plötzlich die Stimme eines Mannes erklang. Dann hörte man eine Violine, hierauf wieder die Stimme des Mannes. Niemand hatte auf den Schiffen je so etwas gehört. Die Funker meldeten ihre Beobachtungen nach der neuen Station für drahtlose Telegraphie in Brant Rock (Mass.) Dort hatten sich unter Leitung von Professor Reginald Aubrey Fessenden einige Wissenschaftler zu einem Experiment versammelt.

Professor Fessenden berichtete später darüber: 'Das Programm am Weihnachtsabend war folgendermaßen: zuerst eine kurze Ansprache von mir, wobei ich sagte, was wir vorhatten, dann etwas Phonographenmusik - das Largo von Händel. Dann spielte ich ein Violin-Solo, und zwar die Komposition 'Heilige Nacht' von Gounod, die mit den Worten endet 'Staunet und seid stumm'. Ich sang einen Vers und spielte Violine dazu, weil mir das Singen nicht recht gelang. Dann kam der Bibeltext 'Ehre sei Gott in der Höhe'. Wir schlossen dann damit, dass wir ihnen 'Frohe Weihnachten' wünschten und ihnen sagten, dass wir vorhätten, am Neujahrsabend wieder zu senden.'"

Kurt Seebergers Schilderung der ersten Hörfunksendung zeigt bereits die Höhen und Tiefen des jungen Mediums. Fessendens ausgefeiltes Programm ist die Matrix für alles Kommende. Er bot einen Wechsel zwischen Musik- und Wortbeitrag sowie Live- und Konservenmusik. Geradezu programmatisch war Fessendens inhaltliche Musikauswahl: „Staunet und seid stumm“; der Titel legt die Rollen fest. Radio wird nicht als wechselseitiges Medium präsentiert, sondern als Einkanalmedium. Einige wenige senden ein Programm, und die Hörer an den Radiogeräten lauschen stumm und staunend. Sie haben weder einen Einfluss auf die Programmmacher noch auf deren willkürliche Themenwahl.

Die Reaktion der Funker zeigt deutlich, dass sie sich noch an die Rolle des stummen Empfängers gewöhnen mussten. Inzwischen wissen wir, dass wir nach dem Anhören einer Radiosendung nicht beim Sender anrufen müssen, um den Empfang zu bestätigen.

Auf der anderen Seite zeigt die Schilderung des Hörerlebnisses durch die ersten Rezipienten bereits die Schwäche des flüchtigen Mediums, die ja später noch vom Fernsehen übertroffen wird. Von dem vielfältig entwickelten Programm geht dem Empfänger offenbar das meiste direkt verloren. Was von allem bleibt: Ein Mann hat gesprochen, dann hörte man eine Violine, dann sprach der Mann noch einmal.

Betrachtet man die Bildungsbemühungen der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten, vom Schulfernsehen über „Wissen macht Ah!“ bis „Quarks & Co“, müssten die Deutschen in den Jahren seit Bestehen der Bundesrepublik immer klüger geworden sein. Doch das meiste wird unmittelbar wieder vergessen. Denn über neues Wissen muss man sich austauschen können. Es müssen Rückfragen möglich sein, die möglichen Konsequenzen erörtert werden usw., damit sich jemand Neues wirklich aneignen kann. Hinsichtlich seiner Bildungsfunktion ist der Rundfunk demnach eine Fehlkonstruktion. Man hätte ihn von Anfang an wechselseitig organisieren müssen, wäre die Bildungsabsicht ernst gemeint.

Auditive und audiovisuelle Einkanalmedien wie Radio und Fernsehen sind in erster Linie Zerstreuungsinstrumente. Wissen kommt aus ihnen wie aus Gießkannen, und es ist nicht zu kontrollieren, welches Köpfchen von welchem Tröpfchen getroffen wurde und wie rasch es trocknet. Es kann ein Zuschauer dem Tagesschausprecher zuhören und am Ende nur noch wissen, welche Krawatte er getragen hat. Auch Ranga Yogeshwars zierliches Kopfwackeln bleibt nachhaltiger in Erinnerung als das jeweilige Thema seiner Sendung Quarks & Co..

Seid stummTante, Tante, da ist ein Mensch im Schrank!
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Mein surrealer Alltag (9) - Winterlied



Mein surrealer Alltag 8
Mein surrealer Alltag 1-7
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