Vor einem Jahr - Mit dEUS in den Vorfrühling



Hannover zwischen Leine und Maschsee, vom Fahrrad aus gesehen.
Viel Vergnügen! (Nach Start bitte 480p anklicken, sieht besser aus)
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Orbs verschmähen modische Krawatten

Vorsorglich bitte ich um Entschuldigung, wenn ich den geneigten Leser an einen kalten Winterabend im Jahre 2008 entführe. Ja, muss das denn sein, haben wir nicht die Nase voll von Dunkelheit und Kälte? Könnte der Autor nicht ein bisschen dichterische Freiheit walten lassen und seinen Bericht an einen lauen Frühlingsabend verlegen? Leider nicht, denn bei der Sache ist absolute Wahrhaftigkeit erforderlich. Wir brauchen sicheren Grund; die Fakten müssen stimmen, sonst verlieren wir uns Hand in Hand im Spekulativen.

Es ist also dunkel und nicht wirklich kalt, sondern saukalt. Eisiger Dunst hängt in der Luft. Ich atme in meinen Schal und schreite wacker aus, denn ich will meine neue Digitalkamera ausprobieren. Vor mir ragte der riesige Klotz der ehemaligen Hanomag-Fabrik in den Nachthimmel. Vom Baumarkt drüben fällt ein wenig Licht auf die Front, das spiegelt sich in den matten Fenstern. Bin gespannt, ob meine Kamera das einzufangen versteht. Die ersten Versuche sind enttäuschend, das kann ich sogar ohne Brille auf dem Display sehen. Ob der Blitz bis zum Gebäude reicht? Das tut er nicht. Stattdessen zeigt das Foto unzählige Schneeflocken. Ich vergleiche das Bild auf dem Display mit der Wirklichkeit, aber da ist kein Schnee, nicht ein Flöckchen fällt aus dem eisigen Himmel. Auch das Säubern der Linse hilft nicht. Sobald ich blitze, tauchen die Flocken auf. Meine neue Kamera muss eine Flockenmacke haben, denke ich und mache auf dem Nachhauseweg noch ein paar Mackenbilder.

Zurück in die Gegenwart. Am vergangenen Sonntag bekam ich eine E-Mail von Jeremias Coster, dem Professor für Pataphysik an der Technischen Hochschule Aachen. Coster fragte mich, ob ich schon einmal von Orbs gehört hätte. Er sei ganz begeistert von diesen geisterhaften Erscheinungen. Die Allwissende Maschine Internet klärte mich auf. Orbs sind seltsame Lichtflecken auf Digitalfotos. Und ich las hier und hier, das Orb-Phänomen werde schon längst von Grenzwissenschaftlern und Kornkreisforschern untersucht, denn Orbs sind vielleicht oder sogar höchstwahrscheinlich, zumindest aber eventuell verirrte Geister aus der Zwischenwelt, ggf. sogar die astralen Ausscheidungen von Engeln.

orbs02

Als Skeptiker schrecke ich sogleich zurück, wenn es heißt, eine Sache werde in Korntrinkerkreisen erforscht. Von Coster weiß ich allerdings, dass er sich an die Fastenzeit hält und derzeit dem Alkohol entsagt. Ich rief ihn also an und fragte ihn, was er von diesen Theorien hält. „Ich bin völlig überzeugt, dass Orbs die Abbilder von Engeln sind!“, sagte Coster. Er habe sie sogar auf Fotos von Familienfesten entdeckt. Das erlaube nur einen Schluss, ja, beweise zwingend: „Die Verstorbenen wollen mit ihren Lieben feiern.“

Ratlos legte ich den Hörer auf. Wie zum Teufel gießen die feiernden Engel sich die geistigen Getränke hinter die Binde, wenn sie gar keine haben?
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Mein surrealer Alltag (11) - Fieberschübe

Nachts drehe ich mich von einer Seite auf die andere, alle Knochen schmerzen, die Augen brennen, und mein Brustkorb ist wie ein Zwinger, in dem ein vernachlässigter Hofhund hockt. Der gibt und gibt keine Ruhe. Immer wieder und ohne Anlass bellt er mich lang und ausdauernd an. Erzähle mir keiner, dass bellende Hunde nicht beißen. Der hier wütet in seinem Käfig wie Sau, verbeißt sich in meiner Brust und reißt mir wie toll am Rippenfell. Nicht auszudenken, wenn das Untier die Gitterstäbe knackst und sich befreit. Vor einigen Jahren ist's beinah passiert. Da erlitt ich eine Hustenfraktur. Bis dahin kannte ich das Wort nicht mal, und auch mein Orthopäde sagte, er nehme es nur selten in den Mund. Um eine erneute Hustenfraktur zu verhindern, verspannt sich alles, auch mein armer Bauch, was mir wiederum einen ordentlichen Muskelkater beschert. Schon jetzt zeigt mir der Spiegel einen erfreulichen Nebeneffekt. Nicht mehr lange und ich habe den Waschbrettbauch, für den andere wochenlang ins Fitnessstudio gehen, einfach so herbeigehustet.

Und ach, der Berührungsschmerz der Haut, - sogar in den Wurzeln meiner Brustbehaarung sind kleine böse Geister erwacht, um sich einzureihen in die Schar meiner Peiniger. Was soll das, ungetreues Pack? Es schickt sich nicht, den eigenen Wirt zu quälen. Ich habe den Haaren schon angedroht, sie vor die Tür zu setzen, sie zu rupfen oder auszureißen, wenn sie sich nicht benehmen. „Man kann auch einen Bären zanken!“, habe ich gesagt. Aber es schert sie nicht. Entweder haben sie meine trichotillomanische Drohung nicht verstanden oder sie haben mich nicht ernst genommen, weil ich einfach zu schwach und hinfällig wirke, unfähig, eine grobe Gewalttat zu vollbringen.

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Wie beim Schüttelfrost die Eiseskälte in Gluthitze übergeht, das ist recht unterhaltsam. Schon immer haben mich Unwetter fasziniert. Die unbändige Kraft der Natur lässt einen erbeben. Es gibt wie im Auge des Orkans auch hier einen Ort der Ruhe, einen Augenblick des Behagens, wenn man sich nämlich gerade warm gezittert hat, wenn das Zähneklappern langsam verebbt. Doch dann wird von irgendwo „Zugabe!“ gerufen und „Heizt den Kessel kräftig ein!“ „Bitte keine Verschwendung der Ressourcen!“, will ich noch einwenden, doch ich bin einfach zu schwach, die durchgeknallten Heizer aufzuhalten. Der Holzstapel hinterm Haus hätte für einen ganzen langen Winter gereicht, jetzt jagen sie ihn in einer Nacht durch den Kamin.

Wenn das
Ofenrohr brennt, wenn die Silberbronze leise knisternd Blasen treibt, um Plättchen für Plättchen abzuplatzen, dann geht es in meinem Kopf ziemlich drollig zu. So glaubte ich vor zwei Nächten, meine Adern und Venen, mein gesamter Kreislauf wäre das Hannöversche U-Bahn-Netz. Schon stand ich an einem Bahnsteig, wollte meinen Besitz inspizieren und mich vom ordnungsgemäßen Ablauf des U-Bahnverkehrs überzeugen. Die Bahn rollte heran und war zu meinem Erstaunen völlig überfüllt. Man ließ mich freilich bereitwillig ein, die im Gang Stehenden rückten geflissentlich zur Seite und machten ein Gasse auf. Alle Blicke wandten sich dem hinteren Ende zu. Im hellen Licht saß da beim Fenster eine attraktive Frau, und neben ihr war ein Platz für mich reserviert. Stumm komplimentierte man mich hin, und wie ich näher komme, ist’s die ehemalige Bischöfin Käßmann. Sie legte mir, sobald ich saß, sogleich ihre kühlende Hand auf die Stirn. Da sagte ich: „Danke, Frau Käßmann, jetzt können wir endlich in den Frühling fahren.“ Das war natürlich Unsinn, denn wenn man mit einer U-Bahn durch das System meiner Adern und Venen fährt, sieht man vom Frühling so gut wie gar nichts.

Solche Fieberphantasien sind, genau besehen, nicht weit entfernt von den realen Abläufen in der Welt, sollten sie denn wirklich so sein, wie sie das Fernsehen spiegelt. Würden meine Fieberfantasien über Nacht mit dem Mediengeschehen vertauscht, keiner tät’s merken. Einmal habe ich aus Not und um mich abzulenken mehrere Stunden ferngesehen. Manche tun sich das täglich an und sogar nachts. Es ist eines der großen Mysterien des Lebens, warum sie nicht irgendwann schreiend aus dem Haus laufen.
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Erneuter Scheckschwindel - Westerwelles Millionen

Westerwelles Millionen

Schon wieder hat Teppichhaus-Volontär Hanno P. Schmock einen Riesen-Scheck-Schwindel enttarnt: Diesmal traf es den ehrenwerten FDP-Chef Guido Westerwelle und Hochwohlgeboren August Baron von Finck (Mövenpick). Aber was stimmt hier nicht? Die unverschämte Fotomontage ist der billige Abklatsch einer berühmten Collage des Dadaisten John Heartfield. Bitte klicken und treten Sie dAdA rein.

Lesetipp zum Thema: Raumgewinner
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Ein Rheinländer in Hannover (1) – "Da nicht für!"

Hannoveraner sind höfliche Leute. Wenn dir in der Dunkelheit auf dem Bürgersteig eine Rotte Halbwüchsiger entgegenkommt, selbst dann musst du nicht vorsorglich die Straßenseite wechseln; sie stoppen ihre wüsten Gesten, belästigen dich nicht mit harten Worten, sondern verstummen, indem sie dir artig Platz machen. Eines Abends wollte ich verschneite Autos fotografieren. Auf dem Gehweg war nur ein schmaler Streifen geräumt. Da kam eine dunkle Gestalt mir entgegen und verharrte geduldig in der Kälte, bis ich mein Foto geknipst hatte. Ich sagte: „Dankeschön!“, aber die Gestalt sagte wegwerfend: „Ach! Da nicht für!“

Hannoveraner sind
freundlich, aber man kann es ihnen nicht wirklich recht machen. Du bist eingeladen, bedankst dich geflissentlich, und was kriegst du zu hören? „Da nicht für!“ Sofort hast du ein schlechtes Gewissen. Hätte man sich für etwas anderes bedanken müssen, für eine riesige, weltbewegende Sache, die einem zuteil wurde, aber man hat’s nicht gemerkt, ist einfach zu blöd?

„Da nicht für!“, nuschelte gestern einer der Moderatoren beim Poetry-Slam im Hannöverschen Kulturzentrum Faust in sein Mikrophon. Es hat mich beruhigt, dass auch Hannoveraner sich gegenseitig keinen Dank gönnen. Leider weiß ich nicht, was der Anlass für „Da nicht für!“ war, denn die Moderatoren Jan Egge Sedelies und Henning Chadde redeten unentwegt durcheinander. „Dankeschön, dass ich nix verstanden habe.“ „Ach, da nicht für!“ Thema des Slams war an diesem Abend was? „Hannover“. Neun Slammer traten an, und die meisten gaben sich redliche Mühe, die Stadt in den Dreck zu ziehen, was mich als Neubürger ziemlich verunsicherte. Sollte ich am Ende einen Knick in der Optik haben und Schönheit sehen, wo nur Beton ist? Schließlich befleißige ich mich, die Stadt in den höchsten Tönen zu loben, wann immer einer wissen will, warum ich ausgerechnet von Aachen nach Hannover und so.

Rathaus Hannover

Ja, Hannover hat auch Beton. In den 60er und 70er Jahren des letzten Jahrhunderts liebte man den architektonischen Stil des Brutalismus. Inzwischen wollen die Stadtväter den Beton aber loswerden, weshalb es in Hannover viele hartnäckige Baustellen gibt. An Beton hat sich eben schon mancher Bagger die Zähne ausgebissen. Bevor man mich rügt: Ich weiß, es gibt auch Stadtmütter, aber das zarte Geschlecht hatte es nie mit Beton, ausgenommen vielleicht Ursula von der Leyen. An ihre brutalistische Betonfrisur lässt sie keinen Abrissbagger, was wiederum beweist, wie sehr die Architektur die Menschen prägt und manchmal sogar härtet.

Zugegeben, das alles ist abschreckend, aber was hat beispielsweise Wanne-Eickel zu bieten? Doch offenbar nicht viel, aber hätte jemals einer aus Wanne den Beton seiner Stadt verflucht? Nein, der guckt einfach in den Himmel und besingt den Mond. Und sag mal leichthin, in Bielefeld wäre das Wegfahren am schönsten, dann kannst du dich aber warm anziehen. Monatelang haben mich Bielefelder deswegen beschimpft, und manche konnten sogar beinahe Hochdeutsch.

Es war voll im Faust, und wer zu spät kam, musste am Rand stehen. Zuletzt kam eine Blondine, verschmähte den Rand, platzierte sich gut gelaunt mitten im Raum und verstellte etwa 25 Leuten die Sicht auf die Bühne. Immerhin, wenn sie eitel mit dem Kopf wackelte, konnte ich durch ihre Haare gucken. In der Pause stand ich draußen bei den Rauchern. Da sagte einer: „Ich sehe nur den Rücken von so einer blöden Blondine im weißen T-Shirt.“ Darüber habe ich mich doch gewundert. Wenn er gleich hinter ihr saß, warum hat er sie nicht ermahnt? Das ist typisch für Hannoveraner; sie ertragen selbst Unverschämtheiten geduldig und murren nur, wenn sie glauben, unter sich zu sein.

Sinnbildhaft für diesen Untertanengeist ist eine wunderliche Sitte. Auf dem Bahnhofplatz steht das Reiterstandbild von König Ernst August I. Wenn sich Hannoveraner verabreden, dann am liebsten „Unter dem Schwanz“ seines Pferdes. Offenbar gefällt ihnen die Vorstellung, sich vom königlichen Ross bekötteln zu lassen. Als Ernst August noch lebte, hat man die Köttel nämlich gesammelt, um sich im Winter die Hände daran zu wärmen. Wenn der König durch die Stadt ritt und sein Pferd kötteln ließ, dann jubelten seine Untertanen: „Gott schütze den König!“ Und Ernst August I. antwortete generös: „Ach, da nich für!“
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Gott schütze Merkel - wünscht Volontär Schmock

Die Chance, von einem Meteoriten erschlagen zu werden, ist recht gering, wohl aber könnte man einen dicken Eisbrocken auf den Kopf kriegen. Heute Mittag gehe ich nichts ahnend die Straße lang, da löst sich einer polternd vom hohen Dach, sauste nieder und zerplatzte direkt neben mir auf dem Bürgersteig. Du lieber Herr Gesangsverein, dachte ich, so ein dicker Eisklumpen kann jedem den Schädel zertrümmern. Der macht keinen Unterschied zwischen arm oder reich, schwach oder mächtig. Mal angenommen, Angela Merkel würde von einem verirrten Eisbrocken erschlagen, dann wäre Guido Westerwelle augenblicklich unser Bundeskanzler. Ich würde Merkel persönlich in den Schneematsch schubsen, um das zu verhindern.

Bei diesem Wetter zeigen sich die Großstädte von ihrer hässlichsten Seite. Sieben Wochen mindestens haben die Hunde in den Schnee geschissen, weil’s den Hundebesitzern einfach zu kalt war, weiter als drei Meter zu gehen. Jetzt tauen die Schneehaufen weg und geben ein Meer von zerlaufenen Hundehaufen frei. - Tut mir leid, Frau Merkel, meine Schuld ist’s nicht, ich habe ja gar keinen Hund. - Zweimal sogar habe ich Hundebesitzer ermahnt, und beide gaben mir die erstaunliche Auskunft: „Ich wohne ja selbst hier.“ Vermutlich urinieren sie auch guten Gewissens ins Bett, aber nur, wenn es ihr eigenes ist.

Ach, wie schön, dass Boris Becker sich nicht mehr in fremden Betten wälzen muss. Kaum hat seine Liebste entbunden, will er ihr schon ein neues Kind machen, aber nicht, weil ihm das erste nicht gefällt, sondern als Zeichen seiner großen Liebe. „Sobald Lilly signalisiert, dass sie dazu bereit ist, steh ich Gewehr bei Fuß“, sagte Becker der Zeitschrift „Bunte“. Meine Herren, mir ist nichts Menschliches fremd; manchen erregt es vielleicht, wenn er neben dem Bett die Hacken zusammen schlägt und einen Gewehrkolben in die Auslegeware rammt. Aber eins ist sicher: So wurde noch keine Frau schwanger.
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Knapp am Tod vorbei - gefährliche Textbetrachtung

Aus dem Regal eines Supermarktes fischte ich eine Einkaufsliste. Jemand hatte sie zu den Plastiktüten unter dem Förderband gestopft. Solche Zettel sind alltagsethnologische Dokumente, geben Auskunft über Einkaufs- und Orthographiegewohnheiten und über den Zustand unserer Handschrift. Dieser hier trägt auf der Rückseite eine rätselhafte Botschaft: „manche mögen es schon kennen wiederum die die es nicht kennen werden sich Tod lahen“.

Tod-lachen

Zunächst fällt die
radikale Kleinschreibung auf, die allein beim Wort „Tod“ aufgegeben wurde. Auch „Tod lahen“ entspricht nicht der herkömmlichen Orthographie, es müsste nach alter wie neuer Rechtschreibung „totlachen“ heißen. Die Sonderstellung von „Tod“ wirkt bedrohlich. Das fehlende „c“ bei lachen und der Verzicht auf Punkte und Kommata verleihen der Botschaft etwas Atemloses. Trotzdem wurden die Zeilen nicht rasch geschrieben, wie etwa unter einem erstickten Lachanfall, denn die hübschen Buchstaben sind bis zuletzt sauber ausgeführt.

Die Einkaufsliste auf der Vorderseite ist mit Bleistift geschrieben, die Rückseite mit Kugelschreiber. Beide Aufschriften sind also zu unterschiedlichen Zeiten entstanden. Demnach ist der Schreiber noch einkaufen gegangen, nachdem er die unfertige Ankündigung verfasst hatte, anders als jene „wiederum“, die „es“ schon kennen. Wenn die Prophezeiung des Textes stimmt, müssen sie sich bereits in den Tod gelacht haben, liegen vermutlich glucksend in der Kiste und kriegen sich nicht mehr ein. Darauf verweist das Präsens, denn sonst müsste es heißen: „Manche kannten es schon.“

Den Grund für
deren Lachtod teilt der Schreiber nicht mit. Man mag das bedauern, doch die Unterschlagung des Anlasses ist ganz offenbar eine notwendige Sicherheitsmaßnahme. Nicht einmal der Schreiber hat gewagt, sein Wissen zu Papier zu bringen, und das erklärt auch, warum er selbst noch "Lambrusko 9% Rotwein" nach Hause tragen konnte. O Mensch, verlange nicht, "es" zu erfahren.
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Kaffeeplausch mit Frau Nettesheim - Richtig Klauen

trithemius & Frau Nettesheim
Trithemius
Hallo, Frau Nettesheim, ich gucke jetzt zu Ihnen rüber!

Frau Nettesheim
Und warum kündigen Sie das an?

Trithemius
Ich wollte Sie nur vorwarnen. Am Ende erwische ich Sie, wie Sie gerade eine Büroklammer klauen, und dann, das können Sie sich denken, müsste ich Sie entlassen.

Frau Nettesheim
Weil ich eine Büroklammer in der Hand habe?

Trithemius
Nein, weil Sie sich haben erwischen lassen. Klauen will nämlich gekonnt sein, und ich vermute, da haben Sie zu wenig Übung.

Frau Nettesheim
Da vermuten Sie richtig.

Trithemius
Hm, das ist ein Fehler. Klauen ist eine Kulturtechnik.

Frau Nettesheim
Wer hat Ihnen denn diesen Floh ins Ohr gesetzt?

Trithemius
Rüdiger Schaper vom Berliner Tagesspiegel. Der hat zur Verteidigung von Fräulein Hegemann geschrieben: „Klauen ist kein Kulturbruch, sondern eine altbewährte Kulturtechnik.“

Frau Nettesheim
So wie Lesen, Schreiben und Rechnen?

Trithemius
Genau. Zuerst war ich auch ein wenig befremdet. Aber nach kurzem Überlegen habe ich einsehen müssen, der Mann hat Recht. Freilich muss man sich auf Kosten anderer bereichern, ohne den juristischen Tatbestand des Diebstahls zu erfüllen. Dann kann man seine Mitmenschen, ja, sogar ganze Gesellschaften nach Herzenslust ausrauben und genießt trotzdem hohes Ansehen.

Frau Nettesheim
Sie meinen: Richtiges Klauen will gelernt sein.

Trithemius
Das ist der Punkt. Unsere Schulen haben versagt. Klauen ist kein Schulfach, und es gibt auch keine Didaktik des Klauens. Dieses Feld wird bislang nur an Hochschulen und Eliteuniversitäten beackert, in der Wirtschaftswissenschaft und im BWL-Studium. Manche lernen das richtige Klauen freilich durch das gute Vorbild im Elternhaus, doch die breiten Massen, vor allem die unteren Schichten, sind klautechnisch völlig unterbemittelt. Sie haben nicht die geringste Klaukultur, sind quasi funktionale Klau-Analphabeten.

Frau Nettesheim
Das ist doch Unsinn. Ehrlich währt am längsten.

Trithemius
Sagen Sie mal, Frau Nettesheim, wenn Sie hinterm Mond leben, wozu brauchen Sie dann überhaupt eine Büroklammer?
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Danke.
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