Atom-Merkel

Atommerkel

Atom-Merkel ist eine passende Wortprägung, aber bei der Zusammensetzung von Atom & Merkel treffen zwei gleiche Konsonanten aufeinander. Stilistisch schöner wäre Atom-Ferkel.
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Die Ratten verlassen das sinkende Schiff

zirkus schlechten GeschmacksAnleger ziehen ihr Geld aus Japan ab. Zuletzt hat man sich an der Börse von Tokio noch für Bauwerte interessiert, denn es schien klar, dass Japan wieder aufgebaut werden muss. Inzwischen aber ist zu befürchten, dass die japanische Atomindustrie und ihre willfährigen Politiker das Land in die Steinzeit katapultieren. Wer wollte da noch gutes Geld hinterherwerfen.

Dass man Japan gerade jetzt in den Staatsbankrott treibt, folgt der Logik des Geldes. Die Staaten schicken Helfer, aber die Finanzwelt hintertreibt die Hilfe. Da kann auch das deutsche THW nichts machen. Ein Staatsbankrott Japans kann also nur von den Steuerzahlern verhindert werden. Das werden die Ackermänner schon bald fordern, damit die Banken, die japanische Schuldverschreibungen haben, keine Verluste machen. In diesem Sinne ist Japan natürlich auch systemrelevant.

Die japanische Katastrophe wird die Welt nicht nur in Sachen Atomenergie zum Umdenken zwingen. Es geht hier nicht nur um technisches Versagen, sondern um die Frage, ob wir den Globus weiterhin der Geldgier verantwortungsloser Finanzjongleure ausliefern wollen, mit all den schrecklichen Folgen.

Wie die da oben ticken, lässt sich schön am Pissoire auf der Vorstandsetage der Frankfurter Commerzbank studieren. Da unten wuselt das dumme Volk, und die Herren von hoch oben pissen drauf. Vor einer atomaren Verseuchung aber sind alle gleich. Auch wenn sie sich für die Masters of the Universe halten, sie haben keinen zweiten Planeten, auf dem sich ein neuer Zirkus des schlechten Geschmacks aufziehen ließe.

Ideologisches Pinkeln
Pissoir auf der Vorstandsetage der Commerzbank - Bildquelle: Ulrich Mattner/Stephan Morgenstern, "Frankfurt Inside", 2006
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Etwas über den Punkt

„Magath bleibt. Punkt!“ war vergangenen Samstag auf dem Transparent eines Schalke-Fans zu lesen. Eigentlich ist der Punkt ein Satzschlusszeichen, das keine weiteren Satzschlusszeichen erlaubt. Aber es geht, wenn der Punkt ausgeschrieben ist. Der ausgesprochene oder ausgeschriebene Punkt ist ein rhetorisches Mittel, eine Diskussion zu unterbinden.

Schalke-04-Trainer Felix Magath muss trotzdem zum Saisonende gehen, ist heute zu lesen. So macht mich das Transparent glatt ein bisschen traurig, nicht wegen Magath, sondern wegen des Mannes, der das Transparent geschrieben hat. Sein „Magath bleibt. Punkt!“ ist ein hilfloser Versuch, einen sozialen Prozess wie die Ablösung eines Trainers zu stoppen. Man kann eine Diskussion oder einen sozialen Prozess nur auf diese Weise beeinflussen, wenn man in einer Machtposition ist wie Gerhard Schröder damals, als er innerparteiliche Diskussionen mit „Basta“ beendete.

Möglicherweise ist der Schreiber des Transparents in seiner Familie das unangefochtene Alphatier und regiert seinen kleinen Sozialverband mit „Punkt!“ – „Fertig, aus!“ – „Basta!“, aber solche Befehle sind das Zeichen seiner kommunikativen Schwäche. Jeder Doof muss doch inzwischen gemerkt haben, dass die Welt sich nicht befehlen lässt.

Angela Merkel weiß es jedenfalls. Und sie macht es wie der Bambus im Wind, - wobei der Bambus sich irgendwie sträubt, mit Merkel in Verbindung gebracht zu werden. Dann macht sie es eben wie die Pferde, wenn es stürmt: sie dreht ihren Arsch in den Wind. Heute hat sie verkündet, dass die AKW-Laufzeitverlängerung für drei Monate ausgesetzt wird. Sie hat sich aber ungenau ausgedrückt, es muss nicht aussetzen, sondern aussitzen heißen. Merkel will die Diskussion um die Atomkraftwerke bis nach den Landtagswahlen aussitzen. Diese Form der Sitzblockade wird nicht funktionieren. Der Punkt ist noch nicht gemacht.

Mehr: Ethnologie des Alltags
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Norbert Röttgen, lästige Kerne und günstiger Wind

zirkus schlechten GeschmacksBundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) versteht das Kunststück, sich wie ein Aal zu winden und dabei völlig ungerührt auszusehen. Vermutlich hängt er an Drähten. Er wurde im Fersehinterview gefragt, ob man angesichts der Atomkatastrophe im japanischen Atomkraftwerk Fukushima nicht auch die Laufzeitverlängerung der deutschen Atomkraftwerke neu diskutieren müsse. Röttgen meinte, das verbiete sich angesichts der Tsunami-Katastrophe und der Bedrohung der Japaner durch die Kernschmelze. Heute gehe es nur um unser Mitgefühl.

Wir dürfen aus Pietätsgründen nicht an die eigene Haut denken. Die hat nämlich diese Regierung an die Atomwirtschaft verkauft. Wahrscheinlich hat unsere unterwürfiger Bundesumweltminister noch keine Direktiven aus den Vorstandetagen der Energiewirtschaft, wie dem Gau in Japan rhetorisch zu begegnen ist. Röttgen hat sich schon einen Lapsus erlaubt, als er sagte, dass im Atomkraftwerk Fukushima "äußerstenfalls eine Kernschmelze" drohe, was eine durchaus missverständliche Bemerkung ist, als ob es noch etwas Schlimmeres gäbe und eine Kernschmelze nicht das Äußerste ist, nämlich der Größte Anzunehmende Unfall (GAU). Der ist inzwischen eingetreten, aber nicht so wild, wie Röttgen sagt.

Eine Gefährdung für Deutschland schließt Röttgen aus, weil günstige Winde wehen, zum offenen Pazifik hinaus. Das ist ungemein beruhigend. Wenn eine Technologie nicht beherrschbar ist, dann muss man eben auf eine günstige Windrichtung hoffen. Der Pazifik kann ruhig mit Radioaktivität eingesaut werden. Deutsche sind ja Vegetarier oder essen keinen Fisch, den sie nicht selbst im hauseigenen Bach gefangen haben.

Der günstige Wind gehört zu den Sicherheitsmaßnahmen der Atomindustrie. Sollte mal in Deutschland ein Atomreaktor explodieren, macht nichts, wir haben meistens Westwind. Kräftiger Westwind, auf den hoffen aber auch französische, belgische und niederländische Atomkraftwerksbetreiber, sollten sie einmal in die Verlegenheit kommen, das ganze Land zu verseuchen.

Die Atommafia und ihre Vasallen sprechen grundsätzlich von Kernkraft. Solche Kerne kennt doch jeder aus Mandarinen und Äpfeln. Man muss nur vermeiden, drauf zu beißen, dann sind Kerne harmlos. Am besten Ausspucken und auf eine günstige Windrichtung hoffen. Ich glaube ja nicht, dass die Atomlobbyisten dauernd auf Droge sind, aber irgendwas stimmt bei denen im Kopf nicht.

Mehr: Zirkus des schlechten Geschmacks
(Was übrigens nicht als Aufforderung gemeint ist.)
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Schreiben aus der Lamäng - Deutsch für Blogger (5)

Mancher mag es nicht glauben, aber ich habe mich vorgestern Abend angeregt mit einem Blogfreund über die Partikeln unterhalten, womit alle unflektierten deutschen Wörter gemeint sind. Viele davon sind mir ein Graus, weil sie mir unvermittelt in die Sprache geraten. Manchmal verlinke ich zu einem alten Text von mir, denn ich habe im Laufe der letzten fünfeinhalb Jahre Bloggen über sehr viele verschiedene Themen geschrieben. Wenn ich aber einen solchen alten Text aufrufe, dann redigiere ich ihn, bevor ich ihn verlinke. In der Hauptsache werfe ich unnötige Partikel hinaus, meistens „auch“ und „ja“.

Früher habe ich immer so einfach wie möglich geschrieben und den Leser oft mit „du“ angesprochen. Dann nähert sich ein Blogtext der gesprochenen Sprache an, und der Leser fühlt sich stark einbezogen. Zum Mündlichen gehört eben auch das bestätigende und gleichsam vereinnahmende „ja“. Und „auch“ darf dann auch erscheinen, oft aus Gründen der Satzmelodie, denn ein Text, der nahe dem Mündlichen ist, braucht Melodie, der muss klingen. Beim leisen Lesen arbeite die Stimmritze immer mit, hat wer herausgefunden. Ich habe seinen Namen irgendwo notiert, bin jetzt aber zu faul, ihn herauszusuchen. Zum Blogtext nahe beim Mündlichen gehört ebenfalls, dass man vom Hölzchen aufs Stöckchen kommt. Das habe ich immer gern zugelassen, Wege zu gehen, die sich erst beim Schreiben ergeben. Wenn ich mal vom Thema abgekommen bin, schreibe ich weiter, bis ich wieder in der richtigen Spur bin und den Text rund machen kann. Es schult die Kreativität, wenn man versucht, einen Bogen zu schlagen.

Etwa ab dem zweiten Absatz hier hatte ich mich frei gemacht von meiner Partikelphobie und habe mal wieder einfach drauflos geschrieben, was ich mir in letzter Zeit kaum gestatte. Denn bei dem anregenden Gespräch über Partikel kamen wir auch auf stilistische Fragen, welche Funktion sie nämlich in der Sprache haben. Sie verlangsamen den Text ein wenig und lassen den Leser gut mitkommen. Deshalb kamen wir überein, dass man nicht zu puristisch sein darf. Schreiben muss auch ein Gutteil aus dem Bauch kommen. Denn wie gesagt, die Stimmritze schwingt beim Lesen mit, folglich tut sie es auch beim Schreiben. Wer also aus dem Bauch schreibt und dessen Rede einfach und klar ist, der braucht sich gar nicht um Stilfragen zu kümmern. Der gute Sprachstil stellt sich von selber ein.

Normalerweise gehört zum Mündlichen ein Gegenüber. Das stelle ich mir immer vor, wenn ich einen Text für das Teppichhaus schreibe. Du willst dich doch einbezogen fühlen, oder nicht? Und das ist das Besondere an Blogtexten. Nur sie haben diese Nähe zum Gegenüber, also zu dir.

Mehr: Deutsch für Blogger
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Unschuldslieschen, Grüßaugust und "Lügenpeter"

Guttenberg bei Wulff
Guttenberg holt sich die Papiere (Fotovorlage)

Ex-Verteidigungsminister Guttenberg wird heute mit einem großen Zapfenstreich verabschiedet. Das Musikkorps der Bundeswehr wird auf Guttenbergs Wunsch unter anderem "Smoke on the Water" der britischen Rockband Deep Purple spielen. Dabei hätte doch „Highway To Hell“ viel besser zu Guttenbergs coolem AC/DC-T-Shirt gepasst. Die Bundeswehrführung hat aber diesen Titel abgelehnt, weil er zu nah an der Wirklichkeit des Kriegeinsatzes in Afghanistan ist.
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Deutschland im Bild - Mein surrealer Alltag

Plakatwand
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Einfach im Partnerlook - Sprachwandel

Auf der großen Freitreppe an der Rathausrückseite saß ich in der Sonne, hatte den Maschteich vor mir und eine Prozession von Bummlern vor der Nase. Eigentlich wollte ich mich der gepflegten Langeweile eines Sonntagnachmittags hingeben. Auf der Terrasse seitlich von mir stand ein junges, hübsches Paar, und schräg die Treppe hoch kam lächelnd eine Frau. Der junge Mann sagte: „Hallo, Mutti!“, Mutti gesellte sich zu den beiden, und es entspann sich ein lebhaftes Gespräch. Das wollte ich nicht hören, also blendete ich die drei aus. Doch plötzlich hörte ich sie folgenden Satz sagen: „Das wäre einfach einfach!“

Sie hat nicht gestottert. Es handelt sich um zwei unterschiedliche Wörter. Einfach ist ein Adjektiv, was wir daran erkennen können, dass es gesteigert werden kann. Einfach, einfacher, am einfachsten. Das letzte Wort des Satzes: „Das wäre einfach einfach“ ist eindeutig ein Adjektiv. ("Das wäre einfach einfacher.") Das erste „einfach“ ist jedoch kein Adjektiv, sondern ein Adverb. Es lässt sich nicht steigern. Bei einem anderen Satz ist es leicht zu erkennen: „Das Wetter war heute einfach gut“. Hier geht nicht: „Das Wetter war heute einfacher gut.“ „Einfach“ im Wortsinne von „leicht“ ist das Adjektiv. Aber welchen Wortsinn hat das Modaladverb „einfach“?

Die Frage hat mich auf dem Nachhauseweg beschäftigt, und ganz klar ist es mir immer noch nicht. Der adverbielle Gebrauch von "einfach" scheint noch jung zu sein. Nicht mal beim schnellen Wikipedia unterscheidet man Adjektiv und Adverb einfach. Hier ist ein neues Wort geboren, und es hat sich einfach die Klamotten des anderen angezogen. Darum sind die beiden kaum zu unterscheiden.
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Wolle Gutenberg zurück!

Gutenberg-zurück

Mehr über Johannes Gutenberg und warum Fust ihn pfänden ließ
Spaß mit Gutenberg
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