Auf die Welt gucken mit Frau Nettesheim

trithemius & Frau Nettesheim

Frau Nettesheim

Nehmen Sie doch die Dinge wie sie sind, Trithemius.

Trithemius
Wie meinen?

Frau Nettesheim

Als wertfreie Realitäten, deren Bedeutung Sie selbst ihnen geben. Damit nehmen Sie eine beinah göttliche Sicht an, die Ihnen Seelenruhe und ein vergnügliches Leben beschert.


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Wir kaufen nicht mehr an der Tür

Lieber Leser,

sind vielleicht eine Frau, dann sind Sie selbstverständlich mit gemeint. Sehr sogar, denn ich möchte meine Dudensammlung herzeigen. Die hat bisher noch jedes Frauenherz hüpfen lassen, vor allem aber die Philatelisten allesamt ins Abseits gestellt.

Meine Sammlung besteht aus 32 Bänden unterschiedlicher Ausgaben des Dudens, von 1905 an. Leider teilt sie das Schicksal billiger Briefmarkensammlungen. Das mag manche Schönheit schnöde finden, die Enttäuschung nicht verhehlen können und etwa sagen: “Die gelten ja alle nicht mehr, die Dudenausgaben sind doch längst überholt.“ So wurde meine stolze Dudensammlung schon oft abgestempelt und entwertet. Nach meinem Empfinden gelten die Ausgaben aber alle noch, denn es ist eine große Hülfe für die sprachliche Ausdruckskraft, wenn man sich an passenden Stellen alter Schreibweisen bedient. Naja, Hülfe ist so reingemogelt in den Satz, weil mir grad kein beßres Exempel eingefallen ist.

Alle Duden-Ausgaben meiner Sammlung haben einmal in den Schulen gegolten. Nach deren Vorgaben wurde Schülern Rechtschreibung eingepaukt. Sie wurden danach benotet und aussortiert. Der Linguist Carl Ludwig Naumann hat herausgefunden, dass Lehrer die Diktatnote schon im 19. Jahrhundert geliebt und gefördert haben, weil nur sie dem Deutschunterricht einen objektiven Bewertungsmaßstab bietet.

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Zielloses Radfahren (5) – Unter dem Wind gegen Latein

Schlimmer als Regen ist Gegenwind. In Aachen kommt er meistens aus West, vom Atlantik über den Ärmelkanal her. Der Westwind bläst ganz ordentlich. Dann hilft es schon, wenn man zu zweit ist und abwechselnd am Hinterrad fahren kann. Eine Gruppe ist natürlich schneller. Wenn dich eine große Gruppe einholt, weil du alleine gegen den Wind gefahren bist, das ist wie in einem Bus Platz zu nehmen. Man muss im Bus allerdings aufpassen, beizeiten das Tempo der Gruppe aufzunehmen, sonst sackt man nach hinten durch wie ein Stein, verliert den Anschluss zum letzten Hinterrad, und man kommt nie mehr heran. Die Gruppe enteilt, du musst wieder allein gegen den Wind.

Weiter in der Gruppe ...
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Zielloses Radfahren (4) – Leidenstour mit Souplesse

Die Strecke um den Maschsee ist etwa sechs Kilometer lang. Ich habe den Kopf voll, das Herz ist mir schwer. Da hilft es manchmal, sich anzutreiben. Allerdings muss ich zugeben, auf der ersten Runde um den Maschsee wenig gesehen zu haben. Instinktiv bin ich links herum gefahren, wie sich ein Verirrter immer linksrum hält, dem Schlag seines Herzens folgend, weshalb er ungewollt im Kreis läuft. Zunächst wird er sich freuen, Spuren zu finden, denn er mag denken: Ach, hier ist ja schon mal einer gelaufen, dem brauche ich nur zu folgen. Die vermeintlichen Vorläufer werden immer mehr, sooft der Verirrte seine Kreise zieht und glaubt, auf dem richtigen Weg zu sein.

Weiter um den Maschsee ...
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Zielloses Radfahren (3)- Regentour

Kennst du das? Wenn mit dem Regen ein Temperatursturz von gefühlten 10 Grad einhergeht, und man ist nicht passend gekleidet, sogar bald durchnässt und friert erbärmlich? Das ist uns leider widerfahren, weil wir uns zu lange bei Draht Franz Groll aufgehalten haben. Wir müssen auf dem kürzesten Weg nach Hause fahren, und er führt leider wieder quer durch die riesige Schrebergartenkolonie „Schnurzepief“. Zum Wochenende hin wird man in der ganzen Kolonie Altäre sehen, Tische mit Deutschlandfahnen bedeckt, auf denen die Flachbildschirme aufgestellt sind - für die Fußballfans aus der Nachbarschaft zum Nearest Neighbour Viewing (NNV). Der Fernseher steht selbstverständlich unter dem Terrassenüberdach, unter dem Tisch, im Inneren des Altars Bierkästen und -fässchen, falls das Wetter wird wie heute.

Weiter nass werden ...
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Zielloses Radfahren (2) – Sonntagstour

Für einen Moment lässt mich die Weite über der breiten Querstraße aufatmen, doch dann wird mir wieder eng. Die Straße ist No-go-Area. Hier fährt man nur mit dem Auto hin. Kaum eine Lücke im Verkehr, aber ich biege auf einen gut ausgebauten Radweg. Es geht an der Stirnseite der weiträumigen Schrebergartenanlage „Schnurzepief“ vorbei. Ein großes Schild im dicken Heckenbusch beweist es denen im Auto und mir, ein Ortsschild für eine Kolonie, die sich ausgesperrt und ihre Unabhängigkeit erklärt hat. Hinter der Hecke gilt nicht das Grundgesetz, sondern die Schrebergartenordnung. Das ist Kleindeutschland in Deutschland, – also das echte Deutschland.

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Zielloses Radfahren

An seltenen Tagen und immer gänzlich unerwartet erfasst mich das Radfahren und lässt mich ziellos umher schweifen. Es beginnt damit, dass ich mit dem Fahrrad aufbreche, um etwas in meiner Nähe zu erledigen. Danach fahre ich aber nicht direkt nach Hause, sondern suche einen Umweg, um mir die langweilige Rückfahrt auf immer gleichen Wegen zu ersparen. Plötzlich tut sich da eine neue Straße auf, die ich noch nie befahren habe. Da biege ich ein – und Holla, da kommt schon wieder ein Weg und wieder einer. Er führt aus der Stadt hinaus.

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Lobpreisung einer Kaffeemaschine

Die ganze Zeit während meiner Pfingstreise musste ich ab und zu, aber eigentlich selten, daran denken, dass ich möglicherweise vergessen hätte, vor meiner Abreise die Kaffeemaschine auszuschalten.

Aber dann habe ich mir gesagt: Wenn meine Kaffeemaschine noch eingeschaltet wäre, könnte sie vielleicht nach vielen Stunden sinnlosen Heizens durchknallen und eventuell in Brand geraten. Man weiß es nicht. Dann aber würde mich doch der Hausbesitzer anrufen und etwa sagen:

Ja, was denn?
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Auf welcher Seite setzen denn nun die Bäume Moos an?...
Trithemius - 28. Mär, 11:06
Danke.
Danke.
Trithemius - 27. Mär, 08:51

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