Ethnologie des Alltags

Was erlauben Urlauber?

Vor Jahren schon ist mir auf den Ost- und Nordfriesischen Inseln aufgefallen, dass der einheimische Menschenschlag entweder albern oder aber übellaunig ist. Beide Attribute sind Erscheinungsformen der Bosheit, wobei mir der Alberne fast noch unheimlicher ist als der Übellaunige. Namentlich die Bewohner der Nordseeküsten stammen ja überwiegend von Strandräubern ab, und wer wollte, wenn überhaupt, von einem albern feixenden Strandräuber erschlagen werden? Die raue Nordsee hat ein Übriges dazugetan, den unersprießlichen Charakter der Menschen dort zu prägen, und wie auf den sandigen Dünen nur vereinzelt die Grashalme stehen, ist auch die Bosheit nur unzulänglich kulturell überformt, namentlich durch eine dem Geschäftssinn geschuldete professionelle Freundlichkeit, durch die es aber eiskalt schimmert wie durch den Netzstrumpf einer Hafenhure.

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Zielloses Radfahren (5) – Unter dem Wind gegen Latein

Schlimmer als Regen ist Gegenwind. In Aachen kommt er meistens aus West, vom Atlantik über den Ärmelkanal her. Der Westwind bläst ganz ordentlich. Dann hilft es schon, wenn man zu zweit ist und abwechselnd am Hinterrad fahren kann. Eine Gruppe ist natürlich schneller. Wenn dich eine große Gruppe einholt, weil du alleine gegen den Wind gefahren bist, das ist wie in einem Bus Platz zu nehmen. Man muss im Bus allerdings aufpassen, beizeiten das Tempo der Gruppe aufzunehmen, sonst sackt man nach hinten durch wie ein Stein, verliert den Anschluss zum letzten Hinterrad, und man kommt nie mehr heran. Die Gruppe enteilt, du musst wieder allein gegen den Wind.

Weiter in der Gruppe ...
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Zielloses Radfahren (4) – Leidenstour mit Souplesse

Die Strecke um den Maschsee ist etwa sechs Kilometer lang. Ich habe den Kopf voll, das Herz ist mir schwer. Da hilft es manchmal, sich anzutreiben. Allerdings muss ich zugeben, auf der ersten Runde um den Maschsee wenig gesehen zu haben. Instinktiv bin ich links herum gefahren, wie sich ein Verirrter immer linksrum hält, dem Schlag seines Herzens folgend, weshalb er ungewollt im Kreis läuft. Zunächst wird er sich freuen, Spuren zu finden, denn er mag denken: Ach, hier ist ja schon mal einer gelaufen, dem brauche ich nur zu folgen. Die vermeintlichen Vorläufer werden immer mehr, sooft der Verirrte seine Kreise zieht und glaubt, auf dem richtigen Weg zu sein.

Weiter um den Maschsee ...
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Zielloses Radfahren (3)- Regentour

Kennst du das? Wenn mit dem Regen ein Temperatursturz von gefühlten 10 Grad einhergeht, und man ist nicht passend gekleidet, sogar bald durchnässt und friert erbärmlich? Das ist uns leider widerfahren, weil wir uns zu lange bei Draht Franz Groll aufgehalten haben. Wir müssen auf dem kürzesten Weg nach Hause fahren, und er führt leider wieder quer durch die riesige Schrebergartenkolonie „Schnurzepief“. Zum Wochenende hin wird man in der ganzen Kolonie Altäre sehen, Tische mit Deutschlandfahnen bedeckt, auf denen die Flachbildschirme aufgestellt sind - für die Fußballfans aus der Nachbarschaft zum Nearest Neighbour Viewing (NNV). Der Fernseher steht selbstverständlich unter dem Terrassenüberdach, unter dem Tisch, im Inneren des Altars Bierkästen und -fässchen, falls das Wetter wird wie heute.

Weiter nass werden ...
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Zielloses Radfahren (2) – Sonntagstour

Für einen Moment lässt mich die Weite über der breiten Querstraße aufatmen, doch dann wird mir wieder eng. Die Straße ist No-go-Area. Hier fährt man nur mit dem Auto hin. Kaum eine Lücke im Verkehr, aber ich biege auf einen gut ausgebauten Radweg. Es geht an der Stirnseite der weiträumigen Schrebergartenanlage „Schnurzepief“ vorbei. Ein großes Schild im dicken Heckenbusch beweist es denen im Auto und mir, ein Ortsschild für eine Kolonie, die sich ausgesperrt und ihre Unabhängigkeit erklärt hat. Hinter der Hecke gilt nicht das Grundgesetz, sondern die Schrebergartenordnung. Das ist Kleindeutschland in Deutschland, – also das echte Deutschland.

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Zielloses Radfahren

An seltenen Tagen und immer gänzlich unerwartet erfasst mich das Radfahren und lässt mich ziellos umher schweifen. Es beginnt damit, dass ich mit dem Fahrrad aufbreche, um etwas in meiner Nähe zu erledigen. Danach fahre ich aber nicht direkt nach Hause, sondern suche einen Umweg, um mir die langweilige Rückfahrt auf immer gleichen Wegen zu ersparen. Plötzlich tut sich da eine neue Straße auf, die ich noch nie befahren habe. Da biege ich ein – und Holla, da kommt schon wieder ein Weg und wieder einer. Er führt aus der Stadt hinaus.

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Ich habe noch nie auf einer Tüte gesessen

Als ich noch in Aachen lebte, habe ich ab und zu niederländische Coffeeshops besucht, aus Gründen der ethnologischen Forschung. Als deutscher Staatsbürger durfte ich natürlich kein Gras (Cannabis) kaufen. Der Besitz ist gesetzlich verboten, das Grasrauchen aber erlaubt. Man muss allerdings nicht der Eigentümer sein, um im juristischen Sinne Gras zu besitzen. Wer von anderen einen Joint annimmt, ist in diesem Augenblick zum Cannabisbesitzer geworden, denn er kann über die Sache verfügen.

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Der Name der Jecken steht an allen Ecken

Einiges über Tags im Straßenbild - (Größer: Klicken)



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Bei Gefahr die Beine nicht vergessen – Forschungsprojekt “Wer fürchtet sich vor dem Schwarzen Mann?” – Vorläufiges Ergebnis

von dem tuifel hört man wol
wie er swertzer sy denn kol.
(DEUTSCHES WÖRTERBUCH)


Am Anfang stand ein Tagebucheintrag über das besonders im Frühling auftauchende Straßenspiel: „Wer fürchtet sich vor dem Schwarzen Mann?“ Ich hatte in den 90er Jahren das Rufen von der Straße her gehört und mich nach Alter, Herkunft und Bedeutung des Spiels gefragt, bin aber der Frage damals nicht nachgegangen, weil mir die Quellenlage zu ungewiss erschien. Meine Vermutungen gingen dahin, dass mit dem Schwarzen Mann der Teufel gemeint ist.

Vor einigen Tagen habe ich den Tagebucheintrag im Teppichhaus veröffentlicht und zur Mitarbeit an einem ethnologischen Forschungsprojekt aufgerufen. Diesem Aufruf sind viele Teppichhauskunden gefolgt. Zunächst musste geklärt werden, wie stark das Spiel verbreitet ist. 35 Nachweise gingen bis heute ein. Ich habe die Verbreitung graphisch mit Google maps veranschaulicht. Inzwischen zeigt die Karte die Verbreitung des Spiels von Finnland bis Ghana. Vermutlich ist es demnach global bekannt, die Verbreitung könnte aber auf christliche Kulturen beschränkt sein, da wir bisher keine Nachweise aus anderen Kulturen haben.

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Wer fürchtet sich vor dem Schwarzen Mann? (3.1*)

Wer kennt das Spiel und hat es wann und wo gespielt? Diese Frage treibt uns jetzt schon zwei Tage um. Es ist ein kleines Forschungsprojekt zur Ethnologie des Alltags – mit bereits beachtlichem Ergebnis.

Die Nachweise reichen inzwischen von Schweden bis Ghana, wo der Schwarze Mann bezeichnender Weise zum Weißen Mann wurde.

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