Schriftwelt im Abendrot

Warum eine Pfeife keine Pfeife ist

Der belgische Surrealist René Magritte hat mehrmals das Bild einer Pfeife gemalt, worunter steht: „Ceci n’est pas une pipe“, das ist: “Dies ist keine Pfeife.” Man kann diese Botschaft auf verschiedene Weisen deuten, denn die Offenheit der Deutung ist eine Eigenschaft des Kunstwerks. Magritte selbst sagt dazu:

“Ein Bild ist nicht zu verwechseln mit einer Sache, die man berühren kann. Können Sie meine Pfeife stopfen? Natürlich nicht! Sie ist nur eine Darstellung. Hätte ich auf mein Bild geschrieben, dies ist eine Pfeife, so hätte ich gelogen. Das Abbild einer Marmeladenschnitte ist ganz gewiss nichts Essbares.”

In gleicher Weise ist natürlich das Wort „Pfeife“ keine Pfeife, die man rauchen kann. Lies mehr ...
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Einiges über Buchstabenmagie

Als der Skalde Egil, der berühmte isländische Heldendichter, einst auf den Hof des Bauern Thorfinn kam, fand er dessen schöne Tochter Helga todkrank auf der Querbank liegen. Sie konnte keine Nacht mehr schlafen und war wie wahnsinnig. Egil fragte Thorfinn, ob irgendwelche Mittel angewandt worden seien, und Thorfinn sagte, ein Bauernsohn aus der Nachbarschaft habe heilende Runen geritzt. Danach habe sich Helgas Zustand aber noch verschlimmert.

Nachdem Egil gegessen hatte, untersuchte er Helgas Krankenlager und fand ein Fischbein, auf dem Runen geritzt waren. Er las die Runen, schabte sie ab und ließ das Abgeschabte sofort ins Feuer fallen. Dann verbrannte er den Fischknochen und ließ alles an die Luft tragen, was mit den Runen in Berührung gekommen war. Darauf erklärte er, nur der wahre Runenkundige solle sich am Ritzen versuchen; der verliebte Bauer habe falsche Runen geritzt. Er habe einen Schreibfehler gemacht. Der habe dem Mädchen Schaden gebracht. Egil ritzte die richtigen Runen und legte sie unter Helgas Kopfkissen. Da glaubte sie, aus einem Schlaf zu erwachen, und sie fühlte sich wieder gesund.

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Über das Zusammentreffen von Wörtern und Buchstaben

Die Runenmeister ritzten in Sparschreibung, wenn also der Auslaut eines Wortes und Anlaut des folgenden Wortes gleich waren wie bei „Runenmeister“ und „ritzen“, ließen sie einen Buchstaben weg. Jacob Grimm, der sich mit Runeninschriften beschäftigt hat, ließ sich vermutlich von dem Prinzip anregen, als er die Regel schuf, beim Zusammentreffen von drei gleichen Konsonanten wie in „Schifffahrt“ sei ein Buchstabe zu tilgen. Die Orthographiereform hat diese Sparschreibung rückgängig gemacht. Überhaupt führt sie oft zur Verlängerung der Wörter durch Trennung ehedem zusammen geschriebener Wörter und die Schreibung mit Doppel-s statt Eszett.

Eigentlich will ich aber über ein stilistisches Problem schreiben.

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Wer das liest, kann lesen! – Vom Lesezwang

BuchstabenwüsteWer ein solches Blatt aus dubioser Quelle in die Hände gedrückt bekommt, fühlt sich nicht unbedingt gezwungen, es zu lesen. In der Buchdruckersprache heißen diese Erscheinungen „Bleiwüste. Man vermisst bei solchen Texten zwischendurch einen geistigen Ruheplatz, wo man sich erschöpft von der bereits durchwanderten Wüste niederlassen kann, um den Schweiß von der Stirn zu wischen. Verständig zu lesen, ist anstrengend, erfordert starke Konzentration, ein beständiges Mitdenken und Abwägen. Weil das Gehirn ein großer Energieverbraucher ist, andererseits aber stets über die Sicherung der Ressourcen wacht, fühlt man sich durch Bleiwüsten eher abgeschreckt. Unwillkürliches Lesen findet nur ausschnitthaft statt, denn diese Botschaft ist durch zuviele Buchstaben verdünnt.

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Null Nachrichten aus der Teppichhausredaktion

In meinem Kopf wird vermutlich gerade umgebaut. Seit Tagen habe ich das Gefühl, es geht da gar nicht voran. Ich inspiziere natürlich nicht andauernd. Es könnte sein, dass die Arbeiter in der Nacht sogar fleißig werden. Wenn ich tagsüber nachgucke, dann passiert gar nichts. Da steht ein Rohbau mit mehreren Flügeln, aber wie es scheint, sind die Leitungen noch nicht gelegt. Während das Teppichhandels-Unternehmen inwendig umgebaut wird, ist neue Ware nicht zu bekommen, nur ein bisschen Geplauder. Eigentlich hätte ich auch „inwändig“ schreiben können, denn der Umbau passiert ja innerhalb der Wände. „wendig“ und „Wand“ haben sowieso mit „winden“ die gleiche Wortwurzel. Die Wände unserer Vorfahren wurden nämlich aus Zweigen geflochten. Wer behände eine neue Wand winden konnte, der war wendig. Die Bedeutung ist heute noch im windigen Vertreter spürbar. Da ist das Wort abgesunken.

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Dahingeschlenzter Bummel durch die Zeit

Ob denn wohl jemand Interesse hätte, einen einfach dahin geschlenzten Bummel durch die Zeit zu lesen? Wenn der Autor zu faul oder zu müde und von einem Zuviel an Informationen ein bisschen matschig im Kopf ist? Ob das einer lesen wollte? Ich habe jetzt bewusst einen solchen Text noch nicht gelesen. Wozu soll der gut sein, würde ich mich fragen. Ja, schriebe der Autor mit der Hand, dann wäre es was. Dann wüssten wir ja, er ist eigentlich schlapp. Und trotzdem nimmt er den Stift in die Hand und kritzelt Worte auf Papier. Das strengt doch viel mehr an, als würde er nur Tasten tippen.

Weiterbummeln, 180 Jahre zurück ...
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"30 % auf alles" - Wirres über Auf- und Abschläge

Huch, „30 Prozent auf alles“? Ist darunter ein Aufschlag oder ein Abschlag zu verstehen? Und was bedeutet „alles“ bei nackten Schaufensterpuppen? Angeblich wächst im Winter ja nichts, abgesehen von den Stellen am Körper, wo sich Fett anzusammeln beliebt.

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Sprachwandel schlägt Sprachpflege

Die winterharte, immergrüne Kletterpflanze Efeu hat einmal Ep-heu geheißen und wurde mit Recht so geschrieben, denn Epheu stammt vom ahd. ebihouwi ab. Das ph wurde aber als griechisches Φ (Phi) verlesen und fälschlich zum f eingedeutscht, was den Lautwandel mit sich brachte. Sagst du korrekt: „Ep-heu wurde laut Wikipedia zur Arzneipflanze des Jahres 2010 gekürt“, weiß niemand, welches Gewächs gemeint ist.

Kurioser ist die Entstehung des Wortes Zenit. Es ist entlehnt aus dem Arabischen. Da heißt es Zemt. Fliegendreck über dem 3. Beinchen des m führte dazu, dass es verlesen wurde.

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Erweitere deinen Wortschatz - mit Christian Wulff

Bundespräsident Christian Wulff haben wir einiges zu verdanken, Politikverdrossenheit, Fremdschämen und nicht zuletzt eine Wortschatzerweiterung, nämlich ein neues Verb: „wulffen“. Der Sprecher des Vereins Deutsche Sprache, Holger Klatte, sagte der Nachrichtenagentur dpa: „Mittlerweile haben sich zwei Bedeutungen herauskristallisiert.“

Das Verb „wulffen“ bedeutet nach Klatt zum einen das Vollreden eines Anrufbeantworters. „Die zweite Variante bedeutet, dass man nicht direkt die Wahrheit sagt, aber auch nicht direkt als Lügner dastehen will», sagte der Sprachvereinsexperte und drückt sich expertengemäß holprig aus: „Das heißt, dass man nicht direkt angegriffen werden kann. Aber so richtig vertrauenswürdig ist man trotzdem nicht. Wir werden sehen, ob sich eine Variante durchsetzt.“

Dass jemand die Mailbox von Bild-Chefredakteur Kai Diekmann volljault, kommt nicht so oft vor, weil nicht jedermann die Mobilfunknummer von Diekmann hat. Diese Wortbedeutung kann man vergessen, weil der Vorgang bald vergessen ist, das “Stahlgewitter”, wie der Bundespräsident martialisch gesagt hat.

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Was über Kartoffeln, laermende Autoren und so …

Ich habe gestohlen – bei Frau Samtmut. Sie hat ein neues Konzept für ihr hochkulturelles, künstlicheres Blog erfunden. Punkt 2: „Anspruchsloser bloggen“. Oja, habe ich gedacht, das entlastet. Anspruchsloser bloggen – mal weg mit Recherchen, kunstsinnigen Formulierungen, Fotomontagen, wo man die Manipulationen nicht mehr sieht. Und Wissenschaft muss auch nicht immer sein. Früher war ja alles besser, auch mein Bloggen. Ich hatte nämlich anfangs den Ehrgeiz, alles so einfach wie möglich zu schreiben. Und oft habe ich angefangen zu schreiben und wusste nicht mal was. Dabei stellte sich raus, dass die Wörter sich auch so einfinden wie die Pferde, wenn sie den Stall wittern. Sie kommen einfach an und reihen sich irgendwo ein. Den Sinn bringen sie gleich mit. Das ist bequem.

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