Schriftwelt im Abendrot

O Gott, ich bin gar nicht Rob – Über Territorialmarken

Das große Mietshaus, in dem sich die Teppichhausräume befinden, hat eine zweiflüglige schwere Außentür zum Hausflur. Innen an der Tür ist ein rechteckiger Drahtkorb, und von außen ist ein Briefschlitz für Zeitungen. In diesem Korb fand ich letztens eine neue Territorialmarke. Weiter unten werde ich sie zeigen und beschreiben. Sie erinnerte mich an eine andere schriftliche Territorialmarke, die etwa 20 Jahre alt ist, über die ich vor fünf Jahren schon einmal geschrieben habe. An den beiden Texten lässt sich ein wesentlicher Unterschied feststellen, der vielleicht eine Veränderung des allgemeinen Denkens und gesellschaftlicher Gepflogenheiten anzeigt.

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Aushängebogen – Bitte Fehler aufspießen

Die Ahle ist eines der ältesten Werkzeuge des Menschen. Mit ihr lassen sich Löcher in Materialien stechen, weshalb die Ahle wahrscheinlich unersetzliche Hilfe beim Zusammennähen von Tierhäuten war. Warum Studenten der Universität Paris zu Beginn des Buchdrucks Ahlen mit sich führten, ist kaum zu klären. Es verhält sich dabei ähnlich wie bei der Frage, was zuerst da war, das Huhn oder das Ei, also hatten Pariser Studenten immer schon Ahlen bei sich, um sich etwa gegenseitig zu pieksen, oder sind sie durch ein Verfahren der frühen Drucker rund um die Universität dazu veranlasst worden, Ahlen mit sich zu führen?

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Einladung zur Teestunde im Teppichhaus



Früh sinkt am Nachmittag die Dunkelheit herab, eine passende Zeit am digitalen Herdfeuer zu lesen. In der Reihe „Teestunde im Teppichhaus“ erscheinen in loser Folge unterschiedlich lange Bummel durch die Jahrtausende der Schriftkultur, ausgehend von Phänomenen des Alltags. Heute: Das TEA-Haus.

17 Uhr hier ...
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Nützliches und Unterhaltsames über das A



Ehrlich gesagt ist mir das A auf der Tastatur zu weit draußen. Es liegt in den nur unscharf berechenbaren Randzonen des Tastenfeldes. Der Schriftsetzer in der Bleizeit hatte im Setzkasten das A direkt vor sich, wo er es bequem greifen konnte. Allerdings war es das kleine „a“, denn der Setzkasten ist nach Buchstabenhäufigkeit angeordnet. Die unterscheidet sich natürlich in allen Sprachen, so dass es keine international genormte Setzkastenanordnung gibt.

Das A im internationalen Tastenfeld liegt so weit draußen, weil das von der mechanischen Schreibmaschine übernommen wurde. Die heutige Tastaturanordnung geht zurück auf die Universaltastatur des Waffenherstellers Philo Remington. Dessen erste Schreibmaschinenserie hatte noch eine alphabetische Anordnung besessen. Das Zusammenschlagen und ständige Verhaken der Typenhebel erzwang aber eine Umgruppierung. Auf der internationalen Stenographentagung von 1888 in Toronto gelang es Remington, seine "Universaltastatur" zum Standard zu erheben. Allein dem regen Geschäftssinn Remingtons verdankt die schreibende Nachwelt eine Tastatur, bei der sich häufig gebrauchte Buchstaben an ungünstigen Außenpositionen befinden, so dass man beim 10-Finger-Schreiben das "a" mit dem schwächsten Finger überhaupt anschlagen muss: dem kleinen Finger der linken Hand. Mehr dazu in: Trithemius; Willfährige Frauen tippen besser.

Das große A gehört zu den achsensymmetrischen Großbuchstaben. Es hat keine Richtung und ruht in sich. Alle Kleinbuchstaben haben sich aus den Großbuchstaben der römischen Capitalis entwickelt, deren Grundformen Kreis, Quadrat und Dreieck sind. Diese Schrift wurde gemeißelt. Beim Schreiben mit der Feder verformten sich die Buchstaben, und die meisten veränderten sich, bekamen eine Richtung, die der Handschrift angemessen war, so auch das a.

Die Alphabetreihe ist nach dem A benannt, dem griechischen Alpha. Von der Antike bis in die Neuzeit verbinden sich mit dem A, der nachfolgenden Alphabetreihe und der Vokalenreihe magische Vorstellungen.
Mehr in: Trithemius; Das Alphabet.
"Wann ich Morgens auffstehe, sprach Grschwbtt, so spreche ich ein gantz A.B.C., darinnen sind alle Gebett auff der Welt begriffen, vnser Herr Gott mag sich darnach die Buchstaben selbst zusamen lesen vnd Gebet drauß machen, wie er will, ich könts so wol nicht, er kan es noch besser. Vnd wann ich mein abc gesagt hab, so bin ich gewischt vnd getrenckt, vnd denselben Tag so fest wie ein Maur." (Johann Michael Moscherosch)
AEIOU - Die Abfolge der Vokalreihe entspricht ihrem Auftreten im ABC, wobei die Reihenfolge der Überlieferung nach kein Zufall sein soll. Nach Dornseiff steht bei Suidas, Abraham habe die Buchstaben erfunden. Zum Schluss heiße es: "Gott öffnete dem Menschen den Mund zur Sprache mit dem Laut, der das weiteste Öffnen erheischt." Das ist das A. Daher gelten Ärzte auch als Halbgötter in Weiß, weil sie ihre Patienten so oft und gerne "A" sagen lassen. Mehr über die Vokalenreihe in: Trithemius; Alte Esel jubeln ohne Unterlass. Das Wort Magermilchjoghurt enthält alle Vokale in der richtigen Reihenfolge.

Die Endlosfigur Pentagramm besteht aus fünf A und ist ein Netzwerk.


Klick Pentagramm!
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Eine surrealistische Landkarte der nur unscharf berechenbaren Randzone - Seminar "Aspekte der Handschrift" (3)

Wann immer ich etwas aus der Erinnerung zeichne und nachher meine Zeichnung vergleiche mit den realen Gegebenheiten, stelle ich fest, dass die Zeichnung an vielen Stellen ungenau ist und Leerstellenfüllungen enthält, wo meine Erinnerung versagt hat. Ähnlich ist es mit dem Schreiben. Bei meiner Reportageserie über die Linie 9 in Hannover bin ich alle Teilstrecken ein zweites Mal gefahren, weil ich manches einfach nicht mehr genau wusste und auch keine Notizen darüber hatte.
notieren
Heute wollen wir einen Anwendungsbereich der Handschrift erproben, der noch recht geläufig ist, das genaue Notieren. Dazu brauchen wir einen Schreibanlass. Wir erstellen eine surrealistische Landkarte von der nur unscharf berechenbaren Randzone des Teppichhauses. Es steht bekanntlich in Hannover. Die Randzone des Gebietes zwischen dem Teppichhaus und Ihrem Wohnort gilt es zu bestimmen.

Das geht so: Vergewissern Sie sich auf einer Landkarte, wo Hannover liegt. Nehmen sie ein Notizbuch und einen Stift, verlassen Sie bei Tageslicht Ihre Wohnung und gehen Sie 100 Schritte von Hannover weg. Leben Sie beispielsweise südlich von Hannover, gehen Sie 100 Meter nach Süden. Dort bleiben Sie stehen und notieren genau, was Sie von Ihrem Standpunkt aus wahrnehmen. Kehren Sie zurück und schreiben Sie Ihre Notizen ab. Wenn Sie wollen, dann ermitteln Sie über einen Routenplaner die ungefähre Entfernung von Hannover und fügen die Angabe Ihrem Text hinzu. Das ist aus Gründen des Datenschutzes nicht unbedingt erforderlich, aber bitte immer die Himmelsrichtung angeben. Schicken Sie ihren Text an mich (bitte bis Samstag in einen Kommentarkasten).

Die nur unscharf berechenbare Randzone unseres Blog-Netzwerkes will ich am kommenden Sonntag grafisch darstellen, und Ihre Texte werden zeigen, wie es dort aussieht. Ich freue mich schon auf unseren gemeinsamen Bummel durch die nur unscharf berechenbare Randzone am kommenden Sonntag.

Die Idee der surrealistischen Landkarte entnahm ich dem Buch: Boehncke/Humburg; Schreiben kann jeder, Reinbek b. Hamburg, 1980. Im Internet hat das meines Wissens noch niemand gemacht. Wir betreten also Neuland. Anregungen und Änderungsvorschläge sind willkommen. Selbstverständlich können Sie die Idee adaptieren und die Aktion, auf Ihren Wohnort bezogen, ebenfalls in Ihrem Blog durchführen.

Viel Vergnügen!
Trithemius
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10 - 20 Schreiber gesucht! Handschriftenseminar (3)

notieren

Heute 20:20 Uhr: Seminar"Aspekte der Handschrift"
Thema: Notieren. Die surrealistische Landkarte der nur unscharf berechenbaren Randzone - Vorbesprechung einer praktischen Internet-Übung.

Teilnehmen kann jeder. Einen Scanner brauchen wir diesmal nicht.
Alle Seminare "Aspekte der Handschrift" und Ergebnisse:
Schriftwelt im Abendrot
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Hand an Auge - Hausaufgaben sind gemacht

Derweil mein Obernachbar wieder auf seinem Waldhorn bläst, will ich noch die Ergebnisse des Handschriften-Seminars vom letzten Mittwoch nachtragen, bei dem ich einige Aufgaben gestellt habe.

Kugelschreiber und Photoshop
(Waldhorn-Wuttext von Trithemius, Kugelschreiber und Photoshop)


Aufgabe 2)
Schreiben Sie, worauf Sie wollen - es muss ja nicht gerade die frisch getünchte Hauswand des Nachbarn sein. Eugene Faust wies mich auf die eindrucksvoll beschriebene Jacke von Agnes Richter hin, hier im Detail, Frau SWA auf den künstlerisch beschrifteten Handrücken der Bloggerin Rinpotsche.

Aufgabe 3) Spiel mit Handschrift – Verborgene Inhalte
Bloggerin und PentAgrion-Expertin Marana hat das geheime Frustschreiben "Pik-Ass" eingesandt, in dem sie offenbar Bemerkungen über mich untergebracht hat, weil ich die Seminarteilnehmer "so gepiesackt" hätte.
Geheimes Frustschreiben in Form gebracht.
Frau SWA sandte die beschwingte Handschriftgrafik
"Mein sprachloser Körper".
Mein sprachloser Körper SWA

Carecas Handarbeit zeigt, dass auch ein gerissener Zettel für dieses Verfahren gut geeignet ist.
Kritzelbild von Careca

Auf die beeindruckenden und beklemmend wirkenden Briefe von Emma Hauck an ihren Ehemann hat Eugene Faust hingewiesen.

Aufgabe 4) Fotodokumentation „Handschrift im Alltag“
Ein Album mit sehenswerten Fotos hat Videbitis zusammen gestellt.


Die nächste
und vorerst letzte Folge des Handschriften-Seminars findet am kommenden Donnerstag statt. Das Thema wird das Notieren sein, das Schreiben unterwegs zum Zwecke der Dokumentation. Diese Form des Handschreibens ist quasi Schreiben nach der Natur. Wir werden in dieser praktischen Übung eine surreale Landkarte erstellen.

EDIT 23-02-11: Aufgabe am Donnerstagmorgen, Präsentation Sonntag
3535 mal gelesen

Hand an Auge ins Herz - Aspekte der Handschrift

1) In der handschriftlich veröffentlichten Glosse "Stuk" beschreibt der niederländische Kabarettist Wim de Bie, was geschah, als sein Computer ausfiel. Er hatte keinen einzigen Stift mehr im Haus, und nachdem er sich einen beim Nachbarn geliehen hatte, musste er feststellen, seine schöne, männliche Handschrift, mit dem er früher so manchem Mädchen den Kopf verdreht hatte, war verschwunden. Der Text stammt aus den 80ern des letzten Jahrhunderts.

Der sich schon damals abzeichnende Niedergang der Handschriftkultur, hervorgerufen durch den Gebrauch der digital erzeugten technischen Schrift, ist nicht mehr aufzuhalten. Buchstaben werden immer seltener geformt, sondern durch Tastendruck hervorgerufen. Für diese Bequemlichkeit muss ein Preis bezahlt werden, weil eben die handschriftliche Äußerung eine Qualität hat, die der Druckschrift fehlt. Diese Qualität vermittelt sich in jedem handgeschriebenen Brief, aber auch Tony Blair nutzte sie, als er sich vor seinem an die Wand projizierten handschriftlichen Versprechen fotografieren ließ.

Blair

Ähnlich der launige Eintrag, den ich einmal im alten Teppichhaus veröffentlicht habe:

Hand an Auge

Wir sehen, dass es nicht um die Perfektion oder Schönheit der Handschriften geht. Doch worin besteht dann die Qualität? Und worin unterscheiden sich die beiden Beispiele?


2) Materialwert der Handschrift


Bei den ersten beiden Beispielen spielt der Materialwert der Handschrift eine geringe Rolle, denn beide Texte werden ohne Material übermittelt, Blairs Versprechen mit Licht, mein Brief mit digitalen Pixeln.

Die folgenden Beispiele zeigen aber, dass das verwendete Schreibmaterial einen Text mit Bedeutung aufladen kann, der weit über die inhaltliche Botschaft hinausgeht. Wie wirken diese Texte auf Sie? Welche Gefühlswerte vermitteln sich?

Beschreibstoff

3) Spiel mit Handschrift - praktische Übung
Spiel-mit-Handschrift

4) Handschrift im Alltag
Zum Abschluss die Anregung zu einem Fotoprojekt:

Handschrift-im-Alltag

Schöne Beispiele auch hier, vom entschuldigten Videbitis. Die Ergebnisse aller Übungen würde ich gerne am kommenden Sonntag zeigen. Selbstverständlich kann auch etwas einsenden, wer gestern abend verhindert war. Ich danke allen fürs Mitmachen!

(Fotos und Grafiken, wenn nicht anders genannt: Trithemius)
5648 mal gelesen

Einladung zum Seminar "Aspekte der Handschrift"

Kalligraphie

Heute 20:20 Uhr: Seminar "Aspekte der Handschrift" Theorie, praktische Übungen, Diskussion. Mitmachen kann jeder, du auch!
1766 mal gelesen

Blogger schreiben das Philobiblon, Kapitel 17

Ergebnisse der praktischen Übung des Handschriftenseminars vom letzten Mittwoch. (Zuordnung am Schluss der Handschriften)

17Kap01Abschnitt 2b_MaranaAbschnitt 2a_MaranaAbschnitt3_carecaAbschnitt 4_MimiotschkaAbschnitt 5_Professor CosterAbschnitt 6_Frau swa
Abschriften von:
Trithemius: Abschnitt 1
Marana: Abschnitt 2
Careca: Abschnitt 3
Mimiotschka: Abschnitt 4
Prof. Coster: Abschnitt 5
Frau SWA: Abschnitt 6
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Danke.
Trithemius - 27. Mär, 08:51

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