Einiges über die Grenze des Sagbaren

„Die Stadt wird Zeitung“, schreibt die niederländische Punkdichterin Diana Ozon in einem Gedicht über Graffiti. Ihr Sprayer-Gedicht „Klick klick klick“ entstand in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts, als Graffiti noch Botschaften transportierten. Heute überwiegen die unleserlichen Tags, die in etwa die Funktion von Revier- oder „Ich-war-hier-Marken“ haben. Eine Zeitung mit redaktionellen Inhalten ist das Straßenbild einer Stadt heute nicht mehr, sondern ein einziges großes Anzeigenblatt. Die Plakatanschläge dieses Anzeigenblattes werben und informieren nicht nur, sie geben überdies Zeugnis von einer Qualität der materiell verbreiteten Grafik und Schrift, die bei digital verbreiteten Texten fehlt. Die Texte der Wandzeitung altern, wie auf dem Foto zu sehen.

Zuerst war da nur der neutrale Anstrich des Hauses. Dann wurde das unleserliche rote Tag aufgesprüht. Darüber klebt das Plakat eines Aachener Event-Veranstalters. Das jüngste Plakat wirbt für ein Rockpalast-Konzert. Auf dem Kasten darunter sind die Zeitstufen noch dichter gestaffelt. Was nicht mehr gilt, ist überklebt und trotzdem weiterhin präsent, bis alles von Sturm und Regen oder vom Kasteneigner heruntergeholt wird. Dann sind die Plakate weg, und mit ihnen sind ihre Botschaften verschwunden.
Bitte ein wenig Geduld, der Text geht gleich weiter.
Die-Stadt-wird-Zeitung02

Schriftwelt im Abendrot
1875 mal gelesen

Frau Nettesheim mag nicht konkurrieren

trithemius-Frau-NettesheimFrau Nettesheim
Wann machen Sie die Exkursion zum Pataphysischen Institut? Sie haben es für Anfang Mai versprochen.

Trithemius
Vielleicht nächste Woche, Frau Nettesheim, wenn Professor Coster im Urlaub ist.

Frau Nettesheim
Wieso hat Coster mitten im Semester Urlaub? Davon weiß ich nichts.

Trithemius
War doch nur Spaß, ich wollte Sie ein bisschen ärgern. Die Vorbereitung macht halt viel Arbeit, obwohl der Kurzfilm übers Essen schon seit längerem fertig ist. Eine Bildstrecke für den Fußweg zum Institut habe ich auch schon. Doch zur Zeit habe ich nicht die Muße, die Texte zu schreiben. Und wenn ich ständig zwischen Arbeit und Teppichhaus hin und her switchen muss ...

Frau Nettesheim
„Wenn man viel hineinzustecken hat, hat ein Tag auch viele Taschen!“

Trithemius
Das ist von Nietzsche, nicht wahr? Ich staune, dass Sie den zitieren. Ein Pataphysiker ist er jedenfalls nicht. Allerdings ist es ein hübsches Bild, das gut zu Ihnen passt. Als Frau sind Sie freilich von der Natur begünstigt, denn Frauen können ja verschiedene Dinge gleichzeitig tun.

Frau Nettesheim
So einfach ist das nicht. Jeder kann schließlich Handlungen automatisieren und andere intuitiv erledigen.

Trithemius
Ja, aber indem im Gehirn der Frau Gefühl und Verstand ständig miteinander korrespondieren, ist es irgendwie leistungsfähiger. Man bekommt ja auch nie Recht bei einer Frau, denn ihr Gefühl bestärkt stets die Logik und die Logik bestärkt ihr Gefühl. Gegen dieses Fühldenken ist kein Kraut gewachsen.

Frau Nettesheim
Sie wollen sich rausreden, weil Sie in Wahrheit noch nicht in der Stimmung sind, die Exkursion zu planen. Fangen Sie einfach damit an, die Lust kommt beim Tun.

Trithemius
Da gebe ich Ihnen allerdings Recht. Gerade klingelte die Briefträgerin, und diese Frau finde ich bewundernswert. Wie sie „Die Post!“ in die Sprechanlage ruft und „Danke!“, nachdem ich aufgedrückt habe, daran hört man, dass sie ihre Arbeit mit Freude tut, selbst wenn es gerade junge Hunde, Katzen oder gar Meteorologen regnet.

Frau Nettesheim
Sie hat es automatisiert.

Trithemius
Frau Nettesheim ist eifersüchtig.

Frau Nettesheim
Das werden Sie nicht erleben. Ich konkurriere nicht.
2008 mal gelesen

Abendbummel online - kleine Stilkunde

Wie ich so durch den Regen bummle, warte ich an der roten Ampel, obwohl kein Auto kommt. Man weiß ja nie, ob Kinder zugucken, und denen darf man kein schlechtes Beispiel geben. Und da mache ich mir meine Gedanken über den gestrigen Abendbummel. „Wenn nun Kinder mitlesen, und ich habe gesagt, dass ich die armen Frauen in die Luft sprengen will.“ Da kriege ich ein schlechtes Gewissen, denn man darf natürlich keine Leute in die Luft sprengen. Man sagt schon mal, den oder die könnte ich erwürgen, zum Mond schießen oder so. Das ist nicht ernst gemeint, sondern eine Übertreibung. Die Übertreibung, fachsprachlich Hyperbel, ist ein satirisches Stilmittel.

Leute in die Luft sprengen dürfen nur Präsidenten, die eine Armee befehligen. Und dann heißt das auch nicht in die Luft sprengen, sondern Kollateralschaden. Also stell dir vor, du sitzt mit Mama und Papa und Oma und Opa beim Essen, plötzlich macht es Bumm, und wo Papa und Mama saßen, ist nur noch ein tiefes Loch. Das ist jetzt blöd, doch es war nicht so gemeint, es war ein Versehen und geschah eigentlich zu eurem Schutz gegen Terrorismus. So ein Versehen nennt man Kollateralschaden. Das Wort ist ein Euphemismus, zu Deutsch, ein Hüllwort. Es verhüllt die Tatsache, dass du nur noch ein Bein hast und Mama und Papa zerfetzt wurden.

Politiker benutzen beide
Stilmittel, wie es gerade nützlich ist. Wenn ein Präsident zum Beispiel einen Krieg anzetteln will, dann sagt er, da, wo du wohnst, ist das „Reich des Bösen“. Das ist eine Übertreibung, zumindest hast du bis dahin vielleicht nichts davon gewusst. Ein Politiker kann auch eine Mauer an der Grenze errichten lassen und ihn „antifaschistischen Schutzwall“ nennen. Das ist dann wiederum ein Euphemismus, denn das Wort verhüllt, dass der Schutzwall die Untertanen des Politikers an der Flucht hindern soll. Und damit sie die Mauer nicht kaputt machen, befiehlt er, dass man allen, die sich nicht schützen lassen wollen, in den Rücken schießt.
Brille Fielmann
So, das war schon unsere kleine Stilkunde. Und mach dir nix draus, ja? Übrigens, eines ist tröstlich, auch solche menschenverachtenden Politiker sind irgendwann am Ende. Und dann kann sich jeder über sie lustig machen. Also lach mal, du da mit einem Bein.

Guten Abend

(Foto: Trithemius)
1593 mal gelesen

Der Beruf des Satirikers

Michael-Sostschenko

aus: Michael Sostschenko; Das Himmelblaubuch
3061 mal gelesen

Abendbummel online - Zweimal deutscher Lebenszweck

Abendbummel Animation01Vier Damen an einem Cafétisch planen, im Rudel zu verreisen. „Paris!“, wäre eine Option, doch „ohne die Anhängsel“, und dann wird eingekauft „auf dem Schwarzmarkt.“ Beim Juwelier in Paris hat die eine bei ihrer letzten Rafftour eine Kette gekauft. „Du hast umsonst gelebt, wenn du diese Kette nicht hast!“, ruft sie in die gut gelaunte Runde. Man könne auch zusammen nach Shanghai fliegen, da kenne sie ebenfalls einen guten Schwarzmarkt. Oder der Schwarzmarkt von Nizza wäre gut.

Was für ein Geschnatter, da wird mir glatt der Kaffee ölig. Und mein rechtes Ohr kann sich nicht lösen, im Gegenteil, es wird immer hellhöriger. Dabei muss ich solche Sachen nicht hören. Dann kriege ich Lust auf Anarchismus und will nutzloses hedonistisches Pack in die Luft sprengen. Die mit der Kette hat schließlich ihren Lebenszweck schon erfüllt. Und die anderen haben sie zur ihrer Anführerin erhoben, denn sie sei ja eine richtige „Gangsterbraut“. Angenommen, diese gutsituierte Gangsterbraut würde in Shanghai auf dem Schwarzmarkt von den Triaden entführt. Dann müsste sie von der deutschen Botschaft mit Steuergeldern freigekauft werden, und ich müsste mir ihr Gesicht auch noch in der Tagesschau angucken.

Gegen Mittag konnte ich kaum etwas gucken, denn ich habe ein öffentliches Verkehrsmittel benutzt, genauer, ich bin mit einem Bus der Aachener Verkehrsbetriebe (ASEAG) gefahren. Die ASEAG ließ mich durch das Innere eines fetten gelben „e“ nach draußen lugen, denn die Busscheiben waren von außen mit einer Werbeaufschrift zugeklebt. Diese kundenfeindliche Aufschrift zieht sich über den ganzen Bus, und man hat die Wahl, von welchem Buchstaben man sich die Sicht nehmen lassen will. Bei der ASEAG denkt man vermutlich, mit dem Bus fahren sowieso nur die drei A: Arme, Auszubildende und Arbeitslose. Wozu sollen die nach draußen schauen, zumal die meisten sowieso stehen müssen. Drei Jungen hielten sich in der Ziehharmonika des Gelenkbusses fest, und der eine erklärte, wieso die Armut in Deutschland wächst. Wenn zum Beispiel eine Tüte Haribo früher eine DM gekostet habe, koste sie jetzt einen Euro. Sein Vater habe früher 3000 DM verdient, und mit dem Euro habe sich sein Lohn halbiert. Darum könne man sich jetzt nichts mehr leisten.

Der Fehler des Vaters ist natürlich, dass er nicht auf dem Schwarzmarkt von Shanghai einkauft oder zumindest auf dem von Nizza. Allerdings besteht im Einkaufen nicht sein Lebenszweck. Seine Bestimmung ist es, für einen Hungerlohn zu arbeiten, damit nutzlose Weiber in der Welt herumgurken und noch nutzloseres gefälschtes Zeug raffen können, um anschließend damit im Café zu prahlen und mir den Kaffee ölig zu machen.

Guten Abend
1925 mal gelesen

Die Religion von der Anbetung der goldenen Kalbsleberwurst


Heute brauchen wir
feste Schuhe und einen Regenschirm, denn was da von Himmel kommt, ist ergiebiger Landregen. Der Einkauf muss erledigt werden, doch wir haben es nicht weit. In dem hübschen Altbau schräg gegenüber wohnt Mike.
„Hallo Mike, das ist ..., sach ma, wie heißt du eigentlich? Na, egal. Wir gehen eh direkt in die Küche. Mach doch mal den Kühlschrank auf! Hm, was haben wir denn da? Die zwei Flaschen Bier gehen mit, … ich hoffe, du machst mir einen guten Preis, Mike. Was wir an deinem Kühlschrank zu suchen haben? Na, was schon: Wir kaufen ein bei Freunden!“
Beste FreundeBei Freunden einkaufen kann man auch im HIT-Markt und muss dafür nur ein Lächeln schenken. So geht es zu im Land der Freunde, das im letzten Jahr sogar die Welt zu Besuch hatte. „Die Welt zu Gast bei Freunden“, hat die FIFA gesagt, darum ist das Freunde-Prädikat quasi amtlich.

Bald werden wir uns vor
Freunden nicht retten können. Die Konjunktur zieht an. Die Werbebeilagen in den Zeitungen nehmen zu. Der Freund hat wieder mehr Geld und will es nicht immer nur „saubillig“.

Manche sagen ja, der Konsum sei eine Religion. Ihre Adepten lieben nicht mehr Gott und Mitmensch, sondern Produkte, also Dinge. Diese Religion hat in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts als Sekte angefangen. Im Jahr 1957 warb Mondial Aperitif: „Liebe auf den ersten Schluck.“ Campari konterte 1969: „Die Liebe kommt beim zweiten Schluck.“ Erst 2003 klärt Andreas Pils apodiktisch: „Liebe auf den ersten Schluck.“ Irgendwie rund und weniger barsch klingt es im gleichen Jahr bei Dab: „Aus Liebe zum Bier.“ Da kann man nur zustimmen: Ich liebe es!

Das wiederum könnte mich eine Abmahnung kosten, denn „Ich liebe es“ gehört seit 2003 McDonald's. Diesen schlichten deutschen Satz haben sich Heye & Partner gewiss teuer bezahlen lassen, denn Liebe auf Hamburger zu reimen, das ist schon hohe Werbekunst. Trotzdem ist die Idee weder abwegig noch neu, denn Liebe geht durch den Magen, und so versprach 1999 die österreichische Firma Groissböck: „Liebe auf den ersten Biss.“ Genauso fluppt die Liebe bei „Käse aus Frankreich“: „Liebe auf den ersten Biss.“, ein Slogan von der Agentur Fröhling im Jahre 2003. Wenn man sich bei der Firma Groissböck über den dreisten Wortdiebstahl geärgert hat, warum nicht eine gute alte „Eckstein“ rauchen? Denn Eckstein ist seit 1953: „Liebe ohne Worte.“ „Gold ist Liebe.“, behauptet der Schmuckhandel 1973. Das ist Quatsch, Gold kann man nicht essen. Wer trotzdem auf Gold herumkauen will, braucht eventuell das Arzneimittel „Silberne Boxberger“: „Gold wert bei träger Verdauung.“ (1978).

Über das emotionale Gefühlsleben seiner Hände und Füße weiß der Mensch nur wenig, so dass man der Behauptung von Adidas: „Zehen lieben diesen Schuh.“ (2005) einfach glauben schenken muss. Für die Hände gilt das schon seit 1963: „Alle Hände lieben Atrix, denn es macht sie schön.“

Die Religion von der Anbetung der Goldenen Kalbsleberwurst wird immer strenger. Seit 2007 fordert sie vom Fernsehzuschauer, dass er seine verliebten Hände faltet, wenn „Magnum Java“ gezeigt wird. Und er soll sagen: „Ich bete es an.“
„Darauf trinken wir einen. Ach, hör mal, Mike, dass wir dir Geld für das Bier geben wollen, war nur Spaß!“

Prost und guten Abend


Zirkus des schlechten Geschmacks
2670 mal gelesen

Sonntagsplausch mit Frau Nettesheim

Heute jenseits der Dorfgrenze.
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Wie es euch gefällt - Sprachspiele für Opportunisten

Texte für Opportunisten erlauben zwei Lesarten. Blockweise von oben nach unten oder zeilenweise von links nach rechts gelesen, ergeben sie einen unterschiedlichen Sinn. Das erste Beispiel stammt aus dem Poesiealbum eines Heidelberger Studenten von 1817:

Opportunisten01

In unruhigen religiösen Zeiten empfahl sich dieses Bekenntnis, wahlweise zu Luther oder zum Papst:

Opportunisten02

An die antike Pasquino-Statue in der Nähe der Piazza Navona in Rom werden seit dem 15. Jahrhundert bis heute anonyme Spottverse über die aktuellen Machthaber, ihre Politik und ihre Skandale angeheftet. Der Pasquino diente vor allem in Zeiten, in denen die Meinungsfreiheit unterdrückt wurde, als Ventil für die Unzufriedenheit der Römer. (Wikipedia) Der folgende Text wurde 1848 von einem anonymen Spötter aufgehängt:

Opportunisten03

Das letzte Beispiel ist die Adaption eines Textes von Heiner Feldhoff aus dem Jahre 1977. Ursprünglich war er eine Satire auf den Radikalenerlass. Da heute niemand mehr davon spricht, habe ich den Text ein wenig aktualisiert. Jetzt eignet er sich eventuell als Festplatten-Begrüßungstext für den Verfassungsschutz:

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Schriftwelt im Abendrot
2701 mal gelesen

Abendbummel online - Große Zylinder rauchen lange Zigarren überall

Abendbummel Animation01Der Junge radelt auf einen Supermarkt zu, wirft sein Rad quer in den Eingang und läuft hinein. Kurz darauf kommt ein Angestellter des Supermarkts nach draußen und stellt das Rad kopfschüttelnd an die Seite. „Keine Manieren!“, wird er gedacht haben.

Über fehlende Manieren sprachen letzten Sonntag die Philosophen Peter Sloterdijk und Rüdiger Safranski in der ZDF-Sendung „Philosophisches Quartett“ mit dem Essayisten und Kritiker Fritz J. Raddatz sowie dem Unternehmensberater Prinz Asfa-Wossen Asserate. Der Prinz hat ein Buch über Manieren geschrieben, was Fritz J. Raddatz qualifizierte, blieb weitgehend unklar. Dass Manieren das Zusammenleben erleichtern, ist ein Allgemeinplatz. Strittig ist die Frage, was wir darunter zu verstehen haben. Fritz J. Raddatz tadelte den französischen Staatspräsidenten Jacques Chirac, weil er Bundeskanzlerin Angela Merkel unter freiem Himmel die Hand geküsst hat, woran ich nichts Schlimmes erkennen kann, solange ich es nicht machen muss. Ein Mann mit Manieren habe auch kein gebrauchtes Tempo-Taschentuch in der Hosentasche, sagte Raddatz, was mich zweimal nicht juckt, denn ich pflege weder in fremde Hosentaschen zu schauen noch hineinzugreifen. Geradezu körperlich angegriffen fühlt Raddatz sich, wenn ihm auf der Rolltreppe einer entgegenkommt und ihm einfach ins Gesicht gähnt.

Wir halten uns übrigens die Hand vor den Mund, weil wir verhindern wollen, dass uns die Seele entfleucht. Die Angst, die Seele könnte sich beim offenen Gähnen davonmachen, ist jedenfalls der Ursprung dieser Geste. Wenn nun jemand gar nicht glaubt, eine flüchtige Seele zu haben – warum sollte er sich beim Gähnen die Hand vor den Mund halten?

Das Quartett klagte auch über die
Diktatur des Privaten, genauer über die private Okkupation des öffentlichen Raums, die sich zum Beispiel darin zeigt, dass Fritz J. Raddatz im ICE die intimen Telefon-Gespräche seiner Mitmenschen mit anhören muss. Viele werden ihm beipflichten, denn tatsächlich wird das Handy auf diese Weise zur modernen Akustikpest. Fritz J, Raddatz allerdings wehrt sich: Er holt eine lange Zigarre hervor und droht, sie anzuzünden, „im Nichtraucherabteil“, falls man um ihn herum das Telefonieren nicht einstellt. Der Prinz attestierte ihm, diese Maßnahme sei durchaus manierlich, denn Raddatz wehre sich ja gegen eine Zumutung.

Als einfacher Landmann bin ich da ganz anderer Ansicht. Und ob unter freiem Himmel geküsst oder nicht, ich habe schon lange nicht mehr einen derartigen Mist gehört. Leider hat es nichts genutzt, dass ich mir einen langen Joint angesteckt habe, denn Raddatz saß ja geschützt im Fernsehstudio. Und da die beiden moderierenden Philosophen kläglich versagt haben, muss ich hier etwas gerade stellen: Das öffentliche Telefonieren ist nicht verboten, das Rauchen im Nichtraucherabteil sehr wohl. Selbst wenn jemand am Handy einen detaillierten Bericht über seine Sexualpraktiken abgibt, schädigt er nicht die Lungen von Herrn Raddatz.

Natürlich hätte ich mit einem
Tastendruck verhindern können, dass das unphilosophische Gerede des Philosophischen Quartetts in meine Wohnstube schwappte. Doch es war einfach faszinierend zu hören, was man in gewissen Kreisen unter Manieren versteht. Es sind die Manieren der Mächtigen, die ihre Rechte wenn nötig mit Gewalt durchsetzen. Fragt man sich, warum diese Manieren in Verruf gekommen sind, dann muss man sich nur die jüngere deutsche Geschichte anschauen. Herren mit vorzüglichen Manieren haben zwei Weltkriege angezettelt und Millionen Menschen in den Tod geschickt. Heute lassen Herren mit ausgezeichneten Manieren Werbeslogans erdenken wie „Geiz ist geil!“ oder „Saubillige Ostern!“ Der manierliche Ex-Ministerpräsident von Niedersachsen, Ernst Albrecht, fand es einst höchst amüsant, sich für die Zulassung des Privatfernsehens einzusetzen. Die Herren in den Medienkonzernen haben es ihm gewiss artig gedankt. Diese Herren tragen niemals ein gebrauchtes Tempo-Taschentuch in der Hosentasche, doch sie verdienen Millionen, wenn sich hoffnungslos heruntergekommene Menschen in Containern und Nachmittagsshows zum Affen machen.

Auf den Vorstandsetagen wird man die Ansichten von Fritz J. Raddatz und Prinz Asfa-Wossen Asserate teilen. Mir hingegen ist ein offen gähnender Nachtschichtler mit einem Handy am Ohr allemal lieber als das manierliche Pack mit den langen Zigarren.

Guten Abend
2721 mal gelesen

Kaffeeplausch mit Frau Nettesheim - Der Name der Jecken ...

trithemius-Frau-NettesheimFrau Nettesheim
Sie haben beim "googlefight" haushoch gegen Schäuble verloren. Und das, obwohl Sie vermutlich noch den alten Abt an Ihrer Seite hatten. Da wären Sie besser gar nicht erst angetreten.

Trithemius
Der gestrige Kampf diente nur der Positionsbestimmung. Im Herbst versuche ich es noch einmal. Wenn ich bis dahin jeden Tag 20 Beiträge hier und im Stammhaus veröffentliche, müsste Schäuble zu schlagen sein.

Frau Nettesheim
Schwachsinn.

Trithemius
Vielleicht sollte ich einen Trithemius-Kettenbrief in die Welt setzen.

Frau Nettesheim
Der Name der Jecken steht an allen Ecken.

Trithemius
Sie meinen, es ist nicht erstrebenswert, möglichst oft bei Google aufzutauchen? Die Anzahl der Nennungen ist aber ein modernes Statussymbol.

Frau Nettesheim
Sie kümmern sich doch sonst nicht um Statussymbole.

Trithemius

Doch, ich zeige mich gern an Ihrer Seite, Frau Nettesheim.

Frau Nettesheim
Quatschkopp.
2059 mal gelesen

Hoffnungslose Kämpfe bei googlefight

googlefight01

(Quelle: Googlefight.com)

Weitere Paarungen, die nicht gut ausgegangen sind:


Pfannkuchen gegen Harald Schmidt: 1.060.000 zu 1.450.000
Sieger: Harald Schmidt
Tarzan gegen Superman: 12.100.000 zu 31.600.000,
Sieger: Superman
Superman gegen Georges W. Bush: 31.600.000 zu 103.000.000,
Sieger: Georges W. Bush
Georges W. Bush gegen den Papst: 103.000.000 zu 11.000.000,
Sieger Georges W. Bush
Georges W. Bush gegen Gott: 103.000.000 zu 57.100.000,
Sieger Georges W. Bush
Georges W. Bush gegen den Teufel: 103.000.000 zu 10.300.000,
Sieger Georges W. Bush.
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Irgendwann erreichte der Brief, wenn auch nach sehr...
Lo - 29. Mär, 00:14
Auf einer Seite setzen...
Auf welcher Seite setzen denn nun die Bäume Moos an?...
Trithemius - 28. Mär, 11:06
Danke.
Danke.
Trithemius - 27. Mär, 08:51

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