Ode an Heinz Rudolf Kunze seine Bank

Heinz Rudolf Kunze seine Bank

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B2-Run - Mit Frau Wulff für Flaschensammler laufen

„Alles, was Spaß macht, fängt mit f an“, sagt der launige Moderator von Radio ffn Niedersachsen beim Warm up zum B2-Lauf um den Maschsee. Dieser bundesweit ausgetragene Firmenlauf fängt aber nicht mit f an, sondern hört damit auf, in Hannover nach sechs Kilometern im AWD-Stadion, „auf dem heiligen Rasen“ (ffn), und auf den wird mancher der gut 3100 Läuferinnen und Läufer in Firmentrikots erleichtert hinsinken und so bald nicht wieder hochkommen. Da sind nicht immer freiwillig angetreten, Dicke und Dünne, Trainierte und Untrainierte, Kurze und Lange, Krumme und Grade und sogar Verletzte mit Bandage um Knie oder Knöchel.

Das größte Kontingent stellt eine Versicherung. Sie bringt 281 Läufer auf die Beine. Aber andere Versicherungen sind auch nicht faul. Da zeigt sich ein dicker Versicherungswasserkopf auf Laufschuhen. Offenbar sind die meisten Deutschen in Versicherungen beschäftigt, drehen sich quasi gegenseitig Verträge an mit hässlichen Klauseln im Kleingedruckten.

Ganz so ist es nicht. Wie der ffn-Moderator versichert, laufen mit: Angestellte von Dax-Unternehmen, Mittelständlern und welche aus Einmannbetrieben. Die von den Einmannbetrieben gehen aber in der Masse beinah unter, soweit sie nicht Flaschen sammeln aus den Abfalltonnen der Uferpromenade und wirklich keine Zeit für den B2-Lauf haben. Denen wird aber demnächst das einfach so durch die Gegend laufen auch möglich sein, wenn nämlich Bettina Wulffs Armeleutestiftung sich ihrer annimmt. Die bekommt von jedem Läufer einen Euro. Da ist auch der Moderator von ffn beruhigt, dass "etwas für Armen in unserem Land getan wird."

Frau Bettina Wulff soll den Startschuss abfeuern. Sie steht auf einer Hebebühne mit einer Handvoll Fotografen und Kameraleute und wird vom ffn-Moderator ein bisschen interviewt. Er nennt sie „die Revolverlady“, die „Firstlady von Niedersachsen und vielleicht auch demnächst die Firstlady von ganz Deutschland“, man wisse es nicht, es stehe ja jeden Tag was anderes in der Zeitung. Ihre Stimme ist ein bisschen fipsig, denn sie hat keinen Resonanzkörper, vielmehr kein Gramm Fett am Leib, wie es sich für die Schirmherrin einer Armeleutestiftung gehört. Sie ist im Laufdress gekommen und wird mitlaufen, nachdem sie den Revolver abgefeuert hat, nicht für ihre Armeleutestiftung, sondern für die Drogeriekette Rossmann.

Rossmann wird wohl zukünftig auch die Feste im Schloss Bellevue sponsern, sollte Christian Wulff zum Bundespräsidenten gewählt werden. Falls er es nicht wird und schon Verträge unterschrieben sind, könnte sie zur Not den Gauck heiraten. Oder ist der schon? (Bin gerade zu faul nachzuschauen. Eigentlich will ich aber gar nichts von ihm wissen. Ein Pastor als Bundespräsident, der nicht mal eine Armeleutestiftung hat? Das ist ja glatt, um Atheist zu werden. Ach, das bin ich ja längst.) Entschuldigung, weiter im Text:

Pünktlich um 19:30 Uhr feuert Frau Wulff den Revolver ab, verfehlt aber den ffn-Moderator. Trotzdem drängeln sich die Fotografen heran, und sie muss noch eine halbe Minute den Revolver in den Himmel halten, als hätte sie grad den lieben Gott erschossen. Das wird wohl nichts mit dem Gauck. Dann hilft man ihr von der Hebebühne, sie schlängelt sich durch die Absperrung und reiht sich ein in den hinteren Teil der Läuferschar. Natürlich wird sie den Pulk der Fußlahmen bald hinter sich lassen, schon wegen Rossmann.

Alle Läufer tragen übrigens einen RFID-Chip am Schnürsenkel. Der registriert sie, wenn sie am Start vorbeilaufen und wenn sie im Ziel ankommen. Morgen können sie im Internet nachlesen, welche Zeit sie gelaufen sind, wer vor ihnen war und wen sie hinter sich gelassen haben. Die Personalchefs können das natürlich auch nachlesen. Und dann den einen oder die andere zu sich zitieren und den desolaten Fitnesszustand bemängeln, an dem dringend was getan werden muss, wenn man im Unternehmen noch was werden will. Den hübschesten Slogan sah ich auf den T-Shirts eines Mittelständlers: „Wir überholen auch die dicksten Maschinen.“ Das ist freilich keine Kunst.

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Unendliche Rennerei im 8-Bit-Universum

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Stimme aus einer neuerdings geschätzten Stadt

Manchmal ist es recht hübsch, sich in einigen Dingen ein bisschen vom üblichen Denken, Machen und Tun zu unterscheiden. Da bedient beispielsweise jemand in der Sparkasse die Laufkundschaft, und jeder denkt, ach, der smarte Herr Mobenbach ist immer angemessen gekleidet, hat einen ausgezeichneten Krawattengeschmack und vorzügliche Manieren. Würde man die Kunden fragen, welches wohl Mobenbachs Lieblingstier ist, käme niemand auf die Idee, dass dieser geschniegelte Mann sich privat mit der Erforschung des Nacktmulls beschäftigt, was so ziemlich das hässlichste Tier ist, das die Natur hervorgebracht hat, viel mehr nicht hervorgebracht, sondern glücklicherweise unter der Erde belassen hat.

Ähnlich ging es mir mit Hannover. Alle Welt hat mich gefragt, warum ich aus dem schönen Aachen ausgerechnet nach Hannover gezogen bin, denn diese Stadt wäre doch wohl der Nacktmull unter den Großstädten. Nein, ganz und gar nicht, habe ich immer gesagt, die Stadt hat viele Reize. Dann habe ich mehrmals tief Luft geholt und ausführlich dargelegt, was mir alles an Hannover gefällt. Man hat mir höflich zugehört, aber nichts von allem geglaubt, sondern innerlich den Kopf geschüttelt oder sich überhaupt geschüttelt und mich mit der Schläfenschraube bedacht.

Dem Nacktmull wird das System seiner Gänge und Höhlen wie die beste aller Welten vorkommen. So könnte man doch meinen, dass wenigstens der Hannoveraner seine Stadt für die schönste aller Städte hält. Als etwa Frau Angela Merkel in Aachen den Karlpreis an den Hals bekam und es plötzlich schrecklich zu regnen begann, da rief der damalige Oberbürgermeister Jürgen Linden ins Mikrophon: "Werte gekrönte Häupter, Staatspräsidenten, Wirtschaftskapitäne und geehelichte Büromiezen, wenn es in Aachen regnet, dann ist es der schönste Regen überhaupt!" Es war Hagel.

Ganz anders der typische Hannoveraner. Bei einem Poetry-Slam im hannöverschen "Faust" zum Thema "Hannover" war kein gutes Wort über die Stadt zu hören, wohl aber Hohn und Spott satt, so dass der Moderator Henning Chadde flehentlich an die Vorzüge Hannovers erinnern musste und das Publikum bat, das Hannover-Bashing nicht ganz ernst zu nehmen. Da hätte ich vorgewarnt sein können. Die Beiträge des Teppichhauses erscheinen auch auf dem Sammelblog: Das bloggende Hannover. Stimmen aus einer unterschätzten Stadt. Kürzlich schrieb ich dem Blogbetreiber, Elias Schwerdtfeger, mich störe der Untertitel: "Stimmen aus einer unterschätzten Stadt":

"Für mich ist das kein guter Slogan, da er etwas Negatives herausstellt und auch nicht vom dem Selbstbewusstsein zeugt, das Hannover gut zu Gesicht stehen würde. Man muss unbefangene Leser nicht darauf aufmerksam machen, welchen Makel man empfindet. Das führt nur dazu, dass dieser angebliche Makel immer wieder neue Beachtung findet. (…) Hannover hat viel vorzuweisen. (...) Ich würde mich wesentlich wohler fühlen in einer Stadt, die eben nicht schwer an dem Makel 'unterschätzt' zu tragen hat."

Elias Schwerdtfeger stellte meine Anregung, einen besseren Slogan zu finden, zur Diskussion, aber sie wurde sogleich vom Kollegen Frontbumpersticker (FS) abgewürgt u.a. damit:

"Unsere Elite sind Margot Käßmann, Oliver Pocher, Mousse T., Götz von Fromberg und die Scorpions - bonjour Mittelmaß. Hannover ist grün ohne bäuerlich zu sein, mondän ohne zum Großstadtdschungel zu werden, entspannt ohne abzuschlaffen, bescheiden ohne kleingeistig zu sein, zielstrebig ohne zum Streber zu werden. Hannover ist Durchschnitt - und genau deshalb unterschätzt."

Da half auch nicht mein Einwand:

@ FS "Ja, aber, Hannover hat Kurt Schwitters, das allein reicht mir schon. Wenn nicht, dann nenne ich eben noch den Serienmörder Fritz Haarmann. Ich glaube allmählich, Hannover ist eine unterschätzte Stadt, weil ihr es so wollt. Naja, wer sich unterm Schwanz vom Pferd des Königs Ernst August zu verabreden pflegt …"


Beim Mittelmaß vergessen: Heinz Rudolf Kunze, dem ich mal ein Gedicht gewidmet habe, aber nur wegen seiner Sitzbank gegenüber dem Leineschloss. Dagegen kann Hannover noch stolz sein auf Hannah Arendt, die sogar in Hannover-Linden geboren ist, wo auch ich jetzt lebe. Inzwischen aber ist Hannover aus anderen Gründen ganz oben auf, wegen Lena, die nicht besser singen kann als beinah jede Frau, die ich kenne, und Christian Wulff, den das Merkel unglücklicherweise zum Bundespräsidenten gekürt hat. Da hat auch FS offenbar umgedacht, vielmehr ist er von der geballten Hannover-Begeisterung in der Presse umgestimmt worden und listet auf:

Bild: Was ist das Erfolgsgeheimnis von Hannover?
Süddeutsche: Phänomen an der Leine
HAZ: Das "It-Girl" unter den deutschen Städten
FAZ: Der Bär steppt an der Leine
B.Z.: Aufstieg einer Provinzstadt
DPA: Theorie der Woche - "Heimliche Hauptstadt" Hannover
Welt: Interview mit dem Geist von Hannover
Von Twitter trägt er noch Fritz Haarmann nach, weil BILD den Serienmörder in der Liste der Berühmtheiten vergessen hat. Na, denke ich mir, wenn alle jubeln, ist’s keine Kunst. Man muss den Nacktmull schon lieben, bevor ihn jeder als Kuscheltier haben will.

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Schräg zu Lamellen - Teppichhaus-Gastautoren (2)

Vor einigen Jahren fuhr ich mit einem neuen, jungen Kollegen in den tiefen Osten, wo wir ein medienkundliches Seminar abhalten sollten. Er war mir sogleich sympathisch, was nicht nur daran lag, dass er in den Raststätten meine noch glimmenden Kippen ausdrückte, was ich in diesem Leben wohl nicht mehr lerne. Auch wusste er jederzeit, wo ich meine Lesebrille hingetan hatte, anders als ich. Später schrieben wir einen Krimi zusammen, der aber noch immer in meiner Schublade liegt, weil der Verlag verlangt hat, wir sollten einen Teil der Handlung in die Eifel verlegen. Und das hieße, ein ganzes Dorf umzusiedeln.

An Mikes "Hellenthal" gefällt mir besonders, dass er eine alltägliche, scheinbar banale Sache in den Blick nimmt, nämlich das Reinigen oder besser eine Reinigung. (Aus mir unerfindlichen Gründen bat er mich, meinen Namen mit unter den Text zu setzen. Aber ich habe nur ein bisschen dran rumgekürzt.) Viel Vergnügen beim Lesen, Trithemius


Hellenthal
von Mike Glimmerstein & Jules van der Ley

Wir reinigen Vertikallamellen direkt am Fenster, stand auf einem Plakat der Reinigung, aus der ich soeben meine Hemden geholt hatte. Man muss nicht alles verstehen, dachte ich. Vertikallamellen? Solche Vertikallamellen hängen also vermutlich längs und nicht schräg am Fenster herunter, nicht schräg wie die billigen blauen Lamellen, die ich im Schlafzimmer habe. Das sind demnach Horizontallamellen, was bei mir hängt. Die kann die Reinigung meines Vertrauens, der Kleinstbetrieb Hellenthal, also nicht reinigen, zumindest nicht direkt am Fenster. Wobei: Ich könnte den Hellenthal ja auch einmal fragen. Wenn er sozusagen schräg zum Objekt arbeiten würde, sich also schräg auf meine Leiter stellen würde...

Stünde Hellenthal schräg zu meinen Horizontallamellen, würde er diese vertikal reinigen. Das sollte funktionieren. Aber ich frage den Hellenthal einfach einmal, was er überhaupt macht, wenn ein Kunde zu ihm kommt und sagt: Meine Lamellen sind verdreckt, und es ist aber so, mein lieber Hellenthal: Meine Lamellen hängen horizontal! Hellenthal lässt einen Horizontalbesitzer gewiss nicht hängen. Auf jeden Fall sind meine Hemden tipp-topp nach der Reinigung durch Hellenthal. Und Ingo Hellenthal ist ein ganz ein cooler Typ.

Vor einem halben Jahr war es so: Ich brachte ihm nicht meine verschmutzten Hemden. Ich brachte ihm Stuhlhussen, also Überzieher für die unschönen Stühle, die ich in meinem Wohnzimmer aufgestellt habe. Ich stand also mit den Überziehern in der Reinigung, direkt vor Hellenthal und wollte ihm dann allerhand zu meinen Stuhlhussen erklären und mich mit ihm beraten und so fort. Ich fragte: Wissen Sie, was das ist? Und Hellenthal guckte gar nicht zu mir hin, nur ganz nebenbei schielte er, der in seiner Reinigung entgegen jedem Gebot der Anständigkeit und Korrektheit stets eine brennende Zigarette im Mund hat, schielte mit seiner brennenden Zigarette im Mund zu mir und sagte gelassen: Stuhlhussen sind das!, die waschen wir, ist besser als reinigen. Waschen wir, werden die Hussen sauber, reinigen wir, wird das nichts. Da bleiben Ihre Hussen dreckig. Dass meine Wäsche sich heute nicht aus Hemden, sondern aus Hussen zusammensetzte, hatte Hellenthal also bereits erkannt, offensichtlich schon bevor ich sein Geschäft betreten hatte mit meinem Wäschekorb in den Armen. Bestimmt hatte der Hellenthal mich bereits beobachtet und sich gedacht: Jetzt bringt er mir keine verschmutzten Hemden, sondern seine Stuhlhussen! Die reinige ich nicht, die wasche ich. Also wusch der Hellenthal meine Stuhlhussen.

Damals hatte ich das Lamellenplakat Wir reinigen Vertikallamellen direkt am Fenster noch nicht bemerkt. Soeben, als ich die Hemden holte, sah ich das Plakat zum ersten Mal. Jetzt denke ich darüber nach, dass ich mir gar nicht vom Hellenthal den Unterschied zwischen waschen und reinigen habe erklären lassen. Der Hellenthal denkt wahrscheinlich auch: Dem sind seine Hussen ja ganz egal! Ist dem ja völlig eins, ob ich seine Hussen wasche oder was auch immer ich mach mit denen. Das ist auch die Wahrheit, Hauptsache sauber, dachte ich. Aber: Das muss ich den Hellenthal beim nächsten Mal, wenn ich ihm wieder Hemden bringe, unbedingt einmal fragen: Was heißt reinigen, was heißt waschen? Und ich muss ihn natürlich fragen, wie das wäre, bräuchten meine Lamellen, die eindeutig keine Vertikallamellen sind, einmal eine Reinigung. Ginge das? Wären meine Lamellen mehr oder weniger problemlos zu reinigen? Vielleicht sogar direkt am Fenster?

Aber es ist am Ende nicht so wichtig: Ich benutze meine Lamellen nicht mehr, auch nicht meine Vorhänge. Ich will immer alles verfügbare Licht in meine Wohnung lassen, also weg mit den Lamellen! Zudem: Wer zu mir hinein schauen möchte, soll das tun können. Ich verstecke nichts vor den Leuten. Das werde ich auch dem Hellenthal sagen, dem rauchenden Reiniger.

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Plausch mit Frau Nettesheim - Falsche Wachhunde

trithemius & Frau Nettesheim

Trithemius
Fragen Sie sich eigentlich nicht, wer die Hofhunde von der Leine gelassen hat, Frau Nettesheim?

Frau Nettesheim
Wie meinen?

Trithemius
Na, die Meute, die Journaille, die über Horst Köhler hergefallen ist. Zuerst haben sie ihn unisono angekläfft, weil er ausgeplaudert hat, warum deutsche Soldaten in Afghanistan erschießen und erschossen werden.

Frau Nettesheim
Das war eine unglückliche Äußerung. Er hätte wissen müssen, dass er eine Diskussion auslösen würde, die den Regierenden unangenehm ist.

Trithemius
Diese Diskussion fand ja gar nicht statt. Man hat’s schlankweg vom Tisch gewischt, obwohl es die einzige plausible Erklärung für den Afghanistan-Einsatz ist, die ich bislang gehört habe. Aber das darf niemand öffentlich aussprechen, weil dieser Einsatz dann verfassungswidrig wäre. Da vergisst unsere Presse ihre Wächterfunktion und gebärdet sich staatstragend.

Frau Nettesheim
Man will den deutschen Soldaten nicht in den Rücken fallen, keine neue Dolchstoßlegende. Diesen Effekt kann man auch in den US-Massenmedien beobachten. Eine Kritik der Kanonenbootpolitik der US-Regierungen findet nicht statt.

Trithemius
Da wissen Sie mal wieder mehr als ich, Frau Nettesheim. Jedenfalls kam dann der zweite Akt: Köhler trat zurück, und prompt wurde gerufen, er reagiere wie eine beleidigte Leberwurst. Der ARD-Chefredakteur Thomas Baumann ging noch weiter. Er kommentierte, Horst Köhlers Rücktritt sei eine Respektlosigkeit dem deutschen Volk gegenüber. Köhler schmeiße in einer Zeit hin, in der es mehr denn je auf das Vertrauen in die Politik ankomme.

Frau Nettesheim
Das ist ulkig. Wann je hätte sich das deutsche Volk den Bundespräsidenten gewählt? Das Amt wird immer durch Parteienklüngel besetzt. Dass die Verantwortlichen für den Vertrauensverlust an ihren Sesseln kleben, ist die eigentliche Respektlosigkeit gegenüber dem deutschen Volk. Da hat Herr Köhler mehr Respekt bewiesen.

Trithemius
In Wahrheit wissen wir nicht das Geringste über Köhlers Motive. Von den öffentlichen Verlautbarungen durch ihn selbst, Merkel und Westerwelle, glaube ich kein Wort. Ich bin ziemlich sicher, dass man ihn loswerden wollte und ihm keine Wahl gelassen hat. Schon am 22. März 2010 titelte Tageschau.de: „Köhler spricht klare Worte - und keiner hört hin.“ Jetzt hat er etwas gesagt, was sich nicht überhören ließ, und darum hat er den Tritt bekommen von den beiden, die ihn ins Amt gehoben haben.

Frau Nettesheim
Frau Merkel hat gesagt, sie habe alles unternommen, Köhler umzustimmen. Westerwelle will es auch versucht haben.

Trithemius
Merkel wird wohl kaum sagen: „Ich bin froh, dass ich die lästige Fackelsnase los geworden bin.“ Schließlich kennt sie die orwellschen Euphemismen bestens aus der Zeit als FDJ-Sekretärin für Agitation und Propaganda. Aber das macht mir den geringsten Kummer, was mich wirklich sorgt, ist die Journalisten-Meute, die nach ihrer Pfeife tanzt.

Frau Nettesheim
Und ich verstehe endlich Ihren satirischen Filmtipp.

Trithemius
Mist! Wenn man den Witz erklären muss, ist er nicht gelungen.

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Teppichhaus Kurzfilmtipp: Verräter werden eliminiert

Merkel schaltet Köhler aus

FILMHANDLUNG

Bundespräsident Horst Köhler (Deckname: Mister 1,5 Volt) hätte die geheime Mission der Bundeswehr nicht ausplaudern dürfen. Jetzt weiß alle Welt, warum deutsche Truppen am Hindukush lauern und Afghanen erschießen. Noch am Abend besucht die als Zimmermädchen verkleidete Ostagentin Rosa Klebb (Deckname: Das Merkel) den Verräter und zeigt ihm den vergifteten Dorn in ihrem Züchtigungsschuh. Köhler flüchtet über den Balkon und legt sein Amt nieder. FSK-Prädikat: Besonders wertvoll! Freigegeben ab 12 Jahre - Verleih: Bundeszentrale für politische Bildung

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Jeder sein eigner Zeigestock (3) - Nachbetrachtung

O ja Schwester

Erfreulich sachkundig ging es zu in der ersten Freitagsdiskussion im Teppichhaus. Das war inspirierend und gewiss auch anstrengend. Nach einigen interaktiven Lesenächten und dem interaktiven Internetroman „Die Papiere des PentAgrion“ in der Teppichhaus-Cafeteria hatte ich wohl ein bisschen Erfahrung mit solchen Veranstaltungen, doch da ging es in erster Linie um Unterhaltung.
Die Diskussion über Ivan Illichs Streitschrift "Entschulung der Gesellschaft" war eine andere Herausforderung. Dank der anregenden Beiträge durch sieben Bloggerinnen und Blogger bin ich vom Ergebnis angenehm überrascht.

Es diskutierten (alphabetisch geordnet):
Careca - http://gleichgueltig.twoday.net/ und http://careca.blog.de/
Eugene Faust - http://eugenefaust.twoday.net/
Katermurr- http://katermurr.blog.de/
ManfredKonradt - http://www.manfredkonradt.de/
Mimiotschka - http://mimiotschka.twoday.net/
Videbitis - http://koelnbilder.blog.de/
Webgeselle - http://www.graphodino.de/

Herzlichen Dank für eure Beiträge und das engagierte Miteinander!
Die erste Freitagsdiskussion war für mich ein Test und sollte gleichzeitig eine Anregung sein, das Internet als Bildungsmöglichkeit im Sinne Illichs zu nutzen. Was hätte man anders und besser machen können? Was war gut? Und ist es gelungen, den Anspruch annähernd einzulösen? Wie könnte und sollte es weiter gehen? Dazu freut sich auf Ihre und eure Meinung,

Trithemius
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Danke.
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