Abendbummel online - Hhum, Schwerkraftwandel

Angenommen, ich wäre grad mal 1,60 Meter groß, ginge verträumt an einem Fotogeschäft vorbei, würde im Schaufenster plötzlich etwas entdecken, mich abrupt hinwenden und stupse mit der Nase den Busen einer Frau an, die mir nichts ahnend entgegenkommt. Was sollte ich dann am besten sagen? „Hhum!“? Das würde man mir bestimmt verübeln und mich einen Grobian schimpfen. Es war aber grad umgekehrt. Ich gehe nichts ahnend am Fotogeschäft vorbei, und plötzlich ändert eine Frau ihren Kurs Richtung Schaufenster, stupst ihre Nase gegen meine Brust und sagt: „Hhum!“

Dabei ist wieder genug Platz in der Stadt. Die Pilger sind weg. In der Bäckerei trete ich zum ersten Mal seit langem an eine leere Theke. Die Bäckereifachverkäuferinnenauszubildende hantiert mit irgendwelchen Dingen herum und sagt: „Ich komme gleich zu Ihnen!“ Hübsch, in den letzten Wochen musste ich fünf Minuten anstehen, und jetzt sorgt man sich schon um Sekunden meines Lebens.
schlaf gut„Bitteschön, was darf es sein?“
„Ich wäre fast schon verhungert.“
„O Gott, das wollen wir aber nicht!“
Zur Entschädigung dient Fräulein Pluralis Majestatis mir einen Feinschmecker - Pass an. Bis Ende Juni soll ich mir sieben Stempel verdienen, indem ich für mehr als drei Euro einkaufe. Der Stempel zeigt ein „F“ für Feinschmeckerpunkte. Sieben Punkte werden mit Pain Parisien oder Focaccia gratis belohnt.

Draußen am Tisch
lese ich, dass die Rückseite des Passes vollständig ausgefüllt werden muss, Name, Anschrift, E-Mail. Ja, warum das denn? Kriege ich dann die Bäckerblume frei Haus und als E-Paper? Oder will der Aachener Großbäcker in den lukrativen Datenhandel einsteigen?

Die Pilger sind weg, doch leider haben sie vor dem Dom einen knödelnden Gitarristen vergessen. Der Mann im roten T-Shirt hingegen schläft erst seit heute auf der belebten Krämerstraße, denn auch während Heiligtumsfahrt räumten die grimmigen Sheriffs vom Ordnungsamt alle Bettler und Berber ab, aus christlicher Nächstenliebe.

Ob ich das Ende der hässlichen Hüfthosen-Mode noch erleben werde? Oder ist der optische Schwerpunkt der Frau auf ewige Zeiten nach unten gerutscht und ich nehme den Anblick von Dackelbeinen mit ins Grab? Ulkig sehen auch die Typen mit den tiefergelegten Hosenböden aus, wenn sie versuchen, die Hände in die Taschen zu stecken, aber nur mit den Fingerspitzen hineinlangen können. Was zieht die Hosen eigentlich so nach unten? Vermutlich liegt es am Schwerkraftwandel, und der Arsch geht als erster auf Grundeis.

Guten Abend

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