Teurer Kaffeelöffel - Eine Fahrt mit der Linie 9 (9)

1) Die Uhr wird geputzt
2) Rein in die Wassersenke
3) Dosenpfand und kleine Finger

4) Grüß mir den Kartoffelbrei
5) Lange Straße - Dauerbrot
6) Grau in den Speckgürtel
7) Verlust der Sieben
8) Bothfelder Zahlenmagie

Es gibt Tricks, sich zu überlisten. Manche brauchen sie nicht, aber ich. Manchmal mag ich nicht abwaschen, prokrastiniere, bis ich kein sauberes Geschirr mehr habe. Dann ist es unumgänglich zu spülen, aber der Berg von Geschirr und Besteck schreckt mich ab. Vor mir das Spülbecken, und darin so viele Teile, die gespült werden wollen. Da möchte ich am liebsten gleich wieder aufhören. Dann stelle ich mir vor, dass ich für jedes Teil, das ich abwasche, den doppelten Betrag von x bekomme, also 1+2+4+8+16 usw. Wenn die letzten Löffel abzuwaschen sind, bringt mir jeder Löffel, den ich noch aus dem Spülwasser fische, bereits mehr Millionen, als ich überhaupt haben will, ich werde beim Spülen steinreich. Dann bin ich froh, wenn die Belohnung in realistischen Dimensionen bleibt. Bei 27 Teilen habe ich bereits über 67 Millionen. Wie will das Leben eine solche Verheißung wahr machen? Vom Tellerwäscher zum Millionär, das ist, was mich betrifft, unerreichbar.

Stell dir vor, du bist ein humanoider Außerirdischer und hast dich auf eine interstellare Reise begeben, willst dir das Sonnensystem der Erde ansehen. Das liegt weit draußen im Spiralnebel. Du hast aber nur eine Karte für Zone 1 gelöst, also für das Zentrum unserer Milchstraße. Dich erwischt ein galaktischer Kontrolleur, du kannst nicht nachzahlen, da setzt er dich einfach vor die Tür, nämlich auf der Erde ab. Um die Rückfahrkarte zu deinem Heimatplaneten bezahlen zu können, musst du den Gegenwert von etwa 67 Millionen Euro verdienen.

Was könnte man dir raten? In welcher Branche könntest du rasch 67 Millionen Euro verdienen? Ehrliche Arbeit kommt da nicht in Frage. Du müsstest schon Finanzspekulant werden oder ein Finanzberatungsunternehmen gründen wie Carsten Maschmeyer seinen Allgemeinen Wirtschaftsdienst (awd). Er besitzt gut 10 mal soviel und könnte eine interstellare Fahrkarte für die Spiralnebelzone 2 locker bezahlen, macht es aber nicht. Inzwischen ist er derart integriert in ein machtvolles Netzwerk, befreundet mit Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder, Bild-Chefredakteur Kai Diekmann und Bundespräsident Christian Wulff, einen „Shootingstar“ nennt die Süddeutsche ihn. Warum sollte er das aufgeben?

Ich habe nachgesehen, wohin die Linie 7 jetzt fährt. Wem wurde die Glück verheißende Sieben zugeleitet? Kurz hinter der Bothfelder Weiche, wo Linie 7 und Linie 9 sich trennen, stehen linker Hand die Bürohochburgen von HDI Gerling und dem awd. HDI/Gerling gehört zur Talanx Versicherungsgruppe, und der wiederum gehören Anteile an der Swiss life, der jetzigen Eigentümergesellschaft des awd, an der Maschmeyer beteiligt ist.

Leere BahnDie Bahn ist an der Endhaltestelle der Linie 7 völlig leer. Inzwischen ist es dunkel, aber in den Büros von HDI/Gerling und in der awd-Zentrale brennt noch Licht. Der Tausch der Linien 9 und 7 scheint plausible Gründe zu haben. Doch könnte man nicht plausible Gründe für jede Änderung des Linienplans finden? Vielleicht sind sie nur vorgeschoben und dahinter steckt etwas ganz anderes, die abergläubische Marotte eines Glücksritters und Finanztycoons. Angenommen Maschmeyer wollte die Linie 7 haben, damit sie an seinen Gelddruckmaschinen vorbeifährt, hätte die ÜSTRA diesem Ansinnen widerstehen können? Wohl kaum. Was weiß ein einfacher Fahrgast der Stadtbahn schon über die wahren Gründe städtebaulicher oder verkehrspolitischer Entscheidungen. Seine Welt wird von mächtigen Netzwerken gestaltet, und selbstsüchtige Entscheidungen der Mitglieder dieser Netzwerke werden ihm als Sachzwänge verkauft, dem Allgemeinwohl verpflichtet. Was diese Welt zusammenhält, ist die Lüge, und das ist so wahr wie mein 27. Löffel keine 67 Millionen Euro wert ist.

E N D E

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3258 mal gelesen
Olga Oblomow (Gast) - 16. Jan, 17:39

Vielen Dank, lieber Herr Jules, es war sehr schön mit Ihnen auf diese wundervolle Reise zu gehen! Ich habe den letzten Teil schon gespannt erwartet und möchte Sie beruhigen, denn Sie müssen von der gigantischen Reise ja noch ganz rasend sein. Ich denke, zum Ende hin ist Ihre Fantasie ein wenig mit Ihnen durchgegangen. Zum Glück habe ich kühlen Kopf bewahrt und herausgefunden: Auch auf der neuen Linie 7 gibt es viel Gutes - Und wenn es noch nicht so ist, dann wird es dank der neuen Linie 7 bald entsehen. Sie sehen das eindeutig zu pessimistisch!

Ich kann das Ärgernis der Bewohner gut verstehen. Wenn man die Linie 7 in meiner Stadt einfach umbenennen würde, wäre meine Ordnung erst mal gewaltig gestört. Wenn du magst, können die Bewohner, solange bis in deiner Stadt wieder Ordnung hergestellt ist, die Linie 7 in meiner Stadt nutzen. Die Häuser, Bäume, Vögel und Menschen sind alle genau da, wo sie hingehören und freuen sich immer über Besuch.

An der Frage „Was die Welt im Innersten zusammenhält“ ist ja schon Faust gescheitert. Nach Goethe ist es Liebe und Hass. Nur das Spannungsfeld der Gegensätze kann Leben ermöglichen und es vorantreiben.


Einen angenehmen Abend wünscht Ihnen herzlichst
O.O. o:-)

P.S. Nur für den Fall, dass der Kontrolleur mal 67 „Millionen“ Euro von Ihnen verlangt: Rufen Sie Ihre Freunde an, die bringen Sie ganz umsonst zurück nach Hause - und zwar mit dem Auto!

Trithemius - 16. Jan, 19:00

Freut mich, dass Sie mitgefahren sind, liebe Frau Olga. Auch wenn der Text fahrplanmäßig abläuft, so klaffen reale Erzählzeit und erzählte Zeit weit genug auseinander, dass ich sogar manches Teilstück noch überschlafen konnte. Die Fahrt habe ich übrigens zweimal gemacht, weil ich erst beim Schreiben merkte, welche Informationen mir fehlen oder wo in Bothefeld ich mich nicht genau genug umgeschaut hatte. Und beim 2. Mal hatte ich sogar eine Fahrkarte in die Randgebiete meines Universums.

Ich würde ja an der Bothfelder Kirche gerne dein freundliches Angebot plakatieren, ich weiß aber nicht, wohin ich die Leute schicken soll, wenn sie mal wieder mit einer Linie 7 fahren wollen. Vermutlich ließe Frau Kircvhenvorstand mich aber sowieso nicht, da sie mit Recht einwenden würde, die Bothfelder könnten jederzeit an der Brücke in die Linie 7 steigen und zu Maschmeyers Tempel fahren.

Mir gefällt, wenn mir die Phantasie durchgeht. Manchmal kann ich nur über Dauerbrot, Kekse, Russisch Brot und so'n Zeug schreiben. Mag sein, dass es am wechselhaften Spannungsverhältnis liegt, das ja im Leben mal niedrig, mal hoch ist.

Ebenfalls einen schönen Abend wünscht,

J.v.d.L.

P.S.: Sowas mache ich nicht gerne, besonders wenn ich aus eigener Schuld in der Ferne gestrandet bin.
Olga Oblomow (Gast) - 16. Jan, 22:36

Danke, lieber Herr Jules, für den Link. Da bekomme ich ganz seltsame Gelüste; Dinge auf das Russische Brot zu schmieren, um dann zu legen: "TATA!" (There are thousands of alternatives!) – Würde auch auf die Kirche wunderbar passen :-)
*Guts Nächtle!***
O.
Trithemius - 16. Jan, 23:13

Ja, ein toller Spruch für den Kirchturm, besonders wenn er aus mit ? beschmiertem Russisch Brot übers Portal geklebt wäre. :-) Das würde die Don Kosaken auch freuen.

Danke, gleichfalls, liebe Frau Olga!

J.
Olga Oblomow (Gast) - 18. Jan, 22:44

:DDD Eine sehr schöne Vorstellung! Aber, lieber Herr Jules, wäre es Ihnen überhaupt recht, die Don-Kosaken, deren Frauen und Gefährten in Ihrem Teppichhaus als Besucher zu empfangen?
Lieben Gruß
Olga
Trithemius - 18. Jan, 23:21

Huch, die Kosaken kommen? Aber warum denn. Ich habe doch keinen Kirchturm, sondern ein Teppichhaus. Und ich glaube, meine Teppiche sind nichts für den Kosak, obgleich ich mich durchaus für russische Folklore interessiere, wie sie z.B beschrieben ist in dem wunderbaren Buch von Andrej Sinjawskij "Iwan der Dumme - Vom russischen Volksglauben".

Ich würde es Ihnen empfehlen, liebe Olga, aber Sie lesen ja nicht gern dicke Bücher.

Lieben Gruß
Jules
Olga Oblomow (Gast) - 19. Jan, 18:33

Ihre Verwunderung überrascht mich ein wenig. Ist doch klar, dass die fette Beute wittern, wenn Sie denen das beschmierte Russische Brot vor die Nase halten. Mensch, das sind Krieger: die haben Hunger! Ich an Ihrer Stelle, würde denen lieber geben, nach was sie verlangen - Hey, und wenn die satt sind, servieren Sie denen noch einen Tee (oder Vodka) und dann erzählen die Ihnen bestimmt russische Folklore ohne Ende.

Auch ich habe meine Tricks, lieber Jules - Eine Säge. Ritsch, ratsch und das dicke Buch ist nur noch halb so dick... oder drittel oder viertel oder...ritsch, ratsch, ritsch, ratsch ;P

Lieben Gruß
Olga
Trithemius - 19. Jan, 19:07

Na gut, Hauptsache die Don-Kosaken wollen mir nichts vorsingen.

Ihr Trick, liebe Olga, interessiert mich. Sägen Sie längs, quer oder im Kreuzschnitt? Versteht man noch, wovon im Buch die Rede ist, wenn man bespielsweise nur die Ecken unten rechts zu lesen hat? Oder sägen Sie im Buchrücken, machen aus dem Buch quasi Lagen?

In jedem Fall ziehe ich auch die dünnen Bücher vor.

Liebe Grüße
Jules
Olga Oblomow (Gast) - 20. Jan, 18:38

Das ist eine sehr interessante Frage, mein lieber Jules. Für mich war immer klar, ich säge Lagen und lese dann nur die untere rechte Ecke. Also, beginnend von der rechten Buchseite mittig bis hin zum Winkel. So schaffe ich sogar acht Seiten am Tag - ganz schön schlau, was? Leicht erschließen sich die fehlenden Leerstellen beim unnützen Abhängen, wie ich das den Rest des Tages mache. Es kann natürlich sein, dass mein Buch, dann etwas von den Intensionen des Autors abweicht, aber das ist mir im Prinzip egal. Das ist je nach Leser unterschiedlich, der Abweichungsgrad berechnet sich aus der Intuition und dem Hintergrundwissen des Interpreten.
So habe ich bereits um die hundert Bücher erdacht. Welcher echte Autor kann das von sich behaupten.
Wenn ich nur die untere rechte Hälfte absägen würde, also quer sägen, würde ich das Buch vermutlich nicht lesen, da es immer noch zu dick wäre.

In Ihrem Fall hätte ich das nicht gedacht. Sägen Sie dicke Bücher etwa auch klein?

Liebe Grüße
Olga
Trithemius - 21. Jan, 12:38

Tatsächlich hatte ich mal die Fantasie, mit einer feinen Motorsäge die Bücher in einem Regal allesamt längs durchzusägen, aber die oberen Hälften stehen zu lassen, so dass ein argloser Bibliotheksbesucher, der ein Buch herausnehmen will, nur die obere Hälfte bekommt. Irgendwo in einem meiner Tagebücher steht die Idee, aber den Beweis kann ich nicht antreten, liebe Olga. Mein Ziel war aber nicht identisch mit Ihrer Form, ein dickes Buch lesbar zu machen. Ich bin sicher, Ihre Methode ist effektiv und sinnstiftend. Ich selbst halte es lieber mit dünnen Büchern. Wenigstens das kann ich beweisen:
//abcypsilon777.blog.de/2006/09/28/abendbummel_online_wirsch_liesen~1169499/

Liebe Grüße
Jules
Olga Oblomow (Gast) - 23. Jan, 11:30

Vielen Dank fuer diese Fantasie, lieber Jules. Was wollten Sie bei den Bibliotheksbesuchern damit erreichen? Ausleihen wollten die das Buch in diesem Zustand sicher nicht mehr.
Am Wochenende stand ich auch vor solch einem Buechertempel, hab mir dann aber woanders ein duennes Buch gekauft. Ich lese zwar nicht solche duennen Buecher wie Sie, aber ich bin mir sicher Ihre Methode ist mindestens genauso effektiv und sinnstiftend.
Ganz lieben Gruss
Olga
Trithemius - 23. Jan, 18:27

Ich fürchte, die reine Bosheit ist der Quell dieser Fantasie, liebe Olga, wie man jemanden zum Mond schießen möchte oder RTL sprengen usw.

Was steht denn drin in Ihrem dünnen Büchlein?

Fragt mit lieben Grüßen
Jules
Olga Oblomow (Gast) - 23. Jan, 20:44

Ich hab ganz vergessen, dass ich es hier mit einem Teufelchen zu tun habe }:-)
Sie haben doch nicht etwa schlechte Laune, lieber Jules? In meinem Buechlein steht eine fuerchterlich schnulzige Liebesgeschichte. Wenn Sie gerne mal ein Buch fuer die Frau lesen moechten, wuerde ich es Ihnen direkt empfehlen; ist naemlich "Gut gegen Nordwind".
Ganz liebe Gruesse
Olga
Trithemius - 23. Jan, 21:14

Das habe ich nicht gesagt, sondern dass man im Rheinland so sagt. Wenn ich zuviel in den Medien mich umschaue, dann kriege ich immer schlechte Laune, liebe Frau Olga.

Leider habe ich noch nie ein Buch für Frauen lesen wollen, aber auch keins, das ausdrücklich für Männer geschrieben wurde. "Gut gegen Nordwind" ist ein E-Mail-Roman, habe ich gelesen, also auf der Höhe der Zeit.

Viel Vergnügen beim Lesen
Jules
Olga Oblomow (Gast) - 23. Jan, 22:56

Ich bin ganz aufgewuehlt, lieber Jules. Treffen sie sich nun, oder nicht? Ein offenes Ende? Das geht doch nicht! Sagen Sie, lieber Herr Jules, haben Sie den zweiten Teil etwa auch noch gelesen? Dann wissen Sie es schon? Oh, sagen Sie es mir, bitte!
Zum Glueck habe ich keinen Fernseher, muss mich also auch nicht so stark aufregen. Aber bei kika laufen ganz schoen paedagogisch wertvolle Geschichten, wie diese hier:
//m.youtube.com/index?desktop_uri=%2F%3Fgl%3DDE%26hl%3Dde&hl=de&gl=DE#/watch?xl=xl_blazer&v=l9MUK8-r9fg

Lieben Gruss und schlafen Sie gut!
Olga
Trithemius - 24. Jan, 10:59

Ein kleines Missverständnis, liebe Olga. Ich habe das Buch nicht gelesen, sondern nur im Internet gelesen, dass es sich um eine E-Mail-Geschichte handelt.
Olga Oblomow (Gast) - 24. Jan, 20:51

Ach, lieber Jules, da ist mir die Anaphorik von „habe ich gelesen“ durchgegangen. Zu meiner Entschuldigung muss ich sagen, ich lag fiebrig im Bett. Und doch ist es schade, dass Sie mir nicht weiterhelfen können, da ich den zweiten Teil nicht lesen mag. Das Buch ist nicht schlecht, nimmt einen emotional mit und enthält tatsächlich ein paar schöne Gedanken, aber noch mal 200 Seiten um die Frage, treffen sie sich oder treffen sie sich nicht, hält meine Geduld nicht aus. Am liebsten mag ich Hermann Hesse, Kafka, Thomas Mann und Nietzsche, aber auch Büchner, Eichendorff, Musil und Novalis liebe ich. Und wenn ich mal keine Lust zu denken habe, lese ich schnulzige Liebesgeschichten; das tut gut. Was steht denn in Ihren dünnen Büchlein drin?
Vlg, Olga
Trithemius - 24. Jan, 22:32

Meine Schuld. Ich sollte mich genauer ausdrücken, denn es kann ja immer mal jemand mit Fieber im Bett liegen. Gute Besserung!
Paul Duroy (Gast) - 16. Jan, 19:28

''Wer schreibt, der bleibt'', so beginnt dein Aufbruch in das hannover(i?)sche Umland und es zeigt sich im Verlaufe dieses roadmovies in 9 Teilen: dem ist nicht so.

Denn wer schreibt, der bricht auf (im wahrsten Sinne des Wortes) und selbst wenn er in seiner Stube sitzen bliebe (was du ja nachweislich nicht tust), er begibt sich auf einen Weg...wortwaerts. Und er fuehrt die Woerter und laesst sich zugleich von ihnen fuehren und verfuehren...wortwaerts.

Aber ich will mich wieder mehr in Textnaehe begeben und hervorheben, wie genial es ist, dass du von allem Anfang an (zumindest will ich es so gelesen haben), keine Rechtfertigung und keinen besonderen Anlass fuer deinen Aufbruch ins ungewisse Hannover gibst. Du laesst dich treiben und fragst dich nicht voellig ueberfluessig wie ich es einst tat, ob ein Flaneur noch dann Flaneur ist, wenn er zusaetzlich zu seinen zwei mehr oder minder gesunden Fueßen noch die oeffentlichen Verkehrsmittel in Anspruch nimmt. Sondern du faehrst eben drauf los und beschreibst, ohne Zielvorgabe, ohne hohen Effizienzanspruch auf etwas wie Erkenntnis, du beschreibst und doch hat man das Gefuehl, man hat unglaublich viel gelernt und gesehen...

Man bekommt dann nicht eindeutig vorgekaut, ob zB die Einwohner von Bothfeld so gelangweilt sind im Ennui ihres Speckguertels, dass sie sich ueber die numerische Umbennung eines Verkehrsmittels erregen oder aber nicht vielleicht doch tiefere Zusammenhaenge wittern und zurecht trotzig dagegenhalten (das berechtigte Agieren gegen Sachzwaenge).

Das inspiriert mich selbst dazu, mich wieder des Oefteren wortwaerts treiben zu lassen...begib dich bald wieder auf Reisen, denn hier hast du auf einer Fahrt in die Region doch eine Weltreise geschildert. Und ich moechte mehr davon lesen...

Trithemius - 16. Jan, 20:22

Dein Kommentar, lieber Freund, ist eine Rezension, aus der ich wiederum sehr viel gelernt und abgelesen habe. Es ist hilfreich, etwas über die Wirkung eines eigenen Textes zu erfahren. Mir geht es da wie dem Maler, der darüber erstaunt ist, was ein Laudator über sein Werk sagt. Das sich treiben lassen, von den Wörtern "führen" und "verführen" lassen, birgt ja immer Überraschungen und Verlockungen. Vielleicht bin ich auf einem Gleis gefahren, um diesen Verlockungen zu widerstehen. Ich bin wohl auch begeistert von dem technischen Kunstwerk "Stadtbahn". Mich interessiert wie die Hardware beschaffen ist, aber auch die Software und besonders die Contents, die Kommunikation über das Scheinennetz. Neben der menschlichen Kommunikation gibt es ja auch die der Bakterien und Viren, die über die Haltegriffe der Stadtbahn auf die ganze Stadt verteilt werden, was auch ein Effekt des globalen Verkehrsnetz Schiff und Flugzeug ist.

Daher, lieber Paul, muss man mich nicht überreden, ähnliche Reisen zu machen. Nur so, aus reiner Neugier. Weil wir wissen wollen, was es an der Endhaltestelle Besonderes gibt. Das gibt neue Nachrichten aus den nur unscharf berechenbaren Randzonen.

Herzlichst
Jules
Mimiotschka - 16. Jan, 19:51

Bis zu einer Endhaltestelle bin ich bisher nur mit der Linie 5 gefahren. Die endet in Anderten. Einfach so drauf losfahren tue ich eher selten. Einmal bin ich aber mit der Buslinie 200 durch die Stadt gefahren. Das hat den Vorteil, dass er nur überirdisch fährt und man so mehr von der Umgebung sieht, jedenfalls in der Innenstadt.

Eigentlich wundert es mich, dass sich Herr M. mit der popeligen 7 zufrieden gibt und nicht auf einer 7.000.000 bestanden hat. Naja, vielleicht wird dafür der Maschsee umbenannt.

Es war sehr schön mit dir unterwegs zu sein. Ich hoffe, dass es bald eine Fortsetzung gibt.

Einen zauberhaften Abend,
Mimiotschka

Trithemius - 16. Jan, 20:29

Was gibts denn so in Anderten, liebe Mimiotschka?
Die Runde mit der 200 will ich dir schon immer mal nachmachen. Und deine Frage erheitert mich sehr. Vielleicht hat man Maschmeyer klar gemacht, dass die Linien-Anzeigetafel der Bahnen nicht breit genug ist für solche Summen. Die können schließlich kein digitales Brett vor sich hertragen, damit passen sie nicht mehr in die Tunnel.

Ich danke für die zauberhafte Begleitung!

Lieben Gruß
Jules
Mimiotschka - 16. Jan, 21:21

Wenn man an der Endhaltestelle Anderten aussteigt, ist es nicht weit bis zur Hindenburgschleuse. Das allein ist schon eine Reise wert. Aber ich war dort, weil eine sehr gute Freundin dort wohnte.
Trithemius - 16. Jan, 21:32

An der Schleuse Anderten war ich bislang nur mit dem Fahrrad, sie ist wirklich spektakulär.
//abcypsilon777.blog.de/2009/04/01/title-5872672/
walhalladada - 16. Jan, 22:48

Der Mensch spült nur, wo er in voller Bedeutung des Wortes Mensch ist, und er ist nur da ganz Mensch, wo er spült." -

(Friedrich Schiller)

Trithemius - 16. Jan, 23:06

Spülerisch leicht ...

der wahre Homo Ludens.
Videbitis (Gast) - 17. Jan, 18:05

Null null neun - wie klingt das? Nach zweiter Wahl - das kann der Herr doch auf keinen Fall auf sich sitzen lassen. 007 weckt da viel kernigere Assoziationen.

Ob du mit dem Fahrrad von Hannover nach Aachen fährst oder mit der Üstra einmal durch die Stadt - die Erzählung davon gelingt Dir immer großartig, mit Spannung habe ich auf jede Fortsetzung gewartet und dann mit viel Vergnügen gelesen. Ich wette, wenn Du beschreiben würdest, daß Du in den Keller gehst und zurück in Deine Wohnung, es würde eine höchst lesenswerte Geschichte daraus. Schade, daß diese 'schon' zu Ende ist, aber es folgen ja vielleicht (hoffentlich) noch mehr Reisen in die unscharf berechenbaren Randzonen.

Trithemius - 17. Jan, 18:59

Du hast Recht. Und nur silberne Bahnen, bitte.

Vielen Dank für dein freundliches Lob und dafür, dass du mitgefahren bist. Es ist auch ein Verdienst der Stadt Hannover, wenn dir die Reise gefallen hat. Sie bietet viel Stoff, und egal wieviel ich schreibe, es bleibt noch immer einiges unerzählt. Deine Stadtreportagen von Köln zeigen das auch. Ich glaube, wenn man kein Einheimischer ist, du nicht in Köln und ich nicht in Hannover, guckt man mit mehr Neugier hin als die meisten Einheimischen. Was sie quasi mit der Muttermilch aufgesogen und kontinuierlich erweitert haben, das kriegt man ja als Zugezogener in geballter Form präsentiert. Man kann das nie gänzlich aufholen, aber wir arbeiten daran.

Ich habe jedenfalls beim Schreiben eine Menge gelernt, über meine neue Heimatstadt. Etwas Ähnliches werde ich gewiss bald machen, wo du mich so schön motivierst.

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